The Project Gutenberg EBook of Rbezahl, by Rosalie Koch

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Title: Rbezahl
       Neue Sammlung der schnsten Sagen und Mrchen von dem
       Berggeiste im Riesengebirge

Author: Rosalie Koch

Illustrator: P. Mohn

Release Date: November 6, 2011 [EBook #37940]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

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Produced by Jens Sadowski





Rbezahl.

Neue Sammlung
der
schnsten Sagen und Mrchen

von dem

Berggeiste im Riesengebirge.

Von
Rosalie Koch.

Zehnte Auflage.

Mit Illustrationen in Farbendruck und in Holzschnitt
nach Originalen von
Professor P. Mohn.

Berlin.
Winckelmann & Shne.




Inhalt.


Einleitung
Woher Rbezahl seinen Namen hat
Der Krutersammler
Die Musterreiter
Der Meckerfriede
Die Anleihe
Der Wundertaler
Der Goldmacher
Rbezahl straft einen Sptter
Die Percken
Mutter Else
Glcks-Mnnlein
Die drei besten Menschen
Der bse Vogt
Rbezahl straft einen Unwissenden
Wie Rbezahl vor Prellerei warnt
Rbezahl betrgt die Geldmkler
Die Springwurzel
Der gefundene Esel
Der Spieler
Rbezahl und der Schneider
Rbezahl und der lgenhafte Knecht
Der reiche Bcker
Das Zauberbuch
Wie Rbezahl einem Bauer hilft
Der kleine Peter
Die Reise nach Karlsbad
Wie Rbezahl die bertretung seiner Gesetze bestraft
Das Rad
Wie Rbezahl sich eines armen Studenten annimmt
Wie Fischbach durch Rbezahls Hilfe erbaut worden
Rbezahl macht einem Frster einen Zopf
Der alte Schfer
Die drei Tischlergesellen
Wozu es ntzt, schweigend Unrecht zu ertragen
Der Wanderstab
Die gefrbten Badegste
Der verzauberte Stab
Der bse Edelmann
Grnmantel
Rbezahl. Schauspiel in einem Akt








Einleitung.


Das Riesengebirge, das euch, meine jungen Freunde, aus der geographischen
Lehrstunde wohl bekannt ist, ja welches einzelne von euch schon besucht
haben, ist derjenige Teil der Sudeten des preuischen Staates, wo sie am
hchsten und engsten verbunden sind und Schlesien von Bhmen und Mhren
scheiden. Die hervorragenden Spitzen derselben sind von ansehnlicher Hhe,
die Riesen-, auch Schneekoppe genannt, welche 1605 m ber dem Meeresspiegel
liegt; ferner der Reiftrger, das hohe Rad und die Sturmhaube; auch haben
starke Flsse, z. B. die Elbe und der Bober, ihren Ursprung zwischen
felsigen Hhen. -- Dort nun war ehemals der Aufenthalt eines mchtigen
Berggeistes. Sein Gebiet umschrieb auf der Oberflche des Riesengebirges
nur wenige Meilen, breitete sich aber im Innern desselben desto weiter und
tiefer aus. Der Gnom herrschte oft jahrhundertelang still in seinem
unterirdischen Reiche, und erhob sich nur selten auf die Oberwelt, um dort
sein Wesen zu treiben.

Zur Zeit, als noch kein menschlicher Futritt das verkmmerte Knieholz und
die sprliche Vegetation der Berge betrat, ehe die Gegend bewohnt war,
begngte sich der Herr der Riesenberge damit, wilde Tiere aufeinander zu
hetzen, oder sie aus ihrem Lager aufzuschrecken, und sie in wilder Jagd
durch das Gehlz zu treiben.

Als er aber nach langer Zeit wieder einmal das Tageslicht der Oberwelt
aufsuchte, fand er zu seinem Erstaunen alles so sehr verndert, da er fast
sein eigenes Gebiet nicht wiedererkannte. Grnes Saatenfeld erhob sich, wo
frher ein finsterer Wald gestanden hatte, und auf Wiesen weideten Schafe
und Rinder, unter der Obhut singender Hirten und schtzender Hunde. Da
lagen einzelne Htten in den Tlern, aus deren Schornsteinen der Rauch
lustig emporstieg und vor deren Tren muntere Kinder spielten, mit
frhlichem Geschrei. Der Gnom wunderte sich nicht wenig ber diese neuen
Erscheinungen; seine grte Aufmerksamkeit aber erregten die Gestalten der
Menschen, die er nie zuvor gesehen hatte. Seine Neugier ward rege, und er
beschlo, diese fremden Wesen nher kennen zu lernen, indem er ihre Gestalt
annahm und einige Zeit unter ihnen lebte.

Zuerst trat er als Knecht in die Dienste eines Landwirtes und verrichtete
seine Arbeit aufs beste. Was er unternahm, das gelang, und er schaffte
seinem Herrn so groen Nutzen, da dieser leicht ein reicher Mann htte
werden knnen. Aber er war ein Verschwender und verjubelte leichtsinnig
alles, was der fleiige und geschickte Knecht erwarb, dem er fr seine
treuen Dienste nicht einmal dankte. Darber ward denn der Berggeist
rgerlich und suchte sich einen andern Herrn, bei dem er sich als Schafhirt
vermietete. Und wieder gedieh unter seiner Aufsicht die Herde aufs beste;
kein Schaf erkrankte, keins zerri der Wolf, solange der Gnom sie htete.
Aber der Herr war ein Geizhals, der niemals genug hatte, dem treuen Knechte
kaum satt zu essen gab und ihm, so oft er konnte, den bedungenen Lohn
verkrzte. Darum ging dieser auch bald wieder aus diesem Dienst und kam als
Gerichtsdiener zu einem Amtmann. Er versah auch diesen Dienst mit allem
Eifer, und in kurzer Zeit war im ganzen Kreise kein Dieb oder Straenruber
mehr zu finden. Als aber der Berggeist sah, da der Amtmann ein ungerechter
Richter war, der sich durch Geschenke und Schmeicheleien bestechen lie,
mochte er ihm nicht lnger dienen und lief davon. Da er nun durch Zufall an
lauter schlechte Menschen geraten war, glaubte der Gnom, da sie alle nicht
anders wren, und ohne Lust, weitere Proben davon zu machen, nahm er sich
vor, so weit sein Gebiet reichte, die Menschen zu necken und zu plagen,
damit sie sich wenigstens aus dieser Gegend entfernen sollten. Spter
freilich sah er auch diesen Irrtum ein und lernte manchen tugendhaften und
guten Menschen kennen und schtzen und hat denn auch, wie wir sehen werden,
mit seinen Zauberknsten manchem armen Schelm aus der Not geholfen.

Wenn er nun wieder von Zeit zu Zeit die Oberwelt besuchte, neckte er die
Reisenden und mischte sich in ihre Geschfte. Er leitete die Fremden irre,
die sein Gebiet betraten oder trieb Regenwolken zusammen, um sie durch
Sturm und Gewitter zu erschrecken. Er stellte oft in der desten Gegend ein
Wirtshaus, oder einen wundervollen Palast auf und ffte die hungrigen und
ermdeten Wanderer auf alle Weise damit. Wenn betrgerische Rotuscher
sein Gebiet betraten, zeigte er sich nicht selten auf einem schnen Pferde
als ein vornehmer Herr; lieen sie sich nun verleiten, ihm das Ro
abzukaufen und ritten weiter damit, so verwandelte es sich nach kurzer Zeit
in einen Strohwisch. -- Traf er dagegen einen unbemittelten Edelmann, der
auf einem mageren Klepper traurig durch das Gebirge ritt, so kam er ihm
wohl als ein stattlicher Reiter entgegen, lie sich in irgend ein Gesprch
mit ihm ein, und suchte ihn zu irgend einer Wette zu veranlassen. Er selbst
verlor dann, und gab dem glcklichen Gewinner sein schnes Pferd, steckte
ihm auch wohl noch heimlich eine Rolle mit Gold in die Tasche.

Solche Vorflle wurden aber bald bekannt, und lockere Burschen oder
Abenteurer, die davon hrten, suchten nun die Wohlttigkeit des Berggeistes
auf hnliche Weise in Anspruch zu nehmen. Aber da wurden sie empfindlich
getuscht; wenn sie auch glcklich das Pferd erlisteten, so verwandelte es
sich doch bald genug in einen drren Stock, auf dem sie immer weiter
ritten, ohne es zu bemerken und zum Gesptt in Stadt und Land wurden, wohin
sie kamen.

So trieb er sein Wesen oberhalb des Gebirges, bald als neckender Spuk, bald
als Wohltter der Armen, je nachdem seine Laune eben war. Die Mrchen,
welche ber den Berggeist Rbezahl noch im Munde des Volkes fortleben,
findet ihr, meine jungen Leser, hier grtenteils gesammelt und neu
bearbeitet. Die Autoren, von denen ein Teil derselben entnommen worden,
sind: _Musus, Lehnert_ u. a. m.





Woher Rbezahl seinen Namen hat.


Unsichtbar schlich der Berggeist einmal von seinem Felsen ins Tal hinab,
und lustwandelte zwischen grnem Gestruch und blhenden Hecken. Da
gewahrte er die Gestalt eines beraus lieblichen Mdchens, welches die
Tochter eines Frsten war, der im schlesischen Gebirge herrschte, und die
sich mit ihren Gespielinnen ins Gras gelagert hatte. Sie pflegte oft mit
den Jungfrauen ihres Hofes in diesen Bschen zu lustwandeln, fr ihren
Vater Erdbeeren zu pflcken oder Wohlgeruch duftende Kruter und Blumen zu
sammeln. Ei, dachte der Berggeist, dies schne, heitere Wesen wr' eine
gar erfreuliche Gesellschaft in meinem einsamen Reiche, -- und alsbald
entfhrte er als ein Sturmwind die schne Emma, indem er die Augen der
Gespielinnen durch Staub und Sand blendete, die nun mit ihrem Wehklagen
Berg und Tal erfllten und ohne Unterla nach der geraubten Prinzessin
suchten.

Der Knig, ihr Vater, war sehr betrbt darber, nahm die goldene Krone von
seinem Haupte und verhllte sein weinendes Angesicht in den Purpurmantel.

Am traurigsten aber war die Prinzessin selbst, als sie sich pltzlich in
dem Palaste des Berggeistes befand, den er im Augenblicke aufgebaut und mit
soviel Reichtum und Glanz ausgeschmckt hatte, wie es die Knigstochter
selbst am Hofe ihres Vaters nicht gesehen. Sie selbst war auf das
kostbarste gekleidet, und eine ganze Reihe Kisten und Schrnke standen mit
allerlei Putz und Schmuck fr sie angefllt. Ein schner Lustgarten umgab
den Palast von drei Seiten, die Obstbume darin trugen purpurrote und
goldene Frchte, und auf den Rasenpltzen, die von den seltensten Blumen
eingefat waren, lag der erquickendste Schatten. Der Berggeist, bemht, da
es seinem schnen Gaste gefallen solle, ernannte die Prinzessin zur
unumschrnkten Herrin dieser Besitzung und folgte jedem ihrer Winke wie
einem Befehl. Aber bei alledem fhlte sich Emma doch unglcklich, denn sie
sehnte sich nach ihrem Vater und ihren Gespielinnen zurck.

Der Gnom bemerkte bald die Traurigkeit der holden Prinzessin und dachte: Es
mangelt ihr nur an Unterhaltung, denn der Mensch ist an Geselligkeit
gewhnt, gleich der Biene und Ameise. Und flugs ging er hinauf aufs Feld,
zog auf einem Acker ein Dutzend Rben aus, legte sie in einen zierlich
geflochtenen Korb und brachte sie der Prinzessin.

Holde Erdentochter, redete er sie an, du sollst nun nicht lnger einsam
sein; in diesem Korbe ist alles enthalten, was du bedarfst, um diesen
einsamen Ort zu beleben. Nimm diesen kleinen, buntgeschlten Stab, berhre
eine dieser Rben damit und gib ihr diejenige Gestalt, welche dir gefllt.
Darauf verlie er die Prinzessin.

Diese zgerte keinen Augenblick, von dem Zauberstabe Gebrauch zu machen.
Brinhild! rief sie, meine liebe Brinhild, erscheine! und alsbald
umschlang die Gerufene ihre Knie und liebkoste die holde Gebieterin mit
Trnen der Freude. Emma berlie sich nun ganz dem Glck, ihre liebste
Gespielin um sich zu haben; sie lustwandelte Hand in Hand mit ihr durch den
Garten, brach von den kstlichsten Frchten fr sie, dann zeigte sie ihr
die schnen Kleider, die Ketten und Spangen von Gold und Edelsteinen und
verga ber Brinhildes Bewunderung fast allen Harm.

Nun verwandelte Prinzessin Emma auch noch die brigen Rben durch den
Zauberstab, so da sie wieder ihre Kammerfrauen und sogar ihre Cyperkatze
und ihr Hndchen um sich hatte. Wie sie so ihren alten Hofstaat um sich
versammelt sah, war sie wohl zufrieden mit dem Berggeiste und zeigte ihm
zum erstenmale ein freundliches Gesicht. Aber ihr Glck war von kurzer
Dauer, denn nur zu bald bemerkte Emma, da die blhende Gesichtsfarbe ihrer
Gesellschafterinnen erbleichte und sie nur noch die einzige frische Rose
unter den abwelkenden Jungfrauen war. Ja eines Morgens, als Emma klingelte,
kamen an Stben und Krcken statt der Kammerfrauen lauter alte Matronen ins
Zimmer gehumpelt, die zitterten und husteten, da es traurig anzusehen war;
das Lieblingshndchen selbst lag im Verscheiden, und die Cyperkatze konnte
nicht mehr kriechen vor Schwche. Bestrzt verlie die Prinzessin diese
unheimliche Gesellschaft, trat auf den Sller hinaus und rief den Gnom, der
auch sogleich erschien.

Was hast du mit meinen Gespielinnen und Kammerfrauen gemacht, boshafter
Geist! redete sie ihn zornig an; mignnest du mir diese einzige Freude
in der schrecklichen Gefangenschaft, in der du mich hltst? Wenn du ihnen
nicht sogleich Jugend und Wohlgestalt zurckgibst, will ich nicht aufhren,
dich mit meinem Ha zu verfolgen, und nicht eher sollst du mein Angesicht
sehen.

Zrne nicht, bat der Berggeist, ich kann das Unmgliche bei aller meiner
Kraft nicht erfllen. Solange noch Saft in den Rben war, konntest du durch
den magischen Stab ihr Pflanzenleben nach deinem Gefallen verwandeln, nun
dieser aber vertrocknet ist, mssen die verwandelten Gestalten nach den
Gesetzen der Natur verwelken, die ich nicht abndern kann. Aber bekmmere
dich deshalb nicht zu sehr, schne Emma, ich will dir sogleich andere Rben
bringen, mit denen du deinen Hofstaat schnell wieder ersetzen kannst. Gib
indes der Natur ihre Geschenke wieder zurck.

Der Gnom entfernte sich eilig, und Emma nahm den bunten Stab zur Hand,
berhrte die alten Matronen mit dem umgekehrten Ende desselben und warf
dann die vertrockneten Rben, in welche sie sich wieder verwandelt hatten,
in einen Winkel. Nun eilte sie, so schnell sie konnte, zu ihrem
Lieblingsplatze, einer grnen Rasenstelle im Garten, um den frisch
gefllten Korb von dem Berggeiste wieder in Empfang zu nehmen. Aber da kam
ihr der Gnom schon mit sichtbarer Verlegenheit entgegen und sagte ganz
bestrzt:

Ich habe dir voreilig mehr versprochen, als ich nun zu halten imstande
bin; das ganze Land habe ich durchstreift, um noch einen Rbenacker zu
finden, aber berall, sind sie schon eingeerntet und verwelken in dumpfigen
Kellern. Obgleich es hier in deiner Nhe Frhling ist, so ist doch das Tal
unten mit Eis und Schnee bedeckt, und du mut noch drei Monate warten, bis
ich dein Verlangen und mein Versprechen erfllen kann. --

Da drehte ihm die Prinzessin zornig den Rcken und verschlo sich traurig
in ihre Zimmer; der Gnom bekam ihr Angesicht nicht mehr zu sehen, so sehr
er auch bat. Er begab sich nun als Pachter verkleidet nach Schmiedeberg,
kaufte dort auf dem Markte einen Esel und belud ihn mit Scken voll
Rbensamen, damit er einen ganzen Morgen Land besen konnte. Nun bestellte
er den Acker, und seine dienstbaren Geister muten ein unterirdisches Feuer
anschren, damit die linde Wrme das rasche Wachstum der Saat befrdere.

Das Rbenkraut scho auch bald lustig genug auf und der Berggeist durfte
auf eine reiche Ernte hoffen. Die Prinzessin ging nun tglich auf das
Ackerfeld hinaus, aber es ging ihr mit dem raschen Wachstum der Saat immer
noch zu langsam, und ihre Augen verloren allen Glanz, ihre Wangen alle
Farbe. Sie war nmlich mit einem schnen Prinzen des Nachbarlandes verlobt
gewesen, und die Hochzeit war nahe, als der Berggeist sie von der Erde
entfhrte. Prinz Ratibor durchstreifte nun die Gegend ohne Unterla, um
seine Braut wiederzufinden, und zog sich endlich ganz traurig in die
einsamsten Waldungen zurck, als alle seine Bemhungen erfolglos blieben.
Emma aber wnschte ebenso sehr, wieder zu ihm zurckkehren zu knnen, als
Prinz Ratibor, sie wiederzufinden, und sie schmiedete in ihrer freiwilligen
Einsamkeit -- da sie noch immer zrnend die Gesellschaft des Gnomen mied --
einen klugen Plan, um aus ihrer Haft zu entfliehen und den Hter zu
tuschen; wute sie doch jetzt, da auch er zu berlisten war.

Allmhlich zog nun der schne Lenz wieder in dem Gebirgstale ein, und die
Rben wurden gro und voll. Die schlaue Emma zog tglich einige davon aus,
um allerlei Versuche damit zu machen; sie gab ihnen allerlei Gestalten,
anscheinend nur zu ihrer Unterhaltung, aber sie hatte eine andere Absicht
dabei. Sie lie eines Tages eine kleine Rbe zur Biene werden und schickte
sie auf Kundschaft aus zu ihrem Verlobten:

Flieg', kleine Biene, gegen Sonnenaufgang zu dem Prinzen Ratibor und summe
ihm ins Ohr, da ich lebe, aber in der Gefangenschaft des hlichen
Berggeistes bin. Verlier' kein Wort von meinem Grue und kehre alsdann
geschwind zurck, mir Antwort zu bringen.

Das Bienchen flog vom Finger der Prinzessin, wohin sie gewiesen war; aber
sie hatte ihren Flug kaum begonnen, als eine Schwalbe auf sie herabstie
und die kleine Botin verschlang.

Darauf formte Emma eine Grille, gab ihr denselben Auftrag und sagte:

Hpfe, kleine Grille, ber das Gebirge hin, zum Prinzen Ratibor und sag'
ihm, da ich der Befreiung aus der Gewalt des Berggeistes durch seinen
starken Arm harre. --

Die Grille flog und hpfte, so schnell sie konnte, aber ein langbeiniger
Storch ging eben am Wege spazieren und fing sie mit seinem langen Schnabel
auf.

Die Prinzessin harrte also lange vergebens darauf, da ihre Boten
zurckkehren mchten; aber diese milungenen Versuche schreckten sie nicht
ab. Sie gab einer dritten Rbe die Gestalt einer Elster und sagte:

Fliege hin, du beredsamer Vogel, von Baum zu Baum, bis du zum Frsten
Ratibor kommst; dem sage von meiner traurigen Gefangenschaft und gibt ihm
Bescheid, da er am dritten Tage von heute ab mit Ro und Mann an der
Grenze des Gebirges sei, um mich aufzunehmen, und aus der Gewalt des Gnomen
zu befreien. --

Die zweifarbige Elster flatterte darauf von einem Ruheplatz zum andern, und
Emma folgte ihrem Fluge mit den Augen, so weit sie konnte.

Prinz Ratibor irrte indessen noch immer durch die Wlder, den Verlust
seiner holden Braut beklagend. So sa er einmal unter einer schattigen
Eiche und rief traurig den Namen der Prinzessin in die Luft. Alsbald hrte
er von einer unbekannten Stimme rufen und erblickte eine Elster, die auf
den Zweigen einer Eiche hin und wieder flog. Und diese begann nun
herzusagen, was Emma sie gelehrt hatte. Als Prinz Ratibor diese Botschaft
hrte, ward er voller Freude, eilte schnell in sein Hoflager zurck,
rstete eine Anzahl Reisige aus und zog mit ihnen guten Mutes den
Riesenbergen zu.

Emma hatte inzwischen alles zu ihrer Flucht vorbereitet. Sie erschien eines
Tages wieder mit dem grten Schmuck angetan; alles kostbare Geschmeide,
womit der Herr der Riesenberge sie beschenkt hatte, trug sie an sich und
strahlte dadurch ebenso sehr, als durch den Ausdruck der Freude, der in
ihrem Gesichte lag; denn die Elster war glcklich zurckgekommen und hatte
ihr gemeldet, was sie ausgerichtet hatte.

Als der Gnom die Prinzessin so freundlich und schn geschmckt sah, glaubte
er, sie habe nun endlich ihren Widerwillen gegen diesen Aufenthalt besiegt
und werde nun durch Heiterkeit und Frohsinn sein einsames Reich beleben. Er
trat ihr daher freundlich entgegen und fragte: ob sie ihm noch zrne, da
er sie so lange auf ihren Hofstaat habe warten lassen mssen? Die
Prinzessin lchelte zum erstenmale freundlich und verhie ihm, sie wolle
fortan gerne bei ihm bleiben, wenn er ihr zuvor noch einen kindischen
Wunsch erfllen wolle. Dazu verma sich der Gnom sogleich, und nun trug ihm
die Prinzessin schalkhaft auf, die Rben des Ackers zu zhlen, ohne sich
dabei zu irren, weil sie ihre Zofen und sonstige Gesellschaft daraus whlen
wolle, und schon jetzt genau zu wissen wnsche, wieviel ihr zu Gebote
stehen wrden.

Sogleich eilte der Berggeist zum Ackerstcke und fing an, die Rben mit
groer Sorgfalt zu zhlen, als er damit fertig war, wollte er sich davon
berzeugen, ob er sich auch gewi nicht geirrt habe, und fing noch einmal
von neuem zu zhlen an. Aber da fand er eine ganz andere Summe, als das
erstemal, und mute das beschwerliche und langweilige Geschft zum
drittenmal beginnen.

Whrend er also beschftigt war, benutzte Emma seine Abwesenheit sogleich,
um ihren Plan ins Werk zu setzen. Sie nahm eine starke, saftvolle Rbe und
verwandelte sie in ein mutiges Ro mit Sattel und Zeug. Rasch schwang sie
sich nun darauf und sprengte ber Heiden und Gestrpp dahin, bis hinab in
das Tal, wo Prinz Ratibor ihr schon entgegenkam und die atemlose Flchtige
in seinen Schutz nahm.

Als der Gnom mit seiner mhevollen Arbeit nach wiederholtem Zhlen zustande
gekommen war, eilte er, die Prinzessin aufzusuchen; da er sie aber auf dem
Rasenplatz nicht mehr fand, lief er durch die bedeckten Gnge und Lauben
des Gartens. Endlich rief er im ganzen Palast ihren Namen aus und wurde
zuletzt unruhig darber, da ihm nur der Widerhall Antwort gab. Alsbald
schwang er sich in die Luft empor, um sein Gebiet zu berschauen, und da
sah er denn seine schne Gefangene noch in der Ferne, wie ihr Ro eben ber
die Grenze setzte. Wtend ballte der erzrnte Geist einige Wolken zusammen
und schleuderte einen Blitz nach den Fliehenden; aber dieser traf nur eine
der hundertjhrigen Grenzeichen und zersplitterte sie in viele Tausende von
Teilchen. Jenseits der Grenze hrte aber seine Macht auf, und die
Donnerwolke zerflo in sanften Heidenrauch.

Nachdem er in stummer Wut den Entflohenen noch lange nachgeschaut hatte,
kehrte er zornig in seinen Palast zurck, aber nur, um diesen samt dem
kstlichen Lustgarten zu zertrmmern. Dann zog er sich an die entferntesten
Grenzen seines Gebietes zurck, um seinen Menschenha im Mittelpunkte der
Erde zu verbergen. Nach und nach aber berwand er auch diesen wieder und
lebte von Zeit zu Zeit unter den Gebirgsbewohnern, stiftete mancherlei
Gutes oder neckte die Menschen mit ihren Schwchen und Gebrechen, so da
mancher dieselben erkannte und sich besserte, zu seinem und seiner
Mitmenschen Wohl. Nie aber hatte der Berggeist wieder versucht, ein schnes
Erdenkind zu entfhren, oder etwas zu versprechen, was er nicht halten
konnte.

Frst Ratibor aber fhrte die schne Emma im Triumph an den Hof ihres
Vaters zurck, der ihn nun mit der Hand der Prinzessin und einer schnen
Stadt belohnte, die nach dem Besitzer _Ratibor_ genannt wurde. Das
sonderbare Abenteuer, das die Prinzessin im Riesengebirge erlebt hatte, und
ihre schlaue Flucht wurden das Mrchen des Landes und pflanzte sich von
Geschlecht zu Geschlecht weiter fort. Die Bewohner der umliegenden Gegend,
die den Berggeist bei seinem Geisternamen nicht zu nennen wuten, legten
ihm nun einen Spottnamen auf und nannten ihn fortan nur _Rbenzhler_ oder
Rbezahl.





Der Krutersammler.


Vor langen Jahren lebten in einem Drfchen am Riesengebirge ein paar alte
Leute, Bieder, ehemals ein Khler, und Else, sein Weib, arm und unbeachtet,
in einer kleinen, bauflligen Htte. Sie hatten keine Kinder und nur wenig
Anverwandte, denn die Armut hat nur einen Freund, und der ist im Himmel. Es
lebte zwar noch eine Schwester des Khlers mit ihrer Tochter, aber sie
wohnte im Bhmenlande, war auch eine Witwe und mute sich kmmerlich
ernhren.

Um diese alten Leute nun kmmerte sich niemand; sie hatten gar oft frher
die helle Sonne, als ein Stck schwarzes Brot im Hause, und die arme Else
nte ihr Gespinnst oft mit Kummertrnen, seit ihr guter Alter an der Gicht
daniederlag und seine gelhmten Hnde auch nicht mehr die Spindel halten
konnten, womit er sonst seinem Weibe das Brot verdienen half. Da ward
freilich die Not erst recht gro, denn Else mute den Kranken hegen und
pflegen, und konnte nun nicht mehr jeden Tag, wie sonst, eine Strhne des
schnsten Garnes spinnen. Wenn jetzt der Garnhndler an der Htte vorbei
kam und an die kleinen Scheiben des Fensterchens pochte, -- da schttelte
Else oft nur traurig den Kopf, denn sie hatte ja kein Garn zu verkaufen,
oder es war so wenig, da die paar Groschen eben nur zu Salz und Brot
ausreichten. So verging den armen Leuten die Zeit unter Leiden und
Entbehrungen.

Da sa eines Tages der alte Bieder vor der Htte und wrmte die kranken
Glieder im Strahl der Sonne; Else brachte ihm die Pfeife mit dem Kopf aus
Holz heraus, nahm dann Rocken und Spindel und setzte sich neben den Greis
auf den Holzblock. Auf der Landstrae wirbelten kostbare Reisewagen den
Staub auf und nahmen die Richtung nach dem nahe gelegenen Warmbrunn, dessen
weltberhmtes Bad schon Tausenden von Kranken Heilung und Hilfe bereitet
hat. -- Ach, seufzte die arme Else, wenn wir doch auch reich wren, wie
jene vornehmen Reisenden; dann knntest du auch das Warmbad brauchen fr
deine kranken Glieder und wrdest wohl noch einmal gesund und rstig. --
Bieder lie traurig den Kopf sinken, und als Else nun ihren Mann so
niedergeschlagen sah, htte sie ihm gern Mut und Freudigkeit zugesprochen.
Sie erhob daher ihre freilich schon zitternde Stimme und begann das schne
Lied von _Neumark_: Wer nur den lieben Gott lt walten etc. -- Weit du
auch, schob sie zuvor ein, was mir der Pfarrer neulich von diesem schnen
Liede erzhlte? Georg Neumark habe in Hamburg in so groer Armut gelebt,
da er seine liebe Violine habe versetzen mssen. Da fand er unvermutet
Gnner, die ihn reichlich untersttzten und ihm auch eine Anstellung
verschafften. Nun konnte er das liebe Instrument wieder einlsen, und aus
Freude darber machte er das Lied -- Wer nur den lieben Gott lt walten,
-- welches er selbst zuerst unter Trnen des Dankes gesungen hat. An
dieser Erzhlung richtete sich ihre eigene gebeugte Seele auf, und ihr
Gesicht hatte den Ausdruck froher Ergebung angenommen, als sie zu der
letzten Strophe des Liedes kam: Denn welcher seine Zuversicht auf Gott
setzt, den verlt er nicht.

Da kam auf der Landstrae ein hbsches Mdchen daher, die trug ein kleines
Bndel Kleider unter dem Arme; sie schien sehr ermdet zu sein, und die
unbeschuhten Fe waren an manchen Stellen wundgerissen von Baumwurzeln und
Gestrpp. Als sie nun in die Nhe der Htte kam, stand sie mit einem: Gr
euch Gott! still, und fragte mit fremdklingender Aussprache: Knnt ihr
mir wohl sagen, ob hier ein Mann mit Namen Bieder wohnt?

Das bin ich selbst, antwortete der Alte, und in dem nmlichen Augenblicke
lag das fremde Mdchen an seinem Halse und schluchzte: Die Mutter grt
euch nochmals, lieber Ohm; am Osterfeste ward sie begraben! -- Tot?
fragte Bieder erschrocken, und faltete die Hnde. Du lieber Gott im
Himmel! -- Und du, mein Mdchen, bist wohl Theresens Kind? So sei uns denn
herzlich willkommen!

Else trat nun auch herbei, gab dem Mdchen die Hand, strich ihr dann
liebkosend die vollen Zpfe aus dem braunen Gesicht und klopfte sie auf die
Wange. Da fate sie der Base Hand und bat mit ihrer sanften Stimme: Ach,
sei du nun mein Mtterlein, Base Else! siehe, ich bin ja ohne Schutz und
Schirm wie ein Vglein des Waldes.

Fr dich auch wird der Vater sorgen, sprach da die gute Else, umarmte das
verlassene und verwaiste Mdchen und fhrte es hinein in die Htte, da es
sich ausruhe und an ein wenig Brot und Kse strke. Am Abend machte die
gute Alte fr Susy ein Lager von Heu und Baumblttern zurecht, und so
rmlich dies war, schlief das Mdchen doch so s, als lge es auf dem
weichsten Flaum.

Else aber lie die Sorge nicht schlafen. Sie ging schon frhe hinaus vor
die Htte, um ungesehen zu beten und zu weinen, und suchte zugleich junge
Erdbeerbltter zum Frhtrank fr sich und den Vater; fr Susy hatte sie
noch ein Tpfchen Milch aufgespart. -- Von der neuen Tochter hatte Else
zwar jetzt Untersttzung und Pflege fr ihre alten Tage zu erwarten, aber
es fehlte dem Mdchen doch manches, zu dessen Anschaffung Else keinen Rat
wute. Wsche und Kleider hatte Susy meist den harten Leuten lassen mssen,
bei denen die Mutter gewohnt hatte, und denen sie in der langen Krankheit
vieles schuldig geblieben war. Zwar blhte Susy frisch und krftig wie eine
Alpenrose, hatte eine silberhelle Stimme und wute schne Lieder zu singen,
die sie mit der Zither begleiten konnte, aber Else htte lieber fr das
Mdchen gebettelt, als das sie zugegeben htte, da sie damit ihr Brot zu
verdienen suche. Woher aber das Ntige zu ihrem Unterhalt nehmen? Das gute
Mtterchen sah keinen Ausweg und verga, da _Einer_ in der Hhe lebt, der
ja viel tausend Wiege findet, wo der Verstand nicht einen sieht.

Da hrte Else pltzlich den Gesang einer Mnnerstimme im stillen Walde, und
alsbald kam ein Krutersammler mit seiner Blechkapsel auf dem Rcken daher.
Er schien Else nicht zu bemerken und sang laut und verstndlich fr jene:

   Wider alle Wunden
   Gibt's ein krftig Kraut,
   Der hat Heilung funden,
   Der dies Krutlein braut.
   In des Glaubens Garten
   Ist es nur zu schaun,
   Lernt das Krutlein warten,
   Es heit: Gottvertraun! --

Else horchte hoch auf, das Herz pochte ihr fast laut, und ein Glaube, stark
wie Felsengrund, kam hinein. Sie schmte sich ihres Kleinmutes, trocknete
ihre Trnen und erwiderte freundlich den Gru des Reisenden, der indes
nher gekommen war.

Habt ihr etwas von meiner Ware ntig? fragte er Else und zeigte auf den
Kruterkasten; doch diese schttelte wehmtig den Kopf, indem sie
antwortete:

Ach, lieber Freund, das Krutlein, dessen ich bedarf, habt ihr doch wohl
nicht in eurem Kasten, denn fr den Tod ist kein Kraut gewachsen; und mein
armer Mann wird die Gicht nicht eher los, bi sie ihm Erde und Rasen
aufgelegt haben.

Da lchelte der Fremde seltsam und wiederholte singend: Wider alle Wunden
gibt's ein krftig Kraut usw.

Else war ganz wunderbar zumute; sie fragte den Krutersammler nun wirklich,
ob er ein Mittel gegen das bse bel ihres Mannes habe und versprach, ihm
gern das Zwanzigkreuzerstck dafr zu geben, was sie seit ihrem
Konfirmationstage am Halse trug. Der Fremde ging nun mit ihr in das
Huschen, wo Susy schon rstig aufgerumt, das Bett des Kranken aufgemacht
und die Fenster geffnet, um dem Staube freie Bahn zu geben, den sie jetzt
mit flinker Hand ausfegte. Der Krutersammler sah ihr wohlgefllig zu. Ist
das Eure Tochter? fragte er Else, die ihm einen Sessel brachte, den sie
zuvor sauber mit der Schrze abgewischt hatte.

Nein, lieber Herr! antwortete diese, es ist meiner Schwgerin Kind aus
Bhmen, eine Waise, und erst seit gestern bei uns!

Mittlerweile hatten Susy und der Ohm den Eintretenden verwundert
angeschaut; Susy nahm ihm dienstfertig die schwere Blechkapsel vom Rcken
und war so flink und gewandt, das es eine Freude war, ihr zuzusehen. Der
Fremde nahm nun aus seiner Bchse ein Bschel grnen, starkriechenden
Krautes, hie Else dies kochen und die lahmen Glieder des Kranken damit
waschen, -- wollte aber keine Belohnung dafr annehmen und nur ein
Stndchen in der Htte ausruhen. Susy war nun wieder rasch bei der Hand,
die Kruter zu kochen und den Umschlag zu bereiten, und fragte, als sie
damit fertig war, was sie nun schaffen solle?

Kannst du spinnen, mein Kind? fragte die Base; aber darauf schttelte das
Mdchen den Kopf. Nun, so will ich es dich lehren, sagte Else, und
aufmerksam trat jene hinzu.

Aber der Fremde sprach: Ich will das Mdchen eine leichtere Art zu spinnen
lehren, als ihr da mit der Spille habt; sie soll bald schneller als ihr,
gutes Mtterchen, die volle Weise an die Wand hngen knnen. Unglubig
lchelte Else, doch schon nach wenig Stunden kam der Krutersammler mit
einem Spinnrdchen zurck, dessen Gebrauch den armen Khlerleuten noch ganz
unbekannt war, zeigte der aufmerksamen Susy, wie man den feinen Faden um
die eiserne Spille rollen msse und machte ihr dann mit der kleinen
schnurrenden Maschine ein Geschenk. Er sagte ihr noch, da er ihr einen
andern Garnhndler zuschicken wolle, der das Garn besser bezahle, und
entzog sich dann rasch dem Danke der Familie, die ihren unbekannten
Wohltter im dichten Walde verschwinden sah.

Susy spann vom Morgen bis zum Abend, sang ein bhmisches Liedchen dazu und
drehte das Rdchen so flink, da Else und der Ohm ihr mit Verwunderung
zuschauten. Das Garn flog nur so auf die Spule, und niemals ri der Faden
der fleiigen Spinnerin. So ging es einige Zeit; der Krutersammler kam
nicht wieder, und auch der fremde Garnhndler, der nun jeden Sonnabend kam,
um das Gespinst zu kaufen, kannte ihn nicht, obgleich er sagte, der
Krutersammler habe ihn hierher gewiesen. Mit dem Kranken wurde es von Tage
zu Tage besser, bald konnte er die gelhmten Glieder wieder bewegen und
erlangte endlich, durch die wunderbaren Heilmittel des fremden
Krutersammlers, seine vllige Gesundheit wieder.

Nun schnitzte und knstelte er so lange, bis er fr Else ein hnliches
Rdchen zusammengesetzt hatte, die nun mit ihrem Lieblinge um die Wette
spann und jetzt schon jede Woche einige Groschen zurcklegen konnte; so
mehrte sich ihr Verdienst. Vater Bieder beschftigte sich damit,
Spinnrdchen zu bauen, da ihm das erste so gut gelungen war, und er konnte
gar nicht genug davon fertig machen, so sehr fragte man danach und bezahlte
diese neue Erfindung so gut, da schon eine Art Wohlstand in die arme
kleine Htte einkehrte, durch den Flei und die Sparsamkeit ihrer Bewohner.

Jetzt gab es Mutter Else auch nicht mehr lnger zu, da ihr liebes
Pflegetchterchen auf dem Heu schlafe, und sie ging mit der ersparten
Barschaft nach der Stadt auf den Jahrmarkt, um ihr heimlich ein Federbett
zu kaufen. Aber die kleine Summe reichte dazu nicht aus, und betrbt stand
die gute Alte, als ihr pltzlich im dichtesten Menschengedrnge der
Krutersammler begegnete. Sie hielt ihn sogleich fest bei der Hand,
erzhlte ihm, da ihr Mann gesund geworden sei, und dankte ihm tausendfach
fr seine Hilfe; eben wollte sie ihm sagen, wie fleiig ihre liebe Susy sei
-- da war er spurlos vor ihren Blicken entschwunden, und sie hielt statt
seiner Hand eine kleine lederne Brse fest, die genau jene Summe enthielt,
die ihr zum Ankaufe des Bettes noch gefehlt hatte.

Wer knnte das Staunen, aber auch die Freude der guten Else beschreiben!
Sie kaufte nun frhlich ein, und ein junger Landmann, den sein Weg an Elses
Htte vorberfhrte, nahm diese samt dem Federbett mit auf seinen Wagen
nach Hause. Susy sa eben am offenen Fenster, drehte ihr flinkes Rdchen
und sang eins ihrer vaterlndischen Liedchen, als der junge Bauer vor dem
Huschen hielt und verwundert dem hellen Gesange der emsigen Spinnerin
zuhrte. Aber kaum bemerkte das Mdchen die Ankunft der Base, als sie
frhlich herausgesprungen kam und sogleich Hand anlegte, das Bett in das
Haus zu tragen.

Peter bot freiwillig seine Hilfe dazu an und konnte sein Auge von der
flinken, blhenden Dirne kaum mehr abwenden. Seine Pferde muten lange vor
der kleinen Htte stehen; denn die dankbare Else ntigte ihn in die Stube
hinein, und auf seine Bitte mute Susy das Lied noch einmal singen, in dem
sie durch die Ankunft der Base gestrt worden war. Als der junge Bauer
endlich zgernd Abschied nahm, dachte er, wie glcklich er sein wrde, wenn
einmal solch eine fleiige, muntere Dirne sein Weib wrde. Vater und Mutter
waren ihm gestorben, und sein schnes Bauerngut kam ihm jetzt recht einsam
und de vor. -- Kurz, nach wenig Wochen ging er in seinem Sonntagsstaat zu
dem alten Bieder und warb um Susy. Er war ein guter, ordentlicher Bursche,
den das Mdchen wohl leiden mochte, darum erhielt er ihre freudige
Zustimmung unter der Bedingung, da sie ihre liebe Pflegeeltern mit in die
neue Heimat bringen drfe, um sie nun erst recht zu pflegen und ihre Liebe
dankbar vergelten zu knnen.

Darin willigte Peter mit Freuden, und die Hochzeit ward auf das Osterfest
festgesetzt. An demselben Tage, wo die arme Susy vor einem Jahre verwaist
und trostlos aus ihrer Heimat gegangen war, sollte sie in das neue, schne
Besitztum einziehen, darin ihrer ein sorgenfreies Leben wartete.

Nur _ein_ Gedanke verkmmerte Susys Freude ber ihr Glck; sie war so gar
arm und konnte nicht einmal einige Webe Leinwand, wie es wohl unter den
Dirnen Sitte ist, in die neue Wirtschaft mitbringen. So fleiig sie auch
gesponnen hatte, immer hatte sie das Garn verkaufen mssen, um den
Unterhalt davon zu bestreiten und einen neuen Anzug fr sich und die Eltern
zu kaufen. Sie war recht traurig darber und sttzte gedankenvoll den Kopf
in die Hand; da pochte es leise an die Scheiben des Fensterleins, und der
fremde Garnhndler nickte ihr freundlich zu. Als sie aber hinausging, war
der verschwunden, und im Hausflur lagen sechs Ballen der schnsten
Leinwand; der fleiigen Susy zum Brautschatz, stand auf einem Zettel, der
darauf lag.

Wer da die berraschte Braut gesehen htte, wie sie, weinend vor Freude,
bald der Base, bald dem Alten um den Hals fiel und wie ein Kind jubelte,
der htte die Armut um ihr schnes Vorrecht beneidet, aus dem kleinsten
Glcke eine Flle der Freude zu ziehen. -- Susy schnitt und nhte nun
fleiig; der Garnhndler aber kam nicht mehr wieder. Man gedachte seiner
wie des Krutersammlers mit heiem Danke.

So war der Hochzeitstag herangekommen, der ganz still begangen ward; doch
als Susy an der Hand ihres Brutigams aus der Kirche kam, in anspruchsloser
Schnheit, die blhende Myrte im kunstvoll geflochtenen Haar, -- als alle
Zuschauer Peters Glck priesen, der eine so sittige, gutherzige und
fleiige Hausfrau heim fhre, -- da stand pltzlich der Krutersammler vor
dem Brautpare und reichte Susy einen frischen, blhenden Strau, indem er
sprach:

Flei, Gottvertrauen und _Demut_ sind die beste Aussteuer eines Weibes,
mehr wert als _Tausend Gulden_ -- Dieser Strau wird nie welken, so lange
du diese drei Dinge besitzest, und du wirst dabei glcklich sein. -- Nach
diesen Worten zerflo die Gestalt des Krutersammlers in Luft, und
_Rbezahl_ scholl es durch die ganze Versammlung, denn der Berggeist und
kein anderer war der in wechselnden Gestalten erschienene Freund gewesen.




Der Musterreiter.


Rbezahl sa eines Tages oben auf dem Grubenstein, der Rbezahls Kanzel
genannt wird, und sah hinunter auf die Welt, und dachte dies und jenes. Da
kamen drei Reisende ber die Sturmhaube auf die Schneegruben zu, und
Rbezahl merkte bald aus ihrem Gesprch, da es Kaufleute waren, so eine
Art von Hausierern, die man heutzutage Musterreiter nennt.

