The Project Gutenberg EBook of Der Erste Theil von Koenig Heinrich dem
vierten, by William Shakespeare
#19 in our series by William Shakespeare

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Title: Der Erste Theil von Koenig Heinrich dem vierten
       King Henry IV, Part I

Author: William Shakespeare

Release Date: April, 2005 [EBook #7933]
[Yes, we are more than one year ahead of schedule]
[This file was first posted on June 2, 2003]

Edition: 10

Language: German

Character set encoding: iso-8859-1

*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK KOENIG HEINRICH DEM VIERTEN, ERSTE ***




Delphine Lettau and Mike Pullen




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Der Erste Theil von Knig Heinrich dem vierten

William Shakespeare

Mit dem Leben und Tod von Heinrich Percy, genannt Hot-Spur.

bersetzt von Christoph Martin Wieland


Personen.

Knig Heinrich der vierte.
Heinrich, Prinz von Wales, und Johann, Herzog von Lancaster,
Shne des Knigs.
Worcester, Northumberland, Hot-Spur, Mortimer, Erzbischoff von York,
Dowglas, Owen Glendower, Sir Richard Vernon und Sir Michell,
Feinde des Knigs.
Westmorland, Sir Walter Blunt und Sir John Falstaff, von des
Knigs Parthey.
Poins, Gadshill, Peto und Bardolph, Falstaffs Cameraden.
Lady Percy.
Lady Mortimer, Glendowers Tochter.
Die Wirthin Quikly.
Ein Scheriff, verschiedne Bediente im Wirthshaus, Fuhrleute,
Reisende, und andre stumme Personen.

Die Scene liegt in England.




Erster Aufzug.



Erste Scene.
(Der Hof in London.)
(Knig Heinrich, der Herzog von Lancaster, der Graf von
Westmorland, und andre Lords treten auf.)


Knig Heinrich.
Von Sorgen erschttert und von blassem Kummer abgehrmt, finden wir
endlich den Augenblik, wo der geschrekte Friede wieder zu Athem
kommen kan, um in abgebrochenen Accenten von neuen Arbeiten zu
reden, die an weit entfernten Ufern unsern Muth beschftigen sollen.
Nicht lnger soll diese Erde das Blut ihrer eignen Kinder trinken,
nicht lnger einheimische Zwietracht ihre Felder verheeren, und
mit dem eisernen Tritt des Kriegs ihre blhenden Auen zerstampfen.
Diese gegeneinander rkende Schlacht-Ordnungen, die gleich den
Meteoren eines witternden Himmels, alle von einerley Natur, von
einerley Ursprung, noch krzlich mit der ganzen Wuth eines
Brgerkrieges auf einander stiessen, sollen nun in gleichlauffenden
Linien, in schner eintrchtiger Ordnung, einen Weg ziehen; nicht
lnger sollen Brder gegen Brder, Freunde gegen Freunde stehen;
nicht lnger der mrdrische Stahl, gleich einem beleingescheideten
Messer, seinen eignen Herrn verwunden.  Nein, meine Freunde; zu
jenem geheiligten Grabe Christi, unter dessen heilbringendem Creuz
wir zu streiten geschworen haben, wollen wir mit unserm Englischen
Kriegsheer ziehen, um diese Unglubigen aus jenen heiligen Gefilden
zu treiben, ber welche die gesegneten Fsse gegangen sind, die vor
vierzehnhundert Jahren zu unserm Heil an das bittre Creuz genagelt
worden sind.  Jedoch dieses unser Vorhaben ist schon ein Jahr alt;
es ist unnthig euch zu sagen, da wir gehen wollen, und wir sind
izo nicht dehalb zusammen gekommen.  Lat mich also von euch
vernehmen, mein geliebter Vetter von Westmorland, was unsre Raths-
Versammlung gestern wegen dieser wichtigen Unternehmung geschlossen
hat.

Westmorland.
Gndigster Herr, man betrieb diese Geschfte mit grossem Eifer, und
es wurden verschiedne berschlge der Unkosten entworfen: Als ein
ganz unverhofter Courier, mit verdrielichen Zeitungen beladen,
dazwischen kam, von denen die schlimmste war, da der edle Mortimer,
der die Leute von Hereford-Schire gegen den aufrhrischen
Glendower fhrte, von den Welschen gefangen, und ber tausend von
seinen Leuten niedergemezelt worden seyen, an deren todten Krpern
die Weiber der Welschen solche Mihandlungen, eine so viehische
schaamlose Verstmmlung ausgebt, die ohne Errthen sich nicht
erzhlen lt.

Knig Heinrich.
Es scheint also, die Nachrichten von diesem Aufstand haben unser
Geschfte nach dem gelobten Lande abgebrochen?

Westmorland.
Diese von noch mehrern begleitet, thaten es, Gndigster Herr; denn
es kamen noch mehr ungleiche und mibeliebige Zeitungen aus Norden
an.  Am Kreuz-Erhhungs-Tag geriethen dieser muthreiche Hot-Spur,
der junge Heinrich Percy, und Archibald, dieser tapfre und
ruhmvolle Schotte, zu Holmedon in ein blutiges Handgemeng, soviel
man aus den Anstalten und der Wut des Angriffs schliessen konnte;
denn derjenige, der diese Zeitung brachte, eilte mitten in der
strksten Hize des Gefechts davon, ohne den Ausgang abzuwarten.

Knig Heinrich.
Hier ist ein werther und getreu-eifriger Freund, Sir Walter Blunt,
der nur eben von seinem Pferd abgestiegen ist, um uns von Holmedon
die willkommne Nachricht zu bringen, da der Graf von Douglas
geschlagen sey.  Zehntausend khne Schotten, und drey und zwanzig
Ritter sah Sir Walter auf den Ebnen von Holmedon in ihrem Blute
sich wlzen.  Mordak, Grafen von Fife, den ltesten Sohn des
geschlagnen Douglas, und die Grafen von Athol, Murry, Angus und
Menteith hat Hot-Spur gefangen bekommen.  Ist das nicht eine schne
Beute?  Eine edle That?  Ha, Vetter, ist es nicht?

Westmorland.
In der That, ein Sieg, worauf ein Prinz stolz zu seyn Ursach htte.

Knig Heinrich.
O warum nennst du dieses Wort, um traurige Gedanken in mir zu
erregen, und mich zur Snde des Neids zu reizen, da Milord
Northumberland der Vater eines so wrdigen Sohns seyn soll; eines
Sohns, dessen Namen der Ruhm stets im Munde fhrt; der gleich dem
hchsten Baum in einem Hayn, ber alle andre emporragt; der
Liebling des Glks, und ihr Stolz; inde da ich mit eben dem Blik,
der seinen Ruhm bersieht, zgellose Schwelgerey und Schande die
Stirne meines jungen Harry besudeln sehe.  O knnt' es bewiesen
werden, da irgend eine nchtliche trippelnde Fee unsre Kinder in
der Wiege verwechselt, und meinen Sohn Percy, den Seinigen
Plantagenet genennt htte!--Aber lat mich diesen Gedanken nicht
nachhngen--Was denkt ihr Vetter, von dieses jungen Percy Stolz?
Er behlt die Gefangenen, die er in diesem Gefechte machte, fr
sich zurk; und lt mir sagen, da ich keinen als Mordake, den
Grafen von Fife, haben soll.