Worin reiset ihr denn? fragte der eine; in Fischtran, erwiderte der
andere; und ich, fuhr der erste fort, reise in Wagenschmiere. Ein
schner Artikel, versetzte der andere; und ihr, mein Herr? wandte er
sich an den dritten. In Limburger Kse, war die Antwort. Ein beliebter
Artikel, -- verdrngt den Schweizerkse, -- in Hollndischem wird wenig
mehr gemacht, riefen beide wie aus einem Munde.

Rbezahl horchte hoch auf und verstand von alledem kein Wort; da jemand in
Fischtran und Wagenschmiere, ja selbst in Limburger Kse reisen knne, war
ihm vllig unverstndlich und unglaublich. Indessen dachte er, du willst
doch weiter hren. Aber was hrte er? -- Die Reisenden, welche sich jetzt
auch auf dem Felsen niedergesetzt hatten, achteten nicht auf den schlicht
aussehenden Mann, lieen ihre Schnappscke mit Wein und kaltem Wildbrett
hinauftragen und waren frhlich und guter Dinge. Je mehr sie tranken, desto
offenherziger wurden sie gegen einander, und Rbezahl erfuhr nun ganz, wes
Geistes Kind sie wren. Da sie wie die Hausierer bei den Leuten
herumliefen und ihre Waren anbten, ihre verschiedenen Manieren, mit denen
sie ihre Kunden behandelten, alles dies erfuhr er aus ihrem eigenen Munde,
und er staunte ber die Dreistigkeit der Burschen. Einer von ihnen meinte,
je unverschmter man sei, desto mehr setze man durch, und je feiner
gebildet die Leute wren, desto mehr msse man sie bestrmen, weil sie dann
in der Regel das Mittel ergreifen, lieber etwas zu kaufen, um sie los zu
werden.

Wie sind nur die Leute so blind, dachte Rbezahl, da sie sich von der
grotuerischen Rolle verblenden lassen, die solche Burschen spielen. Denn
wenn sich diese Musterreiter so ppig und verschwenderisch benehmen, so
liegt es ja auf der Hand, da die Kufer zuvor tchtig gerupft werden
mssen, ehe so viel unntiger Aufwand bestritten wird. -- Rbezahl mochte
endlich ihre prahlerischen Reden nicht lnger anhren und verlie den
Felsen.

Nun gingen auch endlich die Reisenden weiter, bergab nach dem Elbfall zu;
aber das schne Wetter nderte sich pltzlich, ein dichter Nebel umzog den
ganzen Kamm, und die drei Musterreiter gingen in lauter Wolken, was sie
sehr in ble Laune versetzte, denn dem einen verdarb die Feuchtigkeit den
zierlichen Lockenbau, dem andern wurden die Vatermrder und Manschetten
weich, der dritte machte seine Stiefel von feinem Glanzleder auf dem
schlpfrigen Wege schmutzig. Aber ihr Unmut stieg gewaltig, als der Fhrer
nun gar die Richtung verlor und sie zwischen Sumpf und Fichten,
Steinblcken und Heidekraut, kreuz und quer herumfhrte. Endlich kam die
bel gelaunte Gesellschaft an einen Flu, den man wegen des dichten Nebels
nicht bersehen konnte; ein Mann von abenteuerlichem Ansehen vertrat ihnen
hier den Weg, schpfte mit einem Glase aus dem Flusse, bot ihnen dasselbe
dar und sagte: Ihr mt Bescheid tun, ihr Herren.


Der eine setzte das Glas an den Mund, roch und sagte: Das ist ja
Fischtran. -- Nun ja, versetzte der Mann, und eben darum mt ihr
Bescheid tun, sonst kommt ihr nicht von der Stelle.

Das ist euer Artikel, sagte der Reisende und reichte das Glas dem
Gefhrten. Der aber mochte nicht, schttelte sich und sagte, er sei kein
Grnlnder und auch kein Schuhleder, so etwas trinke er nicht.

Nun, erwiderte der fremde Mann mit schrecklicher Stimme, ihr reiset ja
in Fischtran, und wenn ihr nicht trinkt, so kommt ihr nicht lebendig hier
weg, es ist euer letztes. -- Kollege, trinkt! schrie der dritte in
Verzweiflung, und die Angst prete ihm Trnen in die Augen.

Der arme Reisende drckte die Augen fest zu, schttelte sich ein parmal,
dann schluckte er herzhaft -- und leer war das Glas. Jetzt hob sich der
Nebel ein wenig, und da auch der fremde Mann zur Seite trat und zwischen
dem Gestein verschwand, sahen die Reisenden dicht vor sich einen Steg, der
sie sicher ber den Bach brachte. Schon glaubten die Musterreiter, nun
auer aller weitern Gefahr zu sein, denn sie hrten das Rauschen des
Elbfalls ganz in der Nhe; aber mit einem Male senkte sich der Berg
zwischen Felsen hinunter in eine grausige Tiefe, und jenseits starrten
wieder senkrechte Wnde von Felsen empor. Sie kamen nun unten an einen
Flu, der ganz langsam seine schwarzen Wogen heranwlzte, und dabei hing
eine Tafel mit der Inschrift: Durch!

Der eine Reisende stieg zuerst hinunter, tastete, roch und sagte: Das ist
ja Wagenschmiere, sind wir denn bezaubert und verhext?

Ei nun, das ist ja euer Artikel, und ihr mt zuerst hindurch, oder wir
werfen euch in die schwarze Suppe und gehen ber euern Rcken, wie ber
eine Brcke.

Das wollte allerdings dem Reisenden nicht in den Kopf, aber hier galt
Gewalt vor Recht, und da er sah, wie hier nicht anders los zu kommen sei,
schritt er in Verzweiflung hinein in den abscheulichen Strom, -- die andern
folgten ihm langsam nach. Endlich standen sie alle wieder am jenseitigen
Ufer und befanden sich nun in der Nhe desselben sonderbaren Mannes, der
ihnen den Trunk aus dem Fischtranflusse gereicht hatte. Er stand an den
Felsen gelehnt und lachte auf das boshafteste, indem er sagte: Nun seid
ihr saubern Gesellen doch auch einmal angeschmiert und mgt jetzt eures
Weges ziehen; vielleicht verget ihr die erhaltene Lehre nicht zu geschwind
und htet euch, andere in eurer Weise anzuschmieren.

Damit ging der fremde Mann in den Wald hinein. Der Weg, auf dem die
Reisenden sich jetzt befanden, war nun wieder breiter und ebener, und der
Fhrer sagte, nun sei er auf bekanntem Pfade. Wirklich sahen sie auch bald,
da sich jetzt der Nebel hob, die Htten von Schreiberhau auf sonnigen
Matten vor sich liegen. Dorthin hatten sie ihre Wagen bestellt, und bald
saen sie, besonders der dritte, ihrer Meinung nach, allem Ungemach
entronnen, in den weichen Kissen und fuhren getrost nach Warmbrunn hinab.
Im Gasthofe zur preuischen Krone stiegen sie ab, wo eben eine groe
Gesellschaft unter dem Leinwanddache sa und Kaffee trank. Die Musterreiter
zupften geschwind Halstuch und Manschetten zurecht, fuhren durch die in
Unordnung gekommenen Haare und gaben sich das mglichst zierlichste
Ansehen, whrend sie durch die Damenreihe gingen.

Diese wendeten sich jedoch mit allen Zeichen des Ekels von den Reisenden ab
und nahmen ihre Taschentcher oder ihre Flacons vor die Nase. Ei der
Tausend, wie siehst du denn aus? fragten die beiden Reisenden den dritten,
als sie in das Gastzimmer traten, und, o pfui -- wie duftest du?

Wie erschrak der Angeredete, als er, schleunigst seinen Rock, ausziehend,
bemerkte, da dieser sehr unsauber aussah, denn statt auf Wagenkissen hatte
er in seinem Artikel -- in Limburger Kse gesessen! --

Das war ein arger Spa, den Rbezahl mit den drei Musterreitern angezettelt
hatte, mchte er nur auf eine gute Weile geholfen haben. Wenn der Berggeist
jetzt noch spukte, so fnd' er alle Hnde voll zu tun; es reisen gar
wunderliche Leute ins Hochgebirge.




Mecker-Friede


In Schmiedeberg lebte einmal ein Bursch, der hie Mecker-Friede, war ein
wster Gesell und peinigte alle Leute, darum mochte ihn auch niemand in
Dienst nehmen. Er ging also unter die Soldaten, und trieb es da eben auch
nicht besser; es war gerade der dreiigjhrige Krieg, und er konnte nun
recht ungestraft seine schlimmen Neigungen verfolgen.

Rbezahl hatte oft arme Leute ber ihn jammern hren, denn wo es etwas zu
plndern und zu mihandeln gab, da war Mecker-Friede gewi dabei, Aber er
kam nicht ins Gebirge, wohl aber nach einer Schlacht als Invalide in das
Spital nach Schmiedeberg. Es war nun des abgedankten Soldaten grter
Stolz, seine Tapferkeit zu rhmen, und er sagte oft: Nun mssen sie mich
doch noch im Grabe ehren und dreimal ber meinen Sarg schieen.

Der also war jetzt gestorben, und es tat keinem leid; aber mit
militrischen Ehren mute er doch begraben werden, und die Landsknechte
kamen mit ihren Lanzen und Feuerrhren, um ihn zu Grabe zu tragen, voran
der Trommler mit dem gedmpften Kalbfell. Im Hausflur des Hospitals aber
standen zwei Srge, denn es war auch zugleich eine alte Spittelfrau
gestorben und sollte auch zur Ruhe gebracht werden. Wie die Soldaten alle
bereit sind, zeigt der Spitalvater auf einen der Srge und sagt: Der
ist's!

Den nehmen nun die Landsknechte auf ihre Schultern, der Trommler wirbelt
tchtig, und hinter dem Sarge gehen die Soldaten mit ihren Gewehren. Auf
dem Kirchhofe hlt der Pfarrer eine Standrede: wie der Selige nun von
seinem irdischen Posten abgelst und nun ohne sein Verdienst und Wrdigkeit
in den Himmel gekommen sei. Dann schieen die Krieger dreimal ber das
Grab, und der Trommler schlgt dazu auf das Kalbfell, da eine Gnsehaut
alle andchtigen Zuschauer berluft; darauf geht jeder nach Hause.

Der Pfarrer begibt sich nun nach dem Spital, um die alte Anne Rosine zu
holen. Da haben sich schon viele Gevatterinnen und Kaffeeschwestern
versammelt und folgen dem Sarge mit groem Wehklagen. Nach der Einsegnung
wird dieser nach damaliger Sitte noch einmal geffnet, damit die guten
Frauen ihre liebe Freundin zum letzten Male sehen knnen; aber pltzlich
wird ein Schrei des Entsetzens gehrt, und die ganze Grabbegleitung luft
wie toll und rasend vom Kirchhof herunter, denn im Sarge liegt niemand
anders, als der alte Mecker-Friede, der Kriegsknecht, starr und steif im
ledernen Koller, mit der Pickelhaube und dem Schwert an der Seite.

So hatten die Trger den unrechten Sarg erwischt und ber der alten Anne
Rosine feierlich geschossen und getrommelt. -- Die Versammlung aber meinte,
das sei nicht mit rechten Dingen zugegangen, Rbezahl habe dem
Mecker-Friede noch im Tode etwas angetan, damit sich die kriegslustige
Jugend daran spiegle und auch als Soldat die Menschlichkeit nicht vergesse.
Das glaubte man auch bald allgemein, gewi aber wute es keiner.

Denn Freund Rbezahl, sollt ihr wissen, ist geartet wie ein Kraftgenie,
launisch, ungestm, sonderbar, bengelhaft, roh, unbescheiden, stolz, eitel,
wankelmtig, heute der wrmste Freund, morgen fremd und kalt; nach der
Stimmung, wie ihn Humor und innerer Drang jeden Augenblick empfinden lt.




Die Anleihe.


Ein Bauer war mit seinem Weibe und sechs Kindern so verarmt und durch
mancherlei Unglcksflle herunter gekommen, da er oft nicht wute, wo er
Brot fr die Seinigen hernehmen sollte.

Eines Tages sagte er zu seiner Frau: Du hast ja im Gebirge reiche Vettern;
ich will hin, vielleicht lenkt Gott einem unter ihnen das Herz, da er mir
hundert Taler auf Zinsen leiht; mit diesem Gelde knnten wir uns aus
unserer groen Not wieder aufhelfen.

Das gebe Gott! sagte diese mit schwacher Hoffnung, denn sie kannte ihre
Vettern, die nach ihr und den ihrigen niemals gefragt hatten. Am andern
Morgen sehr frh machte sich der Bauer auf den Weg, und schritt rstig den
ganzen Tag zu, bis er am Abend mde und matt zu den Vettern kam, und ihnen
mit Trnen seine Not klagte, und um ihre Hilfe flehte. Aber berall wurde
er mit harten, bittern Worten abgewiesen, und mute viel spitzige Reden
hren, von leichtsinnigen Wirten, und wie der in Not habe, der in der Zeit
spare, und was dergleichen Dinge mehr.

Traurig und niedergeschlagenen Herzens machte er sich auf den Rckweg, und
als er wieder ins Gebirge kam, berfiel ihn Gram und Angst mit groer
Gewalt. Er hatte den Arbeitslohn von zwei Tagen verloren, und fhlte sich
so entkrftet, da er wohl auch am dritten Tage nicht wrde arbeiten
knnen. Zu Hause aber erwarteten ihn das abgehrmte Weib und die hungrigen
Kinder, und er brachte ihnen nur leere Hnde! -- kein Geld, kein Brot, o
wie sollte sein Herz den Jammer ertragen!

Der arme Mann sann hin und her, wie er Wohl Hilfe schaffen knne. Da fielen
ihm die Geschichten vom Berggeiste ein. Ich will mich an ihn wenden,
sagte er, vielleicht da meine Bitten Gehr finden. Darauf rief er
_Rbezahl! Rbezahl!_ und alsbald stand ein ruiger Khler mit einem
mchtigen Schrbaum in der Hand vor ihm, der einen wilden, struppigen Bart
und glhende Augen hatte. Der Bauer zweifelte keinen Augenblick, da dies
der Berggeist sei, und fate all seinen Mut zusammen, um sein Anliegen
vorzubringen.

Ich habe euch nicht aus Mutwillen gerufen, begann er, sondern aus Not
und Verzweiflung. Zu euch, lieber Herr vom Berge, habe ich das Zutrauen,
da ihr mir aus meiner Angst helfen werdet. Und nun erzhlte er ihm von
seinem Weibe und seinen Kindern, sowie von den unbarmherzigen Vettern, und
bat nun ganz treuherzig, Rbezahl solle ihm die hundert Taler leihen, die
er in drei Jahren mit Zinsen zurckzahlen wolle; dann sei ihm aus aller Not
geholfen. --

Wie? treibe ich Wucher? fragte der Berggeist zornig, gehe zu den
Menschen, deinen Brdern, und borge bei denen, so viel du bekommen kannst;
mich aber lasse in Ruhe, und rufe mich nicht wieder, wenn dir dein Leben
lieb ist.

Der Bauer lie sich aber durch diese harte Rede nicht abschrecken, und
schilderte den Jammer und die Not seiner Familie auf das rhrendste. Wollt
ihr mir nicht helfen, setzte er traurig hinzu, so erzeigt mir wenigstens
die Wohltat, mich mit eurer Schrstange tot zu schlagen, damit ich nur
nicht lnger die Not der Meinigen sehe, der ich nicht abhelfen kann.

Rbezahl sah den Bauer mit groen Augen an, hob dann die schwere Stange
hoch in die Luft und schien ihn mit einem gewaltigen Streiche zerschmettern
zu wollen. Da er aber dem Schlage nicht auswich, hielt er inne und hie den
Bauer ihm folgen. Nun ging es waldeinwrts durch dichtes Gestruch, bis sie
in ein enges Felsental kamen, an dessen Ende sich eine finstere Hhle
befand, in die kein Strahl des Tageslichts drang. Nur kleine blaue
Flmmchen sprangen jetzt aus dem Boden auf und beleuchteten schauerlich die
schwarzen Steinwnde. Die Hhle enthielt auer einem eisernen Kasten nur
eine offene Braupfanne voll blanker, neugeprgter Taler; da nimm dir das
Geld, was du brauchst, und wenn du schreiben kannst, magst du mir einen
Schuldschein darber ausstellen, sagte Rbezahl, und holte aus dem Kasten
Papier und Schreibzeug hervor, wobei er sich um, den Bauer gar nicht zu
bekmmern schien, der indessen mit groer Gewissenhaftigkeit hundert Taler
abzhlte und auch nicht einen darber nahm. Dann schrieb er den
Schuldschein, so gut er vermochte, und Rbezahl schlo diesen in den
eisernen Kasten.

Geh nun. sagte der Berggeist, und ntze das Geld gut; merke dir auch den
Eingang in dies Felstal und vergi den Zahlungstag nicht; ich bin ein gar
strenger Schuldherr! Da hast du auch noch etwas fr deine Kinder, was nicht
auf dem Schuldschein steht, -- und mit diesen Worten tat er einen tiefen
Griff in die Braupfanne; der erfreute Vater konnte das reiche Geschenk kaum
mit beiden Hnden fassen.

Dankbar verlie er nun den Berggeist und fand auch glcklich aus dem engen
Felsentale heraus, suchte sich den Eingang genau zu merken und ging, von
der Freude gestrkt und beflgelt, seiner Heimat rstig zu.

Sein Weib sa traurig am Ofen, als er in die Stube trat; sie wute, wie
wenig die Armut auf reiche Anverwandte rechnen drfe und hatte kaum den
Mut, ihren Mann anzusehen, aus Furcht, die vereitelte Hoffnung auf seinem
Gesicht zu lesen. Wie schlug ihr aber das Herz vor frohem Schreck, als der
Bauer den Quersack ffnete und daraus Fleisch und Wurst, Weibrot und
Brezeln fr die Kinder nahm, was er in der Stadt fr sie gekauft hatte.
Deine Vettern, sagte er zu der erstaunten Frau, haben mich nicht nur
sehr freundlich aufgenommen, sondern mir auch bereitwillig das Geld
geliehen, um was ich sie gebeten. Da staunte das Weib noch mehr und pries
in ihrem Herzen den guten Gott im Himmel, der die Herzen der Menschen lenkt
wie Wasserbche.

Nun kam ein neues Leben in die gesunkene Hauswirtschaft des Bauern. Es ward
guter Same gekauft, der Acker ordentlich bestellt und noch zwei Khe
angeschafft; es lag ein sichtliches Gedeihen auf dem Gelde des Berggeistes,
und bald vermehrte sich das Gut um eine schne Wiese, ein Weizenfeld um das
andere. Man fand nun weit und breit keinen fleiiger bearbeiteten Acker,
nirgends schneres und nutzentragenderes Vieh, und der ttige Wirt konnte
schon bares Geld zurcklegen.

So war indes der Zahlungstag herangekommen. Da sagte eines Tages der Bauer
zu Frau und Kindern: Zieht nur eure besten Kleider an, der Hans mag die
Pferde anspannen, wir wollen den Vettern das Geld selbst wieder
heimbringen, was sie mir vor drei Jahren geborgt haben. Das war keine
geringe Freude fr die Kinder, und auch der Mutter war es lieb, da sie nun
ihren Wohlstand den guten Vettern wrde zeigen knnen. Als sie nun ins
Riesengebirge kamen, lie der Bauer an einem schnen Punkte den Wagen
halten und stieg mit den Seinen aus, teils um es den Pferden leichter zu
machen, wie er sagte, teils auch um den Kindern einen schattigen Weg zu
zeigen. Es fiel aber allen auf, da der Vater sich immer sorgfltiger
umschaute, je tiefer sie in den Wald kamen, und die Frau fragte daher
besorgt: Wir sind wohl vom rechten Wege abgekommen?


Da erzhlte er ihr und den Kindern erst, wie schnde die Vettern ihn
abgewiesen hatten, dagegen aber der Berggeist sich seiner erbarmt und ihm
geholfen halbe. Anfnglich erschraken sie, als sie hrten, da Rbezahl dem
Vater das Geld geliehen, aber da dieser ihnen vorstellte, wie glcklich,
der gefrchtete Berggeist sie alle gemacht habe, verlor sich allmhlich
jede Bangigkeit.

Darauf ging der Bauer ganz allein weiter, um den Eingang in das Felsental
aufzusuchen; aber obgleich er genau wute, da er an der rechten Stelle
war, konnte er ihn doch nicht mehr finden. Er schttelte das Geld im
Beutel, damit Rbezahl erscheinen mchte und er ihm das geliehene Geld
zurckstellen knne, aber es erschien niemand. Er irrte hin und her, von
dem Gefhle getrieben, Wort halten und seinen Dank aussprechen zu mssen.
Es war, als ob eine unsichtbare Macht ihm die Augen trbe mache und seine
Sinne verwirre, sobald er glaubte, den rechten Ort gefunden zu haben. Und
dabei packte ihn dann eine Angst, da der Geist, der ihm so aus der Not
geholfen, auch erzrnt werden knne, wenn er nicht nach seinen Befehlen
handelte. Ganz niedergeschlagen kam er endlich zu seiner Frau und den
Kindern zurck, setzte sich zu ihnen und wartete viele Stunden lang. Er
rief den Berggeist in seiner Ungeduld selbst mit dem Namen, mit dem er sich
selten ungestraft nennen lie, und da Rbezahl auch darauf nicht erschien,
beschlo er, da Geld unter ein Felsstck zu legen, dort werde es der Herr
der Berge schon finden, dachte er. Eben als er diesen Entschlu ausfhren
wollte, erhob sich ein heftiger Wirbelwind, Staubwolken und drres Laub
flog von dem Wege auf, und die Kinder haschten aus Langerweile nach einem
Blatte Papier, was vom Winde immer an ihren Fen hin und her gejagt wurde.

Einer der Knaben warf endlich seine Mtze darauf, und da es ein so schnes
weies Papier war, brachte er es dem Vater. Wie sehr erstaunte dieser aber,
als er seinen eigenen Schuldschein erkannte, unter welchem mit groen
Buchstaben geschrieben stand: _Zu Dank bezahlt_.

Nun wei doch mein Wohltter, da ich ehrlich Wort gehalten habe und meine
Schuld dankbar abstatten wollte, rief der Bauer voll Freude, und das ist
mir weit lieber, als das geschenkte Geld. Auf den Rbezahl aber soll mir
nur einer ein Wort reden, der hat's mit mir zu tun; ohne ihn wre ich
vergangen in Not und Trbsal. Er wird sich wohl seine Leute ansehen und wen
er wirklich fr gut und strebsam hlt, dem hilft er auch, und hat er jemand
einmal einen bsen Schabernack gespielt, so wird das auch wohl seinen guten
Grund jedesmal gehabt und schon manchen mag er durch Neckereien auf den
rechten Weg gefhrt haben.

Jetzt wollte er den Wagen aufsuchen und wieder heimfahren, aber die Frau
bat so lange, bis er mit ihr zu den geizigen Vettern fuhr, um diese fr
ihre Hartherzigkeit recht zu beschmen. Aber als sie in das Dorf kamen,
waren diese nicht mehr zu finden; der eine war durch einen bsen Fall in
jahrelanges Siechtum verfallen, nach und nach auch in Armut und Not
geraten, der andere aber einer niedrigen Betrgerei wegen mit Schimpf und
Schande von seinem Gehft vertrieben worden. Niemand im Dorf sprach gern
von ihnen, ihr Andenken war fast ganz vergessen.

Hochmut und Unbarmherzigkeit kamen bei ihnen vor dem Fall; unser Bauer aber
blieb arbeitsam und einfach, fhrte ein stilles, friedliches Leben und half
berall seinem Nchsten gern. Dafr wurde er tglich mehr geliebt und
verehrt in der ganzen Gegend, und sein Wohlstand mehrte sich tglich. Seine
Nachkommen leben noch im Gebirge.




Der Wundertaler.


In einem Drflein des Riesengebirges war Kirchweih; ein Fest, welches die
Landleute feiern, wenn sie den Segen der Felder in die Scheuern gesammelt
haben und der Herbst die gelben Bltter von den Bumen schttelt. Da gibt
es denn auch in der rmsten Htte einen Fest- und Freudentag; die Arbeit
ruht, das kleine Stbchen ist sauber gescheuert und ausgeputzt, und die
Hausfrau backt derbe, braune Kuchen, wozu die Krner oft mhevoll whrend
der Ernte auf den Feldern zusammengelesen sind. Da sitzt der wohlhabende
Landmann an dem berreich besetzten Tische, mit Freunden und Verwandten von
nah und fern, und bespricht bei braungesottenen Karpfen und pfelgeflltem
Gnsebraten Viehstand und Ackerbau.

In den armen Huschen der Tagelhner geht es weniger hoch her, aber doch
steht auf jedem Tische der festliche Birnenkreen (Backobst und geriebener
Meerrettich, als kalter Brei), nach dem die Kinder sehnschtig hinblicken,
indessen die Mutter die Schwarzmehlkuchen aufschneidet und wohl gar der
Kaffee am Herde brodelt. Der Vater sitzt im weirmligen Hemd und in der
buntgeblmten Manchesterweste vor der Tr, raucht aus seinem braunen
Tonkopfe und breitet sich das blaugedruckte Schnupftuch ber die Knie, um
die schwarzlederne Beinbekleidung zu schonen. Am Abend versammelt sich jung
und alt im Wirtshause, tanzt oder zecht in der mit Tabaksrauch erfllten
Stube und im Hausflur wrfeln die Kinder um Pfefferkuchen und Mehlweichen.

Ein solches Fest war nun in Quirl, einem anmutigen Dorfe im Riesengebirge,
und die Musikanten bliesen eben durch das Dorf, da gab die Mutter dem
kleinen Friedel ein groes Stck Kuchen, band ihm das Halstuch zurecht und
steckte ihm ein Pfennigstck in die Tasche.

Friedel wollte zur Musik gehen und dabei einmal wrfeln. An der Strae sa
Kunz, des Nachbars Sohn, der hatte einen ganzen Beutel voll Geld, das ihm
die Gste seines Vaters geschenkt hatten, und wohlgefllig, lie er es vor
den Ohren klingen. Das war ihm lieber als die schnste Musik.

Sieh einmal, Friedel, rief er dem kleinen Spielgefhrten zu, das Geld
ist alles mein; ich nehme aber keinen Groschen davon weg, spare mir noch
viel mehr dazu und kaufe mir ein schnes Bauerngut, wenn ich gro bin.

Da zog Friedel sein Geld auch hervor und meinte: Wenn ich auch nicht
gerade so reich bin, wie du, so will ich mir auch kein Bauerngut kaufen,
sondern einen Pfefferkuchenmann und davon sollst du ein Stck haben, Kunz.

Als die Knaben so mit einander redeten, kam ein Schubkrrner im Dorfe
herunter, ein alter, schwacher Mann, der hatte einen groen Hund mit
Stricken vor das schwer beladene Fuhrwerk gespannt, und das arme Tier
lechzte vor Mdigkeit und Hunger. Da der Alte ausruhte, streckte sich der
Hund in den Staub des Weges nieder und winselte.

Was fehlt denn dem armen Tiere? fragte Friedel mitleidig und trat nher
zu dem Krrner, indessen Kunz geschwind seinen Geldbeutel versteckte.

Er ist hungrig und mde, meinte kurz der Alte.

Ach da lat mich ihm meinen Kuchen geben, bat Friedel, indem er das
schwarze Backwerk in Stcke brach und den Hund streichelte. Das arme Tier
verschluckte hastig den dargebotenen Kuchen und wedelte mit dem Schwanze.
Darber freute sich der kleine gute Bursche so sehr, als htte er selbst
den Kuchen gegessen, obgleich er doch ganz leer ausgegangen war.

Du tust da dem armen Tiere Gutes, sagte der Alte, vielleicht bist du
auch gegen mich mitleidig, ich bin mde und durstig und ein Trunk Bier
wrde mir wohl tun, aber ich habe keinen Pfennig dazu.

Nun, dazu kann ich Rat schaffen, sagte Friedel gutmtig und zog sein
Geldstck aus der Tasche. Kauft euch ein Glas Bier dafr, es ist heut
Kirme im Dorfe. Kunz hatte sich indessen heimlich weggeschlichen. --

Ein freundliches Lcheln zog ber das Gesicht des alten Mannes, dann sah er
dem Knaben nach, der eilig die Strae hinunterlief, und fragte: Warum
verlt dich denn dein Spielkamerad so geschwind, und was versteckte er vor
mir?

Ach, lat nur den Kunz laufen, der kann euch doch nichts geben; seht nur,
er braucht selbst noch viel, bis er sich Haus und Acker kaufen und ein
reicher Bauer werden kann.

Und was wolltest du mit deinem Gelde machen? fragte der Alte.

Ei nun, einen Pfefferkuchenmann kaufen; aber es ist mir viel lieber, wenn
ihr ein Glas Bier dafr trinkt!

Du bist ein guter Junge! rief der Fremde lachend; komm und zeige mir nun
den Weg zum Wirtshause, ich bin hier fremd. Friedel ging neben dem Karren
her; da zerrissen die schlechten Stricke, in welche der Hund gespannt war,
und geschwind wie der Wind lief dieser davon, ins Weite. Lasset ihn doch,
bat Friedel den Alten, der dem Hund nachlaufen und ihn tchtig durchprgeln
wollte, ich will Hand anlegen durchs Dorf, und euer Sultan wird schon
wiederkommen. Dabei nahm er die Stricke in die Hand und zog so rstig an
dem schweren Karren, da es geschwind weiter ging.

Am Wirtshause ward haltgemacht, und indes der Alte sein Bier trank, kam
Kunz herbeigeschlichen und sagte: Du bist ein rechter Narr, Friedel, gibst
dein Geld dem alten Sufer und kannst dir nun keinen Pfefferkuchen kaufen.

Dafr habe ich dem alten Mann eine viel grere Freude gemacht,
antwortete dieser, und htt' ich mehr Geld, so wollt' ich's ihm gern
gnnen, da er sich eine Gte tte.

Kunz ging verdrielich hinweg, denn htte Friedel noch Geld gehabt, um
einen Pfefferkuchen zu kaufen, so htte er ihm gewi ein Stckchen davon
gegeben; nun ging er lstern um den Tisch herum, wo diese feilgeboten
wurden, und endlich siegte die Begierde ber den Geiz -- er kaufte sich
selbst einen kleinen Pfefferkuchen, an den er zehn Pfennige wendete. Als er
aber hinein beien wollte, bi er immer in die Luft, und obgleich der
Kuchen immer kleiner wurde, je fter er versuchte, ein Stck davon zu
genieen, so bekam er doch nie davon etwas in den Magen. In der Tr der
Schenkstube aber stand der alte Krrner und wollte sich halb tot lachen
ber das ngstliche und doch auch wieder bse Gesicht Kunz', dem nun ganz
unheimlich zu werden anfing. Er bestand darauf, da ihm die Verkuferin
einen andern Pfefferkuchen geben msse, weil er fr sein Geld eigentlich
nichts bekommen htte, und diese, die den Knaben fr trunken hielt, zog ihn
auch anfnglich noch mehr auf; endlich aber wurde sie ungeduldig und gab
ihm einige derbe Ohrfeigen.

Eine Menge Kinder versammelten sich nun whrend des Streites um den
Pfefferkuchentisch, und alle lachten Kunz aus, der zornig und beschmt das
Wirtshaus verlie.

Friedel wollte ihm nachlaufen und ihm Trost zusprechen, aber da rief ihn
der Alte und bat, er mge ihm doch den Weg nach Buchwald zeigen, wo er noch
vor Abend hinkommen msse. Es dunkelte schon, und da auf alles Rufen und
Pfeifen des Krrners der Hund nicht wieder zurckkam, spannte sich Friedel
wieder vor das Fuhrwerk und zog, was seine Krfte erlaubten. Das Gesicht
des alten Mannes ward dabei immer freundlicher, und als sie an das Dorf
kamen, dankte er dem Knaben, hie ihn umkehren und gab ihm ein groes
Silberstck, dessen Wert Friedel aber nicht kannte, mit den Worten:

Wenn du dies recht anzuwenden verstehst, wirst du reich und glcklich
dadurch werden. Dann schob er seinen Karren rasch weiter, und als Friedel
ihm nachlief, um sich zu bedanken, war er spurlos verschwunden.

Das war ein drolliger Kauz, dachte Friedel, und ging mit groen Schritten
nach Hause. Es war ihm ziemlich warm geworden bei der ungewohnten
Anstrengung, aber jetzt blies der Herbstwind scharf, und der kleine Bursche
hatte kein Jckchen an, so da er froh war, als er ber den Steg ging, an
dessen Ende das Huschen seiner Eltern stand. Aber da sa ja Kunz noch
immer ganz traurig und mit verweinten Augen; Friedel war ganz mitleidig,
gab ihm die Hand und sagte: So sei doch nicht gar so betrbt um den dummen
Pfefferkuchen und der paar Pffe willen, die du bekommen hast.

Ja, murrte Kunz, du bist auch schuld daran, denn kein anderer als der
tckische Alte hat mir den Possen mit dem Pfefferkuchen gespielt. Warum
mut du auch allem Bettelvolk nachlaufen!

Glaub doch nicht solch nrrisches Zeug, Kunz, sagte Friedel, der alte
Mann war gewi nicht boshaft; sieh einmal, was er mir da fr ein blankes
Spielzeug geschenkt hat.

Kunz war sogleich aufmerksam, denn der Neid und die Habsucht regten sich in
ihm. Er erkannte sogleich, das es ein Taler war, was Friedel fr ein
Spielzeug hielt, und dachte Vorteil von seiner Unwissenheit zu ziehen.

Das knntest du mir schenken, wenn du ein guter Junge wrst, wie die Leute
immer sagen, schmeichelte er; ich will dir auch etwas von meinem Gelde
dafr geben.

Behalte doch dein Geld, ich will dir das Ding ja lassen; nun mut du aber
auch nicht mehr traurig sein, sondern wieder ein frhliches Gesicht
machen. Das ward dem Kunz jetzt gar nicht schwer, und so spielten die
beiden Knaben noch ein Weilchen, dann gingen sie nach Hause. Friedel dachte
gar nicht mehr an den alten Mann, am wenigsten aber erzhlte er den kleinen
Vorfall seinen Eltern, denn er wute es aus der Kinderlehre, da man damit
nicht prahlen drfe, wenn man seinen Nebenmenschen Gutes getan oder ihnen
Hilfe geleistet habe.

Es ging aber seit jener Zeit das Gercht im Dorfe, da der Vater Kunz'
einen Schatz gefunden haben msse, denn sein Reichtum vermehrte sich alle
Tage. Er kaufte die Scholtisei und ward nun der Schulze des Dorfes; aber in
gleicher Weise, wie sein unermelicher Reichtums, nahm auch sein Geiz zu.
Kunz durfte mit Friedel nun nicht mehr spielen, dessen Vater ja nur ein
armer Tagelhner war; darber verging die Zeit. Viele Jahre waren vorber,
Friedel war ein fleiiger Mann geworden, bewohnte nur das kleine Huschen
seines Vaters, der tot war, und ernhrte durch den Ertrag des kleinen dazu
gehrigen Ackers seine alte Mutter. Kunz war nun auch an Stelle seines
Vaters Schulze geworden und hatte das schnste Gehft, den reichsten
Viehstand im ganzen Dorfe. Aber er hatte keine Freude daran; die
aufsteigende Gewitterwolke ngstete ihn, denn sie konnte ja seine Felder
verheeren; in der Nacht floh der Schlaf sein Auge, denn Ruber konnten
einbrechen und seine zusammengehuften Schtze fortschleppen. Darber ward
er krank und schlich wie ein Schatten umher; das Gesinde hate und
frchtete ihn, und er wiederum traute niemand; daher hielten ehrliche Leute
in seinem Dienst nicht aus, und er hatte allerlei rger, der ihm das Leben
verbitterte.

So kam er zu keiner Lebensfreude und beneidete den lustigen Friedel oft,
wenn der hinter dem Pfluge hinaus aufs Feld zog und dabei pfiff oder sang,
der gesund und rstig war, und dem jedermann treuherzig die Hand
schttelte, wenn er durchs Dorf ging.

Da ward der junge Bauer einmal tief in der Nacht zum Schulzen gerufen, der
seit einigen Tagen gefhrlich krank war. In der sprlich erhellten Kammer
fand er den armen, reichen Mann bleich und elend, dem Tode nahe. Er
streckte Friedel die abgemagerte Hand entgegen und sagte matt: Ich fhle,
da ich sterben mu und habe dich rufen lassen, weil ich groes Unrecht
gegen dich auf dem Herzen habe. Erinnerst du dich noch des Geldstckes, was
dir, wie wir beide noch Kinder waren, ein alter Mann geschenkt hatte? Ich
betrog dich darum, denn es war ein Taler, und du hieltest ihn, fr ein
Spielzeug, und ich lief freudig damit zu meinem Vater, dem ich erzhlte,
ich htte ihn gefunden. Am andern Tage betrachtete ich mir wieder das
Geldstck und erschrak freudig, als ein zweiter Taler dabei lag, und so oft
ich nachsah, war immer wieder ein neuer dazu gekommen. Das ist ein
Wundertaler, sagte mein Vater, und verbot mir, ein Wort davon zu reden. Von
der Stunde an vermehrte sich unser Reichtum, denn wir hteten uns wohl, den
Wundertaler auszugeben, aber der Geizige hat keinen Genu davon, wenn er
auch Berge Goldes um sich anhufen knnte. -- Auch ich habe von dem unrecht
erworbenen Reichtume keine Freude gehabt; ich ward ein harter, bser
Mensch, den niemand liebte; das Geschenk jenes Alten, der, wie ich lngst
merkte, Rbezahl war, ist mir zum Fluch geworden, denn mit mir ist es nun
vorbei. Es ist mir mit meinen erworbenen Schtzen gegangen, wie damals mit
dem Pfefferkuchen, ich habe nichts davon wirklich genossen, so gierig ich
auch danach war. Nun ist alles dein, dem es von Anfang an bestimmt war, du
wirst einen besseren Gebrauch davon machen und Gutes tun, wo ich nur bles
getan habe. Ich bin verarmt an inneren Schtzen, inmitten des ungerechten
Mammons, und darbe nun an jeder Hoffnung. -- Ein heftiger Husten
unterbrach seine Worte; er reichte mit zitternder Hand Friedel den
Schlssel zu dem Gewlbe, worin er seinen Reichtum aufgehuft hatte und
verlangte den Zuspruch des Pfarrers. Dann erklrte er Friedel gerichtlich
zu seinem Erben und starb in dessen Armen, beweint von dem Redlichen.

Friedel warf den unheilvollen Wundertaler in den tiefen Waldstrom, er hatte
eine Scheu, denselben, der bei Kunz so viel Unheil angestiftet hatte, zu
behalten; war es ihm doch auch ohne den Wundertaler gut ergangen und stand
sein Sinn nicht am meisten nach Geld und Gut. Er verwendete einen Teil des
geerbten Geldes zu milden Stiftungen, bezog aber nun mit seiner Mutter das
groe, schne Gut. Aber auch dort betrachtete er sich nur als Verwalter der
Besitzung, war gut und mildttig und die Zuflucht aller Bedrngten und
Notleidenden. Keiner ging ungetrstet von seiner Schwelle, und so
verwandelte sich der Unsegen in Segen, die Felder trugen reiche Frucht,
seine Arbeiten gelangen, und bald, geliebt von allen, ward Friedel nun der
neue Schulze des Dorfes.


So hatte er denn reichlich Gelegenheit, das Gute zu frdern, und oft, wenn
er nach einem redlichen Tagewerke abends unter dem Tore seiner schnen
Besitzung sa, war es ihm, als she er die Gestalt des alten Krrners an
sich vorbergleiten und ihm freundlich zuwinken.




Der Goldmacher.


In Warmbrunn, einem berhmten Badeorte, dessen warme Quellen von Hirschen
entdeckt worden sind, wohnte ein Mann, der sehr arm und drftig war, mit
keinem Menschen umging und sich nur mit chemischen Versuchen und Grbeleien
beschftigte. Er hoffte, erzhlte man, das Geheimnis der Goldmacherkunst zu
ergrnden und groe Schtze dadurch zu erwerben. Bei solcher Beschftigung
hatte er aber sein frheres Handwerk vernachlssigt, Hab und Gut an seine
chemischen Versuche gesetzt und war nun so arm geworden, da er manchen
lieben Tag hungrig schlafen ging.

Dieser nun durchstreifte sehr oft das wilde Gebirge hinter dem Kynast, und
noch in der spten Nacht umschlich er die sagenreiche Burg, oder verlor
sich in den angrenzenden Wald. Dort begegnete ihm zuweilen ein Mann, zu dem
er Vertrauen gefat hatte, und dem er oft erzhlte, wie ihn das wilde
Gebirge anziehe, und er gewi glaube, da in diesen den Schluchten ein
Lebensgeheimnis und groe Schtze fr ihn liegen mten.

Einst, als er recht trbselig unter den dsteren Tannen des Gebirges
wandelte, sah er ein helles Flmmchen in der Ferne, dem er sorgsam
nachging, und entdeckte nun eine Gittertr, die eine erleuchtete Hhle
verschlo, in der man groe Schtze von Gold und Edelsteinen erblickte.
Begierig hafteten die Augen des armen Mannes auf der Flle des glnzenden
Goldes, das ihn zauberhaft anzog. Da stand pltzlich jener fremde Mann
neben ihm, mit dem er schon oft im Walde zusammengetroffen war, und sagte:
Alle diese Schtze sollen dein eigen werden, merk dir nur die Stelle
genau, wo die Hhle steht. In drei Tagen wirst du die Hhle offen finden.

Die Bume waren an dieser Stelle weniger dicht und gaben die Aussicht in
das breite Tal frei. Von der Ruine des Kynasts links sah man den Turm von
Hermsdorf, unten im Tale lag das freundliche Warmbrunn und im Hintergrunde
Hirschberg. Der Fremde machte ihn genau aufmerksam auf die Stellung dieser
Punkte zu einander und sagtet Prge dir es wohl ein, da du genau dieselbe
Stelle wiederfindest, denn nur so kannst du die Hhle finden und dein Glck
dadurch machen.

Mit welcher Aufmerksamkeit sah der bestrzte Chemiker nach den angedeuteten
Punkten und ging dann voller Entzcken hinweg, kam aber noch einmal zurck,
um gewisser den Standpunkt wiederfinden zu knnen. Da hast du eine
Schaumnze, sprach der Fremde, damit du morgen nicht alles fr einen
bloen Traum hltst, und gab ihm eine goldene Mnze mit rtselhafter
Inschrift. Dann verschwand er. Als aber der arme Mann sich umsah, war die
Hhle auch verschwunden, und er wrde alles fr ein Spiel seiner erregten
Einbildungskraft gehalten haben, htte er nicht die Mnze in der Hand
gehalten.