Westmorland.
Das ist seines Oheims Eingebung, das ist Worcester, der allen
Anscheinungen nach bel gegen euch gesinnt ist; der ists, der ihn
seine Federn aufblhen, und seinen jungen Kamm gegen eure Hoheit
emporstruben macht.

Knig Heinrich.
Ich habe nach ihm geschikt, um ihn dewegen zur Verantwortung zu
ziehen, und das ist die Ursach, weswegen wir genthigt sind, unser
heiliges Vorhaben nach Jerusalem aufzuschieben.  Vetter, wir wollen
auf nchsten Mittwoch unsern grossen Rath in Windsor versammeln.
Benachrichtiget die Lords hievon, aber eilet schleunig zu uns zurk;
dann es mu noch mehr gesagt und gethan werden, als uns der
Unwille izt zu sagen erlaubt.

Westmorland.
Ich gehorche, mein gebietender Herr.

(Sie gehen ab.)



Zweyte Scene.
(Ein Zimmer des Cron-Prinzen.)
(Heinrich, der Prinz von Wales, und Sir John Falstaff treten auf.)


Falstaff.
He, Hal,* was fr Zeit ists am Tage, Junge?

{ed. * Harry und Hal, sind abgekrzte Namen, statt Heinrich, so in
vertraulichem Umgang gebraucht worden.}

Prinz Heinrich.
Deine lbliche Gewohnheit, dich in altem Sect zu besauffen, zu
fressen, bis du alle Knpfe aufthun must, und den ganzen Nachmittag
auf Bnken zu schnarchen, wikelt deinen Wiz in soviel Fett und
Schmeer ein, da du so gar verlernst, recht zu fragen, was du recht
wissen mchtest.  Was, zum Teufel, hast du mit der Zeit am Tag zu
thun?  Ja, wenn die Stunden Becher voll Sect wren, die Minuten
Capaunen, die Gloken Zungen von Kupplerinnen, die Uhren Schilde von
H**husern, und die schne Sonne selbst ein hbsches roiges Mensch
in feuerfarbem Taft, dann liesse sich noch begreiffen, warum du
nach der Zeit fragtest.

Falstaff.
Mein Treu, ihr geht mir nah' zu Leibe, Hal; denn wir andern, die
vom Beutelschneiden Handwerk machen, und beym Mond und dem
Silbergestirn herumgehen, und nicht beym Phbus, "ihm dem edeln
Knecht so schn",** aber ich bitte dich, mein ssses Nrrchen, wenn
du einmal Knig bist--wozu Gott deine Gnaden (Majestt wollt' ich
sagen, denn Gnade wirst du keine haben)--

{ed. ** (he, that wandring Knight so fair)--eine Zeile aus einer
alten Ballade.
Warburton.}

Prinz Heinrich.
Wie?  Keine?

Falstaff.
Nein, mein Seel, nicht so viel als zu einem Prologus fr ein paar
Eyer in Butter nthig ist.

Prinz Heinrich.
Gut, und wie weiter?  Hey da, rund heraus, keine Umstnde!

Falstaff.
Sapperment nun dann, Nrrchen, wenn du Knig bist, so sorge hbsch
dafr, da wir andre ehrlichen Kerle, die ihr Handwerk bey Nacht
treiben, bey Tage von der Justiz ungeschoren bleiben.  La uns der
Diana ihre Forster bleiben, Ritter vom Schatten, Lieblinge des
Monds; und la die Leute sagen, wir seyen Leute von guter
Auffhrung, da wir, gleich der See, von unsrer edeln und keuschen
Gebieterin, dem Mond, gefhrt werden***, unter deren Schuz und
Anfhrung wir--stehlen.

{ed. *** Die Spsse des Hrn.  John Falstaff sind nicht immer
bersetzlich, weil sie sich gar zu oft auf Wortspiele grnden, wie
hier, wo (government) und (govern) in einer ganz verschiednen
Bedeutung genommen werden, die sich im Deutschen nicht recht
ausdrken lie, und weswegen auch die Antwort des Prinzen nicht
recht pat.}

Prinz Heinrich.
Du hast recht, und dein Gleichni pat nicht bel; das Glk von uns
andern Mond-Rittern, nimmt immer ab und zu wie die See, weil es wie
die See vom Mond beherrscht wird.  Zum Exempel, ein Beutel mit Gold
herzhaft weggeschnappt in lezter Montags-Nacht, wird wieder
lderlich durchgebracht am Dienstag-Morgen; mit Fluchen und (leg
ab) gewonnen, mit Jauchzen und (bring herein) durchgewonnen; izt in
einer so niedrigen Ebbe als der Fu einer Leiter, und in einem
Augenblik in einer so hohen Fluth als der Querbalken eines Galgens.

Falstaff.
Meiner Six, du hast recht, Junge; und ist meine Wirthin in der
Schenke nicht ein recht angenehmes Mensch?

Prinz Heinrich.
Wie der Honig von Hybla, alter Junge; und ist nicht ein Wamms von
Bffel ein recht angenehmes Stk Kleidung auf die Dauer?

Falstaff.
Wie, was, was willt du damit sagen, nrrischer Junge?  Was gehen
mich deine Sticheleyen und deine Quidditten an?  Was, Pestilenz!
hab' ich mit einem Wamms von Bffel zu thun?

Prinz Heinrich.
Und was, schwere Noth!  Hab ich mit meiner Wirthin in der Schenke
zu thun?

Falstaff.
Gut, hast du sie nicht oft und viel zum Abrechnen geruffen?

Prinz Heinrich.
Hab ich dich jemals geruffen, da du deinen Theil an der Zeche
zahlen sollst?

Falstaff.
Nein, die Gerechtigkeit mu ich dir wiederfahren lassen, du hast
alles dort bezahlt.

Prinz Heinrich.
Ja, und allenthalben, so lang mein Sekel reichte; und wenn er leer
war, so hab ich meinen Credit gebraucht.

Falstaff.
Das ist wahr, und so gebraucht, da, wenn es nicht vermuthlich wre,
da du der vermuthliche Erbe--Aber ich bitte dich, Nrrchen, willt
du auch noch einen Galgen in England stehen lassen, wenn du Knig
bist?  Willt du zugeben, da ein resoluter Kerl von dem alten
rostigen grotesken Popanz, Gesez, sich schicanieren lassen soll?
Hnge mir ja keinen Dieb, wenn du Knig bist, das sag' ich dir.

Prinz Heinrich.
Das will ich auch nicht; du sollt sie hngen.

Falstaff.
Ich?  Unvergleichlich!  Beym Sapperment!  Ich will ein
vortrefflicher Richter seyn.

Prinz Heinrich.
Du verstehst mich nicht; ich meyne, du sollst in Person die Diebe
hngen, und also ein vortrefflicher Henker werden.

Falstaff.
Gut, Hal, gut; das wr' ein Handwerk das sich zu meinem Humor so
gut schikte, als bey Hof aufzuwarten, das kan ich dir sagen.
Schlapperment!  ich bin so schwermthig wie ein Kater, oder wie ein
Br, den man bey den Ohren zieht.