Whrend er entzckt nach Hause ging, gab er auf jeden seiner Schritte acht,
wlzte mhsam groe Steine an den Weg und bezeichnete sich mehrere Bume,
um nur ja die rechte Stelle wiederfinden zu knnen. Am dritten Tage eilte
er denselben Pfad zurck, erkannte auch an allen den Zeichen den rechten
Fuweg und versuchte nun, unter der Ruine stehend, die drei Trme von
Hermsdorf, Warmbrunn und Hirschberg zu finden. Aber wenn er den einen
erblickte, hatte sich ein Fels oder ein Baum vor den andern geschoben, und
vergeblich nderte er wieder und wieder seinen Standpunkt. Unruhig stieg er
bald hinauf, bald hinunter, stellte sich bald rechts, bald links, bald
tiefer in den Wald hinein, bald weiter ins Freie, er fand die drei Trme
auf einmal nicht mehr. Der Angstschwei rann ber seine Stirn, das Herz
klopfte ihm angstvoll, seine Augen starrten weit geffnet in die Gegend
hinein; vergebens! Endlich rief er laut: Da! -- so! -- nun habe ich es!
und sein Gesicht erheiterte sich, seine Knie brachen vor Freude zusammen;
aber die Tuschung dauerte nur einen Augenblick, denn als er genauer
hinsah, war alles anders. So von der furchtbarsten Pein gefoltert und bis
zur Verzweiflung geqult, lief er den ganzen Tag, ja die ganze Nacht umher,
-- kehrte nicht mehr in seine Wohnung zurck und irrte in Wahnsinn
versunken lnger als ein Jahr zwischen den Felsen und Bergschluchten hin,
wo nur Wurzeln und Waldbeeren ihn sprlich nhrten, bis man ihn endlich tot
in dem Walde fand, die goldene Mnze zwischen den erstarrten Fingern.

Auch ihm waren seine Leidenschaften zum Verderben geworden; htte er nicht
diese Goldgier gehabt und darber sein Handwerk vernachlssigt, er wrde
nie mit so fruchtlosen Versuchen seine Zeit hingebracht haben und
schlielich, vom Schimmer des Goldes geblendet, elend untergegangen sein.




Rbezahl straft einen Sptter.


Nachdem Rbezahl wiederum einmal Jahrhunderte lang die Unterwelt nicht
verlassen hatte, ihm aber endlich doch die Einsamkeit und Langeweile zu
drckend wurde, und als er eben deshalb in der belsten Laune war, machte
ein Erdgeist, der bei ihm in besonderer Gnade stand, den Vorschlag, doch
eine Lustpartie ins Riesengebirge zu unternehmen.

Rbezahl runzelte zwar anfnglich die Stirn gewaltig ber diesen Einfall,
aber nach einigem Zgern willigte er endlich doch ein; in einer Minute Zeit
war auch schon die weite Reise zurckgelegt, obgleich es damals noch keine
Eisenbahnen gab. Der Berggeist konnte sich nmlich durch eine bloe Kraft
seines Willens an jeden beliebigen Ort versetzen, und so war er denn auch
jetzt schnell wie ein Gedanke mitten auf dem groen Rasenplatze, den man
noch heut Rbezahls Lustgarten nennt. Kaum aber schaute er von dort in
das Tal hinab, wo sich jetzt Trme, Klster, Stdte und Flecken
ausbreiteten, so erwachte sein alter Ha gegen die Menschen aufs neue und
er rief bitter lachend aus:

Unseliges Erdengewrm, das mich durch Falschheit und Tcke gehhnt hat,
nun sollst du mir deine Schuld ben, und ich will dich hetzen und plagen,
da du mit Furcht und Schrecken an den Geist des Gebirges denken sollst.

Kaum hatte er diese Worte ausgesprochen, so hrte er in der Ferne
Menschenstimmen. Drei junge Gesellen wanderten durch das Gebirge, und der
mutigste von ihnen rief in frhlicher Laune: Rbezahl! Rbezahl! komm
herab, du Mdchendieb! --

Der Gnom wurde wtend ber diesen Spott und fuhr gleich dem Sturmwind durch
den dstern Fichtenwald, um den armen Schelm, der sich ber ihn lustig
gemacht hatte, sogleich zu erwrgen. Aber es fiel ihm ein, da ein so
grausames Exempel seiner Rache alle Wanderer aus dem Gebirge verscheuchen
wrde, und er alsdann keine Gelegenheit htte, sein Spiel mit den Menschen
zu treiben. Darum lie er den Frevler einstweilen ruhig seine Strae
ziehen, nahm sich aber vor, ihn den verbten Mutwillen schon noch entgelten
zu lassen.


Auf dem nchsten Scheidewege trennte sich dieser von seinen beiden
Reisegefhrten und langte ohne besonderes Abenteuer in Hirschberg, seiner
Vaterstadt, an. Rbezahl war ihm unsichtbar bis zur Herberge gefolgt, um
ihn einen Possen spielen zu knnen; nun verlie er den Burschen, um ihn bei
gelegener Zeit wieder aufzusuchen. Jetzt ging er ins Gebirge zurck und
sann auf ein Mittel, sich an dem Sptter zu rchen. Da begegnete ihm von
ungefhr ein Jude auf der Landstrae, der nach Hirschberg wollte und sehr
reich war; diesen ersah Rbezahl sogleich zum Werkzeug seiner Rache. Er
nahm alsbald die Gestalt jenes lustigen Gesellen an, der ihn mit dem
Spottnamen gerufen hatte, und indem er ein Stck Weges neben dem Juden
hinwanderte, sich freundlich mit ihm unterhaltend, fhrte er ihn unbemerkt
von der Strae ab in ein Gehlz, wo er ihn berfiel und zu Boden warf und
ihn des Beutels, darin der Israelit viel Gold und Geschmeide trug,
beraubte. Nachdem er ihn tchtig zerschlagen hatte, lie er den armen
geplnderten Mann halbtot im Gebsch liegen und verschwand.

Als sich der Jude nach einigen Stunden von Schreck und Mihandlungen erholt
hatte, rief er laut um Hilfe, damit er von den Stricken befreit wrde,
womit ihm Hnde und Fe gebunden waren. Da trat ein feiner, ehrbarer Mann
zu ihm, ein ansehnlicher Brger, wie es schien, und als er den Juden
gebunden sah, befreite er ihn von den Stricken und leistete ihm jede
mgliche Hilfe. Er labte ihn mit Wein und geleitete ihn dann bis Hirschberg
an die Tr derselben Herberge, wo der Geselle hineingegangen war; diese
pries der Fremde dem geplnderten Juden als die billigste, gab ihm noch
einen Zehrpfennig und verlie ihn dann.

Wie erstaunte der Israelit, als er in der Stube des Wirtshauses seinen
Ruber ganz wohlgemut am Tische sitzen und einen Schoppen Landwein trinken
sah. Er wute nicht, ob er seinen Augen trauen sollte, denn der Bursche war
so froh und vergngt, als htte er das beste Gewissen der Welt.

Ganz still setzte sich der Beraubte in einen Winkel und sann, wie er wieder
zu seinem Eigentum gelangen knne. Da er sich indes immer mehr und mehr
berzeugte, da er sich in der Person seines Rubers nicht irre, ging er
heimlich zum Richter und teilte ihm den Vorfall mit. Alsbald wurden Hscher
mit Spieen und Stangen zur Herberge geschickt, die das Haus umzingelten
und den Verbrecher vor die Ratsversammlung fhrten. Wer bist du? fragte
der oberste Richter, und von wannen kommst du?

Darauf antwortete der Bursche ganz freimtig und unerschrocken: Ich bin
ein ehrlicher Schneider meines Handwerks und heie Benedix.

Hast du nicht diesen Juden auf der Landstrae mrderisch berfallen und
seines Geldes beraubt?

Ich habe diesen Mann nie zuvor mit Augen gesehen und ihn weder geschlagen,
noch des Geldes beraubt; ich bin ein ehrlicher Handwerker und kein
Straenruber.

Zeig einmal deine Kundschaft! (Das ist der Gesellenbrief eines
Handwerkers.)

Benedix ffnete getrost das Wanderbndel, worin er seine Papiere verwahrt
hatte. Doch wie er darin umhersuchte, klang es wie Gold. Alsbald griffen
die Hscher danach und zogen den schweren Sckel heraus, den der erfreute
Jude auch sogleich als sein Eigentum erkannte. Da stand Benedix wie vom
Blitz zerschmettert, seine Knie zitterten und er ward bleich wie Kalk; kein
Wort vermochte er zu seiner Rechtfertigung zu sagen.

Bsewicht! sagte der Richter zornig, willst du auch jetzt noch deine
Schuld leugnen?

Erbarmen, gestrenger Herr! flehte der arme Gesell und fiel auf seine
Knie. Ich rufe den Himmel zum Zeugen an, da ich unschuldig bin und von
dem Raube nichts wei.

Du bist berfhrt! antwortete jener. Der gefundene Beutel spricht am
deutlichsten fr dein Verbrechen; bekenne nur freiwillig, ehe dich die
Folter dazu zwingt. -- Der gengstigte Benedix konnte aber nichts tun, als
seine Unschuld wiederholt zu versichern; da aber Anstalten zur Tortur
gemacht wurden und der arme Schneidergesell die Marterwerkzeuge erblickte,
gestand er alles ein, obgleich sein Herz nichts davon wute. Der Proze
wurde nun kurz gemacht und Benedix zum Strange verurteilt.

Das Volk, das in der Gerichtsstube versammelt war, pries laut die Weisheit
und die Gerechtigkeit der Richter; am meisten aber tat dies jener
Brgersmann, der den Juden befreit hatte und sich nun auch in der
Versammlung befand. Das war aber, wie ihr wohl schon erraten haben werdet,
kein anderer als Rbezahl, der das Gold des Juden heimlich in das Felleisen
des Handwerksburschen versteckt hatte, um sich wegen des Spottnamens an ihm
zu rchen.

Indes ward ein Geistlicher zu dem armen Snder gefhrt, um ihn zum Tode
vorzubereiten, da dieser aber den Benedix sehr unwissend fand, hielt er es
fr notwendig, da die Hinrichtung verschoben werde, damit er den
Unwissenden zuvor mehr im Christentum unterweisen knne, und der Rat
gewhrte dazu einen Aufschub von drei Tagen. Als Rbezahl dies hrte, flog
er mrrisch ins Gebirge zurck, um dort die Zeit abzuwarten.

In dieser Zwischenzeit durchstrich er die Gegend und fand dabei ein junges
Weib, die traurig an einem Baume lag und weinte. Ihre Kleidung war drftig,
aber sehr gut und sauber gehalten, und ihre Hnde schienen an harte Arbeit
gewhnt. Sie trocknete sich zuweilen die Augen damit und seufzte so schwer,
da selbst Rbezahl davon bewegt wurde.

Er nahm daher wieder die Gestalt eines stattlichen Brgers an, trat nher
zu dem jungen Weibe und fragte, warum sie denn gar so traurig sei? Ach,
jammerte diese, ich bin eine Unglckliche und habe das Verderben eines
sonst so guten Menschen auf der Seele!

Der Gnom staunte. Wie? fragte er, dein Gesicht sieht doch so ehrlich und
gut aus, und du solltest voll Bosheit sein? Aber freilich, die Menschen
sind ja alle schlecht und bse.


Ach, mein Herr, da habt ihr unrecht; der Benedix ist nun schon eine treue,
redliche Haut und ist kein Falsch in seinem Herzen. Ich nur habe ihn ins
Verderben gelockt und seinen Tod verschuldet, den er nun durch Henkershand
sterben soll. Er ist nmlich mein Mann, -- der Benedix, -- und wir sind
kaum ein Jahr verheiratet miteinander; mit dem Gewerbe ging es aber von
Anfang an schlecht, wir hatten viel Not und Kummer, und ich war manchmal
unzufrieden und traurig, wenn ich die Nachbarinnen Sonntags in schnen
Kleidern zur Kirche gehen sah, indes ich mit der Nhnadel in der Hand
meinem Manne altes Flickwerk zusammensetzen helfen mute. Da wurmte ihn
endlich mein unzufriedenes Wesen, so wohlgemut er auch sonst bei aller
Trbsal gewesen war; er schnrte eines Tages sein Bndel und sagte: Ich
will ins Riesengebirge gehen, wo ich einige Verwandte habe; die helfen mir
wohl mit ein paar Talern auf, womit ich ein Fleckchen Acker kaufen kann.
Damit haben wir doch eigenes Brot, und es wirft doch auch einmal eine neue
Jacke oder Mtze fr dich ab. Der gute Benedix! -- Damit wanderte er
getrost nach Hirschberg; aber meine sndliche Unzufriedenheit hat ihn
verleitet, sich an fremdem Eigentum zu vergreifen, und nun mu er den
bittern Tod erleiden fr meine Schuld. Das berlebe ich nicht und will nur
noch einmal gehen, um Abschied von meinem Manne zu nehmen; die Mdigkeit
und der Schmerz haben mich aber schon auf der Hlfte des Weges aller Krfte
beraubt.

Rbezahl war von dem groen Schmerz des jungen Weibes gerhrt und verga um
ihretwillen der Rache, die er ihrem Mann geschworen hatte. Sei getrost,
sagte er zu der Weinenden, du sollst deinen Benedix wiederhaben, ehe die
Sonne untergeht. Wisse auch zu deinem Trost, da er den Raub nicht begangen
hat und unschuldig ist; merke dir aber die Lehre, knftig mit deinem
bescheidenen Lose zufriedener zu sein, da du nun weit, da der redliche
Arme glcklicher und beneidenswerter ist als der schuldbewute Reiche.

Ach Herr! rief die Frau, und sank vor ihm auf die Knie, das wollte euch
Gott vergelten, wie ihr mich getrstet habt. Gewi, ihr seid ein guter
Engel, den mir Gott schickt, obgleich ich so vieler Gnade unwert bin; denn
ich habe ja um irdischer Gter und Herrlichkeit willen mein Seelenheil
selbst in Gefahr gegeben.

Lasse das gut sein, sagte Rbezahl; ich bin kein Engel, sondern ein
Brgersmann aus Hirschberg, der viele Freunde unter den Ratsherren der
Stadt hat; die sollen mir deinen Mann schon freigeben. Kehre du nur in
Frieden heim und sei guten Mutes.

Da machte sich die Frau voll heien Dankes auf den Weg, und ihre Seele war
voller Freude. Rbezahl aber begab sich nun in der Gestalt des Geistlichen,
der den armen Snder zum Tode vorbereiten sollte, zu Benedix in den Kerker.
Wie fand er den lustigen Schneider da so beraus niedergeschlagen! Eine
lange Zeit redete er ber ernste Dinge mit dem Gefangenen, dann sagte er:
Ich berzeuge mich immer mehr, da du unschuldig bist, mein Sohn, wei dir
aber nicht zu helfen, denn deine Sache steht gar schlimm und die
Gerechtigkeit verlangt ein Opfer. Freilich gbe es noch ein Mittel, dich zu
retten, und ich will nicht anstehen, es anzuwenden. Du sollst nmlich die
Kleider mit mir wechseln und das Gefngnis verlassen; mein weiter Talar
wird den Gefngniswrter schon also tuschen, da er dir willig das Tor
ffnet. Hier hast du auch noch ein Brot auf den Weg, kehre nun heim zu
deinem Weibe, so schnell dich deine Fe tragen.

Aber ehrwrdiger Herr, sagte Benedix bedenklich, ihr knntet dadurch
wohl in groe Gefahr und Verantwortung kommen, wenn ihr mir also zur Flucht
verholfen httet. Am Ende tteten sie euch statt meiner, und ehe solches
Unrecht an einem so frommen Manne geschieht, will ich lieber sterben.
Wenngleich ich an dem Diebstahl unschuldig bin, so habe ich doch wohl durch
manche andere Snde Strafe verdient und will sie lieber ertragen, als mir
mein Gewissen durch euren Tod schwer machen.

Rbezahl wunderte sich ber die Sinnesart des ehrlichen Benedix und freute
sich, da er sein Unrecht an ihm noch gutmachen konnte. Daher sprach er zu
ihm: Sei ohne Sorge deshalb, mein Sohn, mein Stand wird mich vor einer
solchen Strafe schtzen; auch habe ich viele Anhnger und mchtige Freunde
in der Stadt, die mir kein Leid widerfahren lassen werden. Da ward der
arme Benedix erfreut, da er mit heiler Haut der Gefahr entkommen sollte,
machte sich geschwind auf und verlie mit tausend Danksagungen gegen den
ehrwrdigen Geistlichen seinen Kerker. Aber die ihm angeborene
Zaghaftigkeit konnte er doch nicht verleugnen, denn als er an dem Schlieer
vorbeiging, klappten ihm die Zhne und seine Knie schlotterten aus Furcht,
da dieser ihn erkennen mchte. Endlich kam er, glcklich aus der Stadt und
war, ehe die Sonne unterging, wieder daheim bei seinem Weibe.

Welch eine Freude hatte diese, ihren treuen Benedix gesund und frisch
wiederzusehen. Erst dankten sie beide Gott fr die wunderbare Rettung, dann
aber sehnte sich Benedix nach einer tchtigen Mahlzeit, denn die
Todesfurcht hatte ihm allen Appetit verdorben, und nach dem weiten Wege und
der glcklich berstandenen Gefahr machte der Hunger sein Recht geltend.
Die Frau holte nun geschwind herbei, was nur die arme Kche vermochte, und
Benedix schnitt das Brot dazu auf, welches der fromme Pater ihm mit auf den
Weg gegeben hatte.

Aber sieh da! als er das Messer hineinstie, gab es einen seltsamen Klang,
und ein Huflein geprgten Goldes fiel auf den Tisch. -- Nun erst merkten
Benedix und sein Weib, _wer_ der gromtige Helfer gewesen sein msse,
priesen ihn aus dankbarem Herzen, und zogen fort aus der Gegend nach Prag,
wo Benedix sich ein hbsches Haus kaufte und bald der berhmteste Meister
wurde, der oft mehr als zehn Gesellen hielt. Seine Frau geno nun den
Wohlstand, den sie sich frher so sehr gewnscht; aber sie mibrauchte ihn
nicht, sondern tat den Armen Gutes, statt mit schnen Kleidern zu prunken,
wie es wohl sonst ihr Streben gewesen war. Benedix blieb ehrlich, wie er es
immer gewesen, und das trug nicht wenig dazu bei, ihm Kundschaft und Ehre
zu bringen.

Als am dritten Tage in Hirschberg der arme Snder vor die Tore der Stadt
gefhrt wurde, waren viele Tausend Menschen versammelt, um dem Schauspiele
beizuwohnen. Als der Henker aber sein Amt verrichtet hatte, zappelte der
Tote so sehr am Stricke, da dem Henker bange ward, das Volk werde ihn
steinigen, da er den Delinquenten zu sehr qule. Auf einmal aber ward
dieser still und streckte sich lang aus; darauf verlief sich die Menge.

Am andern Morgen aber kamen einige Bauern vom Felde in die Stadt und
berichteten, der Gehangene lebe noch immer, denn er zappele mit Hnden und
Fen. Da schickte der wohlweise Rat eine Deputation hinaus zum Galgen, um
die Sache zu untersuchen, aber was fanden die gestrengen Herren statt des
Delinquenten? -- Eine Schtte Stroh mit alten Lappen bekleidet, wie man sie
oft in ein Schotenfeld stellt, um die Sperlinge zu verscheuchen.

Darber verwunderten sie sich sehr und schttelten die wohlgepuderten
Percken, da der feine Staub um ihre Kpfe flog. Nach langem Sinnen lieen
sie endlich den Strohmann abnehmen und verbreiteten die Nachricht, der
groe Wind habe in der Nacht den leichten Schneider vom Galgen ber die
Grenze der Stadt hinausgeweht.




Die Percken.


Als die Deutschen sich zu schmen anfingen, da sie Deutsche waren, galt
keine Tracht fr vornehm oder schn, die nicht von den Franzosen kam. Auch
die Tracht der Haare war aus Frankreich gekommen, und Mnner und Frauen
trugen Percken, um entweder ihre grauen oder ihre sprlichen Haare zu
verbergen und so noch fr jung zu gelten, whrend ihnen die Zeit doch schon
bedeutende Merkmale ihrer Jahre aufgeprgt hatte.

Als Rbezahl von diesen Narrheiten hrte, begab er sich nach Hirschberg, wo
eben Jahrmarkt war, und hielt Percken feil. Bald fand sich auch ein junger
Herr, der gern eine mit Locken gehabt htte und fragte, ob Rbezahl
dergleichen fhre. Genug! antwortete dieser, und alle nach der neuesten
Art, aber sie sind sehr kostbar.

Der Stutzer betrachtete sich die neuen, schnen Percken mit Lust, welche
Rbezahl aus den Schachteln nahm, und hatte keinen Tadel daran, als da sie
zu teuer wren. Dabei zuckte Rbezahl die Achseln und machte Miene, die
kostbaren Percken wieder einzupacken. Haltet nur, rief nun schnell
entschlossen der Stutzer, wenn mir der Preis auch sehr hoch zu sein
scheint und eigentlich meine Verhltnisse bersteigt, so will ich mir doch
eine eurer schnen Percken kaufen. Es wird Aufsehen erregen, werde ich
doch der erste sein, der diese neue Mode trgt.

Er bezahlte den hohen Preis ohne Widerrede und ging vergngt nach Hause.
Nun ging es wie ein Lauffeuer durch die ganze Stadt, da neue Percken zu
haben wren, und wo ein Narr Geld hatte, kaufte er sich einen solchen Putz,
so da der Handelsmann bald alle seine Waren verkauft hatte und den Markt
verlie.

Des Nachmittags stolzierten die Kufer mit ihren neuen Percken auf dem
Markte umher, und jener junge Stutzer dachte: Du gehst auch; wie werden
die Leute staunen, wenn sie erst meinen Haarputz sehen!

Als er nun mit stolzem Schritt und groem Selbstgefallen an einem Gasthofe
vorbergeht, dessen Fenster alle mit vornehmen, fremden Damen besetzt sind,
ruft ihm ein Bauer nach: Guter Freund! Euch hat wohl jemand einen
Schabernack gespielt, und zeigt auf die Percke. Und zu gleicher Zeit
springen alle Straenbuben um ihn herum, lachend und schreiend, und selbst
alte Leute lcheln im Vorbergehen, wenn sie den jungen Herrn ansehen. Da
luft dieser endlich in ein Haus, nimmt die Percke ab und betrachtet sie
entsetzt, denn sie ist zu einem Geniste von Moos, Werg und Heu geworden.
Unterdessen ist es den andern Kufern nicht besser ergangen, und Lrm und
Gelchter hrt man in allen Straen der Stadt.

Wie gut aber auch Rbezahl diesen Spa durchgefhrt hatte, so blieb er doch
ohne groen Nutzen, denn noch zu heutiger Zeit schmen sich die Deutschen
nicht, die Affen fremder Vlker zu machen, und es tte not, Rbezahl kme
wieder, um ein Exempel zu geben.




Mutter Else.


Die Hilfe, welche Rbezahl einzelnen Personen hatte angedeihen lassen, zog
eine Menge Miggnger, nachlssige Hauswirte und dergleichen herbei, die
alle, bald durch Bitten, bald durch Spott den Berggeist zu reizen suchten,
da er erscheinen und ihre Klagen anhren mchte. Eine Zeitlang lie dieser
sie ruhig ihr Wesen treiben, denn er verachtete sie zu sehr, um sich ber
sie zu erzrnen, oder er neckte sie auch zuweilen durch ein blaues
Flmmchen, welches sie fr das Zeichen hielten, da ein Schatz in der Erde
liege; ja er lie sie sogar schwere Tpfe finden, und wenn sie diese mhsam
heimtrugen, fanden sie statt des Goldes Steine und Scherben darin.
Gleichwohl lieen sie nicht ab, den Gnom mit Bitten zu bestrmen, bis er
endlich ganz zornig ward und einen tchtigen Steinhagel unter das Gesindel
warf, um sie aus seinem Gebiete zu verjagen. Kein Wanderer betrat nun ohne
Furcht und Zittern das Riesengebirge; Rbezahl aber ward lange Zeit nicht
mehr gehrt und gesehen.

Eines Tages sonnt sich der Berggeist an der Hecke seines Gartens; da kam
ein Weib daher, die durch den sonderbaren Aufzug, den sie machte, seine
Aufmerksamkeit erregte. Sie hatte nmlich ein Kind auf dem Arme, eins auf
dem Rcken, eins leitete sie an der Hand und ein etwas grerer Knabe trug
einen leeren Korb und einen Rechen, denn die Mutter wollte Laub einsammeln
frs Vieh.

Eine Mutter mu doch wahrlich ein gutes Geschpf sein, dachte Rbezahl,
schleppt sich da mit vier Kindern und mu noch dazu mhsame Arbeit
verrichten. Diese Betrachtungen versetzten den Gnom in gute Laune, und er
nahm sich vor, eine Unterredung mit der Frau anzufangen. Diese hatte indes
ihre Kinder auf den Rasen gesetzt und streifte Laub von den Bschen;
mittlerweile wurde den Kleinen die Zeit lang und sie fingen an zu weinen
und zu schreien; Da verlie die Mutter ihre Arbeit, spielte und scherzte
mit ihnen, wiegte sie endlich in den Schlaf, und ging dann rstig wieder an
ihre Arbeit. Aber die Mcken stachen die kleinen Schlfer, sie wurden aufs
neue unruhig und ebenso rasch als unverdrossen eilte die Mutter wieder
herzu, suchte Himbeeren im Gebsch und brachte sie den weinenden Kleinen.
Diese mtterliche Sorgfalt und Geduld rhrte den Gnom.

Der kleinste Knabe aber wollte sich durchaus nicht beruhigen lassen; er
warf die Beeren an den Boden und schrie, als ob er gespiet wrde. Darber
ging der Mutter endlich die Langmut aus; Rbezahl! rief sie drohend,
komm und fri den unartigen Schreihals!

Augenblicklich kam der Gerufene in Gestalt eines Khlers herbei und sprach:
Hier bin ich, was willst du von mir? --

Die Frau geriet in den grten Schrecken, fate sich aber bald wieder ein
Herz und antwortete: Ich rief dich nur, damit mein kleiner Schreihals
ruhig sein sollte; du siehst, es hat schon geholfen, also brauche ich dich
weiter nicht; hab Dank fr deinen guten Willen.

Ei! sagte Rbezahl, so ungestraft ruft man mich nicht. Nun halte ich
dich beim Worte; gib mir den Schreier, da ich ihn geschwind aufesse, mir
ist lange kein so zarter Bissen vorgekommen. Darauf streckte er die ruige
Hand nach dem Knaben aus.

Da gab die Angst der Mutter Riesenkrfte, sie setzte sich mutig gegen
Rbezahl zur Wehr, zerzauste ihm den Bart tchtig und rief: Du Ungetm,
ehe du mein liebes Kind rauben kannst, mut du mir erst das Herz aus dem
Leibe reien.

Eines so heftigen Angriffs hatte Rbezahl sich nicht versehen, aber ihm
gefiel der Mut und die Mutterliebe dieses Weibes. Deshalb lchelte er
freundlich und sagte: Entrste dich nicht so sehr; ich bin kein
Menschenfresser und will auch deinem Kleinen kein Leid antun. Aber la mir
den Jungen; er gefllt mir, und ich will ihn wie einen Junker halten, in
Sammet und Seide kleiden, und es soll ein wackerer Bursche aus ihm werden,
der euch alle einmal erhalten kann. Ja, du kannst hundert blanke Taler fr
den Buben fordern, und ich gebe sie dir sogleich. --

Ha, lachte das Weib, also mein Junge gefllt euch. Ei seht doch, das
freut mich, denn der prchtige Schlingel ist mir auch lieber als alle
Schtze der Welt.

Du hast ja noch drei andere Kinder, sagte. Rbezahl, sie machen dir
Arbeit und berdru genug; du mut dich ja ohnehin placken und schwere
Arbeit machen.

Ei nun, machen sie mir manchmal ein bichen Last, so sind's dafr doch
meine lieben Kinder, und machen mir noch viel mehr Freude.

Eine schne Freude, sie den ganzen Tag herumzuschleppen, sie zu gngeln,
zu waschen und zu fttern, und dabei ihre Unarten und ihr Geschrei zu
ertragen.

Seht nur, Herr Berggeist, das versteht Ihr nun eben nicht. So etwas ist ja
die grte Freude fr eine Mutter, und kein Kind ist ihr lieber, als was
ihr die meiste Mhe macht, wofr sie Tag und Nacht die Hnde regen mu.


Nun, hast du denn nicht einen Mann, der fr euch alle sorgt, arbeitet und
die Hnde regt?

O ja, und ich fhl's oft recht nachdrcklich, wie er sie regt, sagte die
Frau mit einem komischen Seufzer, und machte eine verstndliche Bewegung,
als schwinge sie einen Stab. --

Was? rief der Gnom ganz aufgebracht, ein so braves Weib, wie ihr seid,
zu schlagen! Ei! so will ich ihm doch gleich das Genick dafr brechen.

Nun, da werdet Ihr etwas zu tun, bekommen, wenn Ihr jedem querkpfigen
Manne das Genick brechen wollt. Seht nur, Steffen ist im Grunde so schlimm
nicht, aber er mu es sich auch sauer werden lassen, um die kleine
Wirtschaft im Stande zu erhalten, denn ich habe ihm nicht einen Groschen
Heiratsgut mitgebracht. Wenn ich nun Geld haben will, um den Kleinen Schuhe
und dergleichen zu kaufen, da tobt er freilich manchmal rger als ein
Heide, denn unter uns, er ist ein bichen geizig.

Was treibt denn Steffen fr ein Gewerbe?

Er ist ein Glashndler und mu jahraus, jahrein die schwere Hucke mit
Glaswaren von Bhmen herunter ins Land tragen. Wie oft zerbricht nicht da
etwas auf dem weiten Wege, und das mssen die Kinder und ich denn freilich
entgelten. Aber fragt einmal nach, wo das besser sei und die Frau nicht
manche schlimme Stunde hat, weil der Mann rger hat.

Rbezahl gab sich nun zufrieden, obschon er ein Hkchen auf Steffen hatte;
fing aber nochmals davon an, da ihm die Mutter den Knaben geben solle. Sie
gab ihm aber keine Antwort mehr darauf, sondern raffte das Laub in den
Korb, band das kleinste Kind mit dem Bande darauf fest und drehte dem
Berggeist den Rcken. Da sie aber den schweren Korb nun nicht gut auf die
Schultern heben konnte, wandte sie sich noch einmal zu ihm um und bat:
Wollt ihr wohl so gut sein und mir den Korb aufnehmen helfen? Und wenn ihr
ein briges tun wollt, so schenkt dem Jungen, der euch so gut gefllt,
einen Pfennig zu einer Semmel!

Rbezahl half ihr den Korb auf den Rcken heben: Gibst du mir deinen
Jungen nicht, sagte er dabei, so soll er auch keinen Pfennig von mir
haben!

Nun, wie ihr wollt, der Junge wird auch ohne Semmel gro werden,
antwortete sie kurz und ging ihres Weges.

Je weiter sie aber ging, desto schwerer ward ihr der Korb, so da sie
endlich kaum mehr fort konnte. Sie mute endlich einen Teil des Laubes
ausraffen, um nur leichter zu tragen; aber sie war noch nicht weit
gegangen, da kam ihr der Korb noch viel schwerer vor, und sie mute
abermals ausraffen, was ihr ganz unerklrlich war, denn sie hatte oft eine
weit grere Brde getragen, ohne davon so ermdet zu werden. Als sie
endlich nach Hause kam, waren ihre Arme wie zerbrochen von der schweren
Last, und doch hatte sie noch viel in der Wirtschaft zu tun, warf den
Ziegen das Laub vor, gab den, Kindern das Abendbrot, wiegte sie in den
Schlaf, und legte sich endlich auch danieder, um flugs und frhlich
einzuschlafen.

Die frhe Morgenrte weckte das fleiige Weib zu neuem Tagewerke. Sie holte
nun ihr Melkgef und ging in den Ziegenstall. Aber welch ein
schreckensvoller Anblick, erwartete sie da! Ihr liebes, treues Haustier,
die alte Ziege, lag ganz starr und tot im Stalle, und die zwei Jungen
atmeten nur noch schwach. Ein so groes Unglck hatte die arme Frau all
ihre Tage noch nicht getroffen, und sie weinte bitterlich darber. Ach!
jammerte sie, es kommt ja kein Unglck allein, wie wird nun Steffen zanken
und wild werden, wenn er heimkommt; -- nun ist es mit meinem ganzen Frieden
aus, und ich habe kein Glck mehr auf der Welt. Aber das Herz strafte sie
sogleich ber diese Worte. Waren denn die Ziegen dein einziges Glck und
nicht deine Kinder? -- Da schmte sie sich ihres Unmutes und dachte:
mag's denn sein, hat mir doch der liebe Gott die Kinder noch immer gesund
erhalten. Jetzt ist die Ernte vor der Tr, da kann ich ins Feld gehen und
schneiden helfen, damit verdiene ich mir schon etwas, und wenn ich im
Winter dann noch recht fleiig spinne, kann ich mir zum Frhjahr wohl
wieder eine neue Ziege kaufen.

Indem sie dies alles bei sich dachte, ward sie getroster, trocknete sich
die Augen und sah noch einmal die armen Ziegen an, die nun alle drei tot
waren. Da flimmerte etwas im Stroh zu ihren Fen; sie hob es auf, es war
ein Blatt, das gelb wie Gold schimmerte. Da lief sie geschwind zu einer
Judenfrau, die in der Nhe wohnte, und diese erklrte den Fund fr
gediegenes Gold, gab ihr auch gleich drei blanke Taler dafr. Wer war nun
froher als das arme Weib; sie lief flugs zum Bcker, kaufte Semmel und
Butterkringel fr die Kinder und eine Hammelkeule fr Steffen, die wollte
sie ihm gut zurichten, wenn er abends mde und hungrig heimkme. Sie verga
allen Harm ber der Freude, ihre lieben Kinder einmal recht gut
abzufttern, und diese zappelten, sprangen und jauchzten auch nicht wenig,
als sie die Backwaren bekamen. Indes schaffte die Mutter die toten Ziegen
beiseite, damit Steffen das Unglck nicht sogleich merke, wenn er nach
Hause komme.

Wer aber beschreibt ihr Erstaunen, als sie zufllig in die Futterkrippe sah
und einen ganzen Haufen solch goldener Bltter darin erblickte; ja selbst
in dem Korbe, worin sie das Laub heimgetragen hatte, hingen noch einzelne
von den kostbaren Blttern. Nun begriff sie auch leicht, woran ihre Ziegen
gestorben waren; sie haben das unverdauliche Laub gefressen, dachte sie,
und holte rasch ein Messer herbei, schnitt ihnen den Magen auf und fand
auch richtig ganze Klumpen Gold darin. Nun war die arme Frau mit einem Male
so reich geworden, da sie glaubte, sie knne soviel Gold all ihr Lebtag
nicht verbrauchen; sie lief in ihrer Freude gleich zum Pfarrer, der ein
sehr biederer Mann war, und dieser verwahrte ihren Schatz auf das
gewissenhafteste. Wenn ich euch einen Rat geben soll, gute Frau, sagte
er, so lat euren Mann nichts von der Sache erfahren, er wrde das Geld
fr sich behalten und euch und den Kindern nichts davon geben. Ich will
einen Brief in fremder Sprache schreiben, als ob er von eurem Bruder kme,
der weit in der Fremde ist, und der euch eine kleine Summe Geld schicke.
Daran knnt ihr Steffen teilnehmen lassen, und so immer mehr und mehr von
dem Schatze geben, aber nicht auf einmal, denn das wre bei Steffens
Denkart und seinem Hange zum Geiz nur gefhrlich.

Die gute Frau war mit diesem Vorschlage wohl zufrieden und gab auch eine
hbsche Summe dem Pfarrer fr die Armen des Dorfes; auch kaufte sie fr die
Kirche eine neue Altarbekleidung, denn sie war Gott dankbar fr den
unverhofften Segen, und wollte ihm dies beweisen durch Mildttigkeit.

Whrend alledem kam Steffen mit einer schweren Ladung Glassachen ber das
Gebirge. Er war sehr ermdet, und da er an seinem Wege eine schne groe
Wiese fand, beschlo er, sich ein wenig niederzulegen. Es war auch ein
umgehauener Baumstamm in der Nhe, darauf konnte er seine Hucke bequem
niedersetzen, und nun ruhte er sich gemchlich aus in dem frischen Grase,
worin weier Teufelsbart und Marienflachs blhten. Er berechnete dabei den
Vorteil, den er diesmal aus seiner Ladung zu ziehen gedachte. Ich will mir
einen Esel in Schmiedeberg dafr kaufen, sagte er in halblautem
Selbstgesprche, der kann statt meiner die schwere Hucke tragen; mein Weib
ist jung und rstig und kann schon allein fr die Kinder sorgen, wenn ich
ihr auch nichts gebe von meinem Verdienste. Sie hat ja auch die Ziegen, und
die Kinder knnen mit den Winterkleidern noch lange warten. Kann ich nur
erst auf dem Esel eine doppelte Ladung Glaswaren aus Bhmen herberbringen,
dann ist mir auch doppelter Verdienst gewi, und ich bringe es auch nach
und nach wohl bis zu einem Pferde. Ein Stck Acker findet sich auch schon
dazu, es liegt viel Rodeland um meine Htte, und mein Weib hat junge,
rstige Glieder; mit der Zeit kann mir ein kleines Bauerngut nicht fehlen,
und dann soll auch Else fr sich und die Kinder neue Kleider kaufen.

Als Steffen so in seinem knftigen Reichtum schwelgte, erhob sich pltzlich
ein heftiger Wirbelwind und strzte den Korb mit den Glaswaren vom Stamme
herunter, da der zerbrechliche Kram in tausend Stcken herumlag. Das war
der hrteste Schlag, der den geizigen Mann treffen konnte; ganz betubt
starrte er auf die Scherben, mit denen zugleich auch alle seine schnsten
Hoffnungen zertrmmert waren. Da hrte er ein schallendes Gelchter ganz in
seiner Nhe; er sah sich betroffen um, erblickte aber niemand; was ihn aber
noch mehr staunen machte, war, da der Baumstamm, auf den er zuvor seine
Glashucke niedergestellt hatte, ganz und gar verschwunden war.

Rbezahl! rief er heftig, du Schadenfroh, das hast du mir getan! Womit
habe ich dich denn erzrnt, da du mich um meinen sauren Verdienst bringst!
Komm doch lieber gleich und erwrge mich, du tckischer Kobold, du
boshafter Halunke, denn du hast mich doch auf Lebenszeit zu einem
geschlagenen Manne gemacht.

Es war Steffens bitterer Ernst mit diesen Worten, aber Rbezahl lie sich
weder sehen noch hren. --

Der arme Steffen mute sich entschlieen, die zerbrochenen Glasscherben
zusammenzusuchen, damit er in der Glashtte wenigstens einige Spitzglser
dafr bekommen, um nun wieder einen neuen Handel anfangen zu knnen. Er
sann und sann, woher er Geld nehmen sollte, um nur wieder Waren einkaufen
zu knnen, aber er sah keinen Ausweg. Endlich fielen ihm die Ziegen seiner
Frau ein. Wenn du die httest und verkaufen knntest, dachte er, die
wrden dir viel helfen; Else wird sie aber gewi nicht hergeben, denn sie
braucht Milch fr die Kinder. -- Wie wre es aber, wenn ich um Mitternacht
mich still nach Hause schliche, die Ziegen aus dem Stalle holte und nach
Schmiedeberg auf den Markt triebe. Dann knnte ich neue Glaswaren kaufen,
und damit Else, nichts merke, wollte ich sie tchtig ausschelten, da sie
so nachlssig, gewesen sei, sich die Ziegen stehlen zu lassen. Ja, den
Kniff will ich anwenden, um mir aus meiner traurigen Lage zu helfen.


Um nun dies Vorhabens auszufhren, schlich sich Steffen so nahe als mglich
an das Dorf und versteckte sich in einem Busche, bis es Nacht ward. Dann
machte er sich ganz behutsam auf den Weg, kletterte ber den Zaun und
ffnete den Ziegenstall. Wider Gewohnheit war dieser unverriegelt, und so
sehr ihm dies auch lieb war, fand er doch einen Grund darin, mit seinem
Weibe schelten zu knnen ber groe Nachlssigkeit. Im Stall aber rhrte
sich nichts; er tappte an der Krippe hin -- es war alles leer. Im ersten
Schreck glaubte Steffen, es sei ihm ein Dieb zuvorgekommen, und war darber
so niedergeschlagen, da er sich auf die Spreu warf, in dumpfer Traurigkeit
darber, das letzte Mittel verloren zu haben, mit dem er sich wieder
aufzuhelfen gedachte.

Else hatte vergeblich mit der guten Mahlzeit auf ihren Mann gewartet und
war noch spt abends nach der Landstrae gelaufen, wo sie noch lange nach
Steffen sah, bis ihr die Augen weh taten. Traurig ging sie heim, denn sie
dachte, es sei ihm ein Unglck begegnet, und es kam die ganze Nacht kein
Schlaf in ihre Augen.

Am Morgen klopfte es leise an die Tr. Steffen war es, der die Nacht im
Ziegenstalle auch eben nicht gut zugebracht hatte. Liebes Weib, sagte er
ungewhnlich sanftmtig, mache mir doch auf, ich bin mde. -- Else hrte
kaum ihres Mannes Stimme, als sie flink wie ein Reh herbeisprang und ihn
vor lauter Freude umhalste, da er wieder gesund und frisch vor ihren Augen
stand. Er setzte aber ganz kleinlaut und still seinen Korb auf die Ofenbank
und warf sich mimutig daneben.

Wie Else ihn so traurig sah, ging es ihr ans Herz. Was hast du denn,
Steffen? fragte sie gutmtig, ist dir etwas Schlimmes begegnet? Mit
Seufzen und ganz kleinmtig erzhlte er ihr endlich sein Unglck.

Else htte am liebsten laut gelacht ber den Possen, den Rbezahl ihrem
Manne in guter Absicht gespielt hatte. Als er aber nach den Ziegen fragte,
bekam sie selbst Lust, ihn ein wenig zu necken, denn dachte sie, der
Hausvogt hat richtig schon berall herumspioniert. Was kmmert dich mein
Vieh? sagte sie, hast du doch nicht einmal nach den Kindern gefragt. Die
Ziegen sind wohl aufgehoben drauen auf der Weide. Lasse dich aber
Rbezahls Tcke nicht anfechten, wer wei, auf welchem Wege er es wieder
gutmacht.

Da kannst du lange warten, brummte Steffen. Ei nun, versetzte das Weib,
unverhofft kommt oft. Hast du auch keine Glaswaren und ich keine Ziegen
mehr, so haben wir ja doch vier gesunde Arme, das ist der beste Reichtum!

Ach, da Gott sich erbarme, jammerte der bedrngte Mann, also die Ziegen
sind doch fort! Nun, so kann ich die Kinder auch nicht mehr erhalten.

Nun, so kann ich's, sprach Else. -- Bei diesen Worten trat der
freundliche Pfarrer herein, der die Unterredung an der Tr gehrt hatte,
und nachdem er dem Steffen eine tchtige Strafpredigt ber den Geiz
gehalten hatte, der eine Wurzel alles bels sei, -- verkndete er ihm, da
sein Weib ein reiches Geschenk von ihrem Bruder bekommen habe und zog den
Brief hervor. Und nun las er ihm vor, wie Steffen das Geld nicht in die
Hnde bekommen, sondern er, der Pfarrer, dasselbe verwalten solle, damit
Else und die Kinder auch wirklich ihr gut Teil davon bekmen.

Da stand Steffen wie versteinert und konnte gar nicht zu Worte, kommen.
Endlich nahm das gute Weib seine Hand und sprach ihm Mut zu; da nahm er
sich vor, besser und ein freundlicher Ehemann zu werden; er versprach es
auch seiner Frau vor dem Pfarrer, und bat Elsen, sie solle ihn jetzt nicht
verlassen, da sie reich geworden sei. Und er hielt redlich Wort; seine
fleiige Hand mehrte das Geschenk des Berggeistes von Tag zu Tag. Endlich
kaufte der redliche Pfarrer ein schnes Bauerngut, worauf Steffen und sein
Weib ihr Lebelang glcklich und zufrieden wirtschafteten.

Die treue, sorgsame Mutter erlebte an ihren Kindern viele Freude; der
kleine Bube, Rbezahls Gnstling, wurde ein wackerer Soldat und diente
unter Wallenstein im dreiigjhrigen Kriege mit vielem Ruhme.




Glcks-Mnnlein.


Eines Tages kam in Seidorf die Rede darauf, da, wer in Rbezahls
Lustgarten Glcks-Mnnlein pflcken knne, reich und glcklich in der Welt
werde; es msse aber in der Johannisnacht geschehen, denn auer dieser Zeit
breche Rbezahl einem jeden, der komme, den Hals. Es mu aber eine Waise
sein und kein bser Mensch, setzte der Erzhler hinzu.

Nun waren ein Paar Geschwister in der Wirtsstube, die beide verwaist waren,
und der Brauer hatte sie aus Barmherzigkeit zu sich genommen; wie nun der
Knabe diese Reden hrt, denkt er: Das will ich versuchen, und wenn es
glckt, so soll mein Schwesterchen und der gute Brauer, der sich der armen
Waisen angenommen hat, auch reich und glcklich werden.

Ohne jemand ein Wort zu sagen, schleicht sich Joseph aus der Stube, steckt
sich ein Stck Brot ein und schreitet wohlgemut aus dem Dorfe, den Bergen
zu, denn es war eben die Johannisnacht. Wie er bis zur Hampelbaude kommt,
fragt ihn der Baudenwirt, wohin er noch so spt wolle und der Knabe erzhlt
treuherzig sein Vorhaben.

Ein Mann der behaglich hinter einer Flasche Ungarwein sitzt, hrt das mit
an, und als Joseph, weitergeht, kommt er ihm rasch nach. Wir wollen
Gesellschaft machen, spricht er zu dem Knaben, ich gehe auch noch diese
Nacht in Rbezahls Lustgrtlein.

Joseph sieht den stattlichen Mann an, der so rund und wohlgenhrt aussieht
und denkt: ei, was mag denn dem noch zu seinem Glcke fehlen? -- Das ist
ja der reiche Kretschmer aus Breslau, der gestern bei uns in Seidorf
bernachtete und bis spt nach drei Uhr Karten spielte und zechte. --

So gehen sie nebeneinander; die Nacht ist lieblich und still, und von den
Drfern im Tale klingen die Abendglocken herauf. Da faltet der Knabe in
frommer Gewohnheit seine Hnde und betet; der fremde Mann denkt aber nur an
all den Reichtum, den er mit Hilfe der Glcks-Mnnlein erwerben wird. Als
sie nun am Lustgarten Rbezahls ankommen, leuchten ihnen schon die Blten
des Glcks-Mnnlein entgegen und der Kretschmer fllt gierig darber her,
ganze Hnde voll davon ausrupfend.

Da tritt pltzlich ein Greis mit langem, silberweiem Barte hinter einem
Felsen hervor und ruft ihm ein donnerndes Halt zu. Der Mann zittert am
ganzen Leibe und bleibt wie angewurzelt stehen; der Knabe aber geht ruhig
an den Greis heran und bittet: er mge ihm doch erlauben, zwei
Glcks-Mnnlein mitzunehmen.

Da schaute der Greis freundlich auf den Bittenden und fragte: wozu er denn
gerade zwei Glcks-Mnnlein pflcken wolle?

Joseph sagt nun, wie er und seine Schwester Waisen seien und gern glcklich
werden mchten, damit sie nicht mehr guten Leuten zur Last fielen, und nur
deshalb bitte er um zwei Blmlein.

Nun wurde der Greis immer freundlicher, pflckte selbst einen groen Strau
der begehrten Blumen, gab sie dem Knaben in die Hand und steckte ihm noch
alle Taschen voll davon, indem er ihn ermahnte, nichts davon zu verlieren.
-- Nachdem dies geschehen und Joseph tausend Dank gesagt, fragt der Greis
den Kretschmer: Wer bist du? -- Der Mann sagt, er sei arm und in Not und
kme auch, um sein Glck zu machen.

Elender! fuhr der Greis ihn an, glaubst du, ich wrde einen so
schlechten Patron, wie du bist, glcklich machen? Hebe dich hinweg, nur fr
unschuldige Waisen ist das Glck beschert, das sie hier suchen. -- Unter
diesen Worten stand der Kretschmer zitternd vor dem Greise, wollte aber
doch nicht vergebens heraufgestiegen sein und sagte, er sei auch eine
Waise, sein Vater wre von den Moskowitern fortgeschleppt worden, als er
kaum zwlf Jahre alt gewesen sei. Er hatte diese Worte kaum gesprochen, da
ergrimmte der Greis, fate ihn bei der Gurgel und warf ihn hinab in den
tiefen Grund. Nichtswrdiger Lgner! sagte er dabei, und seine Stimme
klang wie ferner Donner; -- das Winseln des Mannes verstummte bald. -- Der
Knabe aber war erschrocken auf die Knie gesunken und betete; da nahm ihn
der Greis an die Hand, sprach ihm sanft zu und fhrte ihn wieder aus dem
Gehege heraus.

In Seidorf war man indes um Joseph sehr besorgt gewesen, und besonders die
Schwester freute sich, als er gesund und frisch wiederkam und ganze Hnde
voll Glcks-Mnnlein mitbrachte. Er teilte dem Brauer redlich davon mit,
und am andern Morgen hatte sich jedes Blttlein in pures Gold verwandelt.
Nun gab es auf der Welt keine glcklicheren Geschwister; Joseph ward der
reichste Bauer im Dorfe, hat aber nie die Hilfe Rbezahls und das
schreckliche Ende des schlechten Kretschmers vergessen.




Die drei besten Menschen.


Rbezahl kam auf seinen Streifereien eines Abends bei den Grenzbauden
vorbei. Wie wr's, dachte er, wenn du ber Nacht hier bliebest?
Vielleicht erlebst du einen lustigen Zufall, und damit ging er ins Haus.

Da saen drei Mnner um einen Tisch, tranken ihre Flasche sterreicher und
waren guter Dinge; zu denen setzte sich Rbezahl und bat, sie mchten sich
in ihrem Gesprch nicht irre machen lassen. Nun fuhr der erste von ihnen in
seiner Rede also weiter fort:

Ich bin ein Landsknecht, sagte er, aus Dinckelsbhl in Schwaben, und da
jetzt Frieden im Reiche ist, so gehe ich in die weite Welt, um auf meine
eigene Rechnung Taten zu tun, vor denen die Menschen staunen sollen, und
ich will niemand raten, daran zu zweifeln; ich bin zwar sonst der beste
Mensch von der Welt, den Widerspruch aber kann ich nicht leiden, ich mchte
da immer gleich mit dem Schwerte dreinschlagen, und das nehmen die Leute
gleich bel.

Der andere erzhlte, er sei aus Schlesien und habe sonst in Goldberg Tuche
geschoren, aber er habe die Stadt um einer Kleinigkeit willen verlassen und
suche nun andere Arbeit. Ich bin eigentlich der beste Mensch von der
Welt, sagte er, aber obgleich ich manches Tuch geschoren habe, lasse ich
mich doch nicht scheren, und da es der Meister einmal mit mir probieren
wollte, warf ich ihm mein Eisen an den Kopf. Da verklagte er mich und ich
nahm Reiaus, um nicht im Stock zu brummen.

Ich bin ein Mller, sagte der dritte auf Befragen, und gewi der beste
Mensch von der Welt, nur kann ich keine Ungerechtigkeit leiden. Wenn mir
nun einer von der Mahlmetze und dergleichen anfngt, kribbelt's mich in den
Fusten und ich fasse da manchmal nach einem Stuhlbein oder dem Bierkandel
und schlage drein. Darber kam ich mit aller Welt in Unfrieden, und der
Meister jagte mich fort, weil ich ihm die Mahlkunden verjagte, wie er
sagte.

Nun, da haben wir ja ziemlich einerlei Geschick, fing darauf der
Landsknecht an, wie wr's, wenn wir ein Stck miteinander in die Welt
gingen? Das waren die anderen zufrieden und legten sich einig und
friedlich aufs Stroh.

Als sie nun fest schliefen, betrachtete sie Rbezahl und sagte zu sich
selbst: Warum mache ich doch diese Entdeckung so spt, die alle meine
frheren Erfahrungen Lgen straft. Sonst wre ich ja zufrieden gewesen wenn
ich nur _einen_ besten Menschen auf der Welt gefunden htte, und hier habe
ich nun gleich drei auf einmal.

Am anderen Morgen zogen die drei besten Menschen ihres Weges, und Rbezahl
zauberte jedem einen Portugaleser in die Tasche, der ihnen auf ihrer
Wanderschaft ganz gut zustatten kam.

Nach langer Zeit dachte der Berggeist: Ich mchte wohl wissen, wo jetzt
die drei besten Menschen der Welt sein mgen und wie es ihnen ergeht. Und
siehe da, kaum hat er es gedacht, so sieht er den Goldberger Tuchscherer
von Hohenelbe herkommen. Rbezahl verwandelt sich geschwind in einen
Grenzjger und fngt ein Gesprch mit dem Burschen an. Ei, warum wandert
ihr denn ganz allein, habt ihr keinen Reisegefhrten gefunden?

Zwei fr einen, aber mit denen war nicht auszukommen, obgleich ich der
beste Mensch von der Welt bin. Was scher ich mich drum, ich hab gehrt,
mein Meister ist gestorben, und da er mir nun nichts weiter antun kann,
gehe ich wieder, woher ich gekommen bin, nach Goldberg.

Das ist wohl eine groe, schne Stadt? fragt der Grenzjger; ich bin aus
Schwaben und erst zwei Tage hier im Lande.

Nun, dem kannst du eins aufbinden, denkt der Goldberger, und sagt: Ei
ja, es hat viel Merkwrdigkeiten in meiner Vaterstadt, besonders den
Ratsturm, der ist an die elftausend Fu hoch, und die Esse des Trmers
nimmt allein tausend Fu davon weg. Wenn die einmal gefegt wird, so braucht
der Essenkehrer einen und einen halben Tag und mu Nachquartier darin
machen, wozu mitten in der Esse ein kleines Stbchen gebaut ist.

Du Schelm, denkt Rbezahl, das soll dir doch nicht ungestraft hingehen.
Der Goldberger aber lgt tapfer weiter. Endlich kommen sie nach Krummhbel,
und die Sonne vergoldet die Berge ber ihnen zum Entzcken schn. An den
Bleichpltzen sind viele Menschen versammelt, und der Tuchscherer grt
herablassend nach allen Seiten. Aber die Bleicher stemmen die Arme in die
Seiten und lachen, da es in den Bergen widerhallt. Die Wanderer am Wege
bleiben stehen und sehen den Goldberger mit Staunen und Entsetzen an. Der
sieht nmlich wie ein Kreuzschnabel und Pfefferfresser aus, eine groe Nase
sitzt in seinem Gesicht und darum noch eine Menge kleine. Das sieht er, wie
er eben an einem groen Zuber mit Wasser vorbergeht und erschrickt halb
zum Tode darber. Die Hnde vor das Gesicht geschlagen, luft er in den
Wald zurck, verfolgt von dem Gelchter der mutwilligen, jungen Leute, die
auf dem Felde und den Bleichen beschftigt sind.

Der Goldberger blieb die ganze Nacht versteckt, und nur der Hunger trieb
ihn endlich wieder dem Dorfe zu. Da begegnet ihm ein Jger und spricht
lachend:

Ach, du bist dem Berggeist wohl auch in die Hnde gelaufen? Deine Nase ist
keine natrliche.

Ich glaube, der Fremde, der mir in Hohenelbe begegnete, ist der Herr
Johannes gewesen und dem habe ich freilich auch eine Nase aufgebunden. Ach,
wre ich nur noch einmal diese schreckliche Nase los, ich wollt in meinem
Leben nicht mehr lgen!

Topp, es gilt, mein Bursch! rief der Jger, aber, halt auch Wort. --
Und lachend verschwand er zwischen dem hohen Korn. Der Goldberger aber
hatte sein natrliches Gesicht wieder.




Der bse Vogt.


Es war einmal ein Ritter, der Frau und Kind pltzlich durch den Tod verlor
und darber so in Trbsinn versank, da ihm nichts auf der Welt mehr Freude
machte. Es ward ihm unheimlich auf seiner Burg; ritt er zur Jagd aus, so
schien ihm der Wald zu eng; der Wein mundete ihm nicht und dem Trost seiner
Genossen und Freunde verschlo er das Ohr. -- Endlich beschlo er, seine
Heimat auf lange Jahre zu verlassen, fllte den Sckel mit Goldglden,
befahl dem treuen Knappen, die Rosse zu schirren und bergab die Burg
seinem Vogte Lutz. Und nun ritt er weit in das Reich hinein.


So lange der Ritter daheim gewesen war, hatten seine Drfler und Insassen
ein glckliches Leben gefhrt, das ward nun aber bald anders. Vogt Lutz
lie die ltesten aus den Drfern, die zur Burg gehrten, herbeirufen, und
sagte ihnen, da sie von nun an doppelt so viel Abgaben bezahlen und statt
dreier Tage fnf in der Woche frohnen sollten. Damit wies er ihnen die Tr
und hrte ihre Gegenvorstellungen gar nicht einmal an. Nun merkten die
Landleute erst, welch ein bser Mensch der Vogt sei, der whrend der
Anwesenheit des Ritters nur immer den Katzenbuckel gezeigt hatte. Als sie
daher vors Burgtor kamen, sahen sie sich mit trben Mienen an, schttelten
sich die Hnde und trennten sich mit schwerem Herzen, um die schlimme Kunde
den anderen mitzuteilen. Da gab es viele Klagen bei den Weibern, bei den
Mnnern viel Grimm und Zorn; aber sie wollten frs erste ruhig abwarten,
was da kommen wrde.

Als sie, wie frher, drei Tage gefrohnt hatten, glaubten sie, da sie nun
ihrer Pflicht Genge getan htten und bestellten am vierten Tage ihre
eigenen Felder. Da kam um die Mittagsstunde der Vogt Lutz mit einem Schwarm
gewappneter Knechte in die Drfer und trieb die Bauern mit Schwertstreichen
auf die cker, welche zur Burg gehrten. Er drohte ihnen auch mit schwerer
Strafe, wenn er sie nochmals ungehorsam fnde, und als die Bauern die
Urkunde zu sehen verlangten, da ihr Herr so Ungerechtes von ihnen begehre,
hob er sein Schwert und sagte: Seht, hier ist Brief und Siegel genug fr
euch!

So muten denn die Bauern ihre Felder vernachlssigen, und was sie
befrchteten, traf bald genug ein, sie konnten ihre frheren Abgaben nicht
mehr entrichten, viel weniger die neu auferlegten. Da gingen die ltesten
zu dem Vogt und baten ihn auf den Knien, da er das harte Gebot doch
zurcknehmen mchte. Aber Lutz jagte sie mit Peitschenhieben aus der Burg,
und es war jmmerlich anzusehen, als die Greise mit ihren silberweien
Haaren so hart geschlagen wurden. Und als die Bauern dennoch das
unbarmherzige Gebot nicht erfllen konnten und der Termin kam, ohne da sie
Geld hatten, lie der harte Lutz ihr Vieh wegnehmen, um sich daraus bezahlt
zu machen. Da verga sich ein junger Bauer und stie bse Reden gegen den
Vogt aus; dieser aber lie ihn sogleich von seinen Knechten umringen und an
den Schweif seines Rosses festbinden; so ward er zur Burg geschleift und
dort in ein finsteres Verlie geworfen, auf dessen Boden es von Krten und
giftigem Gewrm wimmelte.


Im Dorfe aber wehklagten die Bauern, und am meisten jammerte Anna, die
Braut des jungen Landmannes, der die Rache des Vogtes auf sich gezogen
hatte. Sie lief weinend in den Wald, und niemand konnte sie trsten. Da
begegnete ihr ein hoher Rittersmann, der vom Kopfe bis zum Fue in
glnzenden Stahl gehllt war. Anna erschrak vor der unerwarteten
Erscheinung, als aber der Ritter, sein Visier aufschlug und sie sein edles,
mnnliches Gesicht sah, welches sie freundlich anblickte, da fate sie Mut.
Was weinst du, mein Kind? fragte der Ritter mit einer so wohltnenden
Stimme, da Anna davon wunderbar ergriffen wurde. Sie ffnet dem Fremden
ihr ganzes Herz voller Zutrauen, indem sie ihm die Geschichte mit dem Vogte
von Anfang bis zu Ende erzhlte. Aufmerksam hrte ihr der Ritter zu und
gebot ihr dann, die ltesten aus den Drfern herbeizurufen, die er an der
Kapelle vor der Burg erwarten wolle.

Anna vollzog eilig sein Gebot, und ehe die Sanduhr zweimal gewendet war,
fanden sich die Gerufenen an der bezeichneten Stelle zusammen. Liebe
Vter, redete sie der stahlgepanzerte Ritter an, ich habe von dem Unrecht
gehrt, da euch der bse Lutz zugefgt, und da ich ein fahrender Ritter
bin, der berall gegen das Unrecht kmpft und seinen Schutz den Bedrngten
angedeihen lt, so will ich auch euch in eurer gerechten Sache beistehen.
Geht, ruft alle Mnner zusammen, da ich sie fhre und die Burg des Vogtes
strme. -- Woher mochte es kommen, da die besonnenen Greise allzugleich
Vertrauen zu dem fremden Ritter faten? Es war ihnen, als knne es gar
nicht anders sein, als da sie ihm Folge leisten mten, und sie eilten in
die Drfer zurck, um den Vorschlag des Ritters kundzumachen. Da griff alt
und jung zu den Waffen, waren es gleich nur Stangen und Heugabeln, und
damit eilten sie zu der Kapelle, wo der Ritter ihrer wartete. Keiner, der
nur einen Prgel schwingen konnte, war zurckgeblieben.

Als die Einwohner der drei Drfer versammelt waren, berblickte der Ritter
die zahlreiche Schar und sprach: Wenn ihr Mut im Herzen habt, so folgt mir
getrost, ich will euch die Burg erobern und den Vogt zchtigen helfen. Wer
aber Furcht hat, bleibe daheim. Und das mge mein Zeichen sein, da ihr mir
getrost folgen knnt. Als er diese Worte sprach, warf er seine riesige
Lanze so hoch in die Luft, da sie fast den Augen der Menge entschwand, und
als sie sausend wieder herunterfuhr, fing er sie mit gestrecktem Arm wieder
auf. Da jubelten und riefen die Bauern: Fhre uns! Und fort ging es nun
im Sturmschritt gegen die Burg, der Ritter ging in seiner glnzenden
Rstung immer voran der kampflustigen Schar: Als sie die Burg erreicht
hatten, rief der Anfhrer mit Donnerstimme hinauf, Lutz solle sich auf der
Zinne zeigen.

Alsbald erschien auch der Vogt, von Neugier getrieben und Spott im Herzen;
hhnisch blickte er auf die Feinde hinab. Ergib dich, Lutz! rief der
Ritter, und bedenke dich nicht lnger, als zwlf Sandkrner brauchen, um
in der Uhr zu verrinnen!

Ach, was sprudelte da der Vogt fr Witz- und Schimpfwrter hinaus! Strolch
und Strauchdieb wurde der Ritter, Galgenfutter die Bauern genannt; dann
lief er zornig hinweg, um seinen Knechten zu befehlen, da sie das Gesindel
von dem ueren Tore der Burg verjagen mchten. Nun ward ein Hagel von
Bolzen nach den Bauern herabgeschossen, aber wunderbar! die ttlichen
Geschosse verfehlten alle ihr Ziel, und der fremde Ritter erhob indes seine
ungeheure Streitaxt und spaltete mit einem Schlage das Tor der Burg. Hoch
schwang er nun seine gewaltige Waffe und strmte voran; ein wunderbarer Mut
beseelte die Bauern, da sie ihm jauchzend folgten.

Vergebens war alle Gegenwehr der Knechte; wie Blitz und Donner schmetterte
die Streitaxt in ihre Reihen; da warfen die Reisigen ihre Waffen weg und
baten um Gnade. Der Vogt hatte sich versteckt, ward aber bald gefunden;
seine eigenen Leute verrieten ihn. Der Ritter hielt ein kurzes Gericht;
nachdem der junge Bauer aus dem Verlie heraufgeholt worden war, vertrieb
er die besiegten Knechte aus der Burg.

Nun zog der Ritter ein Pergament hervor; es war die Urkunde vom Tode des
eigentlichen Herrn der Burg, der den fremden Ritter zu seinem Erben
eingesetzt, weil dieser ihm im Trkenlande einmal das Leben gerettet hatte.

Nun wre der Ritter ihr neuer Gebieter gewesen, er schenkte aber die Burg
und alle dazu gehrigen Lndereien dem jungen Landmanne, der Annas
Brutigam war, machte es ihm aber zur Pflicht, die Bauern nicht wie
Leibeigene zu behandeln, sondern ihre Rechte zu wahren und zu schtzen. Die
Abgaben wurden aber so gering angesetzt, da alle Sorge und Not fr die
Bauern vorber war. Alles dies ward frmlich niedergeschrieben und von dem
Ritter unterzeichnet. Als alles dies vorber war, wurde der neue Burgherr
mit seiner Anna getraut, wobei der fremde Ritter schne Geschenke zum
Vorschein brachte, ohne da jemand begreifen konnte, woher er diese in der
Eile genommen hatte.

Nun ermahnte er die Landleute noch zur Eintracht, und nachdem er dem
zitternden Lutz befohlen hatte, ihm zu folgen, schied er aus ihrer Mitte,
auf eine Weise, die das Staunen der Versammelten nicht wenig erregte. Eine
dunkle Wolke senkte sich nmlich pltzlich hernieder und fhrte den Ritter
samt dem Vogt ins Weite. Jetzt erkannten die Bauern mit einem Male, da
Rbezahl ihr Helfer gewesen war, und sahen der Wolke segnend nach, bis sie
auf den Gipfel eines Berges sich niedersenkte und verschwand. Der neue
Burgherr aber war mildherzig und brav, wie denn der Berggeist Rbezahl
seine Leute immer genau kannte. In glcklicher Huslichkeit und Eintracht
lebten die beiden lange Jahre vereint und die guten Jahre lieen sie die
schweren Stunden vergessen und viele Freude an ihren Nachkommen erleben.
Die Bauern waren glcklich und erzhlten noch ihren Enkeln mit Dank und
Freude die seltsame Mr von Rbezahl und dem bsen Vogt, aber auch von dem
letzten, guten Burgherrn, der so unendlich viel Gutes getan hatte und
dessen Andenken lange in Ehren blieb.





Rbezahl straft einen Unwissenden.


Als Rbezahl eines Tages im warmen Sonnenschein lag und die Gestalt eines
Holzhauers angenommen hatte, um sich irgend einen Spa mit den Reisenden zu
machen, -- denn die Langeweile plagte den Berggeist oft so sehr, wie unsere
vergngungsschtigen Menschen -- kam ein Arzt von Schmiedeberg
heraufgeschritten, um auf dem Kamme zu botanisieren. Rbezahl war geschwind
bei der Hand und erbot sich, dem ermdeten Bergsteiger das Pflanzenbndel
zu tragen, das er sich schon gesammelt hatte.

Dabei hatte er Gelegenheit, in dem Arzt einen prahlerischen Wunderdoktor zu
erkennen, der seinem Begleiter viel von seinen fabelhaften Kuren und seiner
unvergleichlichen Geschicklichkeit erzhlte. Am meisten aber ergtzte es
den Gnomen, sich von dem Arzte die Heilkrfte der Pflanzen erklren zu
lassen, und da kam es denn, da der scheinbare Holzhauer dem gelehrten
Herrn manchen Irrtum nachwies, oder ihm noch ganz unbekannte Dinge
mitteilte. Das verdro den dnkelhaften Arzt, so da er zu seinem Begleiter
ziemlich verchtlich sagte: Schuster, bleib bei deinem Leisten!

Rbezahl belustigte sich an dem Mimute des Arztes und fuhr ganz ruhig
fort, ihm allerlei Aufschlsse ber die Naturkrfte zu geben, so da jener
mit seinen prahlerischen Erzhlungen ganz verstummte. Wenn du so kundig
aller Pflanzen und Kruter bist, vom kleinsten Moose an bis zur Ceder, die
auf dem Libanon wchst, sagte er verdrielich, so sage mir doch, du
beraus weiser Holzhauer, was wohl frher war, die Eichel, oder der
Eichelbaum?

Der Geist antwortete lchelnd: Ei doch wohl der Eichbaum, denn die Eichel
wchst ja erst auf dem Baume.

Siehst du, welch ein Narr du bist, spottete der Arzt, wo kam denn der
erste Baum her, wenn nicht aus deren Samen er aufwuchs?

Da erwiderte der Holzhauer: Ihr habt mir da auch eine zu schwere Frage
gestellt; solche Gelehrsamkeit ist mir zu hoch. Was ich wei, habe ich nur
von meiner Mutter gelernt. Vielleicht knnt ihr mir aber einen guten Rat
geben; ich habe das Fieber, und schon allerlei dagegen gebraucht; seht nur,
wie mich der Frost packt. Dabei schttelte sich der Gnom, da seine
Glieder knackten, und hielt den Atem an; darber ward er ganz blau im
Gesicht, und der Arzt sagte: Ei, ei, mein Freund, da hast du einen
schlimmen Anfall; es ist nur ein Glck, da du an den rechten Mann gekommen
bist, ich will dir sogleich helfen.

Er ffnete seine Blechkapsel, die voll Salbenkrausen und Medizinflschchen
steckte, go allerlei Sfte zusammen, schttelte es wohl untereinander, und
dem Berggeiste lief es dabei wirklich kalt ber den Rcken, wenn er dachte,
da er dieses saubere Gebru hinunterschlucken sollte. Dann nahm der
Wunderdoktor eine groe Schachtel voll Pillen, die er ohne Ausnahme als
Universalmittel bei den verschiedensten Krankheiten anwendete, gegen Gicht
und Kopfschmerzen, Halsweh und alle Fiebergattungen, und hie den
Holzhauer, stndlich zwlf Stck, sowie einen Elffel von der Medizin zu
nehmen, davon werde er am dritten Tage schon ganz gesund sein, und dafr
solle er ihm nur einen Gulden geben.

Gewi, ihr seid ein grundgescheiter Herr, sagte der Holzhauer, und will
ich auch tun, was ihr mir anratet, nur mt ihr mir zuvor den Gefallen tun,
und mir auch eine Frage beantworten: Wem gehrt der Grund und Boden, auf
welchem wir jetzt stehen? Dem Knige von Bhmen oder dem Herrn vom Berge?
(So ward Rbezahl jetzt berall genannt, weil die Benennung Rbezahl ihm
mifllig war, und seinen Zorn reizte.)

Der Arzt bedachte sich nicht langes Nun, wem anders, als dem Knige von
Bhmen, denn Rbezahl ist das Hirngespinnst, um die Kinder zu erschrecken.

Ader kaum waren diese Worte aus seinem Munde, so verwandelte sich der
Holzhauer in eine riesenhafte, frchterliche Gestalt und sah mit
flammensprhenden Augen den Arzt an. Ich will dir zeigen, zrnte er, da
der Herr vom Berge kein Hirngespinnst ist, mit dem man die Kinder frchten
macht, und du sollst es sogleich an deinem eigenen Leibe wahrnehmen. Du
unwissender Prahlhans sollst an mich denken, und damit du nie wieder an mir
zweifelst, verschlucke sogleich deine edlen Wunderpillen und das hllische
Gebru, womit du mir das Fieber ankurieren wolltest, an dem ich gar nicht
leide. Nicht von der Stelle sollst du mir, so lange noch ein Prbchen
deiner gepriesenen Arzneiwissenschaft brig ist. Die Kranken in den Drfern
unten werden es mir Dank wissen. Nun schlucke, mein Sohn!

Der Arzt bat und flehte vergebens. Endlich nahm er mit einer Geberde der
Verzweiflung das Arzneiglas und tat einen herzhaften Schluck. Die bitteren
Trnen traten ihm dabei in die Augen und Schweitropfen auf die Stirn; aber
Rbezahl stand mit aufgehobenen Arm hinter ihm und drohte, ihn zu Boden zu
werfen, wenn er zgere. Als nach einem furchtbaren Kampfe die Medizin gut
oder bel hinunter war, kamen die Universalpillen daran, wobei sich der
Arzt noch viel jmmerlicher geberdete, als das erste Mal. Es ist mein
Tod, jammerte er, ich sterbe an dem schauderhaften Zeuge; aber Rbezahl
erinnerte ihn hhnend, wie vorzglich heilsam diese Dinge wren, welche
Wunderkuren er damit schon bewirkt habe, und hie ihn doch mehr Vertrauen
zu seiner Kunst haben. Dreiig Pillen hatte der arme Mann schon bezwungen,
dann warf er sich verzweifelt auf die Erde und sagte: Tte mich lieber
sogleich, du grausamer Geist; es kann keinen bitteren Tod geben, als durch
diese Giftpillen sterben zu mssen.

Das merke dir, sagte Rbezahl und stie mit seinem Fue an den Arzt, der
mit Schwei bedeckt an der Erde lag; er rollte von dieser Bewegung den Berg
hinab, schlug sich an Steinen, verletzte sich an Baumwurzeln, kam aber doch
endlich glcklich auf ebener Erde an, aber zerklopft und zerstoen, da er
viele Wochen lang das Bett nicht verlassen konnte. Dabei war er so
mitrauisch geworden, da er immer frchtete, Rbezahl stecke dahinter,
wenn er zu einem Kranken gerufen ward, und sich wohl htete, seine
gewhnlichen Mittel zu verordnen. Wer wei, sagen die Leute, ob jener
Arzt nicht der erste Erfinder der spter so bekannt gewordenen
homopathischen Heilmethode gewesen ist.




Wie Rbezahl vor Prellerei warnt.


Nun Gott sei Dank, da wir herauf sind! sagten drei Grlitzer Tuchmacher
oben auf dem Schmiedeberger Pa zu einander, setzten ihre Hocken ab und
wischten sich den Schwei von der Stirn. Sie wollten hinber nach Bhmen
und ruhten jetzt aus vom vielen Steigen. Indem kam ein vornehmer Herr,
redete sie an, und wie er hrte, da sie Tuche bei sich fhrten, sagte er:
Ich kaufe euch ab. Obschon die Mnner einen sehr hohen Preis forderten,
so kaufte er doch jedem von ihnen ab und zahlte das Geld in lauter Dukaten
aus. Hierauf reisten die drei Tuchmacher weiter, und wie sie eine gute
Strecke gegangen waren, zogen sie lachend ihre Dukaten heraus und freuten
sich, den Fremden so geprellt zu haben. Aber zu ihrem groen Schrecken
fanden sie statt des Goldes nur Zahlpfennige in ihren Taschen.

Sogleich kehrten sie um und trafen auch an der vorigen Stelle eine Kutsche
mit sechs Rossen, darin sa der vornehme Herr, und sie beklagten sich, da
er ihnen Zahlpfennige statt Gold gegeben. Zeigt doch einmal her, sagte
der Fremde. Wie sie aber ihre Beutel ffneten, war alles gutes Gold. Die
Mnner standen bestrzt, und jener sagte: Knnt ihr nicht Gold von Messing
unterscheiden? Wenn es euch aber nicht recht ist, will ich euch den
Kaufpreis in Talern auszahlen.

Sie gingen wohlgemut davon, und nach einer kleinen Weile guckten sie
neugierig in ihre Sckel, ob auch die blanken Taler noch darin wren. Aber
o weh! nun lagen gar Scherben darin; spornstreichs eilten sie zurck, und
glcklich hielt die Kutsche noch auf dem alten Flecke. Der Herr fragte, was
sie denn schon wieder wollten, und sie forderten ihre Tuche zurck. Aber da
ward er sehr zornig und sagte, er habe sie ehrlich bezahlt, sie mchten nun
ruhig ihres Weges ziehen. Hierauf fuhr er rasch ber den Pa hinunter, und
die betrbten Tuchmacher setzten wehklagend ihren Weg fort. Als sie aber
nach Libau kamen und ihre Sckel ausschtteten, waren wirklich gute Taler
darin, aber genau nur so viel, als sie mit gutem Gewissen fr die Tuche
htten fordern knnen, nicht einen Pfennig mehr; ihr ungerechter Profit war
also verloren, und die ausgestandene Angst, die Mhe des unntig gemachten
Weges hatten sie noch obendrein. Das war ihre Strafe fr ihre Habgier und
Gewinnsucht; zuerst rgerten sie sich grn und blau darber; spter aber
nahmen sie sich vor, nie wieder jemand betrgen zu wollen. Sie hatten
gemerkt, wer der fremde Herr gewesen war, und sie haben seitdem oft an das
Wort gedacht:

Niemand bervorteile seinen Bruder im Handel!




Rbezahl betrgt die Geldmkler.


Einige Juden, die dem Rbezahl, ohne ihn zu kennen, schlechte Waren fr
bermige Preise verkauft hatten, freuten sich ber die seltenen und
ungewhnlich groen Goldstcke, die er ihnen als Zahlung gegeben, hatte und
waren kaum in der nchsten Herberge angelangt, als sie ein einsames
Kmmerchen begehrten, um die Goldstcke zu beschneiden, wie sie es immer
mit Dukaten zu tun pflegten.

Als sie aber das scharfe Messer ansetzten, um etwas am Rande des
Goldstckes abzuschneiden, fuhr dasselbe ab und mitten durch die Mnze, so
da sie in zwei Hlften geteilt ward, wovon die eine auf den Boden fiel, wo
sie trotz alles Suchens nicht wiedergefunden ward. Ein Gleiches begegnete
den betrgerischen Juden bei dem zweiten und dritten Goldstcke, und sie
verloren auf diese Weise weit mehr, als sie bei ihrem Handel zuvor verdient
hatten.

Einer von den Wechslern meinte, er wolle sein Goldstck schon auf eine
klgere Weise beschneiden, nahm eine Feile und schabte den feinen Goldstaub
auf eine untergelegte Glasplatte; aber zu seinem grtem Verdru ri die
Feile viel weiter, als er es gewollt hatte, so da selbst das Geprge des
Goldstckes angegriffen war. Der Staub aber, den er sorgfltig sammeln
wollte, blieb an seinen Hnden kleben und konnte durch nichts davon
losgemacht werden. Das rgerte den Juden am meisten, da er das Gold an den
Hnden hatte und doch keinen Gebrauch davon machen konnte.




Die Springwurzel.


Rbezahl hat im Gebirge einen eigenen Krautgarten. Man zeigt ihn seitwrts
auf dem Koppenplan, nicht weit von der Wiesenbaude, an einem Abhange nach
dem Aupengrunde zu. Dort ist das Gebirge an den saftigsten Krutern reich,
die von alten Zeiten her zu den krftigsten Essenzen gebraucht wurden, und
auch jetzt noch von den Einwohnern des Dorfes Krummhbel zur Bereitung von
Tee und Medikamenten gesammelt werden.

Unter allen diesen heilsamen Krutern ist ganz vorzglich eins in der
Mrchenwelt sehr berhmt geworden. Dieses Zauberkraut heit die
_Springwurzel_ und wchst nur in Rbezahls Garten. Sie ist von der
kstlichsten Art und heilt die langwierigsten und hartnckigsten
Krankheiten. Da sie aber den Erdgeistern zur Nahrung dient, erlaubt
Rbezahl nur seinen besonderen Gnstlingen, sie ungestraft herauszugraben.

Einst war in Liegnitz eine vornehme Dame krank und lie einen Bauer aus dem
Gebirge zu sich rufen, dem sie den Auftrag gab, ihr die Springwurzel aus
Rbezahls Garten zu verschaffen, wofr sie ihm eine groe Belohnung
versprach. Das viele Geld verlockte den Bauer zu dem gefhrlichen Gange; er
suchte den bezeichneten Ort auf, und als er in die einsame, wste Gegend
kam, ergriff er den Spaten und fing an, nach der Springwurzel zu graben,
die ihm nicht unbekannt war.

Whrend dieser Arbeit, wo er das Gesicht tief zur Erde beugte, pfiff
pltzlich ein Windsto von einem Felsen in der Nhe her, und er hrte einen
donnernden Zuruf, dessen Worte er aber nicht verstand. Er sah sich daher
ganz erschrocken nach jener Gegend um und erblickte nun am Rande des
Felsens eine riesenhafte, schreckliche Gestalt. Ein langer, weier Bart
fiel fast bis zu den Fen nieder, und eine ungeheuer groe Nase
beschattete das Gesicht, das ebenso von weien Haaren umhangen war, die im
Winde vorwrts flogen, ja von denen, sowie aus den weiten Falten des
Mantels, der Sturm eigentlich auszugehen schien. Der wilde, furchtbare
Greis hielt eine riesige Keule in seiner Hand und rief mit einer dem Donner
hnlichen Stimme: Was tust du da, Elender?

Ein Schauer schttelte die Glieder des rstigen Bauern, ehe er sich zu der
Antwort ein Herz fate: Eine kranke Frau verlangt nach einer Springwurzel
und ich suche danach!

Da schrie die Gestalt zurck: Du hast eben jetzt eine gefunden, die darfst
du behalten, aber hte dich, ein zweites Mal wiederzukommen. Und dabei
schwang sie die Keule mit einer drohenden Gebude.

Der Bauer lief, so geschwind er konnte, hinweg und wagte nicht mehr, nach
der furchtbaren Erscheinung zurckzublicken. Als ihm aber die kranke Dame
fr die Springwurzel eine Hand voll harter Taler gab, verga er den
gehabten Schreck, und tat sich etwas zu gute. Jene aber war kaum im Besitz
der heilsamen Wurzel, als sie sichtlich gesnder und krftiger wurde. Da
sie nun wohl sah, wie dies Mittel allein ihre gnzliche Wiederherstellung
bewirken knne, lie sie den Bauer noch einmal zu sich rufen. Willst du
mir noch eine Springwurzel holen, so sollst du doppelt soviel dafr
bekommen, als das erste Mal, sagte sie.


Ach, gndige Frau, antwortete der Bauer ganz ngstlich, ich mag es nicht
wieder wagen, in Rbezahls Krutergarten zu gehen; denn er ist mir in
schrecklicher Gestalt erschienen und hat mir den Tod gedroht, wenn ich
jemals wiederkme.

Bedenke aber, wieviel Vorteil du davon haben knntest; der Berggeist hat
dich nur schrecken wollen, damit nicht zu viele kommen und die Einsamkeit
seiner Berge stren mchten. Auch hat man nie gehrt, da Rbezahl einem
mutigen Menschen ein Leid getan htte. Auf solche Weise suchte die Dame
dem Bauer seine Furcht auszureden, bis er endlich ihren verlockenden
Versprechungen nicht lnger widerstehen konnte. Und zum zweiten Male wagte
er, das innere Heiligtum des Gebirges zu betreten.

Er grub mit groer Angst und Hast, aber kaum hatte er den Spaten einigemal
in die Erde gestoen, da erhob sich derselbe Sturm, nur noch weit
furchtbarer, als frher, und als er bla vor Schreck nach dem Felsen
hinblickte, stand die Gestalt noch viel schrecklicher und drohender da, und
ihre Augen schienen Feuer und Flammen zu sprhen.

Was tust du da? hallte es wie ein Erdbeben von dem kahlen Felsen herber.

Ich suche die Springwurzel fr eine kranke Frau, die sie mir teuer
bezahlen will, wagte der Bauer zu antworten. Da blitzte ein furchtbarer
Zorn aus den Augen des Berggeistes. Ich habe dich gewarnt und du wagst es
doch, in dein Verderben zu rennen, Unsinniger! Die du hast, magst du
behalten, aber nun rette dich, wenn du kannst! -- Bei diesen Worten flog
die ungeheure Keule sausend durch die Luft, nach dem verzagenden Bauer hin,
aber zur rechten Zeit noch sprang er zur Seite, und sie schlug tief in den
harten Boden. Die Erde erbebte unter diesem gewaltigen Wurfe und ein lange
wiederhallender Donner betubte den Bauer, da er bewutlos zu Boden sank.

Erst nach langer Zeit erholte er sich von seiner Betubung, aber alle
Glieder des Leibes schienen ihm zerbrochen zu sein. Die Springwurzel hielt
er zum Glck noch fest in der Hand, und damit kroch er mhsam am Boden hin;
der Regen und die tief ziehenden Nebel durchnten und verirrten ihn: er
geriet bald an den Rand gefhrlicher Abgrnde, bald an einen strzenden
Gebirgsstrom, der seinen Weg hemmte, und zwei Tage und zwei Nchte lang
irrte er halb verschmachtet durch das Gebirge, ohne sich zurechtfinden zu
knnen, bis ein Khler dem Unglcklichen begegnete und ihn halbtot zurck
in seine Htte brachte.

Der Bauer konnte erst viele Tage spter die mit so vieler Gefahr gewonnene
Wurzel nach Liegnitz tragen, wo die reiche Belohnung ihn endlich die
ausgestandene Angst vergessen lie.

Nun verging eine lange Zeit, whrend welcher die kranke Dame fast ganz
gesund ward und nur selten Anflle ihres bels bekam. Htte ich nur noch
eine frische Springwurzel, dann wre mir auf immer geholfen, das fhle
ich, sagte sie und sandte wieder nach dem Bauer, der anfnglich durchaus
nicht kommen wollte.

Aber die Begier nach Geld und Gut ist ein bser Geist, der uns wider Willen
vorwrts treibt. So ging es auch dem Bauer. Er kam endlich doch nach
Liegnitz und sagte: Da bin ich, gndige Frau, was wollt ihr von mir? Ich
will alles tun, nur nicht mehr in Rbezahls Garten gehen, davor soll mich
Gott bewahren. Wtet ihr, wie schlimm es mir das vorige Mal gegangen, und
wie ich fast das Leben verloren htte, so wrdet ihr mich garnicht mehr an
diese schrecklichste Zeit meines Lebens erinnern.

O doch, antwortete die Dame, will ich dich heute beschwren, mir zum
letzten Male die heilsame Wurzel zu holen. Ich bin reich genug, dich fr
jede Angst und Gefahr zu belohnen und gebe dir ein schnes, reiches
Bauerngut, wenn du den Gang noch einmal fr mich wagen willst!

Da verblendete die Begier nach dem versprochenen Reichtum den Bauern so
sehr, da er alle Gefahr verga und der Dame zusagte, die Springwurzel zu
holen, solle es auch sein Leben kosten.

Bis jetzt, sagte er, hat mir der Geist ja nur gedroht, und um ein
reiches Bauerngut kann ich auch allenfalls eine Tracht Schlge schon
hinnehmen. Dann aber soll mich keine Macht der Welt mehr ins Gebirge
bringen, bin ich nur erst ein reicher Mann und kann in Herrlichkeit und
Freude leben.