Prinz Heinrich.
Oder wie ein alter Lwe, oder wie eines Liebhabers Laute?

Falstaff.
Ja, oder wie die Scharrpfeiffe in einem Lincolnschirer Dudelsak.

Prinz Heinrich.
Was sagst du zu einem Hasen, oder zur Melancholey einer Koth-Lache?

Falstaff.
Du hast Gleichnisse von schlimmem Geschmak; und du bist in der That
der allerunvergleichlichste ausserordentliche Spizbube von einem
artigen jungen Prinzen--Aber, Hall, ich bitte dich, plage mich
nicht mehr mit solchen eiteln Dingen; ich wollte zu Gott, du und
ich wten eine Gelegenheit, wo man gute Namen zu Kauff kriegen
knnte; ein alter Lord aus dem Staats-Rath kriegte mich lezthin
euertwegen auf der Strasse zu paken, Sir; aber ich gab nicht acht
darauf was er sagte, ob er gleich sehr weislich sprach, und noch
dazu auf der Strasse.

Prinz Heinrich.
Du thatest wol, denn die Weisheit lt ihre Stimme hren auf den
Gassen, und niemand achtet ihr.

Falstaff.
O du hast eine verdammte Anziehungs-Kraft, mein Seel, du knntest
einen Heiligen verfhren.  Du hast mir viel bses gethan, Hal, Gott
vergeb es dir.  Eh ich dich kannte, Hal, wut' ich nichts; und izt
bin ich, wenn einer die Wahrheit sagen wollte, wenig besser als
einer von den Schlimmsten.  Ich mu di Leben aufgeben, und ich
will es aufgeben; bey G***, wenn ich es nicht thue, so sey ich ein
Hunds**!  Ich will keinem Knigssohn in der Christenheit zulieb zum
T** fahren.

Prinz Heinrich.
Wo wollen wir morgen einen Beutel rauben, Hans?

Falstaff.
Wo du willt, Junge, ich mache mit; thue ichs nicht, so heisse mich
einen Hunds** und gieb mir Maulschellen.

Prinz Heinrich.
Die Berung deines Lebens geht gut von statten, wie ich sehe; nur
erst Stoseufzer, izt Strassenrauben.

Falstaff.
Wie, Hal, das ist mein Beruf, Hal; es ist einem keine Snde, in
seinem Beruf zu arbeiten.  He!  wer kommt?  Poins!  Nun werden wir
hren, ob Gadshill etwas ausfndig gemacht hat--O wenn die Leute
aus Verdienst selig wrden, welches Loch in der Hlle wre hei
genug fr diesen da!



Dritte Scene.
(Poins zu den Vorigen),


Falstaff.
Das ist der allgewaltigste Spizbube, der jemals einem ehrlichen
Mann Halt!  zugeruffen hat.

Prinz Heinrich.
Guten Morgen, Ned.

Poins.
Guten Morgen, mein lieber Hal.  Was sagt Monsieur Gewissen?  Was
sagt Sir John Sect und Zukerhans?  Wie habt ihr's mit einander, du
und der Teufel, wegen deiner Seele, die du ihm verwichnen Char-
Freytag um ein Glas Madera-Wein und einen kalten Capaunen-Schenkel
verkauft hast?

Prinz Heinrich.
Sir John hlt sein Wort; der Teufel soll seine Waare haben; ihr
wit da er nie kein Sprchwort gebrochen hat; er wird dem Teufel
geben, was ihm gehrt.

Poins.
So wirst du verdammt, wenn du dem Teufel dein Wort hltst?

Prinz Heinrich.
Sonst wrde er verdammt, weil er den Teufel betrogen htte.

Poins.
Aber, meine Jungens, meine Jungens, morgen frh, um vier Uhr, nach
Gadshill; es sind Pilgrims auf dem Weg, die mit reichen Opfern nach
Canterbury, und Kauffleute die mit wohlgespikten Beuteln nach
London gehen.  Ich habe Visiere fr euch alle, und ihr habt Pferde
fr euch selbst.  Gadshill ligt diese Nacht zu Rochester, ich hab
auf morgen Nachts ein Nacht-Essen in East-Cheap bestellt.  Es ist
eine Sache die wir so sicher thun knnen, als schlaffen; wenn ihr
gehen wollt, so will ich euch eure Beutel mit Cronen voll stopfen;
wollt ihr nicht, so bleibt da, und der Henker hole euch.

Falstaff.
Hrt ihr, Yedward; wenn ich daheim bleibe und nicht mit gehe, so
will ich euch dafr hngen, da ihr gegangen seyd.

Poins.
Willt du das, Vielfra?

Falstaff.
Hal, willt du einer von uns seyn?

Prinz Heinrich.
Wer, ich rauben?  Ich, ein Dieb?  Nein, bey meiner Treu!

Falstaff.
Du hast weder Ehre noch Tapferkeit im Leibe, wenn du das thust; du
willt deine guten Freunde so im Stich lassen?  Meiner Six, du hast
keinen Tropfen knigliches Blut im Leib, wenn du nicht um zehn
Schillinge das Herz hast zu ruffen: Halt!

Prinz Heinrich.
So sey es dann, einmal in meinem Leben will ich ein Tollkopf seyn.

Falstaff.
Nun, das heit einmal brav gesprochen.

Prinz Heinrich.
Nein, geh' es wie es will, ich bleibe zu Hause.

Falstaff.
Bey G** so will ich ein Verrther seyn, wenn du Knig bist.

Prinz Heinrich.
Ich bekmmre mich nichts darum.

Poins.
Sir John, ich bitte dich, la den Prinzen und mich allein; ich will
ihm solche Grnde vorlegen, da er gewi gehen soll.

Falstaff.
Gut, mgest du den Geist der Ueberredung haben, und er Ohren zu
hren, damit was du redest bewegen mge, und was er hrt geglaubt
werde.  Lebet wohl indessen, ihr sollt mich in East-Cheap finden.

(Falstaff geht ab.)



Poins.
Nun, mein lieber ssser Zuker-Prinz, reitet morgen mit mir.  Ich
hab einen Spa im Kopf, den ich allein nicht ausfhren kan.
Falstaff, Bardolph, Peto und Gadshill sollen diese Leute berauben,
auf die wir einen Anschlag gemacht haben; ihr und ich wollen nicht
dabey zugegen seyn; wenn sie dann die Beute haben, und ihr und ich
sie ihnen nicht abjagen, so haut diesen Kopf von meinen Schultern.

Prinz Heinrich.
Aber wie werden wir von ihnen kommen, wenn wir mit ihnen ausreiten?

Poins.
Wie?  Wir wollen vor oder nach ihnen fort, und ihnen einen gewissen
Plaz bestimmen, wo wir zusammentreffen wollen, und den knnen wir
ja hernach verfehlen, wenn's uns beliebt; und dann werden sie das
Abentheuer allein unternehmen, und sobald sie damit fertig sind, so
wollen wir ber sie her.

Prinz Heinrich.
Gut; aber es ist vermuthlich, da sie uns an unsern Pferden, an
unsern Kleidern, und an hundert andern Merkmahlen erkennen werden.