Aber allein wagte er dieses Mal doch nicht zu gehen. Er nahm daher seinen
ltesten Sohn mit sich und sagte, sie wollten nach der Koppenkapelle
wallfahrten. Das war der Knabe wohl zufrieden, und so gingen sie
nebeneinander hin, bis das Gebirge immer steiler und kahler wurde. Tief
unten in den Schneegruben leuchtete der Schnee noch frisch und wei, wie
ein Leichentuch, obgleich es im Hochsommer war, und dem Bauer kamen dabei
allerlei trbe Gedanken ein. Er wute nicht, wie es kam, da sich pltzlich
in ihm eine Stimme regte, die sprach: Bse Geister haben dich von Jugend
auf verlockt, da du nie nach dem ewigen, sondern, immer nach dem
zeitlichen Gut gestrebt hast. Wild und wst hast du daher immer gelebt, als
ob mit dem Tode alles vorbei wre; der Reichtum und die Lust der Welt, das
war dein Gtze, und sie werden dich ins Verderben fhren.

Aber der Bauer suchte die warnende Stimme zu betuben, indem er nur immer
an das prchtige Leben dachte, welches er fhren wollte, wenn er erst ein
Bauerngut htte. Und so ergriff er denn hastig den Spaten und fing an zu
graben. Da erhob sich eine Windsbraut, die Bume drunten im Tale strzten
davon zusammen, und ein Wolkenbruch flutete herab, so da in einem
Augenblicke die kleinsten Bche zu wilden Strmen anschwollen, aus der Erde
drang ein Wehklagen, und eine wilde Kluft ffnete sich pltzlich, daraus
fuhr eine groe Gestalt auf, die ergriff den besinnungslosen Bauer und
strzte sich mit ihm in die schauerliche Tiefe. Immer ferner und schwcher
hrte der Sohn die Stimme seines unglcklichen Vaters.

Endlich heiterte sich der dunkel umhangene Himmel wieder auf, der brausende
Sturm zog die gewaltigen Schwingen ein, und der verlassene Knabe suchte
erschreckt die Kapelle, um sich dem Schutze Gottes zu empfehlen. Und in
derselben Stunde starb in Liegnitz die Frau am Schlage.




Der gefundene Esel.


Hans und seine Schwester Marie dienten bei einem Bauer in Stonsdorf, einem
Dorfe im Riesengebirge, das etwa eine Stunde von Warmbrunn liegt und durch
den _Prudelberg_ berhmt ist, einer wunderbaren Granitmasse, darin man die
Rischmannshhle findet, in welcher der Prophet Rischmann im Jahre 1630
seine ersten Weissagungen tat. Sie waren beide so fleiig und ordentlich,
da sie sich schon eine kleine Summe erspart hatten; damit gingen sie nun
nach Warmbrunn auf den Markt, um ihrer kranken Mutter eine Kuh zu kaufen.

Sie hatten sich am Wege in das blhende Haidekraut gesetzt, zhlten ihr
Geld und bauten allerlei Luftschlsser, wie sie nach und nach das schlechte
Huschen der Mutter verbessern und ein Stck Acker dazu kaufen wollten.
Dann sollte es die Mutter gut haben auf ihre alten Tage.

Und, sagte Hans, hab' ich es einmal erst so weit gebracht, da ich
Getreide verkaufen kann, dann halte ich mir ein Pferd; das will ich so gut
halten und so blank putzen, wie die Rappen des Edelmannes. Das soll eine
Freude fr mich sein, in die Stadt zum Markte zu reiten, da die Leute
denken, es komme ein reicher Pchter auf seinem schmucken Gaul daher.

Werde nur nicht hochmtig, sagte die Schwester besorgt, Hochmut kommt
vor dem Fall. Stecke nur das Geld wieder in die Tasche und la uns weiter
gehen.

Hans schob den Beutel in die Jacke zurck und schickte sich an, der
Schwester zu folgen, da sprang ein stattlicher Esel aus dem Gestruch am
Wege und lief dem Burschen fast in die Hnde.

Ei, da htt' ich ja gleich einen hbschen Anfang, lachte Hans und hielt
den Esel am Strick fest, der um dessen Hals geschlungen war. Bruder, du
wirst doch nicht das Tier behalten wollen? fragte Marie ngstlich.
Nrrchen, antwortete dieser, hltst du mich fr gar so schlimm? Wenn ich
auch gern reich werden und ein bequemeres Leben fhren mchte, so werd' ich
doch nicht etwa deshalb ein Dieb und Betrger werden sollen. Das wolle Gott
verhten! gehe du rechts in das Gebsch, ich will zur linken Seite suchen,
ob wir den Herrn des Esels finden knnen.


Die Geschwister suchten und riefen, warteten dann fast eine Stunde lang an
der Strae, ob nicht jemand kommen wrde, den Esel zu suchen, aber es lie
sich nichts hren und sehen; und da sie nun eilen muten, um nach Warmbrunn
zu kommen, weil sie am Abende wieder bei ihrem Dienstherrn sein muten,
nahmen sie den Esel mit, wobei sie hofften, da ihnen der Eigentmer
desselben vielleicht auf dem Wege begegnen wrde.

Hans fhrte das schne, starke Tier am Stricke, als er aber einige Schritte
gegangen war, dachte er: warum sollte ich es mir nicht bequemer machen?
-- setzte sich auf den Esel und ritt. Marie nahm nun statt seiner den
Strick in die Hand. Das ging eine Weile recht gut, aber mit einem Male fing
der Esel an zu springen, schlug mit den Hinterfen aus und machte einen so
krummen Rcken, da Hans auf das jmmerlichste hin- und hergeworfen wurde
und gar nicht wute, wo ihm der Kopf stand. Er wre gern abgestiegen, aber
der Esel lie sich nicht einen Augenblick halten, zerri den Strick, an dem
Marie ihn fhrte und setzte ber den breiten Graben, wobei er den Reiter
abwarf, da diesem die Ohren brummten. Da lag unser Held ganz still und
konnte sich kaum rhren; jammernd kam die Schwester herbei und half ihm
wieder auf; der Esel aber trabte den Bergen zu und verschwand.


Ganz kleinlaut schlich der arme, geschlagene Hans neben der Schwester her,
deren Sprichwort sich schon an ihm bewiesen hatte. Endlich kamen sie nach
Warmbrunn und fanden auch bald eine gute Kuh fr einen ziemlich, billigen
Preis; aber als Hans das Geld zahlen wollte, stand er pltzlich mit
kreideweiem Gesicht vor der Schwester, -- der Beutel war verschwunden und
mute ihm bei dem tollen Ritt aus der Tasche gefallen sein. Nun war das
Leidwesen gro und guter Rat teuer; da standen die Geschwister vor den
Trmmern all ihrer Hoffnungen. Der Verkufer der Kuh aber glaubte, er habe
es mit listigen Betrgern zu tun, die ihn nur anfhren wollten und rief die
Polizei zu Hilfe. Hans sollte nun eingesteckt wenden, aber Marie bat so
rhrend fr den unschuldigen Bruder, da man sie endlich beide ruhig ziehen
lie, und nur ein Tro von Straenbuben sie noch verfolgte, worber sich
Marie so sehr schmte, da sie die Augen voll Trnen hatte.

Auf dem Heimwege durchsuchten die betrbten Geschwister das ganze Gebsch,
um vielleicht ihren Beutel wiederzufinden, aber vergebens. Den Spuk hat
uns kein anderer getan, als der Rbezahl, sagte Hans zornig; ich wollte,
der boshafte Geist stnde hier vor mir, da ich ihn meinen starken Arm
knnte fhlen lassen; es wre mir auch ganz recht, wenn er mich in der Wut
dafr ttete, denn da ich nun mit leeren Hnden zu der Mutter heim kommen
soll, schnrt mir fast die Kehle zu vor Betrbnis.

Hans, sagte die Schwester, ich glaube, der Berggeist hat uns nur eine
gute Lehre geben wollen. Warum wnschten wir uns auch so viel Glck, da wir
doch mit der Freude gar wohl htten zufrieden sein knnen, unserer armen
Mutter eine Kuh zu kaufen. --

Hans schwieg verdrielich. So gingen die Geschwister still nebeneinander
heim und dann jedes an seine Arbeit; Marie in den Stall, um die Khe zu
melken, Hans auf den Boden, um Hcksel zu schneiden. In seinem Unmut wollte
ihm aber die Arbeit gar nicht von der Hand gehen und es brach bald da, bald
dort etwas entzwei.

Reich' mir doch ein Stck Strick herauf, rief er in den Stall hinab, und
Marie griff in die Tasche, wohin sie das Ende des Strickes gesteckt hatte,
das sie in der Hand behielt, als der Esel sich losri. Hans wollte die
Hckselbank damit befestigen, aber der Strick war sprde wie Eisen, und als
sich der Hanf oben abschlte, flimmerte und glnzte es inwendig.

Hans sah verwundert nach, -- da war der Strick von lauter Goldfden
zusammengedreht. -- Nun waren die Geschwister mit einem Male reich, sie
konnten zwei stattliche Khe kaufen und den Acker vergrern. Nun
bewirtschafteten sie gemeinschaftlich das Huschen der Mutter und hegten
und pflegten diese mit treuer Kindesliebe. Hans aber verga die Lehre des
Bergsgeistes nicht, und obgleich sein Wohlstand sich von Jahr zu Jahr
mehrte, blieb er doch einfach und schlicht, so da er nach wie vor zu Fue
nach der Stadt auf den Markt ging und seine Pferde nicht zum Staat und zur
Bequemlichkeit, sondern allein zu seiner Ackerwirtschaft hielt. Man sagt,
das Reiten sei ihm auf immer verleidet gewesen!

Im ganzen Dorfe waren sie angesehen wegen ihres rechtschaffenen
Lebenswandels und der Sorgfalt fr das Wohl ihrer alten, schwachen Mutter.




Der Spieler.


Von Agnetendorf stieg ein junger Bursche hinauf nach dem Korallenfelsen und
sang dabei so laut und lustig, da es in den Bergen weithin hallte.
Rbezahl, der auch eben ber das hohe Rad kam, hrte den Gesang und dachte,
da scheint ein _frhlicher_ Mensch zu kommen, wir wollen einmal versuchen,
ob es auch ein _guter_ ist.

Und er nahm alsbald die Gestalt eines alten Drehorgelspielers an, der den
ganzen Sommer hindurch am Fue des Berges sa und die Reisenden mit Musik
bewillkommnete, wofr er eine kleine Gabe empfing. Der Alte war aber heute
nicht an seinem Platze, weil im Dorfe unten eine Hochzeit war, wobei er
aufspielte. Nun sa Rbezahl statt seiner da und spielte: Frhlich und
wohlgemut.

Als der Bursche dem Leiermann nahe kam, zog er seinen Beutel aus der Tasche
und warf ihm einen Groschen zu, wobei er singend und pfeifend seines Weges
ging und sich gar nicht um den Dank des Alten zu kmmern schien.

Glckliche Reise! rief ihm Rbezahl freundlich nach und ging nun auch
seines Weges. Der junge Bursche aber wandert rstig weiter, bis zu den
Elbwiesen. Da sieht er mehrere junge Leute, welche Kegel schieben, und
bleibt dabei stehen. Er konnte nmlich bei keinem Spieltisch, bei keiner
Kegelbahn vorbei, ohne sein Glck zu versuchen; auch jetzt kribbelt und
juckt es ihn in den Fingern, und er ist wie gebannt an der Stelle; sein
frhlicher Gesang ist verstummt, und begehrlich folgen seine Blicke der
Kegelkugel, die auf dem frischen Grn der Wiese wie auf einer Bahn von
Sammet dahinrollt. Endlich fordern ihn die jungen Leute auf, mitzuspielen,
und sagen, er solle doch auch einmal sein Glck versuchen; auf der Reise
brauche man immer Geld, wenn er gut schiebe, knne er vielleicht etwas
gewinnen.

Das lt sich unser Bursche nicht zweimal sagen, sondern tritt rasch hinzu
und schiebt mit, gewinnt auch einen Groschen um den andern und bald ein
hbsches Smmchen zusammen. Aber obgleich sich die Dunkelheit schon auf das
Gebirge senkt, bekommt er das Spiel doch immer noch nicht satt; die andern
haben schon lngst aufhren wollen, und vom Dorfe her schallt schon die
Abendglocke herauf, unser junger Bursche versucht immer wieder das Spiel im
Gang zu erhalten, weil er gar zu gerne spielt.

Von dieser Zeit an verlor unser Bursche aber nach und nach den ganzen
Gewinn und endlich auch sein Reisegeld, so da er keinen Pfennig mehr in
der Tasche behielt.

Als er nun ganz niedergeschlagen seinen Weg, ber die Elbwiesen fortsetzte,
rief ihm einer der Spielkameraden zu, er solle sich doch zum Andenken
wenigstens einen Kegel mitnehmen. Ei, denkt unser Bursche, der Vorschlag
ist ja wunderlich; aber wie mgen nur berhaupt die Kegelschieber hier
herauf gekommen sein, ob das nicht etwa ein Spa von Rbezahl ist? Da wird
vielleicht der Kegel zu Gold in meiner Tasche! -- Er kehrte um, suchte den
nun verlassenen Kegelplatz nochmals auf, und da die Kegel vom Spiel noch
dort lagen, steckte er heimlich einen Kegel nach dem andern ein; nur die
Kugel lie er liegen, denn er trug ohnedies schon schwer genug. Als er nun
schon hinab bis zum Zackenfall gekommen war, wollte er einen Kegel
herausziehen, um zu sehen, ob er sich in Gold verwandelt habe, aber o weh
-- das war kein feiner Spa vom Rbezahl -- der betrogene Bursche griff in
lauter Schmutz, und ein schallendes Gelchter belehrte ihn, da der
Berggeist seine Spiellust auf solche Weise bestraft habe. -- Sein Geld
hatte er verloren; spter als ihm lieb war kam er ins Tal, seine Kleider
waren beschmutzt und ausgelacht fhlte er sich obendrein. Freilich half die
gute Lehre nicht allzulange. Im Hochgebirge findet sich aber noch jetzt die
Kegelkugel Rbezahls und beweist die Wahrheit dieser Geschichte. Wieder
einmal hatte Rbezahl einen Menschen gezchtigt, der nur an sich dachte und
nicht Herr seiner Leidenschaften war; mchten sich doch alle dieses Mrchen
zu Herzen nehmen, aber besonders solche, die von der bsen Spielwut
beherrscht werden. Gibt es auch keine Geister mehr, so doch eine
allwaltende Vorsehung, welche schafft, da jedes Laster sich in sich selbst
bestraft.




Rbezahl und der Schneider.


Einmal kam der Berggeist nach Landeshut und trug ein Pcklein Tuch unter
dem Arme. Nach einem Schneider fragt er ein kleines Mgdlein, das am
Brunnen Wasser holt, und dieses weist ihn in ein nahes Haus, wo es gar
stattlich aussieht. Als er nun in die Stube tritt und den Meister hflich
anspricht, ihm einen Rock zu machen, auch den groen Ballen Tuch vor ihm
ausbreitet, denkt der pfiffige Schneider, der ist auch nicht aus Landeshut,
solch' vornehme Leute kommen mir nicht alle Tage unter die Schere. Er legt
also das Tuch doppelt und macht dann ein bedenkliches Gesicht, als werde er
damit wohl schwerlich, auskommen zu einem ganzen Rocke. Rbezahl schwatzt
indes mit den Gesellen und tut, als sehe er nicht, was vorgeht.

Darauf versprach der Meister, der Rock solle in acht Tagen fertig sein, und
Rbezahl ging weiter. Als die Zeit um ist, schickt er einen Diener, lt
die Sachen abholen und sagen, er werde nchstens selbst kommen und mehr
Arbeit bestellen, auch alsdann das Macherlohn bezahlen.

Ei, recht gern, sagte der hfliche Schneider und denkt, an diesem Kunden
lt sich ein guter Schnitt machen. Als aber acht Tage verstreichen und
sich der Fremde nicht sehen lt, wird's dem Meister doch bedenklich und er
beschliet, das Tuch zu verkaufen, um das er jenen gebracht hat, so da er
doch nicht um sein Arbeitslohn komme. Ein Mal einem vornehmen Herrn
getraut und nie wieder, denkt er, schlgt, sich endlich die Geschichte aus
dem Sinne und holt das Tuch herbei. Aber da war es eine Decke, aus Schilf
geflochten. -- Das kam ihm doch auch gar zu wunderbar und bedenklich vor.

Nun geschah es lange Zeit darauf, da er mit seinen Gesellen die Koppe
bestieg, und da begegnete ihnen Rbezahl, ganz lustig auf einem Bocke
reitend. Du willst wohl das Arbeitslohn fr das Kleid holen, so du mir
gemacht hast? ruft er dem erschrockenen Meister zu.

Da geht diesem ein Licht auf; aber ein rechter Schneider ist pfiffig und
wei sich immer zu helfen. Gndiger Herr, spricht er, deshalb stieg ich
nicht auf das Gebirge, denn ihr habt Kredit, so lange es euch beliebt; ich
mache nur eine Reise nach Bhmen und hoffe, ihr werdet nichts dawider
haben. Ich will euch auch mein Lebtag gern redlich dienen.

Nun, da du so nachsichtig bist, will ich mich auch dankbar bezeigen,
spricht Rbezahl, ich will dir mein Reitpferd schenken, aber wehe dir, so
du dich dessen, nicht berall bedienst.

Nun hatte der Schneider keine Courage, obgleich das recht unglaublich
klingen mag, und wollte sich durchaus nicht auf den Ziegenbock setzen, der
kerzengrade auf seinen Hinterfen stand. Aber Rbezahl hob die Hand, um
dem zaghaften Meister in den Sattel zu helfen.

Der Schneider aber war so leicht, da Rbezahls Arm mit ihm eines
Kirchturms Lnge in die Luft hinauffuhr, denn der Berggeist hatte gedacht,
er werde doch mindestens ber hundert Pfund zu heben haben, und wog der
Schneider nicht viel ber fnfzig. Dabei flog der Handschuh Rbezahls ihm
von den Fingern und liegt noch heutzutage nicht weit von Rbezahls Kanzel,
wovon sich jeder berzeugen kann.

Der Schneider aber sa kaum auf dem Reitpferde, als dies mit ihm
dahintrabte; die Gesellen hielten sich pfiffig an den Schwanz desselben und
kamen nun auch so geschwind, wie der Meister, von der Stelle. Aber wo sie
hinkamen, traf sie das Gesptt der Leute, und doch wagte der ehrsame
Meister keinen Schritt zu Fue zu gehen, sondern bediente sich immer aus
Furcht vor dem Berggeiste des verhaten Bockes.

Weil er nun aber in jedem neuen Kunden immer wieder den Rbezahl vermutete,
so htete er sich wohl, das frhere Kunststck zu wiederholen und ward von
da ab der ehrlichste Schneider der Welt.

Es hte sich jeder nicht vor dem Berggeist -- sondern vor der Snde im
allgemeinen, denn sie ist es, die den Menschen in der Gestalt des bsen
Gewissens oft mehr qult, als alle Gnomen und Erdgeister.

   Lieber bleibe arm auf Erden,
   Als durch Untreu reich zu werden.




Rbezahl und der lgenhafte Knecht.


      Rbezahl
      Schritt einmal
   Still vom Berg hinab ins Tal!
      Da, auf Wegen
      Voller Segen
   Kam ein Groknecht ihm entgegen,

      Dieser spricht:
      Kam dir nicht
   Rbezahl droben zu Gesicht?
      Schwerlich! sagte
      Der Befragte
   Dem der Name nicht behagte.

      Rbezahl?
      Wei nicht mal,
   Ist's ein Mensch oder ist's ein Aal! --
      Ihn nicht kennen!
      Auf den Sennen
   Jedes Kind wei ihn zu nennen.

      Hr! der so heit,
      Ist ein Geist,
   Der gar dreist sich oft erweist.
      Viel Geschichten
      Voll Erdichten
   Wute nun er zu berichten.

      Aber letzt --
      Sagt er jetzt --
   Hab ich ihn in Angst gesetzt!
      Auf der Koppe,
      Da er mich foppe,
   Rannt' er auf mich zu im Galoppe.

      Doch geschwind,
      Mutig gesinnt,
   Hielt ich ihm, dem Teufelskind,
      Diesen geweihten,
      Schn gereihten
   Rosenkranz vor, -- ihn abzuleiten.

      Gott sei Dank!
      Da gelang,
   Ins Gebsch entfloh er bang.
      Mdchenstehler!
      Rbenzhler!
   Nur der Dummen Furcht und Quler!

      Also rief,
      Wie er lief,
   Ich ihm nach. -- Er nahm das schief, --
      Ward' gar bse,
      Macht' ein Getse,
   Als ob der Berg von der Erd' sich lse.

      Doch -- durchs Gebraus
      Khn hinaus,
   Schritt ich mutig fort nach Haus.
      So erzhlte
      Der Gesthlte,
   Wissend, da alle Wahrheit fehlte.

      Bist du zu End?
      Frug behend
   Rbezahl, als ob's ihm brennt,
      Ich nun sage:
      Rbezahl wage,
   Da er dich Lgen straf' und schlage!

      Sahst ihn noch nie,
      Auer jetzt hie.
   Ich bin's. Und ich schlage dich, sieh!
      Nach den Schlgen
      Wachsen dem trgen
   Knecht die Ohren, wie Gras nach dem Regen.

      Wo man dir traut,
      Rhm' nun laut,
   Da du den Rbezahl geschaut!
      Wnschen Toren
      Es beschworen, --
   Schwr's bei deinen Eselsohren!




Der reiche Bcker.


In Hirschberg lebte ein reicher Bcker, der in groem Ansehen unter der
Brgerschaft stand und abends auf der Bierbank immer das groe Wort fhrte,
der aber hart und geizig gegen die Arbeiter war, die um Lohn bei ihm
dienten, sowie gegen die Bauern, welche ihm das Holz anfuhren. Von denen
suchte er immer die rmsten aus, die ntig Geld brauchten, machte ihnen
kleine Vorschsse und hatte sie dann gewissermaen in den Hnden, da er
ihnen am Preise abdrcken konnte, so viel er wollte.

Nun trug es sich einstens zu, da ein armer Bauer ihm ein Fuder Holz
brachte, wofr das Fuhrlohn schon zuvor bedungen worden war; als er es aber
im Hofe des reichen Bckers abgeladen hatte, gab ihm dieser doch wieder
eine Mark weniger. Darber war der Mann sehr bestrzt und machte dem Bcker
die rhrendsten Vorstellungen, wie er den grten Schaden an Wagen und
sonstigem Gert habe, wenn er so viel verlieren solle; aber jener
antwortete nur kurz, da sich der Bauer das Holz ruhig wieder aufladen und
mit nach Hause zurcknehmen knne, wenn er es um diesen Preis nicht lassen
wolle.

Das war freilich leicht gesagt, aber der arme Bauer hatte dabei einen
ganzen Tag Arbeit verloren und sein Pferd und Wagen ganz umsonst abgenutzt.
Auerdem wollte er fr das Holzgeld Saatgetreide kaufen und was blieb ihm
nun anderes brig, als sich den Abzug geduldig gefallen zu lassen. -- Aber
traurig fuhr er aus der Stadt zurck, denn wenn er auch den ungerechten
Mann htte verklagen wollen, so htte er doch lange warten mssen, ehe die
Sache entschieden worden wre, und dann htte er auch einen Kostenvorschu
machen mssen. Der Weg zur Gerechtigkeit ist nicht fr die armen Leute,
sondern fr die reichen! -- Also fuhr er traurig und bekmmert seines Weges
und erzhlte sein Unglck einem Nachbar, den er auf dem leeren Holzwagen
mit nach Hause nahm.


Rbezahl, der eben aus der Stadt kam, ging nebenbei auf der Strae und
hrte die Geschichte mit an und beschlo, dem reichen Brger einen
Denkzettel zu geben. Wenn er mir nur einmal in mein Revier kme, sagte er
zu sich selbst, dann sollte er wohl grndlich kuriert werden. Aber der
Bcker htete sich wohl, eine Reise ins Hochgebirge zu machen, dazu war er
viel zu geizig.

Nun sitzt er aber eines Tages in seiner Putzstube und trinkt ein Schlchen
Warmbier, da tritt ein Mann zu ihm herein und sagt, er habe gehrt, da der
Meister einen Holzmacher brauche und dazu biete er sich an; dabei wolle er
billiger sein, als jeder andere.

Der Bcker sah den Fremden, der gar nicht wie ein Holzmacher aussah, mit
groen Augen an, aber Geiz und Eigennutz verblendeten ihn doch so sehr, da
er mit ihm in den Holzhof ging und ihm dort mehr als fnf Klafter Holz
zeigte, die gespalten werden sollten. Wieviel wolltet ihr wohl dafr
haben? fragte er neugierig.

Ei nun, antwortete der fremde Mann, ich bin ein Brger aus Schweidnitz,
und haue mehr zu meinem Vergngen und meiner Bewegung Holz, denn ich leide
an der Leber, und darum kommt es mir nicht sonderlich auf den Verdienst an.
Wenn ihr mir eine so groe Hocke Holz dafr geben wollt, als ich mit einem
Male fortbringe, so will ich euch den ganzen Vorrat klein machen.

Nun, das nenn' ich mir einen Narren, lachte der Bcker ins Fustchen, und
da er einen guten Handel abgeschlossen zu haben meinte, nahm er den Fremden
mit in seine Stube zurck, lie ihn niedersetzen und go ihm eine Tasse
Warmbier ein. Dieser sah sich neugierig in der schnen Stube um, wo an den
Wnden hohe Schrnke voll blankem Zinns und Messinggert standen, und indem
er die gemalte Decke verwundert betrachtete, sagte er: Der Tausend! eine
so schne Stube hab' ich mein Lebtag nicht gesehen, die habt ihr wohl von
einem Breslauer Knstler malen lassen, Meister?

Nein, es gibt auch in Hirschberg geschickte Leute, sagte dieser vornehm,
wer's nur bezahlen kann. -- Darauf empfahl sich der angebliche
Schweidnitzer Brger und sagte, er wolle am andern Tage kommen, und die
Arbeit anfangen. Und richtig, am Morgen darauf, als der Meister aus dem
Bette stieg, hrte er im Hofe schon Holz hauen, zog seinen Schafpelz an und
dachte: Mu doch einmal zum Rechten sehen. Aber mit weit offenem Munde
blieb er in der Hoftr stehen, denn der Fremde hatte sein linkes Bein aus
der Hfte herausgezogen und schlug damit auf das Holz, das es in tausend
kleine Stcke zersprang.

Da wurde dem Meister unheimlich, und er rief dem Fremden zu, er mge doch
aufhren und sich von dannen scheren; der aber tat, als hre er nicht, hieb
immer unbarmherzig darauf los, und ehe eine Viertelstunde verging, war das
ganze Holz in kleine Scheite gespalten. Alsdann steckte er das Bein wieder
in die Hfte, packte alles gehauene Holz in einer ungeheuren

FEHLZEILE

Hofe, ohne sich um das Wehgeschrei des Bckers zu kmmern.

Da stand dieser nun als ein geschlagener Mann, sein ganzer Holzvorrat war
nun verloren, denn er hatte ja dem Holzmacher freiwillig als Lohn
versprochen, so viel dieser in einer Hocke forttragen knne. -- Das hatte
nun seine Richtigkeit und konnte der Meister ihn deshalb nicht aufhalten
lassen; was ihn aber noch mehr hinderte, dem Fremden nachzulaufen und sein
Holz zurckzufordern, war die berzeugung, da kein anderer als Rbezahl
ein solches Kunststckchen ausfhren konnte und mit diesem mochte der
Meister aus guten Grnden nicht anbinden. Da stand er denn und hatte das
leere Nachsehen; es mochte ihm wohl einfallen, da er nun einmal mit
eigener Mnze bezahlt worden sei.

Rbezahl aber lud seine Brde vor dem Hause des armen Bauern ab, der gar
nicht begreifen konnte, wer ihm so viele Fuhren Winterholz gebracht habe,
ohne da er das geringste davon gemerkt hatte. Er verbrauchte es aber
dankbar und gab auch einigen armen Nachbarn davon. Von dieser Zeit an war
der reiche Bcker in der Stadt wie verwandelt, und wenn er auch noch
manchmal seine alten Gewohnheiten zeigte, so durfte er nur an die
Geschichte mit dem fremden Holzhauer denken, um wenigstens billig zu sein
und den Arbeitern sein Wort zu halten.




Das Zauberbuch.


Ein Mensch, welcher von der Begierde, reich, angesehen und gewaltig zu
werden, sehr geplagt wurde, hatte keinen greren Wunsch, als ein
Zauberbchlein zu bekommen, woraus er nach seinem Willen Regen und
Sonnenschein machen, das Vieh behexen, sich unsichtbar machen und
Goldschtze in der Erde finden knne. Da er aber ein solches Buch nirgends
finden konnte, beschlo er endlich, den Rbezahl darum zu bitten; der,
hoffte er, werde es ihm schon geben.

Er ging also fleiig in der Gegend umher, wo das Gebiet des Berggeistes
lag, bis er nach langer Zeit einmal den Herrn des Gebirges fand. Der sa
als ein eisgraues Mnnlein vor einer schauerlichen Hhle und gab ihm ein
Bchlein, wie er es erbeten hatte.

Voller Freude eilte er heim damit, um es sogleich zu probieren; da er es
aber aufschlug und lesen wollte, waren es lauter Baumbltter mit Linien und
Fasern, aber mit keinen Buchstaben.




Wie Rbezahl einem Bauer hilft.


Es war einmal unten am Gebirge ein Edelmann, der war ein wster,
hochmtiger Geselle, plagte und mihandelte seine Bauern und meinte, dazu
wren sie nun einmal auf der Welt. Dieser befahl eines Tages einem Bauern,
da er eine beraus groe Eiche, die eben geschlagen worden war, aus dem
Walde holen und im Schlohofe abladen solle. Mit dem Edelmanne war nicht zu
spaen, das wute der arme Schelm wohl, an welchen dieser Befehl erging,
und darum zog er auch sogleich sein Rlein aus dem Stalle, obschon er
wute, da es ein Ding der Unmglichkeit sei, die schwere Eiche allein von
der Stelle zu bringen. Er gab sich auch alle Mhe, sie nur vom Platze zu
bewegen, aber es war doch vergebliche Arbeit. Da seufzte und jammerte der
arme Bauer, denn er wute nun, da ihm der Edelmann nur etwas habe am Zeuge
flicken wollen, -- wie das Sprichwort heit, -- und da er jetzt seinen
Zorn an ihm auslassen wrde, weil er die aufgetragene Arbeit nicht
verrichten konnte.


Wie er noch so voller Betrbnis dasteht, kommt ein Mann im Walde gegangen
und fragt den Bauer, warum er denn so traurig sei. Ach, erwidert dieser,
ihr knnt mir ja auch nicht helfen; endlich aber erzhlt er doch dem
Fremden die Geschichte.

Ei, sei doch nur getrost, mein Bauer, sagt dieser darauf; gehe ruhig
heim, ich will dir den Baum schon an Ort und Stelle schaffen.

Der Fremde aber war Rbezahl, und ich glaube, es macht ihm keiner das
Stckchen nach, welches er jetzt ins Werk setzte. Er nahm die Eiche mit
ihren groen, weit ausgespreizten sten in eine Hand und trug sie wie einen
Spazierstab bis in das Dorf. Dort legt er sie vor das Hoftor des
Edelmannes, so da niemand aus- und eingehen kann. Da befiehlt der Herr,
die Eiche zu zersgen, aber sie ist wie von Eisen, und obgleich die
Arbeiter alle Kraft daran wenden, bringen sie doch auch kein Spnchen davon
ab.

Nun bleibt dem Edelmann freilich nichts weiter brig, als ein neues Tor
durch die Mauer zu brechen; da das aber viel Geld kostete, lie er den
Bauer kommen, der sollte es zur Strafe bezahlen. Als aber dieser die
Geschichte erzhlte, die ihm mit der Eiche begegnet war, merkte der
gestrenge Herr gar wohl, da Rbezahl hier die Hand im Spiele habe; vor dem
hatte er so groe Furcht, da er den Bauer ruhig gehen lie, und seit jener
Zeit auch vorsichtiger und milder wurde. In so groen Respekt hatte sich
der Berggeist schon in der ganzen Gegend zu setzen gewut.




Der kleine Peter.


Dem kleinen Peter war seine liebe Mutter gestorben und der Vater nahm eine
Anverwandte ins Haus, damit sie den Knaben in Aufsicht nhme, da er den
ganzen Tag im Walde Holz flle. Die Muhme aber war mrrisch und boshaft und
konnte den kleinen Peter schon darum nicht gut leiden, weil er immer lustig
und guter Dinge war und so vergngt spielte, als ob die ganze Welt ihm
gehre.

Sie schwrzte ihn daher auch bei dem Vater an, und wenn dieser am Abend von
seinem sauren Tagewerk ermdet heimkam, klagte sie ihm so viel von Peters
Unfolgsamkeit vor, da er ohne weiteres eine Haselgerte nahm und den armen,
kleinen Schelm durchprgelte.

Widerspruch htte den jhzornigen Mann auch nur noch heftiger gemacht,
darum fand sich Peter geduldig in sein Schicksal und ward es zuletzt immer
mehr gewhnt, von der Muhme gescholten und von dem Vater jeden Abend ohne
alle Ursache geschlagen zu werden. Da er nun im Hause keine Freude hatte,
war er am liebsten drauen auf dem Felde, da sah er doch das boshafte
Gesicht der Muhme nicht und es keifte niemand mit ihm.

Aber dieser Freiheit setzte endlich der Winter ein Ziel. Drauen auf den
Feldern und den hohen Bergen lag der Schnee und Peter wre in seinem dnnen
Leinwandjckchen bald erfroren. Es war also seine einzige Freude, hinaus
vor die Htte zu treten und den Sperlingen Brotkrmchen zu streuen, was er
sich jedesmal an seinem Frhstck absparte. Wenn nun die Vgel so lustig
zwitscherten und um ihn herumflogen, da klopfte ihm das Herz vor Lust, und
oft gab er ihnen sein ganzes Stck Schwarzbrot, ohne daran zu denken, da
er dafr alsdann selbst hungern msse.

Eines Tages erwartete die Muhme einen Gast und hatte einen Fisch gekauft.
Peter kam zufllig an dem Fa vorbei, dahinein die Muhme ihn einstweilen
ins Wasser gesetzt hatte, damit er nicht absterbe, ehe sie ihn schlachte.
Du armes Tierchen, sagte der kleine Peter, mchtest wohl auch lieber
drauen im groen Teiche sein, als hier in der Hand voll Wasser; kannst
dich ja gar nicht recht lustig bewegen; komm, ich will dir ein bischen mehr
Freiheit geben. Und er trug den zappelnden Fisch hinaus in den Bach, der
hinter dem Hause vorbei flo. Als aber der Fisch lustig groe Wellen mit
dem Schwanze schlug und dann ber die weien Kiesel hinhuschte, da sprang
Peter vor Freude auf einem Bein. Aber der hinkende Bote kam hinten nach.
Die Muhme erriet ohne Mhe, da Peter den Fisch fortgetragen hatte und
legte es ihm als Bosheit aus; da gabs denn am Abende wieder etwas zu
klagen, und der Vater schlug heut ganz unbarmherzig auf den
unverbesserlichen Burschen los.

Peter aber dachte: ohne Schlge wchst kein Mann gro und schttelte sich,
als es vorber war. Das rgerte die Muhme am meisten, da der Knabe nicht
jammerte und klagte, und sie sann darauf, ihm allerlei Weh zu bereiten.
Eines Tages schickte sie ihn hinaus aufs Feld und sprach: Hte dich,
wieder heimzukommen, ehe du einen Scheffel voll Kornhren gelesen hast, wir
haben kein Brot mehr im Hause.

Das betrbte den kleinen Peter, aber nur um seines Vaters willen, der schon
lange krank lag, nichts verdienen konnte und nun eben auch nicht die besten
Tage hatte bei der keifenden Muhme. Er ging daher gegen seine Gewohnheit,
ganz niedergeschlagen hinaus aufs Feld und suchte so emsig die hren
zwischen den Stoppeln auf, da ihm der Rcken weh tat. Aber es war schon
Mittag, vorber und er hatte kaum den Boden des Sackes gefllt, den ihm die
Muhme mitgegeben hatte; denn es wohnten nur arme Leute im Dorfe, die ihre
Felder so rein als mglich abrumten und nur wenige Halme liegen lieen.
Und dann, dachte Peter, mssen doch auch die kleinen Vgelchen etwas von
dem Erntesegen haben, so da er hin und wieder eine hre fr sie liegen
lie.

Darber ging die Sonne unter, und er hatte nicht die Hlfte seiner Aufgabe
gelst; die Trnen kamen ihm in die Augen, als er an seinen armen, kranken
Vater dachte; aber pltzlich stand ein alter Jgersmann vor ihm und fragte,
warum er weine.

Da erzhlte der kleine Peter ganz treuherzig alles, was sein Herz bedrckte
und verga auch nicht, der bsen Muhme zu gedenken.

Mchtest du wohl, da ihr dafr, da sie dich so qult und immer fr
Strafe fr dich sorgt, etwas recht Schlimmes geschehe? fragte der fremde
Mann.

Etwas Schlimmes? O nein, aber ich wnschte, die Muhme mte einmal einen
ganzen Tag lachen und vor Lust herumspringen, damit sie doch wte, wie den
frhlichen Leuten zu Mute ist und nicht mehr so mrrisch und sauertpfisch
wre.

Der Jger mute selbst ber den Einfall des Knaben lachen; dann pfiff er
laut auf dem Finger und mit einem Male kam eine ganze Wolke von Vgeln
geflogen, die senkte sich auf das hrenfeld nieder, und sie lasen die Halme
mit ihren Schnbeln auf, trugen sie auf ein Hufchen zusammen und der Jger
deutete darauf hin, indem er sagte: Da flle den Sack damit an. Peter tat
es voller Staunen, und sieh da, er hatte vollauf und seine Aufgabe war
gelst. Der Jgersmann war nirgends mehr zu sehen und zu hren, aber die
Vgel flogen neben dem kleinen Peter hin, bis zu seines Vaters Huschen,
und sangen so schn dabei, da ihm das Herz vor Freude hpfte.

Die Muhme aber machte ihm ein grimmiges Gesicht, denn sie hatte gedacht,
Peter knne nicht so viel hren finden, als sie ihm geheien hatte und
werde aus Furcht vor Strafe nicht mehr wiederkommen, sondern in die weite
Welt laufen.

Peter aber war froh, da sein armer Vater nun Brot und Mehl zu einer Suppe
hatte, was ihm die Mllersfrau fr die gesammelten Krner gab, und er
murrte gar nicht, da er selbst nichts davon bekam, sondern nur ein paar
kalte Erdpfel.

Am andern Tage sagte die Muhme: Geh' und fange ein Gericht Fische im
Teiche, da ich sie fr den Vater kochen kann. Mit leeren Hnden komme mir
aber ja nicht zurck, sonst kann ich dem Kranken nichts zu essen geben, und
er bekommt doch schon wieder einen tchtigen Appetit.

Da ging Peter traurig mit dem kleinen Hamen zum Teiche und dachte: Ach,
wenn der Vater nur erst wieder gesund wrde, damit die Muhme ihm nur nicht
immer jeden Bissen Brot vorwrfe. Ich wollte ja gern wieder jeden Abend
meine Schlge leiden, wenn er nur erst wieder stark genug wre, mich seine
Arme fhlen zu lassen. Unter diesen Gedanken senkte er den Hamen in das
Wasser, aber es verging eine Stunde um die andere und er hatte noch immer
nichts gefangen. Da setzte er sich in das Schilf und weinte bitterlich. Und
nicht lange darauf kam der alte Jger wieder gegangen und fragte, warum er
denn heute wieder weine.

Peter erzhlte ihm, da die Muhme den Vater qule und hungern lasse und da
er nicht eher heimkommen drfe, bis er ein Gericht Fische bringe. Da pfiff
der Jger wieder auf seinem Finger, aber ganz leise, und befahl dem Knaben
dann, seinen Hamen noch einmal ins Wasser zu tauchen. Da kam ein groer
Fisch und trieb eine Menge kleiner Hechte und Barben vor sich her, dem
Hamen zu, so da dieser bald ganz voll wurde und Peter ihn mehrmals
ausleeren mute. Kennst du den Fisch nicht mehr? sagte der Jgersmann,
es ist ja derselbe, den du aus dem Schaff genommen und in den Bach
getragen hast. -- Darber wunderte sich der kleine Peter noch viel mehr
und guckte dem Fische so lange als mglich nach, der jetzt langsam im
Teiche hin schwamm. Indessen war der rtselhafte Jgersmann wieder
verschwunden und Peter lief voller Freude nach Hause; denn von seinem Fange
konnte der Vater sich viele Tage satt essen.

Da die bse Muhme dem guten Burschen auf diese Weise nichts antun konnte,
vermehrte sich ihr Ha und sie beschlo, ihn auf immer fortzuschaffen. Sie
gab ihm daher am andern Morgen den Auftrag, er solle auf die Berge steigen
und droben den Rbezahl rufen. Wenn dieser dann erscheine, solle er ihn um
ein Wurzelmnnchen bitten; wenn das der Vater htte, wrde er sogleich
gesund werden. Auch drfe er nicht eher wiederkommen und solle nur nicht
aufhren, den Rbezahl zu bitten, dann werde er schon bekommen, was er
wnsche. In ihrem bsen Herzen aber dachte sie, der Berggeist werde den
kleinen Peter tten, wenn er ihn bei dem Spottnamen rufe und sie wrde den
verhaten Knaben nicht mehr wiedersehen. Der Kranke werde ohnedies nicht
mehr lange leben und dann gehre ihr die Htte und alles, was darin sei.

Nun hatte der Knabe zwar allerlei Schauergeschichten von dem Berggeiste
gehrt, aber er dachte: Sie heien mich ja alle im Dorfe den Bruder Lustig
und von dem hat mir meine Mutter allerlei komische Mrchen erzhlt; da habe
ich gesehen, da selbst der bse Feind einem frhlichen Herzen kein Leid
antun kann; so schlimm ist aber der Rbezahl doch noch lange nicht. Und er
stand getrost auf, schnitt sich einen Stab und wanderte nach den Bergen
hinauf.

Ei, ei! hrte, er auf einmal eine Stimme hinter sich, willst du in die
weite Welt gehen, kleiner Peter? -- Wie er sich umdrehte, war es der
Jgersmann, der unter den Bumen dahergeschlendert kam.

Hr', sagte der lustige Kleine, jetzt soll ich gar zum Rbezahl gehen
und ein Wurzelmnnchen holen, davon wird der Vater gesund werden, sagte die
Muhme. Ob es nun wahr sein mag?

Nun wer wei; aber frchtest du dich nicht vor dem wilden Berggeiste?

I! er wird doch mit sich reden lassen, der alte, kuriose Herr; so schlimm,
wie ihn die Leute machen, ist er gewi nicht. Und was kann er mir gro
anhaben. Ein wenig Pffe und ein bichen Ohrenschtteln verschlgt nicht
viel bei mir, da bin ich es noch besser gewohnt, vom Vater her, wie er noch
gesund war. --

Ich denke, dir wird der Herr Johannes nichts anhaben, du nrrischer Kauz,
sagte der fremde Jgersmann, aber wer wei, ob du ihn antriffst. Wir Jger
leben so lange Zeit im Walde, da wir auch hinter allerlei Geheimnisse der
Natur kommen und da kann ich dir selbst deinen Wunsch erfllen. Hier hast
du ein Wurzelmnnchen; das soll der Vater an einer seidenen Schnur am Halse
tragen und er wird gesund davon werden. Und nun geh' ruhig heim, du
frhliches Herz. --

Der kleine Peter hatte keine Zeit, sich bei dem guten Alten zu bedanken,
der mit groen Schritten ber das Haidekraut, hinschritt und dabei sich
immer hher und hher ausdehnte, bis sein Kopf eine Wolke erreichte, worin
alsdann die ganze Gestalt verschwand. -- Das kam unserem kleinen Freunde
doch gar zu wunderlich vor und er lief, was er konnte, nach dem Dorfe
zurck, sein Wurzelmnnchen fest in der Hand, das er sich gar noch nicht
einmal angesehen hatte.

Die Muhme kam ihm schon in der Tr mit einem grimmigen Gesicht entgegen.
Unkraut verdirbt nicht, murmelte sie zwischen den Zhnen und
bewillkommnete den kleinen Peter mit einem tchtigen Puffe. Da ffnete er
die Hand, um ihr das Wurzelmnnchen zu zeigen, und kaum hatte sie einen
Blick darauf geworfen, als sie in ein schallendes Gelchter ausbrach und
wie von der Tarantel gestochen umherlief. Peter sah ganz erstaunt bald die
Muhme, bald das Geschenk des alten Jgers an und wute gar nicht, was jener
in den Sinn komme. Die Wurzel sah zwar komisch genug aus, denn sie glich
vollkommen einem kleinen migestalteten Mnnchen, mit langen Spinnenbeinen
und ebensolchen Armen; Kopf und Rumpf waren dagegen ganz unfrmlich dick
und das Gesicht war eine boshaft grinsende Karrikatur. Ein Zopf, der lnger
war, als das ganze kleine Wesen, vollendete die hchst wunderliche Gestalt
des Wurzelmnnchens, aber bei alledem begriff Peter nicht, warum die Base
gar so unbndig lache. Er trat also ganz nahe zu ihr hin, um ihr den
Gegenstand ihrer Lachlust besser zu zeigen, aber da ward sie vllig auer
sich, die Trnen strzten ihr aus den Augen und sie fiel ganz atemlos auf
das Bett des Kranken, wobei sie fortfuhr, immer lauter und heftiger zu
lachen.


Da fiel es dem kleinen Peter pltzlich ein, wie er ja einmal gegen den
wunderbaren Jgersmann geuert hatte, er wnsche, da die Muhme einen
ganzen Tag lachen und springen msse, und nun konnte er nicht lnger
zweifeln, da Rbezahl selbst ihm unter jener Gestalt erschienen sei und
seinen Wunsch erfllt habe. Sein nchster Gedanke war, da nun auch gewi
sein Vater gesund werden wrde, denn der Berggeist hielt immer sein Wort;
und so band er denn geschwind das Wurzelmnnchen dem Vater um. Dabei kam er
der Muhme wieder nahe, die noch immer halbtot ber den Fen des Kranken
lag; wie unsinnig sprang sie jetzt auf, rollte sich auf der Diele hin, und
als sie an die offene Tr der Stube kam, sprang sie hinaus und ins Dorf
hinunter. Noch aus der Ferne hrte man ihr schallendes Gelchter.

Von Stund an ward der Kranke gesund, und als Peter ihm nun erzhlte, wie
sich alles zugetragen hatte und auf welche Weise er mit Rbezahl
zusammengekommen war, gingen dem Vater die Augen auf, wie unrecht die bse
Muhme dem kleinen Peter getan hatte, und er beschlo, da sie nie wieder
ins Haus kommen solle. Die Muhme aber blieb von selbst weg, denn sie hatte
den halben Tod von dem lustigen Tanze gehabt, den ihr Peter verschafft
hatte und keine Macht der Welt brachte sie mehr in die Nhe des kleinen
Burschen, von dem sie glaubte, er habe sie verzaubert. Sie zog ganz aus dem
Dorfe, viele Meilen weit, und Peter hatte nur gute Tage, denn der Vater
ward wieder gesund und stark, und da er einstmals unter einer Baumwurzel,
die er ausrodete, einige alte Goldstcke fand, konnte er sich ein Stck
Acker und eine Kuh kaufen. Ja, es war ein so sicherer Segen auf allem, was
er tat, da er bald der wohlhabendste Bauer im Gebirge wurde, und der
kleine Peter konnte im Winter manches Krnlein Futter fr die lieben
Vglein ausstreuen oder auch im harten Winter fr die Rehe und Hirsche in
den Wald tragen. Die Muhme starb vor Neid und Migunst, Peter aber lebte
lange und glcklich und behielt seinen Frohsinn und bermut bis an sein
Lebensende, ja er schenkte sogar der alten Muhme, die ihm so viel Bses
getan, ein freundliches Andenken, er war stets frhlich und guter Dinge und
erzhlte immer mit besonderer Freude die Begebenheit mit dem wunderbaren
Jgersmanne.




Die Reise nach Karlsbad.


Eine reiche Grfin, die gewhnt war, den Sommer in irgend einem Badeorte,
den Winter aber in Breslau zuzubringen, begab sich mit ihren beiden
Tchtern nach Karlsbad, weil sie einer Badekur, die jungen Damen aber der
Badegesellschaft bedrftig waren und deshalb so eilig reisten, da sie Tag
und Nacht nicht rasteten, um Blle, Stndchen und Promenaden desto frher
zu genieen. Beim Sonnenuntergang kamen sie ins Riesengebirge, und da es
ein schner, warmer Sommerabend war, an dem sich kein Lftchen regte,
beschlossen sie, die schne, sternenhelle Mondnacht hindurch zu fahren. Der
Wagen war auerdem so bequem eingerichtet und bewegte sich bergan so
langsam vorwrts, da Mutter und Tchter samt der Zofe recht behaglich
schlummerten. Johann allein, der neben dem Postillon auf dem Kutschbocke
sa, konnte wegen seiner freien und gefhrlichen Stellung nicht schlafen
und wrde es auch schon aus Furcht nicht getan haben, denn ihm fielen alle
die wunderbaren Geschichten von Rbezahl ein, die er gehrt hatte, und er
verwnschte im geheimen die abenteuerliche Idee seiner Gebieterin, das
Reich des furchtbaren Berggeistes in der einsamen Nacht zu durchkreuzen.
Wie viel lieber wre er in Breslau daheim gewesen, wo er niemals etwas von
so groen und mchtigen Geistern gehrt hatte. Er sah ngstlich nach allen
Himmelsgegenden aus, und wenn seinem Auge ein auffallender Gegenstand
begegnete, zitterte er wie ein Blatt im Winde. Er fragte mehr als einmal
den Schwager Postillon, ob es hierherum auch geheuer sei, aber doch konnte
er sich bei der Zusicherung desselben, da gar nichts zu befrchten wre,
nicht beruhigen.


Seine Befrchtungen wurden aber bald zur wirklichen Angst, als der
Postillon pltzlich die Pferde anhielt und einen Fluch zwischen den Zhnen
murmelte. In der Entfernung von kaum zehn Schritten stand mitten im Wege
eine bernatrlich groe Gestalt, mit schwarzem Mantel und mit einem
weien, weithin schimmernden Halskragen, aber -- ohne Kopf! -- Diese
schreckliche Erscheinung stand augenblicklich still, wenn der Postillon die
Pferde anhielt und lief rasch voraus, sobald dieser die Peitsche schwang,
um weiterzufahren. Schwager, was ist das? schrie Johann in grter Angst.
Sei still, sagte dieser kleinlaut, damit wir den Spuk nicht irren?

Aber der entsetzte Diener hielt es auf seinem freien Posten nicht lnger
ruhig aus, wo er sich der Gefahr zumeist ausgesetzt glaubte, und klopfte
heftig an die Fenster des Wagens. Hat die Grfin, dachte er, die tolle Idee
gehabt, hier in der Nacht zu reisen, so kann sie nun auch Rat schaffen, wie
wir aus der Gefahr kommen.

Unwillig fuhr die Gebieterin aus ihrem sanften Schlummer auf und fragte,
was es gbe? Ei, Ihro Gnaden, da geht einer ohne Kopf, stammelte der
Bediente und seine Zhne schlugen zusammen.

Und darum weckst du mich, Einfaltspinsel? Als ob man das nicht tglich in-
und auerhalb Breslaus sehen knnte. Sie belachte ihren eigenen Witz, aber
die beiden Frulein konnten nicht mit einstimmen, denn auch ihnen fielen
zum grten Schreck alle Rbezahl-Mrchen ein und sie riefen einstimmig:
Das ist der Berggeist, Mama, wir sind mitten auf dem Riesengebirge.

Die Geister aber schienen bei der Grfin in keiner besonderen Achtung zu
stehen, denn sie lchelte ber die Furcht der Tchter und verspottete die
bekannten Spukgeschichten, die sie die Ausgeburten kranker Einbildung
nannte, ward aber in ihrer Erklrung pltzlich unterbrochen, als der
Schwarzmantel, der einen Augenblick im Gebsch verschwunden war, wieder in
das helle Mondlicht heraus, dicht an den Weg trat.

Ein Schrei des Entsetzens ward im Wagen gehrt und die seidenen Vorhnge
hastig vor die Fensterscheiben gezogen. Der schreckliche Unbekannte
beunruhigte aber die Damen nicht weiter, sondern begngte sich, den
Bedienten samt dem Postillon vom Bocke herabzustrzen, wobei ihm die Furcht
der beiden Mnner sehr zu statten kam, und schrie dem betubten Postillon
unter einigen derben Faustschlgen ins Ohr: Nimm, das vom Rbezahl, weil
du so dreist in mein Gehege fuhrst; dein Ro und Geschirr sind mir
verfallen. -- Hierauf schwang sich das kopflose Ungetm auf den Sattel,
trieb die Pferde an und fuhr so rasch ber Stock und Stein, da man vor dem
Rasseln der Rder das Angstgeschrei der Damen nicht hrte.

Da vermehrte sich pltzlich die nchtliche Reisegesellschaft noch um eine
Person; es trabte nmlich ein Reiter neben dem Fuhrwerk hin, der es gar
nicht zu bemerken schien, da dem Fuhrmann der Kopf fehle, und ritt neben
dem Wagen her, als gehre er dazu. Dem Schwarzmantel schien dieser
Gesellschafter eben nicht willkommen zu sein; er lenkte die Pferde nach
einem andern Wege, bog bald links, bald rechte um, konnte aber den
rtselhaften Begleiter nicht los werden Noch viel ngstlicher ward dem
Fuhrmanne aber zu Mute, als er bemerkte, da dem Schimmel ein Fu fehle und
dieser doch so lustig neben ihm her trabte.

O weh, das ist der _rechte_ Rbezahl, seufzte er ngstlich, und meine
Rolle als Rbezahl wird nun bald aus sein, nun der sich in da Spiel
mischt!

Jetzt lenkte der Reiter sein dreibeiniges Ro ganz nahe an den Fuhrmann und
fragte ihn ganz zutraulich: Landsmann ohne Kopf, wohin des Weges?

Immer der Nase nach, antwortete dieser mit furchtsamem Trotz. Da fiel der
Reiter den Rossen in die Zgel und rief: Halt, Gesell! packte ihn am
Genick und warf ihn so krftig zur Erde, das ihm alle Glieder knackten. Der
kopflose Fuhrmann hatte, wie es sich nun ergab, Fleisch und Bein, wie jeder
andere Mensch und wimmerte ganz klglich, als ihm der Reiter die Maske
abri. Da er nun sah, da er in die Hnde des mchtigen Berggeistes geraten
war, dessen Person er eben dargestellt hatte, ergab er sich auf Gnade und
Ungnade.

Diese Demut war sein Glck; denn der Gnom war so ergrimmt, da er ihn ohne
Zweifel zermalmt haben wrde, wenn er noch ein Wort zu reden gewagt htte.
Sitz auf, herrschte er ihm jetzt zu, und tue, was ich dir befehlen
werde. Nun zog er geschwind den vierten fehlenden Fu seines Schimmels aus
den Rippen desselben und trat an den Wagenschlag, um sich den Damen ganz
hflich vorzustellen.

Aber diese lagen smtlich ganz betubt und besinnungslos in den Polstern
und gaben kein Zeichen des Lebens. Der Reiter schpfte aus einer
vorberrieselnden Bergquelle frisches Wasser und sprengte dies den Damen
ins Gesicht, wodurch sie auch smtlich wieder zum Leben gebracht wurden. Es
beruhigte sie sehr, einen so feinen, wohlgestalteten Mann in ihrer Nhe zu
haben, von dem sie auch ritterlichen Schutz erwarten durften und sie wurden
ganz frei von Besorgnis, als er sagte: Ich bedauere die Damen sehr, die
von einem entlarvten Bsewicht erschreckt worden sind, der ohne Zweifel die
Absicht hatte, sie zu bestehlen. Jetzt sind Sie in Sicherheit; ich bin der
Oberst von Riesental und erlaube mir, Sie in meine Wohnung zu geleiten, die
ganz in der Nhe ist.

Mit Freuden ward dies freundliche Anerbieten von den Damen angenommen. Der
Oberst ritt indes wieder neben dem eingeschchterten Fuhrmann her, hie ihn
bald links, bald rechts einen Weg einbiegen und fing zwischendurch einige
Fledermuse mit der Hand auf, denen er einen geheimen Auftrag zu geben
schien, und die er dann wieder freilie.

So mochte die Fahrt wohl ber eine Stunde gedauert haben, als sich in
einiger Ferne Lichtschimmer zeigte und vier Jger mit brennenden
Windlichtern herangesprengt kamen, um ihren Herrn zu suchen. Die Grfin
ward dadurch vollstndig beruhigt und bat Herrn von Riesental, einige
seiner Leute nach ihrem armen Johann auszuschicken, was auch sogleich
geschah. Bald darauf rollte der Reisewagen ber eine Zugbrcke durch ein
altertmliches Burgtor und hielt vor einem hell erleuchteten Palaste. Der
Reiter sprang ab und bot der Grfin den Arm, worauf er sie in ein
Prunkgemach fhrte, in dem schon eine groe Gesellschaft versammelt war.
Die jungen Damen waren trostlos darber, in ihren sehr zerdrckten
Reisekleidern in einen so glnzenden Zirkel treten zu sollen und der
Hausherr bemerkte ihre Verlegenheit kaum, als er sie in ein Kabinett treten
lie, darin alles Ntige zur Herstellung ihrer Toilette vorbereitet war.
Sechs Kerzen brannten vor dem groen Ankleidespiegel, feine Seifen,
Riechwasser, Haarl und dergleichen lagen auf dem kostbaren Waschtisch und
die feinsten Schuhe und Handschuhe fehlten ebensowenig.


Den jungen Damen htte nicht leicht ein angenehmeres Abenteuer begegnen
knnen, und sie traten daher ganz frisch und frhlich in die Gesellschaft,
wo sie sich auch bald recht wohl gefielen. Es ward viel ber die Gefahr
gesprochen, in welcher sich die Reisenden befunden hatten und der
aufmerksame Wirt stellte den Damen sogleich einen Arzt vor, der nach ihrem
Gesundheitszustande nach einem so groen Schreck fragte und mit bedeutender
Miene den Puls der Grfin prfte.

Endlich sagte er mit ziemlich bedenklichem Kopfschtteln, da er die
schlimmsten Folgen von der ungewhnlichen Aufregung befrchten msse, wenn
die Damen sich nicht entschlieen wrden, sogleich einen Aderla zu
erlauben. Die Grfin zitterte fr ihr Leben und willigte sogleich ein; bei
den jungen Damen hielt es aber weit schwerer und es bedurfte des
mtterlichen Befehls, um sie dazu geneigter zu machen.

Der Arzt kehrte sich nicht an den sichtlichen Widerwillen der Damen und
machte sie fr die ersten acht Tage unfhig einem Balle beizuwohnen.

Nachdem diese energische Kur vorber war, ging die Gesellschaft zur Tafel
und ein frstliches Mahl war fr sie aufgetischt. Auch schienen die Tische
unter der Last des Silbergertes brechen zu wollen und die kstlichsten
Speisen, die ausgesuchtesten Weine und der Jahreszeit nach ganz
ungewhnliche Frchte wurden verschwenderisch aufgetragen. Als das bunte
Dessert gebracht wurde, erstaunten die Grfin und ihre Tchter nicht wenig,
ihr ganzes Abenteuer in Zucker und Tragant dargestellt zu sehen. Voller
Bewunderung der Schnelligkeit, womit dieses kleine Kunstwerk entstanden und
der Zierlichkeit, mit der es ausgefhrt war, fragte die Grfin ihren
Tischnachbar, einen bhmischen Grafen, was fr ein Galatag hier gefeiert
werde und erhielt zur Antwort, die Gste htten sich nur zufllig getroffen
und es sei nur ein kleines, freundschaftliches Mahl, wie es der Hausherr
tglich gewohnt sei.

Diese Nachricht vermehrte die Freude der Damen, sich in so guter
Gesellschaft zu befinden und die Grfin war nur erstaunt, da sie nie zuvor
von einem so reichen und gastfreien Manne gehrt oder ihn in Breslau
gesehen habe. So bewandert sie auch in der Familiengeschichte des ganzen
deutschen Adels war, konnte sie doch in ihrem Gedchtnis keine Familie von
Riesental auffinden. Dieser Ideengang ward unterbrochen, als man allerhand
Mrchen von Rbezahl zu erzhlen anfing, und die Grfin nahm sogleich
Gelegenheit, ihren Zweifel an dem wirklichen Vorhandensein des Berggeistes
unter allerlei witzigen Bemerkungen auszusprechen.

Mein soeben erlebtes Abenteuer ist der beste Beweis, woher alle diese
Geschichten entstehen, sagte sie, und da der Berggeist nur in den Kpfen
der Furchtsamen spukt. Wenn er hier im Gebirge wirklich herrschte und
hauste, wrde er alsdann so ungestraft geduldet haben, da ein Schurke
unter seinem Namen solchen Unfug treiben durfte? Der arme Geist konnte
seine eigene Ehre nicht retten und ohne den ritterlichen Beistand des Herrn
von Riesental htte ein frecher Bube uns beraubt und vielleicht ermordet.

Der Hauswirt widersprach eben in einem Scherz und hflicher Weise, indem er
noch anriet, den Herrn vom Berge nicht so ganz fr ein Unding zu halten,
als er durch das Eintreten Johanns unterbrochen wurde, der wieder ganz
mutig aussah, nun er sich in so sicherer Umgebung erblickte und
triumphierend das Haupt des Schwarzmantels mitbrachte, welches dieser
whrend der Mummerei unter dem Arme getragen und spter verloren hatte. Zur
groen Belustigung der Gste ergab es sich, da es nur ein ausgehhlter
Krbis war, der mit Sand und Steinen angefllt, mit einer hlzernen Nase
und einem langen Flachsbarte ausgeschmckt war und so einem recht
frchterlichen Menschenantlitze glich.

Nach einer in den weichsten Daunen zugebrachten Nacht verlieen die Damen
am andern Morgen das gastliche Schlo, ganz entzckt von der Aufnahme, die
sie daselbst gefunden hatten. Herr von Riesental, nachdem er vergeblich
versucht hatte, seine Gste noch einen Tag bei sich zu behalten, geleitete
sie hflich bis an die Grenze seines Gebietes, doch muten ihm die Damen
versprechen, auf der Rckreise wieder einen Besuch bei ihm abzustatten.

Als nun der Gnom wieder in seiner Burg anlangte, wurde der arme Schelm
herbeigefhrt, der seine Rolle auf so unglckliche Weise gespielt hatte.
Elender! donnerte ihn der Geist an, wie wagtest du es, in meinem
Bereiche eine so strfliche Gaukelei zu verben? Dafr sollst du mir
lebenslang ben. Wer bist du, und was trieb dich ins Gebirge, um als Geist
darin zu spuken?

Groer Geist des Riesengebirges, vergib, sagte der Schlaukopf mit groer
Unterwrfigkeit, ich habe das Gesetz nicht gekannt, was mir verbietet,
deine Person vorzustellen. Ich kann dir sagen, da dies an den meisten
Orten geschieht; bald wandelst du mit einer groen Rbe auf den
Maskenbllen umher, bald trgt man dich aus Kokosnu geschnitzt oder aus
Gips geformt zum Verkaufe umher. Aber nun ich wei, da du es ungern
siehst, soll es gewi niemals wieder geschehen, vergib mir nur diesmal,
mchtiger Geist! -- Ich bin von Profession ein Beutler, aber es ging mir zu
trbselig bei diesem Gewerbe. Wie viele Beutel ich auch nhte, der meine
blieb immer leer, obgleich die Leute sagten, ich htte eine glckliche
Hand, denn in den von mir gearbeiteten Beuteln halte sich das Geld lnger,
als in anderen. Der Pfiff lag aber darin: ein lederner Geldbeutel ist immer
besser, als ein von Seide gestricktes Netz. Warum? Nun seht, die ledernen
Beutel werden meist von den Ackerwirten und armen Handwerkern gekauft, die
sind denn von Haus aus keine Verschwender; aber die feinen, durchsichtigen
Brsen befinden sich nur in vornehmen Hnden und da ist es kein Wunder,
wenn sich das Geld nicht gut darin hlt; die Gelegenheit ist immer bei der
Hand, da es herausrinnt so viel auch hineingeschttet werde. --

Nun, und weiter, sagte Rbezahl, der es nicht ganz verbergen konnte, da
ihn die Erzhlung des Burschen belustigte.

Nun, es gab Teuerung im Lande und da ich gute Ware fr schlechtes Geld
geben mute, arbeitete ich mich an den Bettelstab und ward endlich in den
Schuldturm geworfen. Als ich wieder frei ward, gab mir niemand Arbeit und
ich mute in die weite Welt wandern. Da begegnete mir einer meiner alten
Kunden, der ganz stattlich aussah und auf einem schnen, Pferde ritt. Ei,
ei, Franz! lachte er, hast du es noch immer nicht weiter gebracht; willst
du mit mir gehen, so will ich dich lehren, den Beutel immer voll Geld zu
haben. -- Das war mir eben recht und ich kmmerte mich nicht sonderlich
darum, ob sein Gewerbe ehrlich war. Der Gesell aber machte falsches Geld
und ich ward bald so geschickt in dieser freien Kunst, als er selbst; alles
war im besten Gange, da wurden wir eingefangen und auf Lebenszeit zur
Festung verurteilt.

Da lebte ich eine lange, aber keine gute Zeit, bis endlich ein
Werbeoffizier kam und die Gefangenen zu Soldaten machte, denn es war Krieg
im Lande. Ich war den Tausch auch wohl zufrieden, aber ich hatte wieder
Unglck; als ich einmal auf Fouragierung ausgeschickt wurde, griff ich zu
weit in meinem Auftrage und fegte nicht nur Speicher und Scheuern, sondern
auch Kisten und Kasten in den Husern aus. Es, war ein schlimmer Zufall,
da es gerade in Freundes Land war und nun gab es ein weitlufiges Gerede,
ich mute Spieruten laufen und ward aus dem Soldatenstande fortgejagt, in
dem ich doch so leicht mein Glck htte machen knnen.

Jetzt hatte ich wieder keine Aussicht, als zu meiner Profession
zurckzukehren; da ich mir aber kein Lager einkaufen konnte, fiel ich auf
den Gedanken, einmal meine frheren Arbeiten nachzusehen, ob sie sich auch
gut gehalten htten. Ich sann nun immer darauf, einen Beutel zu erwischen,
wobei es sich freilich traf, da manchmal noch Geld darin war, aber das war
ja nicht meine Schuld; und oft war der Beutel auch nicht von meiner Arbeit,
aber ich konnte ihn doch nicht mehr ohne Gefahr an den alten Ort
zurckbringen und war also gezwungen, ihn zu behalten. Alte Bekannte fand
ich auch manchmal unter dem fremden Gelde, nmlich von unserer falschen
Mnze, mit der die Leute einander immer noch anfhrten, indes wir schon
unsere Strafe dafr weg hatten. Ich besuchte nun die Messen und Mrkte und
machte zuweilen recht gute Geschfte, aber wer einmal Unglck haben soll!
Es war recht, als sollte es nicht sein, da ich lnger so fort lebte. -- In
Liegnitz fiel mir der Beutel eines reichen Krmers auf, der sehr reichlich
gespickt war; aber das war eben das Unglck, denn er war zu schwer und fiel
mir bei dem angewandten Kunstgriff aus der Hand. Da ward ich ergriffen und
als Beutelschneider vor Gericht gefhrt; ich sagte, das sei ja mein
gelerntes Handwerk und wies mich durch Kundschaft und Lehrbrief darber
aus; aber den Herren vom Gericht war nicht gut zuzureden, ich wurde
eingesperrt, ersah mir aber glcklich die Gelegenheit und entwischte
wieder.

Anfnglich hungerte ich, das gefiel mir aber auf die Lnge nicht, dann
machte ich einen Versuch mit betteln, es geriet aber auch nicht. Die
Polizei in Gro-Glogau hinderte mich auch daran, und ich mute wieder ein
paar Tage brummen. Von nun an vermied ich die Stdte und geno die
Landluft, die mir besser bekam; da kam mir die Grfin in den Weg, an deren
Wagen etwas zerbrochen war. Der Bediente schimpfte gewaltig, da man nun
gerade in der Nacht aufs Riesengebirge kommen wrde, wo doch der gewaltige
Herr Rbezahl hause. Das brachte mich auf den Einfall, seine Zaghaftigkeit
zu benutzen und eine Geisterrolle zu spielen. Beim Kster verschaffte ich
mir den schwarzen Mantel, und ein Krbis, der auf dem Kleiderschranke
stand, diente mir als Kopf, den ich nach Willkr aufsetzen und abnehmen
konnte, um die Reisenden noch mehr zu erschrecken. Wenn mir die Sache
geglckt wre, htte ich die Damen in den tiefen Wald gefahren und mir ihr
Geld und sonstige Kostbarkeiten ausgebeten. Ein greres Leid htte ich
ihnen nicht angetan. Vor euch, Herr, habe ich mich, aufrichtig gesprochen,
am wenigsten gefrchtet. Die Kinder glauben ja kaum mehr an euch, so
aufgeklrt ist jetzt die Welt, und ihr werdet bald ganz vergessen sein. Ich
dachte es msse euch lieb sein, da ich euch wieder in Erinnerung gebracht
habe und darum seid nicht ungndig gegen mich. Es wre euch gerade etwas
leichtes, einen ehrlichen Kerl aus mir zu machen. Lasset mich einen Griff
in eure Braupfanne tun, oder schenkt mir, wie jenem hungrigen
Handwerksburschen, eine Hand voll Schlehen aus eurem Garten. Der arme
Schelm hat sich zwar zwei Vorderzhne an eurem Obst abgebissen, aber dafr
haben sich auch die Schlehen in eitel Gold verwandelt. Vielleicht ist es
euch auch genehm, eine Partie Kegel mit mir zu schieben, wie mit jenem
Prager Studenten, dem ihr alsdann einen Kegel schenktet, der auch von Gold
war; oder wenn ihr mir durchaus eine Strafe fr mein Unrecht zudenkt, so
machst es doch mit mir, wie mit jenem Schuster, den ihr mit einer goldenen
Rute tchtig durchgehauen, ihm aber auch nachher das Strafinstrument zum
Andenken geschenkt habt, wie die Handwerker noch auf ihren Gelagen zu
erzhlen wissen. --

Schurke! sagte Rbezahl, ich habe dich geduldig ausreden lassen, aber
nun lauf', so weit deine Fe dich tragen. Du wirst auch ohne mich deiner
Strafe nicht entgehen.

Mit Freuden erfllte der Beutelschneider den zornigen Befehl des Herrn vom
Berge und pries seine Beredsamkeit, die ihn diesmal ganz allein aus seiner
milichen Lage gezogen hatte. Er lief so schnell, um aus der
Gerichtsbarkeit Rbezahls zu kommen, da er in der Eile den schwarzen
Mantel verga; so rasch er aber auch sich fortbewegte, schien es doch
nicht, als ob er von der Stelle kme, denn immer umgaben ihn dieselben
Bume und Felsen, nur die Burg des Herrn von Riesental war verschwunden.
Ganz abgemattet von der fruchtlosen Bestrebung, diesen Platz zu verlassen,
sank er endlich unter einen Baum und fiel in einen festen Schlaf! Als er
nach mehreren Stunden wieder erwachte, wunderte er sich, da ihn noch immer
eine undurchdringliche Finsternis umgab und er weder das Suseln der Luft
vernahm, noch ein Sternlein am Himmel blinken sah. Darber sprang er auf
und erschrak nicht wenig, als er das Geklirr von Ketten hrte, mit denen er
selbst belastet war. In qualvoller Erwartung brachte er mehrere Stunden zu,
bis endlich ein wenig Licht durch das eiserne Gitter eines kleinen Fensters
fiel und er allmhlich denselben Kerker wiedererkannte, aus welchem er
zuletzt entflohen war. Da aber niemand kam, um nach dem Gefangenen zu sehen
oder ihm Speise zu bringen, fing noch obendrein der Hunger ihn zu martern
an und er schlug verzweiflungsvoll mit seinen Ketten gegen die
wohlverwahrte Tr. Es whrte lange, ehe sich der Gefngniswrter
entschlieen konnte, in die Zelle zu gehen, die doch schon wochenlang leer
war; er glaubte, es gehe ein toller Spuk darin um und mit der grten Angst
ffnete er endlich die Tr, um die Ursache dieses ungewhnlichen Lrmens zu
erforschen. Erst erschrak er sehr vor der Gestalt, die sich in dem dunklen
Gemache bewegte, als er aber seinen entwichenen Gefangenen erkannte,
verwunderte er sich noch weit mehr, denn er konnte nicht beigreifen, wie
dieser durch die verschlossene Tr und das vergitterte Fenster wieder an
seinen alten Platz gekommen sei. Jener aber behauptete, er habe sich
freiwillig wieder eingefunden; da er die geheime Gabe besitze, durch
verschlossene Tren ein- und auszugehen und seine Fesseln anwie abzulegen,
so befinde er sich nach seinem eigenen Willen hier.

Da es unbegreiflich blieb, wie der schlaue Dieb die Sache ins Werk gesetzt
hatte, mute man endlich an seine wunderbare Kraft glauben; die Herren in
Liegnitz schickten ihn nun auf die Festung, wo er den Karren schieben mute
und berlieen es ihm, sich, wenn er wolle und knne, auch von dieser Kette
zu befreien; man hat aber mit Verwunderung bemerkt, da er von seiner
geheimnisvollen Kraft bis zum Ende seines Lebens keinen weiteren Gebrauch
gemacht hat.

Die Grfin war indes mit ihrer Begleitung wohlbehalten in Karlsbad
angelangt und lie sogleich den Badearzt rufen, um ihn ber ihren
Gesundheitszustand zu befragen. Da trat derselbe Arzt herein, den sie schon
auf dem Schlosse des Herrn von Riesental kennen gelernt, und der ihr den
Aderla verordnet hatte. Ei, seien Sie uns willkommen! riefen ihm Mutter
und Tchter freundlich entgegen; wir vermuteten Sie noch bei dem Herrn von
Riesental und nun sind Sie uns doch zuvorgekommen; warum haben Sie uns denn
dort verschwiegen, da Sie der hiesige Badearzt sind? -- Ach, Herr
Doktor! seufzten die beiden Frulein dazwischen, Sie haben uns wohl die
Adern am Fue durchgeschlagen; wir mssen jmmerlich hinken und werden nun
keinen Schritt tanzen knnen.

Der Arzt stutzte. Ihro Gnaden, sagte er, sind im Irrtum; ich hatte nie
zuvor die Ehre, Sie zu sehen, auch entferne ich mich whrend der Kurzeit
niemals von hier und kenne unter allen meinen Bekannten keinen Herrn von
Riesental. --

Die Grfin lachte ber diese Verstellung, wie sie es nannte, und da sie den
Grund davon in dem Zartgefhl des Arztes zu finden meinte, der nur fr
seine ihr schon geleisteten Dienste nicht bezahlt sein wollte, sagte sie:
Ich verstehe Sie, lieber Herr Doktor, Ihr Zartgefhl geht aber zu weit, es
soll mich nicht abhalten mich fr Ihre Schuldnerin zu bekennen und fr
Ihren guten Beistand dankbar zu sein. Dabei nahm sie eine schne goldene
Dose aus ihrem Koffer und schenkte sie dem Doktor. Dieser nahm sie als eine
Vorausbezahlung der Dienste, welche er etwa der Grfin noch wrde leisten
knnen und widersprach ihr daher nicht mehr, weil er glaubte, die Kranke
leide an solchen Einbildungen und ihre Tchter stimmten nur aus Rcksicht
auf den Zustand der Mutter dem bei.

Bald war es in dem Badeorte bekannt, da die Grfin entweder schwachsinnig
oder eine Hellseherin sei, denn der Arzt, der sich immer bemhte, sich bei
seinen Patienten lieb und angenehm zu machen, hatte das kleine Abenteuer
whrend der Runde, die er am Morgen bei seinen Badegsten machte, vielfach
erzhlt und alle waren neugierig, die fremden Damen kennen zu lernen.

Als die Grfin mit ihren Tchtern das erste Mal in den Kursaal trat, war es
ihr ein hchst berraschender Anblick, die ganze Gesellschaft dort
wiederzufinden, in welche sie einige Tage zuvor vom Herrn von Riesental
eingefhrt worden war; dadurch hatte sie gleich angenehme Bekannte und
schlo sich ohne weitere Zeremonie ihnen an. Aber sie fhlte sich verletzt
durch das fremde und kalte Benehmen der Damen und Herren, die vor kurzem
ihr so viel Vertrauen und Aufmerksamkeit bewiesen hatten; endlich fiel ihr
ein, das ganze sei ein verabredeter Scherz, bei dem Herr von Riesental die
Hand im Spiele habe und er wrde durch sein pltzliches Erscheinen der
Neckerei ein Ende machen. Sie fragte daher tglich nach ihm und erzhlte
mehreren neu angekommenen Gsten ihr Abenteuer auf dem Riesengebirge, durch
welches sie so viel angenehme Bekanntschaften gemacht habe, doch
merkwrdigerweise wollten die Herrschaften sie hier gar nicht
wiedererkennen, auch gar nichts von der Existenz eines Herrn von Riesental
etwas wissen.

Es war bald nur eine Stimme darber, da die Grfin eine feine und
liebenswrdige Dame sei, da sich ihre Gedanken aber alsdann verwirrten,
wenn sie an ihr vermeintliches Abenteuer erinnert wrde. Man vermied daher,
sie auf diesen Gegenstand zu bringen, und die Grfin, welcher der Scherz
doch auch zu weit ausgedehnt schien, sprach nun auch nicht weiter davon,
was der Arzt berall als eine Wirkung des Bades pries, das die Krankheit
der Grfin mit so vielem Erfolge heile.

Als die Kur beendet war und sich die jungen Damen genug hatten bewundern
lassen, kehrten sie ganz zufrieden nach Breslau zurck. Absichtlich nahmen
sie wieder den Weg ber das Riesengebirge, um dem gastfreien Obersten ihr
Wort zu halten und zugleich die Lsung des Rtsels von ihm zu empfangen,
weshalb die Gste in Karlsbad ihr frheres Zusammentreffen mit der Grfin
nicht htten eingestehen wollen. Aber es wute niemand den Weg nach dem
Schlosse des Herrn von Riesental nachzuweisen und sein Name war weder
diesseits noch jenseits des Gebirges bekannt.

Dadurch war die Grfin doch endlich berzeugt, da der Unbekannte, der sie
beschtzt und so gastlich aufgenommen hatte, Rbezahl, der Berggeist,
gewesen sei. Sie hatte alle Ursache, mit der feinen Rache zufrieden zu
sein, die der Gnom ihrem Unglauben an seine Existenz erwiesen hatte und
verzieh ihm gern die Neckerei mit der Badegesellschaft, die ihr nun erst
erklrlich wurde. Wieder aber war es dem Berggeiste gelungen, die Menschen
an ihren empfindlichsten Stellen zu packen, und die Mutter mit ihrer
Spottlust, die Tchter mit ihrer Eitelkeit zu necken.




Wie Rbezahl die bertretung seiner Gesetze bestraft.


Der Berggeist duldet es nicht, da Hunde in sein Gebirge kommen, wie er
sich denn berhaupt im hchsten Gebirge die Jagd selbst vorbehalten hat.


Dies Verbot war allgemein bekannt, ohne da man wute, wer es zuerst
erfahren habe, und niemand wagte das Gebirge zu berschreiten, wenn er
einen Hund bei sich hatte. Einst aber zwang ein frherer Besitzer
Warmbrunns, ein Vorfahr des Grafen Schafgorsch, seinen Jger, dem er in dem
wildesten Teil des Gebirges ein Haus hatte bauen lassen, auch einen
Jagdhund zu halten. Da ward es gleich in der ersten Nacht sehr unruhig um
die einsame Wohnung, die Tren klapperten und die Fenster klirrten, als
rttle ein wtender Sturm daran, und doch bewegte sich drauen kein
Lftchen. Der Jger dachte, es sei wohl gar ein Erdbeben, das, wenn auch
selten, doch fters in dieser Gegend vorkommt. Er stand auf und ging in die
finstere Nacht hinaus; dort war alles totenstill, nur die Sterne
schimmerten in prchtigem Glanz, in ihrer ewigen Majestt am dunklen
Himmel. Da aber, als er nher zusah, war es ihm, als ob derselbe sich ffne
und eine mchtige groe Gestalt ihm mit einem Stocke drohe und als ob jeder
Stern den Kopf eines Hundes habe und ihn zornig anshe. Geblendet kehrte er
ins Haus zurck und versuchte alles fr Einbildung und Aufregung zu halten;
er zog die Decke weit ber den Kopf und hrte nur noch wie der Hund erst
laut bellte, dann aber jmmerlich zu winseln anfing, bis auch dies immer
schwcher und ferner wurde. Als der Jger am andern Morgen nach dem Hunde
sah, war dieser verschwunden. Tagelang suchte er vergeblich nach dem treuen
Tiere, bis er endlich nach einiger Zeit die zerstreuten Glieder desselben
in weiter Entfernung von dem Hause fand. -- Niemand wagt seitdem wieder, in
Rbezahls Gebiet Jagdhunde mitzubringen.




Das Rad.


Ein Kutscher rollte einmal ein Rad mit vieler Mhe durch das Gebirge. Er
hatte es eben eine steile Ebene hinaufgeschleppt und lehnte es an einen
Baum, in dessen Schatten er sich ganz ermdet niederlegte und bald darauf
einschlief. Als er erwachte, hatte Rbezahl die Gestalt des Rades
angenommen, und als der Kutscher es weiterrollen wollte, konnte er es trotz
aller Anstrengung nicht von der Stelle bringen. Endlich konnte er es
wenigstens von dem Baume losmachen, an dem es wie festgenagelt gelegen
hatte, aber es fiel auch sogleich wieder zentnerschwer an die Erde. Als der
Kutscher erschpft und fluchend vor Zorn alle Hoffnung aufgab, das Rad von
der Stelle zu bringen, stellte es sich mit einem Male wie von selbst
aufrecht, und als es der Kutscher berhrte, rollte es mit grter
Schnelligkeit ber Steingeklfte und Baumwurzeln hin, den Berg hinab.
Keuchend mute der Kutscher nachlaufen und sah mit Verwunderung, wie das
Rad mit gleicher Schnelligkeit bergauf und bergab rollte. Wenn er weit
zurck war, schien es sich langsamer zu bewegen, so da er glaubte, es bald
erreichen zu knnen, wenn er aber nahe genug war, um es erreichen zu
knnen, rollte es mit unaufhaltsamer Eile weiter.

So lief das Rad, und der Kutscher dahinter her, ber Berg und Tal, bis es
ihm endlich gelang, es zu ergreifen. Nun hielt er es mit aller Kraft fest;
aber das Rad fiel an die Erde und zog den Kutscher mit darnieder. Pltzlich
erhob es sich wieder und flog nun geschwind wie ein Pfeil durch die Luft,
bis es mit dem ganz erschpften Kutscher vor dem Hause seines Herrn
niederfiel.




Wie Rbezahl sich eines armen Studenten annimmt.


In der Zeit, wo Rbezahl noch sein Wesen auf den Bergen trieb, da war's
freilich anders, als jetzt, da half's einem ungelehrten Burschen nicht zu
einem guten Amte, wenn einer seiner Vettern auch ein vornehmer Rat beim
Konsistorium oder im Reichstag war, da gab's auch noch nicht so viele
Hofrte wie jetzt, und doch war der gute Rat nicht so teuer. Es mute jeder
etwas tchtiges lernen, wenn er in der Welt fortkommen wollte und auch
damit hatte es noch Not genug.

Da gab es denn eine Menge arme Studenten, die fleiig hinter den Bchern
sitzen muten, um endlich ein mageres mtchen zu bekommen und solchen half
der Rbezahl gern, wenn sie nicht etwa Raufbolde waren, die mit Sporen und
Peitsche Stra' auf Stra' ab lrmten, sondern still daheim saen und
arbeiteten.

Ein solcher Student reiste einmal in den Sommerferien ber das Gebirge und
ist in tiefen Gedanken. Ein Mann, der wie ein reisender Handelsherr
aussieht, gesellt sich dort zu ihm und fngt ein Gesprch mit ihm an. Da
zeigt sich denn der Student als wohl unterrichtet, und wie ihn der Fremde
teilnehmend ber sein Schicksal befragt, setzt er sich nicht aufs hohe
Pferd, sondern erzhlt treuherzig und unbefangen, da er arm sei und nur
durch Unterricht und Abschreiben sich forthelfe, da er noch eine arme
Mutter habe, die fr andere Studenten wasche und koche, und wie er eben
jetzt recht sehr bekmmert sei, da er sich ein gewisses Buch nicht
anschaffen knne, dessen er eben zu seinen Studien bedrfe.

Der Handelsmann hrt ihm mit Teilnahme zu, sucht ihm Mut zuzusprechen und
freut sich, da er gerade das ntige Buch besitze und mit sich fhre. Dabei
ruft er seinen Diener, der ein groes Felleisen trgt, zieht das Buch
heraus und schenkt es dem Studenten. Wer ist nun glcklicher als dieser; er
htte am liebsten gleich angefangen zu lesen, wenn er die Gesellschaft des
Reisenden nicht so lange als mglich htte genieen wollen.

Als dieser sich aber endlich von ihm trennt, setzt sich der erfreute
Student unter einen berhangenden Stein und studiert fleiig in dem Buche.
Und so jeden folgenden Tag; es gab keinen emsigeren Arbeiter auf der ganzen
Hochschule.

Eines Tages kam einer seiner Bekannten und bot dem Studenten zehn Taler fr
das Buch, damit knne er ja eine lange Zeit ohne Sorgen leben; aber dieser
behielt sein Buch und sagte, er wolle lieber ferner sich drftig behelfen,
wenn er nur recht viel lernen knne und dazu sei ihm das Buch am meisten
behilflich. -- Ehe ein Monat verstrich, hatte der Student das Buch ganz
inne. Als er aber zu den letzten Seiten desselben kam, da lag ein Schein,
ein groer Geldschein zwischen den Blttern in ein sauberes Papier
eingeschlagen und darauf standen die Worte:

Ein kleines Andenken an den Herrn vom Berge! -- Nun konnte er ohne Not
seine Studien vollenden und ward ein sehr gelehrter Mann.