Poins.
Fr das ist schon Rath geschaft.  Unsre Pferde sollen sie nicht
sehen, denn die wollen wir im Wald anbinden; unsre Visiere wollen
wir gegen andre verwechseln, wenn wir von ihnen weg sind; und,
Sapperment!  ich habe Ueberrke von Schetter im Vorrath, unter
denen niemand unsre Kleider kennen soll.

Prinz Heinrich.
Aber ich besorge, sie werden uns zu stark seyn.

Poins.
O was das anbetrift, zween von ihnen kenne ich als ein Paar so cht-
gebohrne Memmen, als jemals den Rken gewiesen haben; und was den
dritten betrift, wenn der sich lnger wehrt als recht ist, so will
ich alles Gewehr verschwren.  Der grste Spa von der Sache wird
in den miraculosen Lgen bestehen, die dieser nemliche dike
Spizbube uns vorsagen wird, wenn wir zum Nacht-Essen zusammen
kommen; wie er es zum wenigsten mit dreyig aufgenommen, was fr
Hiebe er bekommen, was fr Gefahren er bestanden habe; und in der
Art, wie wir ihn aller dieser Aufschneidereyen berweisen werden,
ligt der Spa.

Prinz Heinrich.
Gut, ich will mit dir gehen; sorge fr alles was wir nthig haben,
und erwarte mich auf morgen Nachts in East-Cheap.  Leb' wohl.

Poins.
Lebet wohl, Milord.

(Poins geht ab.)

Prinz Heinrich.
Ich kenne auch alle, und will noch eine Weile diesen zgellosen
Humor eurer migen Lderlichkeit in der Hhe halten; aber hierinn
will ich die Sonne nachahmen, die den unedeln anstekenden Dnsten
erlaubt, ihre Schnheit der Welt zu verbergen; damit, sobald es ihr
gefllt, wieder sie selbst zu seyn, sie desto mehr bewundert werde,
wenn sie, eine Zeitlang vermit, auf einmal durch die faulen und
hlichen Wolken hervorbricht, welche sie zu erstiken geschienen
hatten.  Wenn das ganze Jahr aus lauter Fest-Tagen bestnde, so
wrde man des Feyerns so berdrig werden als des Arbeitens; sie
sind nur erwnscht, weil sie selten kommen, und nichts gefllt mehr
als seltne Dinge.  So werde ich, wenn ich einst dieses ausgelane
Wesen von mir werfe, und eine Schuld bezahle die ich nie
versprochen habe, die Besorgnisse der Leute um so mehr zuschanden
machen, je besser ich seyn werde als mein Wort.  Und gleich einem
glnzenden Edelstein auf einem dunkeln Grund, wird meine
Verbesserung, meine Fehler berschimmernd, schner scheinen, und
mehr Augen auf sich ziehen, als ein Leben, das keine Folie hat,
wodurch es erhoben wird.

(Er geht ab.)



Vierte Scene.
(Verwandelt sich in einen Saal des kniglichen Palasts.)
(Knig Heinrich, Northumberland, Worcester, Hot-Spur, Sir Walter
Blunt, und andre treten auf.)

Knig Heinrich.
Mein Blut ist zu kalt und zu milde gewesen, da es bey einem so
unanstndigen Betragen nicht aufwallte; ihr habt meine schwache
Seite gefunden, und tretet dewegen meine Geduld mit Fssen; aber
versichert euch, ich will knftighin mehr seyn, was meine Wrde,
als was meine Gemthsart fordert, die zu sanft und milde gewesen
ist, und dewegen die Ehrfurcht verlohren hat, die eine stolze
Seele nur dem Stolzen bezahlt.

Worcester.
Unser Haus, Gndigster Herr verdienet wahrlich nicht da die
Geissel der Grsse gegen selbiges gebraucht werde, und dazu noch
eben dieser Grsse, die unsre eigne Hnde so stattlich zu machen
geholfen haben.

Northumberland.
Mein Gndigster Herr--

Knig Heinrich.
Worcester, entferne dich; ich sehe Ungehorsam und Drohung in deinen
Augen.  O Sir, eure Mine ist zu khn und zu entschlossen, und die
Majestt kan unmglich trozbietenden Stolz auf der Stirne eines
Unterthanen dulden.  Ihr habt Erlaubni uns zu verlassen.  Wenn wir
euern Rath oder eure Dienste nthig haben, werden wir euch ruffen
lassen.

(Worcester geht ab.)

Ihr wolltet ja reden--

(Zu Northumberland.)



Northumberland.
Ja, mein Gndigster Herr; diese Gefangne die in Eu.  Majestt Namen
abgefordert wurden, und die Heinrich Percy zu Holmedon gemacht hat,
sind, wie er sagt, nicht so schlechterdings verweigert worden, wie
man Euer Majestt berichtet hat.  Entweder Migunst oder
Miverstndni ist dieses Vergehens schuldig, nicht mein Sohn.

Hot-Spur.
Mein Gndigster Herr, ich versagte keine Gefangne; aber dessen
erinnre ich mich, wie die Action zu Ende war, und ich, ganz
aufgetroknet von Hize und Arbeit, athemlos und abgemattet auf mein
Schwerdt mich lehnte, da kam ein gewisser junger Herr, nett,
zierlich aufgepuzt, frisch wie ein Brutigam, und sein krzlich
abgeschohrnes Kinn sah aus wie ein Stoppeln-Feld im Herbst.  Er war
parfumirt wie ein Specerey-Krmer, und hielt zwischen seinem Finger
und seinem Daumen eine Schnupf-Bchse, die er alle Augenblike vor
die Nase hielt; immer hatte er was zu lcheln und zu schwazen; und
wie die Soldaten todte Krper vorbey trugen, hie er sie ungezogne
Flegel, eine so unsaubre und unartige Brde zwischen den Wind und
seine Adeliche Person zu bringen.  Er fragte mich mit einem Strom
von Sonntags- und Frauenzimmer-Redensarten nach hundert Sachen, und
forderte mir endlich auch, zu Handen Eurer Majestt meine Gefangnen
ab.  Ich, den meine Wunden berall schmerzten, und verdrielich
darber, da mich ein solcher Papagay zur Unzeit bertuben sollte,
antworte ihm im Unmuth und in der Ungeduld, ich wei nicht was; er
sollte sie haben, oder er sollte sie nicht haben; denn es machte
mich toll, etwas das einem Mann hnlich sah, vor mir zu sehen, das
von so vielen Farben schimmerte, und so s roch, und von Flinten
und Trummeln und Wunden so Kammerfrulein-mig redte, und mir
sagte, fr eine innerliche Quetschung sey kein unfehlbarers Mittel
als Spermacet, und es sey recht zu bedauren, sey es, da dieser
verfluchte Salpeter aus den Eingeweiden der unschuldigen Erde
hervorgegraben worden sey, der so viele brave wolgewachsene Leute
so elendiglich umgebracht habe: Und wenn nur diese nichtswrdigen
Flinten nicht wren, so wrde er selbst ein Soldat geworden seyn--
Auf alles dieses sein khles, unzusammenhngendes Geplauder gab ich
also, Gndigster Herr, nur obenhin Antwort wie ich sagte; und ich
bitte euch, lat seinen Bericht nicht die Gltigkeit einer Anklage
gegen einen Mann haben, der eurer Majestt so ergeben ist als ich.

Blunt.
Die Umstnde in Ueberlegung gezogen, Gndigster Herr, so knnte
alles was Harry Percy damals zu so einer Person, an so einem Ort,
und in so einer Zeit gesagt haben mchte, billiger Maassen fr todt
und abgethan gehalten, und nimmer zu seinem Nachtheil wieder
erwhnt werden.  Denn was er damals sagte, dem entsagt er ja izo
wieder, wie ihr seht.

Knig Heinrich.
Wie, und doch weigert er sich seine Gefangnen auszuliefern, ausser
mit der Bedingung, da wir seinen Schwager, den nrrischen Mortimer,
unverzglich auf unsre eigne Unkosten auslsen sollen; ihn, der
geflissentlich das Leben aller derjenigen aufgeopfert hat, die er
gegen diesen Zauberer, diesen verdammten Glendower anfhrte, dessen
Tochter, wie wir hren, Mortimer krzlich geheurathet hat.  Sollen
unsre Kisten etwann ausgeleert werden, um einen Verrther
heimzukauffen?  Nein, auf den nakten Wallischen Bergen lat ihn
verhungern; nimmer werd' ich den Mann fr meinen Freund halten,
dessen Zunge von mir nur den Aufwand eines Pfennigs verlangt, den
aufrhrischen Mortimer auszulsen.

Hot-Spur.
Den aufrhrischen Mortimer?  Das vernderliche Glk des Kriegs,
nicht sein Wille, hat ihn in die Hnde der Feinde fallen lassen,
Gndigster Herr; und zum Bewei da dieses die Wahrheit sey,
braucht es keine andre Zeugen, als alle diese Wunden, die er
empfieng, da er an dem beschilften Strande des anmuthigen Severns,
in einzelnem Kampf, Stirne gegen Stirne, den grsten Theil einer
Stunde lang den furchtbaren Glendower aufhielt.  Dreymal ruhten sie,
um wieder zu Athem zu kommen, dreymal tranken sie, auf Verabredung,
vom Wasser des schnellen Severns, der, von ihren blutigen Bliken
erschrekt, angstvoll zwischen seinem zitternden Schilfrohr fortrann
und sein krauses Haupt im holen Ufer verbarg, vom Blut dieser
muthigen Kmpfer beflekt.  Niemals hat unedle heuchlerische
Verrtherey ihren Anschlgen mit so tdtlichen Wunden eine Farbe
angestrichen; so gromthig verschwendet kein Verrther sein Blut.
Gestattet also nicht, Gndigster Herr, da der edle Mortimer durch
eine so unverdiente Beschuldigung entehrt werde.

Knig Heinrich.
Du lgst zu seinem Vortheil, Percy, du lgst; Niemals ist er mit
Glendower ins Handgemeng gekommen; er htte eben so viel Muth
gehabt, es mit dem Teufel aufzunehmen, als mit Owen Glendower.
Schmst du dich nicht, solche Dinge vorzugeben?  Aber, beym Himmel!
von dieser Stund an lat mich nicht mehr von Mortimer reden hren.
Schikt mir eure Gefangnen durch die schleunigste Veranstaltung,
oder ihr sollt Nachrichten von mir bekommen, die euch nicht
gefallen werden--Milord Northumland, wir erlauben euch mit euerm
Sohn abzureisen.  Eure Gefangnen, oder ihr sollt mehr von mir hren.

(Knig Heinrich geht ab.)

Hot-Spur.
Und wenn der Teufel kme und sie mir abheulen wollte, so schik' ich
sie nicht.  Ich will ihm nach, und ihm das sagen; ich mu meinem
Herzen Luft machen, und wenn es mit Gefahr meines Kopfs wre.

Northumberland.
Wie?  von Zorn trunken?  Verziehe noch einen Augenblik, hier kommt
dein Oheim.  (Worcester zu den Vorigen.)

Hot-Spur.
Nicht mehr von Mortimer reden?  Aber ich will von ihm reden, und
mge meine Seele keine Gnade im Himmel finden, wenn ich mich nicht
zu ihm schlage.  Entweder will ich alle diese Adern ausleeren, und
mein Herzensblut, Tropfen fr Tropfen in den Staub hingiessen, oder
ich will den zu Boden getretnen Mortimer so hoch in die Luft
emporheben als diesen Knig, diesen undankbaren gefhllosen
bermthigen Bolingbroke.

Northumberland.
Bruder, der Knig hat euern Neffen unsinnig gemacht.

Worcester.
Wer brachte ihn denn in Hize, wie ich fortgegangen war?

Hot-Spur.
Er will mit Gewalt meine Gefangnen haben, und wie ich darauf
bestund, da er meinen Schwager auslsen sollte, da erblat' er wie
eine Leiche, indem er mich ansah, und zitterte vor dem blossen
Namen Mortimer.

Worcester.
Ich kan's ihm nicht verdenken.  Wurde nicht Mortimer von Richarden,
der nun todt ist, als der nchste Thronfolger erklrt?

Northumberland.
Das wurde er; ich war bey der Ausruffung zugegen, es geschah zu
eben der Zeit, da der unglkliche Knig (dessen erlidtnes Unrecht
uns Gott verzeihen wolle!) gegen die Irlndischen Rebellen auszog;
von denen er, durch Englands Aufstand abgeruffen, zurk kehrte, um
abgesezt, und bald hernach ermordet zu werden.

Worcester.
Eine That, die uns in den Augen der ganzen Welt entehrt, und zum
Abscheu gemacht hat.

Hot-Spur.
Aber sachte, ich bitte euch--Knig Richard erklrte also meinen
Bruder Mortimer zum Thronfolger?

Northumberland.
Er that es, meine eigne Ohren haben es gehrt.

Hot-Spur.
Nun, so kan ich den Knig, seinen Vetter, nicht verdenken, da er
ihn auf den kahlen Bergen verhungert zu sehen wnschte.  Aber soll
es dann seyn, da ihr, welche die Crone auf den Kopf dieses
undankbaren Mannes seztet, und um seinetwillen den verhaten Fleken
der Verrtherey und des Meuchelmords tragt; soll es seyn, da ihr
eine Welt voll Flche auf euch nehmen wollt, um die Werkzeuge, die
verchtlichen Werkzeuge, die Strike, die Leiter und der Henker
eines Bolingbroks zu seyn?  (O!  vergebet mir, da ich so
schndliche Benennungen gebrauchen mu, um den Mibrauch anzuzeigen,
den dieser listige Knig von euch macht.) Und soll es, o Schande!
soll in unsern Tagen gesagt, und in Jahrbcher auf knftige Zeiten
gebracht werden, da Mnner von eurer Geburt und Macht sich, (wie
ihr beyde, Gott vergeb' es euch!  gethan habt,) zu einer so
ungerechten Sache verbunden haben, als diese war, Richarden, diese
anmuthige liebliche Rose, zu Boden zu treten, und diesen Dornbusch,
Bolingbrok, an seine Stelle zu pflanzen?  Soll es zu eurer noch
grssern Schande gesagt werden, da ihr von demjenigen, fr welchen
ihr dieser Schande euch unterzogen, zur Belohnung mihandelt,
geffet und verchtlich auf die Seite geworffen worden?  Nein, es
ist noch Zeit, eure verbannte Ehre wieder zu lsen, und euch in die
gute Meynung der Welt wieder einzusezen.  Rchet euch, rchet die
Beleidigungen dieses bermthigen Knigs, der Tag und Nacht nur
darauf denkt, wie er die Schuld, die er euch eingestehen mu, mit
euerm Tod bezahlen wolle.  Ich sage also--

Worcester.
Nein, Vetter, saget nichts mehr.  Es ist nun an mir, euch
Geheimnisse von tiefem und gefahrvollem Inhalt zu entfalten, so
gefhrlich, und verwegen als es wre, auf der schwachen Brke eines
Speers ber einen lautheulenden Waldstrom zu gehen.