Wie Fischbach durch Rbezahls Hilfe erbaut worden.


Aus dem schnen Tale, zu dem die schlesischen Riesenberge den groartigen
Hintergrund bilden, erheben sich zwei hohe Granitkegel, die unter dem Namen
der Falkenberge bekannt sind. Auf einem derselben stand im zwlften
Jahrhunderte eine stolze Burg, in welcher ein gewaltiger Raubritter hauste,
Herr Prtzko, auch der Falke vom Berge geheien. Das war ein gar wilder
Gesell und in der ganzen Gegend gefrchtet. Durch Spiel und Zechgelage
vergeudete er mit seinen Spiegesellen die Beute, die er den Reisenden und
Kaufleuten abgenommen hatte, und fhrte ein lustiges Leben in seiner festen
Burg.

Eines Abends sa er in seinem hohen Gemache und lie den vollen Becher
unberhrt vor sich stehen; seine Zechbrder spotteten darber, aber ein
wilder Blick des Ritters machte sie sogleich wieder stumm. Da kam eilig ein
Diener herein und meldete, wie auf der Strae von Schmiedeberg daher ein
schwer beladener Wagen komme, der sicher wertvolle Kaufmannsgter brchte.
Mit wildem Geschrei sprangen die Raubritter von der Tafel auf und griffen
zu ihren Schwertern; nur Prtzko rhrte sich nicht und lie die wilden
Gesellen allein hinausstrmen in die finstere Nacht. Er war wohl sonst bei
solchem Tanze nimmer der letzte, heut aber war seiner sanften Mutter
Todestag, darum kam kein Scherz aus des Ritters Munde, kein Wein ber seine
Lippe, und sein blutgewhntes Schwert blieb in der Scheide. -- So war er
allein in dem stillen Gemache zurckgeblieben, darin er nun mit groen
klingenden Schritten auf und nieder ging. Endlich ffnete er das Fenster
und lehnte sich in die Nacht hinaus. Da hrte er das Stampfen der Rosse,
den wilden Ruf der Spiegesellen, und nun dazwischen ein Schrei der Angst,
der einen wunderbaren Eindruck auf den finstern Ritter machte.


Sattle mein Ro, Knappe, rief er in den Burghof hinab, griff hastig nach
seinem Schwerte und strmte auch schon nach wenigen Minuten auf seinem
Streitrosse den steilen Weg vom Falkenberge hinab. Wie eine Wetterwolke
stob er gegen die Raubritter, und seine gute Klinge pfiff durch die Luft.
Gebt den Gefangenen frei, schrie er wild, als er einen Mann gebunden
zwischen den Pferden seiner Spiegesellen, sah, lat ihn seines Weges
ziehen, oder bei meinem Barte, ihr sollt meinen Arm fhlen! --

Die Raubritter murrten, aber Prtzko war ihr mchtigster Verbndeter und
seine feste Burg ihr sicherster Zufluchtsort. Darum beschlossen sie, seiner
wunderlichen Laune nachzugeben, und banden den gefangenen Kaufmann los.
Aber dieser sank whrenddessen zu Boden, denn er hatte bei seiner tapferen
Gegenwehr eine tiefe Wunde am Halse bekommen und sein Krper war bedeckt
mit Blut.

Prtzko neigte sich prfend ber ihn und eine seltene Regung des Mitleids
zeigte sich in seinem Gesicht. Tragt den armen Mann auf euren Armen nach
meiner Burg hinauf, er soll dort Pflege und Wartung finden. Auch den Wagen
bringt hinauf, aber wer seine Hand an das Eigentum dieses Mannes legt, der
hat es mit mir zu tun! rief er wild, und jeder sah es ihm an, da er nicht
spae.

Der Falke liegt in der Mause, hhnten die Raubritter leise, aber es wagte
keiner dem wilden Prtzko zu widersprechen, der schweigend und finster dem
Zuge voranritt nach seiner Burg. Dort ward der fremde Kaufmann so gut als
mglich gepflegt, seine Pferde gut versorgt, und die Kisten mit Waren, die
er mit sich fhrte, von dem Burgherrn selbst verwahrt.

Wochen vergingen, ehe der Kranke gena und seine Reise weiter fortsetzen
konnte. Mit groem Danke schied er endlich von seinem mitleidigen Pfleger,
der ihm nicht nur seine reiche Ladung ungeschmlert verabfolgen lie,
sondern ihm auch noch zwei seiner krftigsten Pferde schenkte, auf da er
rascher ans Ziel seiner Reise komme.

Aber die Spiegesellen des Ritters waren mit dieser unzeitigen Gromut sehr
unzufrieden und grollten, da ihnen eine so gute Beute entgangen war, und
sannen auf eine Rache, wie sie ihm etwas anhaben knnten. Es war an einem
schwlen Sommertage, die Sonne verschwand grade blutrot hinter den Bergen
und vergoldete mit ihren letzten Strahlen die Zinnen der Burg. Prtzko sa
sinnend und allein in seinem Speisesaal und sah auf die Landschaft hinaus,
als sein treuer Burgvogt atemlos gelaufen kam und meldete: Herr, die
Mannen des Herzogs Bolko umschleichen unsere Burg und haben gefhrliche
Waffen bei sich. Prtzko sprang, kaum seinen Ohren trauend, auf und befahl
die Tore zu schlieen, die Zugbrcke herabzulassen und jedem Knappen auf
seinen Posten zu gehen. Lautlos und beobachtend standen sie da,
entschlossen, sich nicht zu ergeben, als ein pltzlicher, brandiger Geruch
ihnen die Vermutung brachte, da sie verraten und Feuer in der Burg
angelegt sei. Mit Blitzesschnelle verbreitete sich dasselbe durch das ganze
Schlo und in wenigen Minuten prasselten blauzngelnde Flammen fast zu
allen Seiten des Daches hoch empor, und die Feinde drangen ein, so da der
arme Ritter sich nur mit groer Not durch einen unterirdischen Gang retten
konnte.


Verlassen und verraten von treulosen Freunden irrte der Flchtige nun durch
die Nacht, als er pltzlich jenen Kaufmann dem er so viel Gutes getan
hatte, in Fischertracht vor sich stehen sah.

Kommt mit mir in meine arme Htte, Herr Ritter, sagte dieser freundlich
zu Prtzko, sie wird euch sicher Schutz und Obdach gewhren. Ich bin durch
Unflle aller Art arm geworden und lebe hier ganz einsam und still als
Fischer; hier wird niemand den tapfern Ritter vom Falkenberge suchen, und
ich kann euch einen Teil des Dankes abtragen, den ich euch schuldig bin.

Prtzko verschmhte dies Anerbieten nicht. Sein Wirt versorgte ihn
reichlich mit Speise und Trank, als aber der Ritter am andern Morgen
erwachte, war dieser verschwunden und hatte ihm sein Fischergert
zurckgelassen. Damit erwarb sich Prtzko nun seinen Unterhalt, whrend die
Mannen des Herzogs seine Burg vllig zerstrten und dann abzogen. Nun
durfte sich der Ritter mehr aus seinem Versteck wagen, um als Fischer seine
Beute feilzubieten, und lebte lange Zeit davon. Aber wenn er die Ruinen
seiner Burg sah, das zerstrte Nest des Falken, da ward sein Herz traurig.
Er sehnte sich nach einem ritterlichen Leben, und obschon er sein frheres
wstes Treiben verabscheute, so schmerzte es ihn doch, sein treues Schwert
verloren und statt dessen die Angelrute in der Hand zu haben.

Traurig senkte er diese in das klare Bchlein, das unfern seiner Htte
vorberflo; es war eben wieder der Todestag seiner Mutter, und schwere
Gedanken bedrckten Prtzkos Herz; da fing sich ein Fisch von ganz
ungewhnlicher Gre an seinem Haken, den er nur mit der grten
Kraftanstrengung ans Land zu ziehen vermochte. Er mute tief in den Bach
hinein waten, um den Fang herauszuholen; aber siehe da! von gediegenem
Golde war der kstliche Fisch, und nun erst ward es dem Ritter klar, da
jener Kaufmann, dem er einst Gte und Milde hatte angedeihen lassen,
niemand anders, als der mchtige Geist der Riesenberge, Rbezahl, gewesen
sei.

Nun war er mit einem Male wieder reich und fand bald wieder Anhnger; er
begrndete in dem weniger bewohnten, stlichen Gebirgstale ein neues
Schlo, an derselben Stelle, wo sein Zufluchtsort, die kleine Fischerhtte,
gestanden hatte. Mitten im Walde erhob sich bald die Burg des Ritters; er
gab ihr einen hohen Turm und mchtige Wlle und nannte dieselbe, in
dankbarer Erinnerung der Weise, wodurch ihm die Mittel dazu geworden waren,
Fischbach.

So entstand mit Hilfe des Berggeistes das schne Dorf, welches jetzt, als
einer der interessantesten und berhmtesten Punkte des Gebirgstales, von
vielen Reisenden besucht wird und das Eigentum einer Frstenfamilie
geworden ist.




Rbezahl macht einem Frster einen Zopf.


In dem Dorfe Brckenberg, das schon sehr hoch im Gebirge liegt, und wohin
der Knig von Preuen einst eine norwegische Kirche bringen und aufstellen
lie, lebte vor langen Zeiten ein Frster, von dem die Rede ging, da er
wacker aufzuschneiden verstehe, und seine Jagdgeschichten, die er den
Leuten stets sehr bereitwillig erzhlte, erinnerten etwas stark an
Mnchhausens wundervolle Begebenheiten. Oft log er den Bauern am Sonntag im
Wirtshause so viel vor, da sie nicht mehr wuten, wo ihnen der Kopf stand;
Rbezahl hrte das, hatte aber lange Zeit Nachsicht mit dem Frster, weil
er sonst eine gute Haut war, den die Leute bis auf seine seltsamen
Jagdgeschichten auch recht gern hatten.

Einstmals aber hatte er seinen Gevatter, den Pfarrer in Seydorf, besucht,
und dieser gab ihm am Abende das Geleit. Whrend sie nun langsam den Berg
hinaufstiegen, der nach der Anna-Kapelle und den weiterhin liegenden
Grbersteinen fhrt, kam der Frster auch wieder auf seine Jagdabenteuer
und fing zu erzhlen an:

Ihr knnt es mir glauben, Herr Gevatter, mir ist manches passiert, was
andere gern um vieles Geld erleben mchten, und nun sticht sie der Neid,
da sie mir die helle Wahrheit nicht glauben mgen. Denkt nur einmal z. B.,
wie es mir in Polen ging, an dem ungeheuren Schlawer-See, wo die grten
Grausamkeiten von den Seerubern verbt werden; mir schaudert noch die
Haut, wenn ich mich derselben erinnere. Aber das wollte ich eigentlich
nicht erzhlen, sondern, wie ich im Dmmerlichte einmal hinaus in den Wald
gehe, da sehe ich ein braunes Tier, das sich langsam in der Schonung
hinbewegt. Halt, denke ich, das ist gewi eine Kuh; ich war schon lange
ohne Fleisch gewesen, nahm mein Rohr an den Backen und Scho. Stellt euch
nun aber mein Erstaunen vor, als ich hinspringe und einen Frosch -- einen
Riesenfrosch, so gro wie ein Ochs, getroffen habe.

Gevatter, fiel ihm hier der Pfarrer in die Rede, ihr werdet doch mit
euch handeln lassen; der Frosch wird denn doch wohl etwas kleiner gewesen
sein, als ihr mir weismachen wollt.

Nein, auch nicht einen Zoll breit habe ich ihn vergrert, er war wie ein
tchtiger Ochs; ich habe ihm die Haut abgezogen und sie gerben lassen.
Daraus lie ich mir ein Paar Beinkleider, eine Weste und einen Pelzrock
machen, und sie ist so fest und wasserdicht, da ich tagelang im Regen auf
dem Anstande stehen oder im Sumpfe waten kann, ohne mir nur die eigene Haut
feucht zu machen.

Ei! die Geschichte ist sehr merkwrdig und klingt genau, als ob sie nicht
wahr wre.

Nicht wahr? fuhr der Frster auf; das haben mir schon viele auer euch
gesagt; aber wie werdet ihr staunen, wenn ich euch eine viel merkwrdigere
Geschichte erzhle. Ich hatte nmlich einen Vorstehhund -- fr 200 Taler
htte ich ihn schon vielmal verkauft --, der stand fest wie eine Mauer, und
diese Tugend war auch endlich die Ursache seines Todes. Hrt nur, ich gehe
eines morgens in den Wald, nehme den Hund mit, bekmmere mich aber drauen
nicht weiter um ihn; Als ich nach Haus komme, ist der Hund nicht mehr bei
mir; er wird schon nachkommen, denk ich, und gehe ins Forsthaus. Die Nacht
vergeht, und ich rufe am Morgen meinen Hund, aber da ist er nirgends zu
finden, auch nicht im Walde. Ich streife den ganzen Tag durch die Felder,
durchsuche jeden Busch, pfeife und klopfe, aber immer keine Spur von dem
Hunde. Der ist gewi in ein anderes Revier geraten und erschossen worden,
denk ich, und konnte das prchtige Tier lange nicht vergessen. Nun aber
hrt, Herr Gevatter, was geschieht: das Jahr darauf gehe ich wieder im
Walde durch das junge Holz. Da sehe ich auf einem kleinen Rasenflecken
etwas Weies und gehe darauf zu, aber -- denkt euch meine Verwunderung --
wie ich herankomme, sehe ich auf einem Flecke zwlf Vogelgerippe und davor
das Gerippe meines Hundes, denn ich erkannte ihn an den doppelten
Wolfsklauen. Der Hund hatte also hier eine Kette Rebhhner gestellt, und da
diese aus Furcht vor dem Hunde nicht aufzufliegen gewagt hatten, so war das
pflichttreue Tier vor und mit ihnen verendet.

Der Pfarrer schttelte lachend den Kopf. Ihr findet das wohl sehr
wunderbar, Herr Gevatter? fuhr der Frster fort, und doch das Beste kommt
noch. Aus Anhnglichkeit an den treuen Hund lasse ich mir aus einem
Beinknochen desselben ein Pfeifenrohr machen, und habe diese Pfeife immer
im Walde mit. Da ich einstmals an einem kleinen Gebsch hingehe und mein
Pfeifchen rauche, rckt es mich pltzlich am Munde, so da alle Zhne
knacken. Ich nehme die Pfeife erschrocken aus dem Munde, aber da drckt es
mich ebenso stark am Arm und der Hand, womit ich sie halte. Das war mir
doch verdchtig, ich schaue die Wiese hinunter, und richtig, hinter dem
Gebsch liegt eine ganze Kette Rebhhner. Nun erst geht mir ein Licht auf;
seht, so weit ging die seltene Natur des Hundes, da der Knochen seines
Beines noch so gut vor den Rebhhnern stand, wie sonst der lebendige Hund.
Ja, so was kann nur unsereiner erleben!

Nein, das ist doch zu stark, Gevatter, sagte der Pfarrer, Wenn Ihr noch
mehr lgt, so frchte ich, passiert etwas.

Der Frster geriet ber diese Worte ganz in Eifer und beteuerte immer
strker, da er nur die Wahrheit geredet habe; er knne ber hundert Zeugen
aufrufen; sie wren nur schwer zusammenzubringen, sagte er.

Als die beiden Gevattersleute eben an der Brotbaude hinschritten, blieb der
Pfarrer zufllig einige Schritte zurck. Gevatter, rief er aus, was
schleppt ihr denn da hinter euch? --

Der Frster wendete sich um und sah ein langes, haariges Ding sich auf der
Erde hinschlngeln. Es ist ein Zopf, sagte der Pfarrer, und euch
eingewachsen.

Ja, ein Zopf, sprach pltzlich eine Stimme neben ihnen, und den wirst du
tragen, mein Frster, bis du dir das Lgen abgewhnt hast. -- Es war
Rbezahl, der das sagte, und dann im Walde verschwand. Die beiden Mnner
standen wie versteinert, bis sich der Pfarrer endlich leise auf den Rckweg
machte. Vergeblich suchte der Frster seinen Zopf los zu werden; wenn er
ihn abschnitt, wuchs er im Augenblick noch einmal so stark und lang, wie
zuvor. Es gab also kein anderes Mittel, um ihn los zu werden, als sich das
Lgen abzugewhnen; das kam ihm freilich sauer genug an, aber was half's.
Er log auch endlich nimmer wieder, denn was der Mensch ernstlich will, das
kann er auch. Seit jener Zeit aber besteht die Redensart im Gebirge und ist
auch durch das Land bekannt -- jemandem einen Zopf machen!




Der alte Schfer.


Nach allem Vorhergegangenen mchtet ihr nun wohl glauben, habe es sich
Rbezahl zum Grundsatz gemacht, das Bse zu bestrafen und nur den guten
Menschen Hilfe und Glck angedeihen zu lassen. Im Grunde aber handelte er
meist nach guter oder schlimmer Laune, und nicht immer war er mit Ersatz
und Schadloshaltung zur Hand, wo er durch seine Neckereien Schaden und
Unheil angerichtet hatte. Zuweilen erschreckte er ganz ohne Ursache eine
Gesellschaft Marktweiber durch allerlei abenteuerliche Tiergestalten,
lhmte den Reisenden die Rosse, zerbrach ein Rad und warf abgerissene
Felsstcke in den Weg, die nur mit groer Mhe wieder hinweggeschafft
werden konnten. Wer sich durch solche Neckereien zum Zorn und Unmut gegen
Rbezahl reizen lie, den verfolgte er mit einem Steinhagel so lange, bis
er sein Gebiet verlassen hatte; oder ein Schwarm wilder Bienen umgab ihn
gleich einer dunklen Wolke, und der Wanderer ward von ihnen so gengstet,
da er halbtot aus den Bergen zurckkehrte.

Nur mit einzelnen Menschen lie sich der Berggeist zuweilen in ein Gesprch
ein, wobei sich aber jene sehr zu hten hatten, eine allzu groe
Vertraulichkeit zu zeigen, oder sich auf seine freundliche Gesinnung zu
verlassen. Man erzhlt sich eine Begebenheit mit einem alten Schfer, die
von Rbezahls Eigensinn und Grausamkeit den besten Beweis liefert. Mit
diesem Manne unterhielt sich der Berggeist oft, ja er leitete eine
frmliche Bekanntschaft mit ihm ein, und gern lie er sich den einfachen
Lebenslauf des Hirten erzhlen. Zum Dank dafr erlaubte er ihm, die Herde
bis an die Hecken seines Gartens zu treiben, was kein anderer zu tun wagen
durfte, verbot ihm jedoch ernsthaft weiter vorzudringen. Lange Zeit hielt
der Schfer gewissenhaft dieses Verbot und begngte sich, nur von weiter
Ferne hineinzusehen, als er aber ganz sicher in der Gunst des launenhaften
Gnomen sich glaubte, trieb er seine Schafe einstmals zu nahe an das Gehege
von Rbezahls Garten, da einige der Tiere, denen die duftenden Kruter
darin verlockend waren, hindurchbrachen und nun lustig auf dem verbotenen
Felde weideten. Darber ward Rbezahl so sehr erzrnt, da er die Herde
durch ein furchtbares Getse dergestalt erschreckte, da sie auseinander-
und den Berg hinabstrzte, wobei der grte Teil der Schafe verunglckte
oder sich verlief. Darber ging der Wohlstand des Schfers ganz zu Grunde,
von der Freundschaft Rbezahls wollte er nichts mehr wissen und hrmte sich
tot.




Die drei Tischlergesellen.


Es wanderten einmal drei Schreinergesellen ber das Hochgebirge, von denen
der eine das Fieber eben gehabt hatte und noch krank und matt war. Er war
aus Erfurt und die beiden andern aus Schneeberg. Der arme Bursche war so
mde, da er kaum weitergehen konnte, aber es mute doch immer wieder
vorwrts gehen, denn das Zehrgeld war den drei Gesellen gewaltig knapp, und
sie konnten nicht zu oft ein Nachtquartier machen auf dem Wege nach Prag,
wo sie Arbeit zu finden hofften.

Sie gingen eben am Hainfall hin, von dem bis zur Kapelle der heiligen Anna
zu Seidorf ein wundervoller Pfad hinfhrt; da seufzte der Erfurter: Nun
kann ich nicht mehr weiter, ich mu ausruhen; geht ihr eure Strae, ich
will euch nicht lnger eine Last sein. --

Warum nicht gar, sagten die beiden andern Gesellen, uns tut ein wenig
Ruhe auch wohl gut, und hier unter den Fichten ist khler Schatten und
weiches Moos.

Wie sie nun alle drei der Ruhe genossen, fiel nahe bei ihnen ein Schu, so
da sie erschrocken aufsprangen. ber ihnen, an einem Felsenrande, stand
ein Jger, sah nach ihnen hin und verschwand. Bald darauf knackte und
prasselte es im Gebsch und ein Reh, ganz mit Schwei bedeckt, brach durch
die Zweige und strzte nur wenig Schritte vor den drei Gesellen zusammen.

Ei! das gibt auf viele Tage einen Braten, sprach der eine, und fr die
Haut knnen wir manch gutes Nachtlager bezahlen.

Unrecht Gut gedeihet nicht! sprach der Erfurter; lasset das Reh liegen,
es ist ja nicht unser.

Dummbart! lachten die Schneeberger, soll es hier liegen und verwesen;
der Jger hatte keinen Hund mit, der es aufspren konnte, und so findet's
wohl nur ein anderer, der nicht so einfltig ist, wie wir. Nein, wir wollen
uns daran gtlich tun, und wenn du nicht teil daran haben willst, so ist es
uns um so lieber.

Darauf brachen sie das Reh auf und warfen dem andern spttisch die
Eingeweide zu. Der schob halb gedankenlos mit seinem Stabe das Gescheide --
so nennt der Jgersmann die Eingeweide des Wildes -- auseinander; da
blinkte und flimmerte es wunderbar, und er fand eine goldene Kugel, ja
endlich noch eine zweite und dritte darin.

Die Schneeberger erschraken nicht wenig darber, denn nun kannten sie auf
einmal den Jger und dachten: Nun wren wir alle Not los, wenn wir nicht
das Eingeweide dem Erfurter zugeworfen htten. Aber der teilte seinen
goldenen Fund gewissenhaft mit den Reisegefhrten, und diese trugen das Reh
voller Freude einer armen Witwe ins Haus, die sechs hungrige Kinder hatte.
Da war ein Festtag in der kleinen Strohhtte, und viele Tage lang aen sie
von dem Fleische, das ihnen die drei Schreinergesellen geschenkt hatten,
die indes glcklich nach Prag und auch bald in Arbeit kamen.




Wozu es ntzt, schweigend Unrecht zu ertragen.


Zwei ehrliche Drechslergesellen aus dem Vogtlande, die aus der Fremde in
die Heimat zurckgingen, stiegen ber das Gebirge nach Bhmen zu. Als sie
eben recht ermdet und besonders sehr durstig waren, sahen sie einen Baum,
der voller pfel hing, obgleich man sonst wohl selten hoch auf dem Gebirge
einen Obstbaum treffen mag. Ein Buerlein stand unter dem Baume und
schttelte pfel, den fragen die Wanderburschen, ob sie wohl eine Mandel
davon zu kaufen bekommen knnten.

Ei, warum nicht, antwortete das Buerlein und gab jedem eine Handvoll fr
einen Groschen.

Sie sind noch nicht weit gegangen, da beien sie in ihre pfel, aber sie
sind hart wie Stein und wenn sie zwei aneinander schlagen, so klingt es
auch wie Kieselstein. Der Bauer hat sich einen Spa mit uns gemacht, die
pfel sind ja so hart, da die Zhne ausbrechen, wenn man beien will, ich
glaube, mit meinem Stemmeisen wren sie nicht klein zu bekommen, sagt der
eine und schttet die pfel an die Erde.

La sie uns auf ein Hufchen tun und mit Moos und Gestruch zudecken,
sagte der andere, damit niemand weiter dadurch angefhrt werde, wie es uns
geschehen ist; die ausgebrochenen Zhne wachsen nicht wieder und was lange
leben will, braucht seine Zhne. Und das tun sie nun in ihrer
Gutmtigkeit.

Hr', fngt dabei der erste wieder an, ich glaube, das Buerlein war
kein rechter Bauer, sondern ist der Herr vom Berge gewesen, von dem man
sich so viel Schnurren erzhlt. Nun, wir knnen zufrieden sein, da er uns
nicht schlimmer mitgespielt.

Ei, du hast recht, antwortete der andere. Aber wir sind doch selber
schuld, da er uns angefhrt hat; es war dumm genug von uns, dort oben auf
der kahlen Hhe einen Apfelbaum zu vermuten, gedeiht doch nicht einmal eine
Kiefer dort.

Whrend sie ihre steinigen pfel sorgfltig mit Erde und Blttern zudecken,
blitzt es zwischen dem Hufchen und es liegen zwei Goldstcke darin. Die
nahmen unsere guten Vogtlnder mit vielem Danke und konnten's auch gar wohl
gebrauchen, denn sie hatten noch ein gutes Stck Weg nach Hause. Zum
Andenken an dieses Erlebnis steckte sich ein jeder noch einen Apfel in die
Tasche und nahmen ihn mit in die Heimat, wo der Anblick desselben sie oft
im Leben hinderte, was Dummes zu fragen und zu erbitten. Zu Golde wurden
die Apfel nicht, das brauchten die Gesellen auch nicht, denn sie verdienten
durch ihr Handwerk stets ihren Unterhalt.




Der Wanderstab.


Ein Wanderer kroch einst mit vieler Beschwerde unter den wild
zusammengehuften Steinhaufen des einsamsten Gebirges einher. Er mute,
nicht ohne Gefahr, von einem Abgrunde zum andern, von einem Felsen zum
andern springen und steile Hhen emporklimmen, whrend bald wieder ein
wilder Gebirgsbach seine Schritte hemmte.

Es ist nur gut, sagte er zu sich selbst, da ich meinen treuen Stab
mitgenommen habe, der mir schon durch manch langes Jahr gute Dienste
geleistet hat. Bei diesen Worten setzte er ihn zwischen die Steine, um
einen reienden Bach zu berspringen; aber knacks -- brach der Stab entzwei
und der Wanderer fiel ziemlich unsanft in den Bach. Ganz durchnt sprang
er wieder empor; da er sonst keinen Schaden genommen hatte, rgerte ihn der
Verlust seines Stabes am meisten. Wie soll ich nun von diesen steilen
Bergen wieder hinabkommen, klagte er, da ich meiner gewohnten Sttze
beraubt bin und auf dieser Hhe nirgends ein Baum gedeiht, aus dessen sten
ich mir einen neuen Stab schneiden knnte.

Pltzlich sprach eine scharfe Stimme dicht hinter dem Wanderer: Was fehlt
dir?

Eine groe Gestalt, in einen weiten Mantel gehllt, stand jetzt neben dem
Erstaunten, der sich in dieser wilden Einsamkeit ganz allein glaubte; der
Wanderer aber erholte sich von seinem ersten Schreck und erzhlte dem
Fremden von seinem unangenehmen Verluste.

Und darber wirst du so kleinmtig! sagte dieser spottend; hier hast du
meinen Stab, wenn du dich nicht getraust, ohne solchen wieder
hinabzukommen! Damit entfernte sich der fremde Mann; und wie er so in dem
niedrigen Gestrpp des Knieholzes hinschritt, schien er immer grer und
grer zu werden und endlich ganz in Nebel zu vergehen.

Der Wanderer achtete nicht viel darauf, sondern glaubte, die Entfernung
oder die Brechung der Lichtstrahlen htten diese Tuschung hervorgebracht;
er war sehr erfreut ber den schnen Stab, den der Fremde ihm geschenkt
hatte, und schritt dann rstig weiter. Als er ein Stck Weges gegangen war,
fing der Stab an, ihm hchst beschwerlich zu werden; wo er ihn hinsetzte,
glitt er wieder aus und ward dabei immer schwerer und schwerer. Kurz, er
diente dem Wanderer nicht mehr zur Sttze, der mhsam die steilen Berge
hinabkletterte und den Stab dabei in der Hand trug. Er mute aber bald mit
der rechten, bald mit der linken abwechseln, so schwer war der Stab,
zuletzt legte er ihn gar auf die Schultern und keuchte unter der immer
wachsenden Last langsam weiter. Aber auch so ward er zuletzt unertrglich
drckend und der Wanderer zog ihn langsam hinter sich auf der Erde fort, wo
er oft festgewurzelt zu sein schien und nur mit groer Anstrengung los zu
machen war. Endlich geriet der Stab durch Zufall zwischen die Fe des
Wanderers, und er umfate ihn mit beiden Hnden, um nicht zu fallen.
Dadurch ritt er frmlich auf dem wunderlichen Stock, und nun flog dieser
mit ihm in gewaltiger Eile an den sieben Grnden, der Sturmhaube, dem hohen
Rad und den Teichen vorbei, immer wilder, immer schneller. Der Angstschwei
tropfte dem unfreiwilligen Reiter aus allen Poren und er befahl seine Seele
Gott, denn wie leicht konnte der grausige Ritt ihn hinunter in die
Schneegruben reien, wo er gewi verloren war.

Endlich kam der Wanderer tief unter den Korallenfelsen in die Tannenwaldung
und der Stab hielt an. Fluchend warf er ihn weit von sich hinweg und sank
ermdet und halbtot vor Angst auf das Moos in den khlen Schatten nieder.
Kaum aber ward er sich seiner Sinne bewut, als er seinen alten Stab, den
er am Morgen zerbrochen hatte, ganz und unverletzt zu seinen Fen liegen
sah. Frhlich nahm er ihn auf und wanderte weiter, bis er zu einer schnen
Gebirgswiese kam, die den Vordergrund zu einem freundlichen Dorfe gab, das
jetzt nahe war. Nun fiel es mit einem Male wie Schuppen von den Augen des
Wanderers, da jener Fremde der Herr des Gebirges gewesen sei; und wie er
sich hnlicher Erzhlungen erinnerte, zweifelte er keinen Augenblick, da
der Stab, den er ihm geschenkt, sich gewi in Gold verwandelt htte, und
darum auch so schwer geworden sei. Eilig lief er zurck, so ermdet er auch
war, hastig durchsuchte er den ganzen Wald, durchsphte den kleinsten
Busch, aber -- der Stab war nirgends zu finden. --




Die gefrbten Badegste.


Eine Gesellschaft frhlicher Badegste beschlo eines Morgens, noch einmal
die Koppe zu besteigen, ehe sie Warmbrunn verlieen, um in ihre Heimat
zurckzukehren; es wurden Speisen und Weine eingepackt, denn dazumal war
man in den Bauden noch nicht auf Bewirtung eingerichtet, Fhrer und Trger
genommen und alsbald aufgebrochen. Der Morgen war schn und die Reisenden
waren frhlichen Mutes; auch die Damen stimmten in den Gesang und das
scherzhafte Gesprch der Mnner ein. So zogen sie in Giersdorf hinauf, bei
der Papiermhle in den Wald und so weiter. In der Schlingelbaude ruhten sie
und sprachen den mitgenommenen Speisen tchtig zu, und dann ging es weiter
nach der Hampelbaude. Nun war der schwierigste Marsch berstanden und der
Kamm der Koppe bald erstiegen Bei der Teufelswiese gab es viel Gekreisch
und Gelchter, denn die weien Strmpfe der Damen bekamen dort im Sumpfe
manchen Schmutzfleck, wenn sie neben die gelegten Steine traten; alles dies
erhhte nur die allgemeine Frhlichkeit.

Endlich stand die Gesellschaft auf der Koppe und erblickte die Welt im
Sonnenglanze zu ihren Fen; nun stieg ihre Freude an der schnen Reise auf
den hchsten Gipfel, und weil sie so sehr vom Wetter begnstigt gewesen
waren, auch sonst keinen Unfall gehabt hatten, ergriff ein heiteres, junges
Mdchen ihr Weinglas und rief: Zum Dank und auf das Wohlergehen des guten
Rbezahl!

Kaum war das Wort ber ihre Lippen, als aus dem Teufelsgrunde ein Sturm und
Wetter losbrach, da die ganze Gesellschaft untereinander gewirbelt wurde
und kaum imstande war, sich auf den Fen zu erhalten. Unter bestndiger
Gefahr, in den Melzergrund hinabzustrzen, traten sie ihren Rckweg an;
aber rechts und links aus den sie einhllenden Wolken schallte ihnen ein
lautes Gelchter nach und erst am Ende der Teufelswiese hellte sich der
Himmel ber den durchnten Reisenden wieder auf.

Das junge Mdchen, das mit dem Trinkspruche augenscheinlich den Herrn vom
Berge so erzrnt hatte, konnte sich gar nicht ber die Strung des
Vergngens beruhigen. Sie hatte dem Berggeiste ja so recht von Herzen
danken wollen fr das herrliche Wetter, da nicht Nebel den Umblick in die
Tler verhindert habe; geht doch wohl jedem das Herz auf in so groartiger
Natur und stimmt ihn dankbar fr so ungestrten Genu.

Wie mancher Reisender hat vor- und nachher voll froher Hoffnung auf schnes
Wetter die beschwerliche Gebirgsreise angetreten, hat Kamm und Kappe
erstiegen und hat wieder hinunter ins Tal gemut, ohne da er
hinunterblicken konnte in die Tler, bald war er selbst, bald die Tler in
Nebel gehllt.

Sie knnen von Glck sagen, meinte ein alter Fhrer, da der Herr des
Gebirges nicht einem aus der Gesellschaft das Genick gebrochen hat, denn
niemand darf ungestraft auf dem Gebirge den Namen Rbezahl aussprechen; am
gefhrlichsten aber ist es auf der Schneekoppe und in des Teufels
Lustgrtlein.

In der Hampelbaude bernachtete die Gesellschaft, froh, dem schrecklichen
Wetter so leichten Kaufs entkommen zu sein, und am anderen Tage, als die
Mnner in der Schwimmanstalt badeten, erzhlten sie den brigen ihr
Abenteuer auf der Koppe, wie Rbezahl sie erschreckt habe.

Ihr knnt wohl damit zufrieden sein, sagte ein Fremder, der zum ersten
Male unter ihnen erschienen war, wenn euch der Berggeist nicht etwa noch
einen schlimmeren Streich spielt.

Nun, darber sind wir wohl hinweg, gibt einer der Reisenden zur Antwort
und steigt aus dem Bade. Aber, o Himmel! wie erschrak die ganze
Gesellschaft, als dieser Mann bis unter die Stirn schwarz gefrbt erschien;
und noch grer ward ihr Entsetzen, als sie einer nach dem andern aus dem
Wasser stiegen und dieselbe Farbe hatten, von der sie kein Waschpulver,
keine Lauge rein wusch.

Einen ganzen Tag muten sie zum Spott der andern als Mohren herumgehen; am
folgenden Morgen aber verschwand die fatale Frbung und die Gefoppten
sprachen frhlich zu einander: Es ist doch ein schlimmer Spavogel.
_Wer?_ das mochte keiner sagen, so gescheit waren sie nun.




Der verzauberte Stab.


Ein Naturforscher besuchte das Sudetental und die dunkelblaue Kette der
Riesenberge, die es umgrenzten; sein Auge war offen fr die tausend und
aber tausend kleinen Wunder, die in der Pflanzenwelt grnen und blhen, in
den feinen Adern und Gngen der Mineralien klopfen. Er hatte die grne
Botanisierbchse, die ziemlich schwer war, ber die Schulter zu hngen,
auch sah der Reisende sehr ermdet aus. Wre ich nur so mit einem Schritt
da drben in Schmiedeberg, sagte er halblaut, dort knnte ich doch meine
Pflanzenfunde einlegen und trocknen; ich habe neue, seltene Exemplare
darunter. -- Aber bis Schmiedeberg hatte der Botaniker noch zwei volle
Stunden bergab zu steigen und doch ging die Sonne schon tief. Der Reisende
verstrkte seine Schritte als pltzlich aus den Bumen die gebckte Gestalt
eines alten Mannes hervortrat, der mhsam ein schweres Bund Holz trug.


Ei Alter, sprach der krftige junge Mann, das ist harte Arbeit fr euch;
habt ihr niemand zu Hause, der sie fr euch tun knnte?

Der Angeredete wendete sein auffallendes Gesicht um, darin ein Paar helle
Augen blitzten und eine scharf gebogene Nase bedeutend hervortrat, und
antwortete: Wer sollte mir es heimtragen? Ich habe weder Weib noch Kind,
auch sonst keine Anverwandten und Freunde.

Nun, so gebt mir's, sagte der Botaniker gutmtig, fr meine Schultern
ist das nur ein Spa. -- Dabei nahm er dem alten Manne die Last ab und
trug sie neben der Pflanzenkapsel auf dem Rcken. Wo habt ihr denn denn
eure Wohnung, alter Vater?

Nun, ein gutes Stck in die Berge hinein, noch hinter den Grenzbauden.

Also wieder rckwrts -- o weh, meine Pflanzen, sagte der junge Mann ganz
leise, schritt aber doch rstig vorwrts. Eine halbe Stunde hatte er fast
versumt durch seine Gutmtigkeit, darum warf er rasch das Gebund Holz an
der kleinen Htte nieder und sagte dem Alten Lebewohl. Aber dieser hielt
ihn zurck.

Wie weit wollt ihr denn heute noch gehen? fragte er.

Bis Schmiedeberg, dort habe ich Freunde und will meine Pflanzen einlegen.
--

Ei! damit hat's wohl bis morgen Zeit; bleibt doch in den Grenzbauden,
lieber Herr, und seht die Sonne aufgehen; es gibt morgen einen schnen
Tag.

Seht nur, wie das manchmal geht; ich bin schon lange fort von daheim und
mein Geld ist rein aufgezehrt, ich knnte eine Nachtherberge nicht mehr
bezahlen. Drunten schaffen die Freunde wohl wieder Rat, obgleich sie
brummen, da meine Reiselust so viel Geld kostet. Nun, ich kann's doch
nicht anders! -- Htte ich Geld gehabt, so wret ihr nicht so unbeschenkt
von mir gegangen, mein guter Alter. --

Nun, Glck auf den Weg, und da ihr noch einen so weiten Weg habt, da, --
nehmt einen Stab aus dem Holzbndel, da ihr mir so weit getragen habt, es
ist doch eine Sttze beim Abwrtssteigen.

Der Reisende nahm lchelnd das Geschenk des alten Mannes, da er zu gutmtig
war, um ihn durch ein Ablehnen desselben zu betrben. Er schwenkte den Hut
zurck und hob den Stab, um nun rstig weiterzuschreiten, -- aber -- da
stand er ja schon mitten in der Stadt neben dem altertmlichen Rathause und
pochte an die Tr seines Freundes. -- Er glaubte zu trumen, fate an seine
Stirn, er war wach, die Botanisierbchse hing schwer auf seiner Schulter,
in der Hand hielt er den Stab, den ihm der Alte geschenkt hatte.

Da hat mir meine Zerstreuung wohl einen Streich gespielt, und ich habe den
weiten Weg zurckgelegt, ohne es zu bemerken, dachte er kopfschttelnd und
lie es sich nun wohlsein bei dem Freunde. Die Pflanzen wurden eingelegt
und geordnet, Moose mit der Lupe untersucht und beschrieben, die halbe
Nacht hindurch. An sein Abenteuer dachte er nicht mehr, der rohe Stab lag
verachtet im Winkel.

So ging es einige Tage, da wachte die Reiselust wieder mit aller Macht auf.
Knnte ich nur ein recht groes Stck hinaus in die Welt, dachte er, aber
ich soll hier bleiben und ein Amt annehmen. Htte ich nur eine Handvoll des
armseligen Goldes, es sollte mich nichts abhalten, meinen Wanderstab wieder
weiterzusetzen.

   Wem Gott will rechte Gunst erweisen,
   Den schickt er in die weite Welt,
   Dem will er seine Wunder weisen
   In Berg und Wald, in Strom und Feld!

Und traurig nahm er den Stab aus der Ecke, drehte ihn langsam in den Hnden
und dachte, wie herrlich es jetzt wre, durch die Alpen nach Triest zu
wandern. -- Er hatte es kaum ausgedacht, da stand er auf der letzten Hhe
des Karstes, vor ihm der tiefblaue Himmel des sdlichen Frhlingshimmels,
das Adriatische Meer mit seiner grnen Farbe und den zahlreichen
Schiffsmasten, tief unter ihm die mchtige Handelsstadt. Mit weit offenen
Augen schaute er in die untergehende Sonne und jauchzte dann freudig auf.
Ein Blick auf den rohen, unsscheinbaren Stab erklrte ihm das schne
Wunder, dem der glckliche Naturforscher die Befriedigung seines heiesten
Wunsches, die Welt aber bald manch wichtige Bereicherung der Wissenschaft
zu danken hatte. In seinem Herzen aber tnte der letzte Vers des schnen
Liedes wieder, der sich auch an ihm bewahrheitet hatte:

   Den lieben Gott lass' ich nur walten,
   Der Bchlein, Berge, Wald und Feld
   Und Erd' und Himmel wird erhalten,
   Hat auch mein Sach' aufs best' bestellt.

Als altersmder Greis kehrte er in sein Vaterland zurck und pilgerte
hinauf in das Riesengebirge, um dort den wunderbaren Stab niederzulegen.
Wer ihn doch finden knnte! --




Der bse Edelmann.


Ein Edelmann, den Rbezahl schon einmal durch einen Possen gewarnt hatte,
da ihm so viele Klagen zu Ohren gekommen, war besonders hart gegen die
Armen, wenn er sie im Holze traf und gab ihnen seine Reitpeitsche sogleich
zu fhlen. Trieb nun gar ein Bauer das herrschaftliche Wild von seinen
Feldern, wo es Verheerungen anrichtete, den verfolgte er mit besonderem
Hasse. Wer einen Hirsch ttete, der seine Saaten fra, ward nicht selten
zwischen die Geweihe eines Hirsches gebunden und in den Wald
hinausgeschickt, bis das Tier sich seiner Brde auf irgend eine Weise
entledigte. --

Komm du mir nur einmal ins Gebirge, dir will ich's heimzahlen, denkt
Rbezahl. Nun geschieht's auch wirklich einmal, da der Edelmann eine groe
Jagd anstellt und sich dabei um keine Grenze bekmmert. Auf diese Weise
kommt er in Rbezahls Gebiet; der hrt kaum das Hallo der Treiber, das
Knallen der Rhre, so denkt er: Ha, nun ist's Zeit! Tritt also auf den
Edelmann zu und fragt ihn, wer ihm erlaube, auf fremdem Reviere zu jagen.

Der Edelmann erstaunte nicht wenig ber die Keckheit des unbekannten,
unscheinbaren Mannes, fhrt ihn rauh an, ihn fragend, wie er dazu komme,
ihm, dem Edelmann, in den Weg zu treten. Rbezahl erwiderte: Hier bin ich
der Herr, und du sollst sehen und fhlen, da du mit mir nicht umspringen
darfst, wie mit deinen armen Bauern.

Solche kecke Rede hatte der Edelmann noch nie gehrt, er stt in sein
Hfthorn und gibt den herbeieilenden Jgern Befehl, den Mann zu ergreifen.
Der bleibt ruhig stehen und sieht einen nach dem andern mit stechenden
Augen an und wenn er einen ansieht, so steht dieser gleich starr und steif
da. Nun wird der Edelmann wtend, zieht sein Waidmesser heraus und will es
dem ersten besten in den Leib stoen. Aber Rbezahl fat ihn gelassen an
der Brust, so da er sich nicht rhren und regen kann. Hierauf hlt er ihm
sein ganzes Sndenregister vor und sagt ihm, dies sei seine letzte Jagd. --
Dann verschwand er, nachdem er den Edelherrn auf den Boden geworfen hatte,
da ihm alle Rippen krachten. Kaum war er fort, so bekamen Jger und
Treiber das Leben wieder, machten eine Bahre von Zweigen, legten den Herrn
darauf und trugen ihn nach Hause.

Nun war im Schlosse groe Trauer und im Dorfe groe Freude. Der Doktor
wute nicht recht, was er dem Kranken verschreiben solle und griff bald zu
diesem, bald zu jenem. So mute unser Edelmann ganze Schaufeln Pulver
nehmen, Kochtpfe voll Latwerge und Pillen, so gro wie Straueneier; aber
es half doch alles nichts. Nun wurde ihm Ader gelassen und er mute so dit
leben, wie ein Sperling; darber verging der edle Herr vollends; zuletzt
ward er so verndert und ruhig, da er sagte: Mit mir ist's vorbei, gebt
mir meinen Degen an die Seite, da ich wie ein Edelmann sterben kann.
Gebt ihm auch die Sporen dazu, sagte einer seiner Freunde, denn diese
gehren zu einem Edelmann, der vor seinen Gott treten soll. Da
verwunderten sich die Diener, da ihr Herr auch einen Gott habe, weil sie
dies nie zuvor gehrt hatten und freuten sich in ihren einfltigen Herzen
darber. Und sie zogen ihm Stiefel und Sporen an, legten ihm den Degen an
die Seite, zu Fen sein Wappenschild. Dann starb der Kranke beruhigt. Auf
einmal klopft es an die Tr und ein Fremder tritt herein, der sich fr
einen adeligen Arzt ausgibt und einen Versuch machen will, ob der Edelmann
wirklich kein Leben mehr in sich habe. Das war aber wieder Freund Rbezahl,
und wie er den Toten berhrt, fllt er sogleich in ein Hufchen Asche
zusammen; selbst vom Degen und den silbernen Sporen ist nichts mehr zu
sehen.

Vergessen ist der Edelmann wie jeder, der nichts Gutes im Leben geleistet
hat, vergessen nicht nur von seinen Feinden, auch die Freunde, die freilich
nur auf uerlichkeiten sahen, haben nichts zur Erinnerung zurckbehalten,
vergessen wie jeder Egoist, der nichts tut, seine Mitmenschen zu beglcken,
oder ihnen im Elend zu helfen.




Grnmantel.


In dem wstesten und grauenvollsten Teile des Riesengebirges stand eine
kleine Htte, in der ein armer Khler, namens Erdmann, mit seinem Sohne
Konrad lebte. Konrad war ein hbscher, lebhafter und sehr gutartiger Knabe,
dessen liebste Beschftigung es war, in den Feierstunden -- denn er mute
seinem Vater fleiig arbeiten helfen, obgleich er kaum elf Jahre alt war,
-- durch das Gebirge zu streifen, das am meisten verrufen war, weil man
glaubte, da Rbezahl dort sein Wesen treibe. Aber gerade an diesem Platze
spielte er mit seinen Schulkameraden am liebsten, und es vergngte sie am
meisten, mit kleinen Steinen und Blechmarken Anschlag zu werfen.

Seit einiger Zeit fanden die Knaben, wenn sie dies ihr Lieblingsspiel
trieben, kleine Silberpfennige im Sande, was jedoch keinem von ihnen
befremdlich war, da sie den Wert dieser Mnzen nicht kannten und daher nie
daran dachten, danach zu suchen. Spielte der Zufall einem oder dem andern
einen solchen glnzenden Pfennig zu, so war's allemal eine laute Freude;
doch waren die Kinder noch alle in dem glcklichen Alter, wo Habsucht oder
unntze Grbeleien ihrer Seele fremd waren; und so dachten sie auch nicht
weiter ber den Zusammenhang nach, als sich zuletzt bei ihren Spielen auch
ein fremder Mann einfand, den sie, seiner Kleidung wegen, den Grnmantel
nannten. --

Grnmantel schien ein Freund der Kinder zu sein, er teilte ihre Spiele oder
lehrte sie auch ganz neue. Immer fand er die meisten Silberpfennige und
verteilte sie unter die Knaben, so da diese ihn bald recht lieb gewannen,
und gern gewut htten, woher er komme und gehe; denn er verschwand
jedesmal spurlos und stand auch immer ebenso unvorhergesehen mitten unter
ihnen. Da er aber diese Fragen nicht beantwortete, wurden sie ebenso rasch
von den kleinen Burschen wieder vergessen.

Zuweilen aber mate sich ihr unbekannter Spielgefhrte das Richteramt ber
sie an, wenn kleine Streitigkeiten zwischen ihnen vorkamen, und wer im
Unrecht war, der konnte sich immer darauf gefat machen, einige derbe Hiebe
von dem Grnmantel zu bekommen, ohne das dieser ein Wort dabei sprach. Oft
verjagte er die ganze Knabenschar bis auf Konrad, fr den er ein ganz
besonderes Wohlwollen zeigte; er nahm alsdann diesen bei der Hand und
fhrte ihn zwischen Klippen und Felsen zu berraschenden Punkten hin,
zeigte ihm auch goldene Mnzen im Sande, mit denen Konrad auch gern
spielte, sie aber achtlos wieder verlor. Die vielen Wunderlichkeiten des
Grnmantels verscheuchten nach und nach die kleinen Burschen von ihrem
Spielplatze, und nur Konrad lie sich nicht abhalten, immer wieder dahin
zurckzukehren.

Es war auch nicht einsam dort, denn nun fehlte der Grnmantel selten und
fing jetzt an mit dem Knaben zu sprechen, was er nie zuvor getan hatte. Er
wute allerlei hbsche Geschichten zu erzhlen und beschenkte seinen
kleinen Freund oft mit Goldstcken, wogegen er sich das Versprechen der
tiefsten Verschwiegenheit ber alles dies geben lie.

Konrad dachte: dabei kann ja nichts Unrechtes sein, und versprach dem
Grnmantel mit Hand und Mund, er wolle es nie einem Menschen sagen, da er
mit ihm zusammentreffe und so schnes Spielzeug von ihm bekomme. Und er
hielt auch treulich Wort, denn er frchtete, seinen lieben Spielgefhrten
sonst zu verlieren. So verging Sommer und Herbst in Lust und Freude; allein
nun kam der Winter, und der tiefe Schnee verwehrte dem Knaben, seinen
Freund auf dem Berge zu besuchen.

In dieser Zeit erkrankte auch Konrads Vater, und der Schfer des Dorfes gab
wenig Hoffnung, da es mit ihm noch einmal besser werden wrde. Einen Arzt
anzunehmen, war Erdmann zu arm, und so wankte er denn seinem frhen Grabe
zu. Natrlich war an Verdienst nicht mehr zu denken, und es fehlte oft
selbst an den schmalen Bissen, die Vater und Sohn zu ihrem Unterhalte
bedurften. Wie leicht htte Konrad aller Not ein Ende machen knnen, wenn
er den Wert seiner goldenen Spielpfennige gekannt htte und vor seinem
Vater keine Heimlichkeiten gehabt htte.

So mute, als alles andere verzehrt war, auch noch die Ziege verkauft
werden, die Konrad so lieb hatte; wie traurig war der arme Knabe, als er
sie am Strick nach dem nchsten Dorfe fhren mute, um sie dort zu
verkaufen. Da begegnete ihm ein alter Mann, der ein Gesprch mit ihm
anfing, und als er hrte, da Konrad die Ziege verkaufen wollte, gab er ihm
ein Goldstck dafr und wollte mit der Ziege seines Weges ziehen. Als aber
der Knabe das Goldstck in der Hand hielt, schttelte er den Kopf und
sagte: Guter Mann, solcher blanken Dinger habe ich viele zu Hause, dafr
kann man aber nichts kaufen, die sind nur zum Spielen. Nehmt es also nur
wieder zurck und gebt mir Silbergeld dafr.

Kleiner Tor! lachte der Mann, mache einmal die Probe, was mehr gilt;
hier hast du einen Silbergroschen und hier das Goldstck, lauf' ins Dorf
und siehe, wofr du das meiste Brot bekommen wirst. Ich will hier auf dich
warten.

Konrad gehorchte, lie seine Ziege dem Fremden und ging ins Dorf zu einem
Manne, der ehrlich genug war, ihn mit dem vollen Werte des Goldstckes
bekannt zu machen und ihm nun allerlei Bedrfnisse fr das Haus einkaufen
zu helfen Damit kehrte Konrad wohlbehalten zurck, fand aber den fremden
alten Mann nicht mehr wieder und eilte nun zu seinem Vater.

An der Schwelle des Hauses sprang ihm seine liebe Ziege lustig entgegen.
Ein Fremder, sagte der Vater, hat sie mir heimgebracht; er habe sie im
Walde gefunden, sagte er. Darber erstaunte Konrad nicht wenig und
erzhlte nun auch sein Abenteuer mit dem fremden, alten Manne. Von dem
brigen Gelde und den eingekauften Lebensmitteln konnten nun Vater und Sohn
lnger als eine Woche zehren und dankten Gott dafr, da er ihnen eine so
wunderbare Hilfe geschickt hatte.

Aber die nahrhaftere Kost, die Konrad fr den Kranken herbeigeschafft
hatte, schadete diesem und mehrte seinen Fieberzustand so sehr, da es
schien, als, sei sein Tod nahe. Es kamen nun einige seiner Bekannten aus
dem Dorfe, um ihm in den letzten Augenblicken beizustehen; darunter war
auch der Mann, welcher dem kleinen Konrad das Goldstck eingewechselt
hatte. Der sagte zu dem weinenden Knaben: Gehe hinaus in die frische Luft,
dein Vater wird schon wieder gesund werden, und wenn nicht, will ich dein
Vater sein!

Traurig ging Konrad hinaus und richtete seinen Fu nach dem bekannten
Berge, wo er sonst so oft seinen lieben Grnmantel getroffen hatte. Es lag
noch Schnee an einzelnen Stellen des Berges, whrend unten im Tale schon
voller Frhling war. Fr alle Schnheiten der Natur aber hatte der betrbte
Knabe jetzt kein Auge, er legte sich in das weiche Moos und weinte still.
Tief unter ihm brauste der Sturzbach, und das Gestruch hatte eine grne
Frbung angenommen von den aufschwellenden Knospen.

Worber weinst du denn so sehr? sprach eine bekannte Stimme hinter ihm,
und Konrad schlug freudig berrascht seine geschwollenen Augen zu der
Gestalt seines Freundes Grnmantel empor. Steh auf! sagte dieser, und
erzhle mir dein Leid, vielleicht kann ich helfen!

Ach! antwortete der Knabe schluchzend, hier ist alles so schn und
drunten in unserer Htte ist es gar so traurig. Mein lieber Vater stirbt,
und ich bin dann verlassen und allein in der Welt. --

Sieh einmal diesen wilden Rosenbusch an, sagte Grnmantel, wie ihn der
Frhling wieder frisch und grn gemacht hat, so da schon hin und wieder
die ersten Blten aufbrechen. Und nun denke daran, wie drr und kahl er im
Herbste stand, so da du glaubtest, er knne nie wieder blhen. -- Sammle
das frische Laub von diesem Strauche und bestreue deines Vaters Lager
damit, vielleicht, da die gesunkenen Krfte sich noch einmal dadurch
strken lassen. Aber eile, denn die Zeit ist kurz!

Konrad nahm sich kaum Zeit, dem Grnmantel zu danken, er fllte seine Mtze
ganz mit Rosenlaub und trug davon soviel in den Hnden, als er fortbringen
konnte. Eilig lief er damit den Berg hinab, der Htte zu, und berstreute
das Bett des Kranken mit dem duftenden Laube. Davon schlug der Vater die
Augen auf und drckte dem Knaben schwach die Hand, aus Freude ber den
strkenden Geruch. Und sichtbar ging eine Vernderung mit ihm vor, die alle
in Staunen setzte. Schon am dritten Tage konnte er, auf Konrad und den
Nachbar gesttzt, das Bett verlassen und sich vor die Htte in den milden
Sonnenschein setzen. Wie ist doch so groes Wunder an mir geschehen, der
ich schon zu sterben meinte? fragte er freudig.

Darum mt ihr den Konrad befragen, antwortete der Nachbar.

Nun, sagte dieser unbefangen, vielleicht hat euch das junge Laub
geholfen, was ich auf euer Lager gestreut habe.

Wie bist du denn zu dieser Wunderarzenei gekommen, mein Sohn?

Konrad schwieg verlegen; -- er dachte an das Versprechen, gegen niemand
sein Geheimnis mit dem Grnmantel verraten zu wollen. Und lgen hatte er,
gottlob! nicht gelernt.

Er wird das Rosenlaub wohl auch daher haben, von wo er seine Ziege
wiederbekommen hat, sagte der Nachbar spottend.

Gewi, ich habe den fremden Mann, dem ich die Ziege verkaufte, nicht
gekannt, rief Konrad lebhaft, und habe ihn weder zuvor, noch spter
gesehen!

Um so besser, fuhr der Nachbar mit hhnischer Miene fort, wirst du _den_
kennen, der dir den hbschen Vorrat von Goldstcken gab, die du so heimlich
in deine Kammer versteckt hast! --

Wie, mein Kind! Du httest Gold gehabt und deinen Vater doch so lange Not
leiden lassen? fragte Erdmann vorwurfsvoll.

Vater, man kann ja damit nur spielen, flsterte Konrad schchtern. Aber
ich will dir alles erzhlen!

Und nun teilte ihm der Knabe in voller Wahrheit alles mit, obgleich er es
nicht ohne geheimen Widerwillen tat, weil sein Freund Grnmantel es ihm ja
verboten hatte.

Das ist niemand anders gewesen, als der Herr des Riesengebirges, der
gefrchtete Rbezahl, sagte Erdmann freudig, er hat unserer Not nun auf
immer ein Ende gemacht. Da er aber die bertretung seiner Gebote oft streng
zu bestrafen pflegt, wollen wir eilen, aus seinem Gebiete zu kommen.


Und nun holten sie die Goldstcke aus der Htte, packten ihre wenigen
Habseligkeiten zusammen und zogen in eine andere Gegend Schlesiens fort, um
vor der Rache des Berggeistes sicher zu sein; dort kaufte Erdmann ein
hbsches Huschen und erzog Konrad zu einem braven, fleiigen Menschen, dem
es stets wohl erging. Oft dachte dieser noch in den sptesten Jahren seines
Lebens mit dankbarem Herzen an seinen lieben Gespielen Grnmantel.




Rbezahl.


Schauspiel in einem Akt.




Personen:


Rbezahl.
Elisabeth.
Vater Thomas.
Gustav.
Die Mutter.



Erste Szene.


Rbezahl (steigt whrend eines Gewitters aus der Erde empor und sieht sich
neugierig berall um).


Ich, Herr Johannes, im Riesengebirge
Mit Furcht und Zittern nur genannt,
Weil ich mit Lust die Bsen wrge,
Sie oft gestraft mit harter Hand;
Ich zeige nach ein paar hundert Jahren
Mich wieder einmal auf den Bergen hier,
Um etwas Neues zu erfahren,
Und zu durchreisen mein Revier.
Musus hat von mir geschrieben
So manches Mrchen wunderlich;
Doch wenn die Menschen wie sonst geblieben,
Sind sie viel nrrischer als ich.
Sie machen sich durch Ha und Neid,
Durch Falschheit selbst das Leben sauer,
Sie schtzen sich nur nach dem Kleid
Und machen sich die Welt zur Trauer.
Zwar sind gar viele hochgelehrt
Und wissen wunderkluge Sachen,
Doch fragt nur, was dazu gehrt,
Um sich das Leben leicht zu machen,
Und, selbst von groben Fehlern rein,
Es andern liebreich zu versen,
Im Frieden mit der Welt zu sein,
Da fragt einmal, ob sie das wissen?
Denk ich der Jugend jetz'ger Zeit,
Juckt's in den Fingern mich zur Stelle,
Die macht sich gar gewaltig breit,
Hlt Krnzchen gar und Kinderblle.
Wenn sie franzsisch nur versteht,
Glaubt sie schon Wunder was zu knnen,
Sie kann wohl, wie der Ebro geht,
Doch nicht der Heimat Flsse nennen!
Es sagt manch Kind dir auf ein Haar,
Wer Mutius Scvola gewesen,
Doch frage nur, wer Luther war,
So haben sie's noch nicht gelesen.
Dort sitzt ein Mdchen am Klavier
Und fehlt nicht eine einz'ge Note,
Fast jede Oper kennt sie dir,
Nur leider nicht die zehn Gebote. --
So steht es mit der Jugend jetzt,
Die fromme Einfalt ist verschwunden;
Ich aber hab mich in Bewegung nun gesetzt,
Um mich als Herr hier zu bekunden.
Ich werde, nach meiner alten Manier,
Den Guten necken und endlich beglcken,
Den Bsen aber, nach Gebhr,
Recht arg geprellt nach Hause schicken.
Sieh da, -- das kommt ja wie beschert, --
Dort naht sich eine alte Mutter,
Sucht drres Holz fr ihren Herd
Und fr die Zieg' ein wenig Futter.
Zwei Kinder folgen, jung und zart,
Da will ich mich sogleich verstecken,
Vielleicht kann ich die Sinnesart
Der armen Leutchen so entdecken. --

(Er versteckt sich.)



Zweite Szene.


_Die Mutter_, _Elisabeth_ und _Gustav_ (drres Reisig suchend);

Mutter.

Gottlob! das Gewitter ist vorber;
Es scheint die Sonne wieder schn.

Elisabeth.

Doch, gute Mutter, ihr solltet lieber
Um trockne Kleider jetzt nach Hause gehn.

Mutter.

Es ist ja nur ein Rock im Schranke,
Und du bist mehr als ich durchnt.

Elisabeth.

Ei, liebe Mutter, welch ein Gedanke,
Ich bin noch jung, gesund und fest!

Mutter.

So la uns nur die Hnde rhren,
Die Arbeit hier macht wieder warm
Und lt im Winter uns nicht frieren.

Elisabeth (seufzend).

Ach, wren wir nur nicht so arm!

Mutter.

Sprich, mchtest du denn etwa lieber
Reich, wie der Nachbar Tffel, sein?

Elisabeth.

O nein, der schliet ja jeden Stber
Voll Geiz in seinen Kasten ein!

Mutter.

Knnt ich doch, wie der Schulze, schenken
Der Tochter ein so stattlich Haus --

Elisabeth.

Da wrd ich mich noch sehr bedenken,
Dort sieht's nicht eben friedlich aus!

Mutter.

Ist Ksters Rse zu beneiden?
Sie hat voll Linnen Kist' und Schrank! --

Elisabeth.

O nein, das wr' ein rechtes Leiden,
Jahraus, jahrein ist Rse krank!

Mutter.

Die reiche Elsbeth aus der Mhle,
Die wrst du aber gern, mein Kind?

Elisabeth.

Ha! was du sagen willst, das fhle
Ich tief, -- _ihr ist die Mutter blind!_
Nein, nein, ich schme mich der Klage,
Mit keinem mcht ich tauschen gern,
Es hat ein jeder seine Plage;
Vertrau'n wir nur auf Gott den Herrn.
Um _deinetwillen_ mg' er schenken
Uns bess're Tage, nicht so schwer. --

Mutter.

Willst du nicht auch des Guten denken?
Wenn ich nur Elsbeths Mutter wr' --
So bin ich rstig auf den Fen,
Zur Wette spinn ich noch mit dir,
Und meine Kinder -- sie versen
Auch kummervolle Tage mir.

(Elisabeth schlingt ihren Arm um die Mutter. Gustav kommt
herbeigesprungen.)

Gustav.

Hier, seht nur, bring ich reife Beeren,
Die Mutter jetzt allein sie essen mu.

Mutter.

Wir wollen sie zusammen verzehren,
Denn so nur ist's fr mich Genu.



Dritte Szene.


_Die Vorigen. Rbezahl_ (als Jger).

Gustav.

Sieh, Mutter, da kommt ein fremder Mann.

Mutter.

Brauchst darum keine Furcht zu hegen.
Was geht der fremde Jger uns an?
Wir sind ja nicht auf bsen Wegen.

Rbezahl.

Gott gr euch!

Mutter.

Schnen Dank, Herr!

Rbezahl.

Was macht ihr da?

Mutter.

Wir sammeln Reiser;
Der Winter ist lang und oft gar schwer,
Und schlecht verwahrt sind hier die Huser.

Rbezahl.

Wer seid ihr?

Mutter.

Eine arme Frau
Mit ein paar guten, frommen Kindern;
Wir lebten sonst dem Ackerbau,
Der Feind tat uns die Scheuern plndern,
Nahm unser bichen Vieh, zerschlug,
Was eben nicht fortzubringen war;
So kamen wir um Acker und Pflug,
Es geht nun schon ins fnfte Jahr.

Rbezahl.

So seid ihr Witwe?

Mutter.

Nein, ach nein!
Das wolle der liebe Gott verhten!

Rbezahl.

Dann wird der Mann in der Schenke sein,
Statt sich um Tagelohn zu vermieten?

Mutter.

Bewahre! mein guter Thomas war
Stets fleiig und lebte eingezogen;
Als aber das Vaterland in Gefahr,
Da ist er mit in den Krieg gezogen.
Fnf Jahr und drber sind schon verflossen,
Seit ich nichts mehr von ihm gehrt,
Seit ich und meine Unglcksgenossen
Mit Trnen jeden Bissen verzehrt.

Rbezahl.

So lt sich wohl nicht anders glauben,
Als da eine Kugel ihn hingerafft?

Mutter.

Wollt ihr die letzte Hoffnung mir rauben?
Mit ihr des Lebens Mut und Kraft?

Rbezahl.

Doch besser, er schlummert im khlen Grabe,
Als wenn er, ein Bettler, wiederkehrt!

Mutter.

O, wenn ich ihn nur wiederhabe,
Mein treues Herz nicht mehr begehrt.

Rbezahl.

Wenn nur nicht etwa gar am Ende
Zum Krppel ward der arme Mann?

Mutter.

Ach, dann gibt's noch vier fleiige Hnde,
Und auch der Gustel wchst heran! --

Rbezahl.

Ihr wagt euch so auf diese Strae,
Wie, wenn der Berggeist euch erschreckt?

Mutter.

Hab ich doch immer gehrt, er lasse
Die guten Menschen ungeneckt!

Elisabeth.

Ja, Herr! wir haben ein gutes Gewissen;
Er mag nur kommen, wenn's ihm beliebt.

Rbezahl.

Vielleicht wrd' er dich zu trsten wissen,
Du schienst vorhin mir sehr betrbt.

Mutter.

Wir haben schon viel Zeit verplaudert,
Und im Gebirge ist's nicht gut,
Wenn man bis in die Dmmrung zaudert.
Lebt wohl!

Rbezahl.

Auch ihr, und bleibt bei gutem Mut.

Mutter.

O ja, was Gott ber mich verhngt,
Das wird er auch alles zum Guten lenken.

Gustav (vertraulich zu Rbezahl).

Wenn er einmal ein Eichhrnchen fngt,
So knnt' er's wohl dem Gustel schenken!

Rbezahl.

Bist du der Gustel? wir wollen sehn!

Gustav.

Er sieht zwar etwas grimmig aus,
Als wollt er einem den Hals umdrehen;
Ich mache mir aber gar nichts daraus.

Rbezahl.

Das freut mich, Kleiner!

Mutter.

Komm, mein Kind!
Noch ist der Korb nicht voll, drum munter!
Wir suchen und fllen ihn geschwind;
Und dann in unser Drfchen hinunter.

(ab).



Vierte Szene.


Rbezahl (allein).

Die Mutter ist brav, die Kinder gut,
Man hrt es ja aus jedem Worte;
Schon manchem half ich aus bermut,
Doch hier ist Hilf' am rechten Orte.



Fnfte Szene.

_Der Vorige. Thomas_ (auf Krcken, ohne Rbezahl zu sehen).

Thomas.

Fr heute kann ich nun wohl nicht weiter,
Ich armer Krppel! was soll ich tun?
Die Luft ist warm, der Himmel heiter --
Hier will ich unter dem Baume ruhn.
Den Berg herauf mut' ich schon keuchen,
Doch morgen hab' ich neue Kraft,
Die liebe Heimat zu erreichen,
Die mir die letzte Ruh' verschafft.
Zwar komm' ich, ach, mit leeren Hnden,
Und bin ein Krppel obendrein,
Kann nur verzehren, nur verschwenden,
Und nichts erwerben -- welche Pein!
Warum fand nicht den Weg zum Herzen
Die Kugel, die mein Knie gefat!
So wr' ich ledig aller Schmerzen,
Und meinen Kindern nicht zur Last.
Zur Last? -- Ach nein, sie werden gerne
Hilfreich dem Vater zur Seite stehn;
Und der da droben regiert die Sterne,
Lt mich, wohl auch nicht untergehn. --
Knnt' ich denn nichts, gar nichts erwerben?
Sind doch die Hnde noch wohl geschickt;
Und gerne, gerne will ich sterben,
Hab' ich nur die Meinen noch erblickt.

(Er hat sich unter einem Baum gelagert).

Rbezahl (beiseite).

Er ist's! -- frwahr auf diese Hhen
Hat ihn ein guter Geist, geschickt;
Er mag im Traum die Kinder sehen,
Bis er sie wach an den Busen drckt.

(Ab, nachdem er nach einigem Nachsinnen dem Thomas die Krcken weggenommen
hat).

Thomas (erwachend, greift um sich und sucht sie vergebens).

Wo sind meine Krcken? -- guter Gott! --
Ein Bsewicht hat sie mir genommen, --
Wer trieb mit mir so bittern Spott,
Wie soll ich nun nach Hause kommen?



Sechste Szene.


_Rbezahl_ (als Khler), _Thomas_.

Rbezahl.

Was wimmert denn da?

Thomas.

Ach, guter Freund,
Seid mir tausendmal willkommen!
Ihr wie ein Engel mir erscheint, --
Ein Bube hat mir die Krcken genommen,
Sucht doch im Strauchwerk, guter Mann,
Vielleicht warf er sie weg --

Rbezahl.

Der Brenhuter!

Thomas.

Ich bin ein lahmer Kriegesmann,
Und ohne Krcken kann ich nicht weiter.

Rbezahl (beiseite).

Ich will dir deinen Schmerz bezahlen.
(laut). Wer seid ihr denn? wo kommt ihr her??

Thomas.

Ich heie Thomas, komm aus Westfalen,
Im Kriege ward ich verwundet schwer.
Dort unten im Tal liegt meine Htte,
Wo mir in guter Kinder Mitte,
Das treue Weib zur Ruhe winkt,
Da bin ich denn bis hierher gehinkt. --

Rbezahl.

Seid ihr der Thomas, der vor fnf Jahren
Geplndert unter die Soldaten ging?

Thomas.

Der bin ich. Habt ihr was erfahren,
Wie es indes den Meinen ging?

Rbezahl.

Die Tochter -- ist im Bach ertrunken;
Den Jungen -- haben die Pocken hinweggerafft;
Und endlich ist die Mutter ins Grab gesunken,
Wie ein drrer Baum, ohne Saft und Kraft.

(ab).

Thomas.

Gott! Gott! dann brauch' ich keine Krcken,
Keinen Trost und keine Hilfe mehr! --
O Kugel, die mich lahm geschlagen,
Warum nicht hher herauf ins Herz!
Ich habe alles mit Mut ertragen;
Jetzt unterlieg' ich meinem Schmerz.



Siebente Szene.


_Gustav_ und _Thomas_.

Gustav (der einen Schmetterling haschen will).

Wart! wart! Ich will dich doch wohl fangen,
Und wrst du schneller als der Wind!

Thomas.

Wie wird mir -- welch ein heimlich Bangen --
Ach, welch ein liebes, schnes Kind!

Gustav.

Ach! sieh -- ein Fremder --

Thomas.

Darfst nicht erschrecken,
Mein Kind, ich bin kein bser Mann.

Gustav.

Ich werde mich nicht vor ihm verstecken,
Hab' ich doch ihm auch nichts getan.

Thomas.

Hast du das Gebirge nicht gescheut?
Wie kommst du so allein in den Wald?

Gustav.

Nicht doch, die Mutter ist ja nicht weit.

Thomas.

Ach Gott, mein Gustel wr' auch so alt!

Gustav.

Wir sammeln fr den Winter Reisig.

Thomas.

Ihr guten Leute seid wohl arm!

Gustav.

Ei freilich, aber die Mutter ist fleiig;
Wr' nur im Winter der Ofen warm.

Thomas.

Der Vater schafft euch warme Betten.

Gustav.

Ja, wenn wir noch einen Vater htten!

Thomas.

Du hast den Vater schon verloren?

Gustav.

Er zog in den Krieg, kaum war ich geboren.

Thomas.

Wie mir das durch die Seele geht!
Wie alles seltsam sich mu treffen,
Mich Armen schadenfroh zu ffen.
Mein Gustel! -- meine Elisabeth! --

Gustav.

Was wollt ihr von uns?

Thomas.

Von euch? wieso?

Gustav.

Ich und die Schwester, wir heien ja so.

Thomas.

Ha! treibt denn hier in seinem Grimme
Mit mir sein Spiel ein bser Geist?

Mutter (hinter der Szene).

He! Gustel!

Thomas.

Das ist meines Weibes Stimme!

Mutter (noch immer hinter der Szene).

Wo bist du, Gustel? Um Gottes Willen!

Gustav.

Gleich, liebe _Mutter!_ ich komme gleich!

Thomas.

O, knnt' ich mein Verlangen stillen --
O, knnt' ich _kriechen_ durchs Gestruch!

Gustav.

Will er die Mutter sehen, so sitze
Er nicht so faul, und rhr' er sich.

Thomas.

Kind, ich bin lahm -- hab' keine Sttze.

Gustav.

Nun denn, so sttz' er sich auf _mich_.

Thomas.

Du willst mich ihr entgegenfhren?
Ihr -- wag' ich zu hoffen? -- ser Betrug.

Gustav (hilf ihm auf und sttzt ihn).

Nur auf! Er soll gemchlich spazieren;
Ich bin wohl klein, aber stark genug.



Achte Szene.


_Die Vorigen. Mutter. Elisabeth._

Mutter (setzt ihren Korb nieder).

Wo bleibst du? Hast du dich verirrt?

Thomas.

Sie ist's! -- O halte mich, Kind! halte!

Mutter.

Was seh' ich! sind meine Sinne verwirrt --
Mein Mann! -- (sie strzt sich ihm in die Arme).

Thomas.

Mein Weib!

Elisabeth (hngt sich an ihn).

Der Vater!

Gustav (verwundert).

Dieser Alte?

Mutter.

Du bist nicht tot?

Thomas.

Ihr seid nicht gestorben?

Mutter.

Dich hab' ich wieder?

Thomas.

Ich umarme dich.

Elisabeth.

Wir haben's durch unser Gebet erworben.

Gustav.

Bist du der Vater, so k auch mich.

Thomas (tut es).

Ja dich, den Gott als Engel sandte;
(zu Elisabeth) Und dich, die mir so hold erscheint.

Mutter.

Wo kommst du her?

Thomas.

Aus fernem Lande.

Mutter.

Wir haben lang um dich geweint!

Thomas.

Ach, weinen werdet ihr auch wieder!
Der liebe Gott mir alles nahm!
O, setzt mich unter dem Baume nieder,
Ich bin ein Bettler -- und -- bin lahm!

Mutter.

Ein Bettler? nein! nenn' es gelinder;
Sechs Hnde sind, Dich zu nhren, bereit,
Du hast dein Weib und deine Kinder,
Die werden dich sttzen jederzeit.

Thomas.

O hre, Gott, mein dankbar Beten! --
Ich fand euch wieder, ihr habt mich lieb.
Doch soll ich meine Htte betreten
Als ein unntzer Tagedieb!
Soll ich von euch mich lassen fttern?

Mutter.

Willst du uns die schne Stunde verbittern?
Du brauchst ja nur zum _Gehn_ die Krcken,
Kannst drum die _Hnde_ dennoch rhren.
Wir wollen es sogleich probieren;
Komm, hilf den Korb mir auf den Rcken;
Dann wandeln wir getrost und munter
Den wohlbekannten Pfad hinunter.

Thomas (dem seine Kinder aufgeholfen haben).

Ja, liebes Weib, du gibst mir neues Leben;
Wie wohl mir der Gedanke tut,
Ich sei doch noch zu etwas gut.
Wo ist der Korb? Ich will ihn heben!

(Elisabeth untersttzt ihn dabei, die Mutter stellt sich mit dem Rcken
gegen ihn, und er versucht, den Korb auf ihre Schultern zu heben).

Thomas.

Von mir gewichen ist die Kraft des Lebens;
Auch dieser Korb ist mir zu schwer!

Elisabeth.

Ich will auch helfen, Vater; gebt her!

(sie will den Korb aufheben)

Seltsam; auch ich versuch' es vergebens.

Thomas.

Um mich zu trsten, stellst du dich schwach.

Elisabeth.

Nein, wahrlich, Vater! ich heb' und hebe;
Allein umsonst. (Sie blickt in den Korb). Ach, Mutter! Ach,
Die Reiser sind _Gold!_ so wahr ich lebe!

Mutter (wendet sich um).

Was sagst du?

Gustav (hpft um den Korb).

Gold, Gold, lauter Gold!

Mutter.

Ich bin erschrocken, da ich bebe.

Thomas (sinkt wieder unter den Baum).

O Kinder, der Berggeist ist uns hold;
Gewi von ihm kommt das Geschenk.

Mutter.

Nun sieh', es leuchtet ein neuer Morgen!

Thomas.

Nun darf der Krppel nicht mehr sorgen!
O, seid der Wohltat eingedenkt!

Gustav.

Dank dir, du guter Rbezahl!

Mutter.

Mein Dank ist stumm und ohne Wort.

Elisabeth.

Wie bringen wir aber den Korb nun fort?
Der Weg ist weit hinab ins Tal. --
Wir mssen auch den Vater fhren;
Denn eher lass' ich die goldene Beute.



Neunte Szene.


_Die Vorigen. Rbezahl_ (als wandernder Chirurgus).

Rbezahl.

O sagt mir doch, ihr guten Leute,
Kann ich hier nicht den Weg verlieren?

Mutter.

Wo kommt er her? Wo will er hin?

Rbezahl.

Aus fremden Lndern ward ich verschrieben,
Weil ich ein berhmter Wundarzt bin,
Meine Kunst in Hirschberg auszuben;
Dort, sagt man, lebt ein reicher Mann,
Dem ist einmal vor vielen Jahren,
Als er im Kriege sich hervorgetan,
Eine Kugel in das Knie gefahren;
Ein Ignorant hat es schlecht kuriert,
Davon ist der Fu ihm steif geblieben;
Weil er nun nicht gern auf Krcken marschiert,
So hat er mich aus Paris verschrieben.
ber Hals und Kopf komm' ich von dort,
Bin auf der Reise schon viele Wochen;
Soeben ist mir der Wagen zerbrochen,
Da wollt' ich denn zu Fue fort. --

Mutter.

I nun, die Beschwerde ist noch ertrglich;
Hirschberg ist eben nicht mehr weit.

Thomas.

Ach, sag er mir, Herr! ist das wohl mglich,
Da er den Fu von der Lhmung befreit,
Wenn schon eine geraume Zeit verstrichen
Und alles schon verwachsen ist?

Rbezahl.

Freund, das ist mir eine Kleinigkeit;

Mutter.

Ach Gott, welch' neuer Hoffnungsstrahl! --

Rbezahl.

Doch freilich ist mein Balsam teuer.

Elisabeth.

Befreit den Vater von seiner Qual,
Und was wir besitzen, sei flugs euer.

Rbezahl (lachend).

Blutwenig ist wohl, was ihr besitzt?

Mutter (rasch).

Hier, dieser Korb --

Thomas.

O nicht doch, Kind!
Ein gesunder Fu euch ja weit minder,
Als dieser Schatz im Korbe ntzt.

Mutter.

Mit Freuden wollen wir alles missen.

Rbezahl.

Was habt ihr denn im Korbe dort?

Mutter.

Gold! lauter Gold!

Rbezahl.

Das schenkt ihr fort,
Als wren's Schalen von Haselnssen?

Mutter.

Ach, Herr! fr ein Weib, das redlich liebt,
Auf Erden kein grer Glck es gibt,
Als wenn sie fr einen wackern Mann
Das Beste und Liebste opfern kann.

Elisabeth.

Hilft er, so spring' ich deckenhoch.

Gustav.

Und Gustel ihm ein Liedchen singt. --

Thomas.

Nicht wahr, Herr, wenn's auch nicht gelingt,
Ein glcklicher Vater bleib' ich doch? --

Rbezahl (beiseite).

Bin, ich doch sonderbar bewegt,
Fast scheint's -- trotz meinem geistigen Wesen -- --
Da Neid sich gegen die Menschen regt.
(laut) Wohlann, mein Freund, ihr sollt genesen!

Mutter.

Ist's mglich, Herr!

Rbezahl.

Ja, eure Krcken
Werft nur in Gottes Namen weit,
Es tut in wenig Augenblicken
Mein Balsam seine Schuldigkeit.

(Er setzt sich zu Thomas, zieht ein Bchschen hervor und reibt ihm das
Knie).

Mutter.

O Rbezahl! jetzt fhlen wir erst
Den ganzen Wert von deinem Geschenke.

Thomas.

Ha! diese zerschmetterten Gelenke --
Wie ist mir -- neues Leben zuckt
Durch jede Muskel, jede Nerve --
Die Last, die mich zu Boden gedrckt,
Wie leicht ich sie von der Schulter werfe! --

Gustav (faltet die Hnde).

Ach, Mutter! ich bete Sprch' und Psalter,
Das wird vielleicht von Nutzen sein.

Thomas.

Geschmeidig wird mein Fu. --

Rbezahl.

Nun, Alter?
Versucht? einmal und steht allein!

Thomas.

Es ist geschehen! ich bin gesund!
Gott! Gott! ich danke dir; und ihm!

_Mutter und Elisabeth_ (umarmen Rbezahl von beiden Seiten).

O Herr! --

Gustav.

Gott wollt's ihm segnen alle Stund'.

Rbezahl.

Nun, nun, nur nicht so ungestm,
Mein Balsam hat den Dienst verrichtet;
Doch schwebt euch auch wohl noch im Sinn,
Zu welchem Geschenk ihr euch verpflichtet?

Elisabeth.

Da steht der Korb!

Mutter.

Nehmt alles hin!

Rbezahl.

Zuweilen die Menschen sich hoch vermessen,
Zu geben und schenken, was es auch sei;
Ist aber die Gefahr vorbei,
So wird das Gelbde gar oft vergessen.

Mutter.

Nein, zieh er nur hin mit der goldnen Brde.

Elisabeth.

Auch nicht ein Blttchen nehmen wir an! --

Thomas.

Nun fhl ich erst wieder des Hausvaters Wrde,
Da ich fr die Meinigen arbeiten kann.

(Mutter und Kinder umschlingen den genesenden Thomas; whrenddessen
verwandelt sich Rbezahl.)

Alle.

Ha! Rbezahl! -- der gute Geist!

(Sie heben die Hnde zu ihm empor -- er verschwindet.)







End of the Project Gutenberg EBook of Rbezahl, by Rosalie Koch

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entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.

1.B.  "Project Gutenberg" is a registered trademark.  It may only be
used on or associated in any way with an electronic work by people who
agree to be bound by the terms of this agreement.  There are a few
things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
even without complying with the full terms of this agreement.  See
paragraph 1.C below.  There are a lot of things you can do with Project
Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
works.  See paragraph 1.E below.

1.C.  The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
Gutenberg-tm electronic works.  Nearly all the individual works in the
collection are in the public domain in the United States.  If an
individual work is in the public domain in the United States and you are
located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
are removed.  Of course, we hope that you will support the Project
Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
the work.  You can easily comply with the terms of this agreement by
keeping this work in the same format with its attached full Project
Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.

1.D.  The copyright laws of the place where you are located also govern
what you can do with this work.  Copyright laws in most countries are in
a constant state of change.  If you are outside the United States, check
the laws of your country in addition to the terms of this agreement
before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
creating derivative works based on this work or any other Project
Gutenberg-tm work.  The Foundation makes no representations concerning
the copyright status of any work in any country outside the United
States.

1.E.  Unless you have removed all references to Project Gutenberg:

1.E.1.  The following sentence, with active links to, or other immediate
access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently
whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the
phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
copied or distributed:

This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
almost no restrictions whatsoever.  You may copy it, give it away or
re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
with this eBook or online at www.gutenberg.org

1.E.2.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is derived
from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
posted with permission of the copyright holder), the work can be copied
and distributed to anyone in the United States without paying any fees
or charges.  If you are redistributing or providing access to a work
with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
1.E.9.

1.E.3.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
with the permission of the copyright holder, your use and distribution
must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
terms imposed by the copyright holder.  Additional terms will be linked
to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
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1.E.4.  Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
License terms from this work, or any files containing a part of this
work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.

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electronic work, or any part of this electronic work, without
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1.E.6.  You may convert to and distribute this work in any binary,
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request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
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1.E.7.  Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
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- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
     the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
     you already use to calculate your applicable taxes.  The fee is
     owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
     has agreed to donate royalties under this paragraph to the
     Project Gutenberg Literary Archive Foundation.  Royalty payments
     must be paid within 60 days following each date on which you
     prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
     returns.  Royalty payments should be clearly marked as such and
     sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
     address specified in Section 4, "Information about donations to
     the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."

- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
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     and discontinue all use of and all access to other copies of
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     money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
     electronic work is discovered and reported to you within 90 days
     of receipt of the work.

- You comply with all other terms of this agreement for free
     distribution of Project Gutenberg-tm works.

1.E.9.  If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
electronic work or group of works on different terms than are set
forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark.  Contact the
Foundation as set forth in Section 3 below.

1.F.

1.F.1.  Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
collection.  Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
works, and the medium on which they may be stored, may contain
"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
your equipment.

1.F.2.  LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
liability to you for damages, costs and expenses, including legal
fees.  YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
PROVIDED IN PARAGRAPH F3.  YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
DAMAGE.

1.F.3.  LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
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written explanation to the person you received the work from.  If you
received the work on a physical medium, you must return the medium with
your written explanation.  The person or entity that provided you with
the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
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providing it to you may choose to give you a second opportunity to
receive the work electronically in lieu of a refund.  If the second copy
is also defective, you may demand a refund in writing without further
opportunities to fix the problem.

1.F.4.  Except for the limited right of replacement or refund set forth
in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.

1.F.5.  Some states do not allow disclaimers of certain implied
warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
the applicable state law.  The invalidity or unenforceability of any
provision of this agreement shall not void the remaining provisions.

1.F.6.  INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
with this agreement, and any volunteers associated with the production,
promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
that arise directly or indirectly from any of the following which you do
or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Its 501(c)(3) letter is posted at
http://pglaf.org/fundraising.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at
809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
business@pglaf.org.  Email contact links and up to date contact
information can be found at the Foundation's web site and official
page at http://pglaf.org

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org


Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit http://pglaf.org

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations.
To donate, please visit: http://pglaf.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For thirty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.


Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.


Most people start at our Web site which has the main PG search facility:

     http://www.gutenberg.org

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
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