Hot-Spur.
Fllt er hinein, gute Nacht.  Entweder schwimmen oder untergehen--
Sendet Gefahr von Osten gegen Westen, so soll Ehre von Norden gegen
Sden sie durchkreuzen, und dann lat sie sich mit einander
herumbalgen--O!  das Blut wallt feuriger einen Lwen aufzuweken,
als den Lauf einer Hindin zu beflgeln.

Northumberland.
Der Gedanke irgend einer grossen Unternehmung treibt ihn ber die
Grenzen der Geduld.

Hot-Spur.
Beym Himmel, mich ducht, es wre nur ein leichter* Sprung, die
glnzende Ehre von dem blawangichten Mond herab zu reissen, oder
sich in die Tieffe eines bodenlosen Abgrunds hinab zu tuchen, und
die ertrunkne Ehre bey den Haaren herauf zu ziehen, wenn der Genu
ihrer Vorzge mit keinem Nebenbuhler getheilt, der Prei einer
solchen Unternehmung wre.

{ed. * Hr. Warburton erinnert sich hiebey einer Stelle des
Euripides, worinn dieser vortreffliche Mahler der Leidenschaften
dem Eteocles den nemlichen Gedanken in den Mund legt: Mutter, ich
gesteh es unverhohlen, ich stiege dort wo die Sonne hervor geht
ber die Sterne hinauf, oder hinab in den Abgrund der Erde, wenn
es mglich wre, der Gtter unumschrnkten Thron zu bekommen.
S. 262 des 1sten Theils des Euripides, nach der Uebersezung des
Hrn. Professor Steinbrchels.}

Worcester.
Mein lieber Vetter, hrt mir einen Augenblik zu, wenn es die
Lebhaftigkeit eurer Gemths-Bewegung erlaubt.

Hot-Spur.
Ich bitte euch um Vergebung.

Worcester.
Eben diese edlen Schotten, die eure Gefangnen sind--


Hot-Spur.
Ich will sie alle fr mich behalten; beym Himmel, er soll keinen
einzigen haben, kein Haar von einem Schotten, und wenn dieses Haar
seine Seele erlsen knnte; ich will sie behalten, bey dieser Hand!

Worcester.
Ihr rennt immer fort, und hrt mich nicht an; ihr sollt ja diese
Gefangnen behalten.

Hot-Spur.
Das will ich auch; dabey bleibts.  Er sagte, er wolle den Mortimer
nicht auslsen; er verbot mir von Mortimer zu reden; aber ich will
ihn ausfinden, wenn er schlft, und ihm in sein Ohr hallen:
Mortimer!  Ich will einen Staaren abrichten lassen, da er nichts
als Mortimer ruffe, und will ihm den Staaren geben, um seinen Zorn
immer in Athem zu erhalten.

Worcester.
Hrt doch, Vetter, nur ein Wort.

Hot-Spur.
Hier verschwr ich feyrlich alle andre Gedanken, als wie ich diesen
Bolingbroke qulen und tollmachen wolle.  Und was diesen
eisenfresserischen Prinzen von Wales betrift, dcht' ich nicht, es
wrde seinem Vater lieb seyn, wenn ihm ein Unglk begegnete, er
sollte mir mit einem Krug Weibier vergiftet werden.

Worcester.
Lebt wohl, Neffe; ich will mit euch reden, wenn ihr besser im
Stande seyd, zuzuhren.

Northumberland.
Wie, was fr ein wespen-zngichter, ungeduldiger Narr bist du, in
diesen weibischen Humor auszubrechen, und niemand hren zu wollen
als dich selbst?

Hot-Spur.
Wie?  seht ihr, mir ist, als ob ich mit Ruthen gehauen, mit Nesseln
gepeitscht und von Ameisen gestochen werde, wenn ich nur den Namen
dieses schndlichen falschen Bolingbroke hre.  Zu Richards Zeiten--
Wie hie doch der Ort?--da ihn die Pest!--er ligt in Glocester-
Schire--es war wo der hirnlose Herzog seinen Oheim ins Garn lokte,
seinen Oheim York--wo ich meine Knie zum erstenmal vor diesem Knig
der Liebkosungen, vor diesem Bolingbroke bog; wie ihr und er von
Ravenspurg kam't.

Northumberland.
Zu Berkley-Castle.

Hot-Spur.
Dort war es; ha!  was fr eine Menge berzkerte Complimente machte
mir damals dieser schwnzelnde Windhund vor!  Wenn sein unmndiges
Glk zu Jahren gekommen seyn wrde--und edler Harry Percy, und
liebster Vetter--Der Teufel hole solche Schmeichler!--Gott verzeih'
mir's!  Guter Oheim, sagt izt was ihr wollt, ich bin fertig.

Worcester.
Nein, wenn ihr noch nicht fertig seyd, so macht nur fort, wir
wollen warten, bis es euch gelegen ist.

Hot-Spur.
Ich bin fertig, auf meine Ehre.

Worcester.
So wollen wir wieder zu unsern Schottischen Gefangnen.  Gebt sie
unverzglich ohne Lsegeld frey, und bedient euch dieses Sohns des
Dowglas, um ein Heer in Schottland zusammen zu bringen, welches, um
verschiedner Ursachen willen, die ich euch schriftlich zuschiken
will, euch ohne Mhe zugestanden werden wird.  Ihr, Milord von
Northumberland, schleichet euch, inde da euer Sohn in Schottland
beschftigt ist, in das Vertrauen dieses edlen und beliebten
Prlaten ein, des Erzbischoffs--

Hot-Spur.
Von York, nicht wahr?

Worcester.
Ja, der den Tod seines Bruders, des Lord Scroop, zu Bristol, sehr
hart empfindt.  Ich rede nicht aus blosser Vermuthung, was
vielleicht geschehen knnte; sondern von einer Sache, die schon
entworffen, beschlossen und verabredet ist; von einer Sache, die
nur auf eine solche Gelegenheit wartet, um zum Ausbruch zu kommen.

Hot-Spur.
Ich rieche was; bey meinem Leben, es mu gut gehen!

Northumberland.
Wie voreilig du bist!

Hot-Spur.
Es kan unmglich anders als ein edler Entwurf werden!  Und dann
sollen sich die Schottische Macht, und Yorks Anhang mit Mortimer
vereinigen, ha!

Worcester.
Das sollen sie.

Hot-Spur.
In der That, das ist ber die Maassen wol ausgesonnen.

Worcester.
Die Ursache ist nicht gering, die uns so schleunig als es mglich
ist, unsre Kpfe emporzuheben befiehlt, wenn wir sie retten wollen.
Denn so niedrig wir sie immer tragen mchten, so wird der Knig
doch immer denken, da er unser Schuldner sey; und da wir uns
nicht eher fr befriedigt halten werden, bis er seine Schuld
heimgezahlt habe.  Ihr seht ja bereits, wie er uns je lnger je
mehr von seinem Vertrauen und von seiner Zuneigung entfernt.

Hot-Spur.
Das thut er, das thut er; wir wollen Rache an ihm nehmen.

Worcester.
Vetter, lebt wohl.  Geht nicht weiter in dieser Sache, als ich euch
durch meine Briefe anweisen werde.  Wenn die Zeit reif seyn wird,
und das wird bald seyn, dann will ich in Geheim zu Glendower und
Mortimer mich begeben, wo ihr und Dowglas und unsre Vlker, auf
meine Veranstaltungen, glklich zusammen kommen sollen, um unser
Glk, das izt an einem Faden hngt, in unsern eignen starken Armen
zu tragen.

Northumberland.
Lebet wohl, Bruder; ich habe die beste Hoffnung, da alles gut von
statten gehen werde.

Hot-Spur.
Lebt wohl, Oheim; O lat die Stunden eilen, bis im blutigen
Schlachtfeld das Klirren der Schwerdter und das Aechzen der
Sterbenden mein belustigtes Ohr umtnt.



Zweyter Aufzug.



Erste Scene.
(Ein Wirthshaus bey Rochester.) (Ein Fuhrmann tritt mit einer
Laternen in der Hand auf, ruft dem Hausknecht, und giebt ihm eine
Commiion wegen seines Pferds; ein andrer Fuhrmann kommt dazu, und
die Flhe in diesem Wirthshaus, worber beyde sich beklagen, geben
Anlas zu einer kleinen Unterredung im fuhrmnnischen Geschmak,
worinn, da dich die Pest!  und, geh' an Galgen, die schnsten
Blmchen sind.  Gadshill, einer aus des Prinzen von Wales Bande,
kommt dazu, und erkundigt sich mit guter Manier bey ihnen, wenn die
Reisende, mit denen sie in diesem Wirtshaus angekommen, nach London
abzugehen gedenken.)



Zweyte Scene.
(Ein kleines Gesprch zwischen Gadskill und einem Bedienten im
Wirthshaus, welches, ausser den Nachrichten, die der leztere dem
ersten von den Passagiers im Hause giebt, in einer Art von
Wizwechsel besteht, wovon der Uebersezer bekennt, da es ihm
unmglich fllt, die deutsche Sprache damit zu bereichern.
Diejenige, welche vielleicht glauben, da er diese Unmglichkeit
mit etwas weniger Trgheit htte berwinden knnen, mgen sich zur
Probe an den sinnreichen Wrtern:) long-staff-six-penny-strikers(,
und) Mustachiopurple-hued-malt-worms (ben; und wenn ihnen auch
diese nicht zu schwer seyn sollten, so werden sie doch gestehen,
da die unsaubern Wortspiele, die einen Theil dieser Scene
ausmachen, unbersezlich sind.  Das beste ist, da der Leser nicht
einen einzigen gesunden Gedanken, oder guten Einfall dabey
verliehrt.  Man mag aus dem was wir bersezen, den Schlu auf
dasjenige machen, was wir auslassen mssen.)



Dritte Scene.
(Verwandelt sich in die Landstrasse.)
(Prinz Heinrich, Poins und Peto treten auf.)


Poins.
Kommt, verbergt euch, verbergt euch; ich habe Falstaffs Pferd auf
die Seite gethan, und er murrt wie ein gummierter Sammet.

Prinz Heinrich.
Halt dich ruhig.  (Falstaff tritt auf.)

Falstaff.
Poins, Poins!  da du gehangen wrst!  Poins!

Prinz Heinrich.
Still, du fettnierichter Spizbube, was fr ein Geheul machst du da?

Falstaff.
Wie, Poins!  Hal!

Prinz Heinrich (zu Poins.)
Er ist auf den Hgel hinauf gegangen, ich will geh'n und ihn
aufsuchen.

Falstaff (auf einer andern Seite.)
Das ist meine Straffe davor, da ich in dieses Diebs Gesellschaft
raube; der Raker hat mir mein Pferd auf die Seite gethan, der
Henker wei wo hin.  Wenn ich nur noch vier Quadrat-Schuhe weiter
zu Fu gienge, so wrd' ich mir den Blasebalg zersprengen.  Gut,
ich zweifle nicht, da ich eines schnen Tods fr alles di sterben
werde, in so fern ich dem Galgen entgehe, wenn ich diesen Spizbuben
todtschlage.  Ich habe diese zwey und zwanzig Jahre her seine
Gesellschaft stndlich verschworen, und doch bin ich immer mit dem
Galgenstrik behext.  Ich will gehangen seyn, wenn mir der Raker
nicht einen Liebes-Trank eingegeben hat; es kan anders nicht seyn;
ich hab' einen Liebes-Trank bekommen.  Poins!  Hal!  Da ihr die
Pest httet!  Bardolph!  Peto!  Ich will verhungern, wenn ich einen
Schritt weiter stehle.  Wenn es nicht eine so gute That wr' als
ein Glas Bier auszutrinken, wenn ich ein ehrlicher Mann wrde und
diese Galgenschwengel verliesse, so will ich der ausgemachteste
Halunke seyn, der jemals mit Zhnen gekut hat.  Acht Ellen unebner
Grund ist siebenzig Meilen fr mich, wenn ich zu Fu gehen mu.
Das hol der Henker, wenn Diebe nicht einmal ehrlich an einander
seyn knnen!

(Er hrt sie flstern.)

He!  da euch die Pestilenz alle mit einander!  Gebt mir mein
Pferd, ihr Schelme, gebt mir mein Pferd, und geht an den Galgen.

Prinz Heinrich.
Schweige, du Schmeer-Bauch, lieg nieder, leg dein Ohr hart an den
Boden, und horch, ob du nicht den Futritt von Reisenden hren
kanst.

Falstaff.
Habt ihr ein paar Hebel, oder etliche, da ihr mich wieder aufheben
knnt, wenn ich einmal liege?  Sapperment!  Ich wollte um alles
Geld in deines Vaters Schazkammer, mein eigen Fleisch nicht noch
einmal so weit zu Fu tragen.  Was zum T** meynt ihr damit, da ihr
mich so vexiert--Ich bitte dich, Prinz Hal, hilf mir zu meinem
Pferd, guter Knigs-Sohn.

Prinz Heinrich.
Weg, du Schurke!  Soll ich dein Stallknecht seyn?

Falstaff.
Geh, und hng dich selbst an deinen eignen Cronprinzlichen
Kniebndern auf.  Wenn ich ertappt werde, so will ich euch fr
diesen Streich bezahlen; ich will reden was ich wei, das glaubt
mir.  Wenn ich's nicht dahinbringe, da man Gassenhauer auf euch
macht, und sie im Ton von H**liedern in den Strassen singt, so mge
ein Becher mit Sect mein Gift seyn!  Wenn man einen Spa so weit
treibt, und noch dazu zu Fu!  Ich ha' es!  (Gadshill und Bardolph
zu den Vorigen.)

Gadshill.
Steh!

Falstaff.
Das thue ich, wieder meinen Willen.

Poins.
O, es ist unser Spion, ich kenn' ihn an der Stimme.  Bardolph, was
giebts Neues?

Bardolph.
Maskirt euch, maskirt euch, zieht eure Visiere herab: es kommt dort
Geld fr den Knig vom Hgel herunter, Geld, das in des Knigs
Schazkammer geht.

Falstaff.
Du lgst, du Spizbube, es geht in des Knigs Wirthshaus.

Gadshill.
Es ist genug, uns alle--(reich zu machen).

Falstaff.
An den Galgen zu bringen.

Prinz Heinrich.
Ihr Herren, stellt ihr Viere euch ihnen vorn in dem holen Weg
entgegen; Ned Poins und ich wollen tiefer herunter gehen; wenn sie
euch entrinnen, so fallen sie doch uns in die Hnde.

Peto.
Aber wie viel sind ihrer?

Gadshill.
Ihrer acht oder zehen.

Falstaff.
Sakerlot!  So werden sie ja uns berauben.

Prinz Heinrich.
Was Sir Hans Wanst fr eine Memme ist!

Falstaff.
In der That, ich bin nicht Hans von Gaunt, euer Grovater, aber
doch auch keine Memme, Hal.

Prinz Heinrich.
Gut, wir wollen's auf die Probe ankommen lassen.

Poins.
Holla, Jak, dein Pferd steht hinter dem Zaun dort: wenn du's nthig
hast, so wirst du's dort finden.  Lebt wohl und haltet euch wohl!

Prinz Heinrich (zu Poins leise.)
Ned, wo sind unsre Ueberkleider?

Poins.
Hier, hart an uns; Lat euch ja nicht sehen.

(Sie gehen auf die Seit.)

Falstaff.
Nun, meine Herren, ein jeder an seine Arbeit, wer das beste kriegt,
der hat's!



Vierte Scene.
(Einige Reisende treten auf.)


Reisende.
Kommt, Nachbar; der Junge soll unsre Pferde den Hgel herunter
fhren; wir wollen eine Weile zu Fu gehen, um eine Vernderung zu
machen.

Die Diebe.
Halt!

Reisende.
Gott helf uns!

Falstaff.
Schlagt zu; nieder mit ihnen, schneidet den Lumpenhunden die Hlse
ab, ha!  Ihr verfluchtes Ungeziefer, ihr Schlingel von Spekfressern;
sie sind unsre Feinde, zu Boden mit ihnen, zieht sie aus.

Reisende.
O wir sind verlohren, wir und die unsrigen auf immer.

Falstaff.
An den Galgen, ihr dikbauchichten Schurken, seyd ihr verlohren?
Nein, ihr fetten Lmmel, ich wollt' euer ganzer Vorrath wre hier;
nieder, ihr Spekseiten etc.

(Sie binden und berauben die Reisenden, und gehen ab.)

(Prinz Heinrich und Poins treten auf.)

Prinz Heinrich.
Die Diebe haben die ehrlichen Leute gebunden; wenn izt du und ich
die Diebe berauben, und mit der Beute im Triumph nach London ziehen
knnte, das wre eine Materie fr eine Woche, ein Gelchter fr
einen Monat, und ein Spa fr immer.

Poins.
Sachte, ich hre sie kommen.  (Die Diebe kommen zurk.)

Falstaff.
Kommt, meine Herren, wir wollen theilen, und dann zu Pferde, eh der
Tag anbricht.  Wenn der Prinz und Poins nicht zwo ausgemachte
Memmen sind, so ist keine Billigkeit mehr in der Welt.  Dieser
Poins hat nicht mehr Herz als eine wilde Ente.

(Indem sie theilen, werden sie von dem Prinzen und Poins berfallen.)

Prinz Heinrich.
Euer Geld!

Poins.
Ihr Galgenschwengel!

(Die Diebe rennen fort, und Falstaff, nachdem er einen oder zween
Streiche bekommen, luft auch davon, und lt die Beute dahinten.)

Prinz Heinrich.
Das hat nicht viel Mhe gekostet.  Nun lustig zu Pferd; die Diebe
sind zerstreut, und in einen so grossen Schreken gesezt, da sie
das Herz nicht haben, sich wieder zu sammeln; ein jeder hlt den
andern fr einen Gerichtsdiener.  Hinweg, guter Ned.  Wie wird der
arme dike Falstaff izt schwizen!  Wenn ich nicht lachen mte, ich
knnte Mitleiden mit ihm haben.

(Sie gehen ab.)



Fnfte Scene.
(Lord Percys Haus.)
(Hot-Spur tritt allein auf, einen Brief lesend.)


Hot-Spur.
"Was mich selbst betrift, Milord, so knnt ich um der Freundschaft
willen, die ich gegen euer Haus trage, wnschen, dort zu seyn." Er
knnte wnschen dort zu seyn; warum ist er denn nicht dort?  "Um
der Freundschaft willen, die er gegen unser Haus trgt." Es zeigt
sich aus diesem, da er seinen eignen Speicher mehr liebt als unser
Haus.  Lat doch weiter sehen: "Euere Unternehmung ist gefhrlich."
Das wissen wir; es ist gefhrlich einen Schnuppen zu kriegen, zu
schlaffen, zu trinken; aber lat euch sagen, Milord Hasenfu, da
wir aus dieser Nessel-Gefahr, die Blume, Sicherheit, pflken wollen.
"Eure Unternehmung ist gefhrlich, die Freunde, die ihr nennt,
sind ungewi, die Zeit selbst ist unschiklich, und euer ganzer
Entwurf zu leicht, einem so mchtigen Widerstand das Gegengewicht
zu halten." Sagt ihr das, sagt ihr das?  So sag ich euch wieder
zurk, da ihr eine schchterne feige Hindin seyd, und da ihr lgt.
Wo hat denn der Mann sein Hirn?  Bey G**!  Unser Entwurf ist ein
so guter Entwurf als jemals einer gemacht worden ist; unsre Freunde
sind zuverlig und standhaft; ein guter Entwurf, gute Freunde, und
von denen man sich alles versprechen kan; ein vortrefflicher
Entwurf und recht gute Freunde!  Was fr ein kaltherziger Schurke
das ist!  Wie?  Milord von York billigt und begnstigt das Vorhaben
selbst und den Entwurf, und diese Memme hier--Bey meiner Hand, wr'
ich bey ihm, ich knnte ihm mit seiner Frauen Luftfcher das Hirn
ausschlagen.  Ist nicht mein Vater, mein Oheim und ich selbst
dabey?  Lord Edmund Mortimer, Milord von York, und Owen Glendower?
Ist nicht Dowglas dabey?  Hab' ich nicht von ihnen allen Briefe,
da sie auf den neunten dieses Monats ihre Waffen mit den meinigen
vereinbaren wollen?  Sind nicht einige von ihnen wrklich schon
ausgerkt?  Was fr ein verdammter Schurke ist das!  Ha, ihr werdet
nun sehen, da er in der Aufrichtigkeit seiner Zagheit und seines
kalten Bluts zum Knige gehen, und unser ganzes Vorhaben entdeken
wird.  O ich knnte mich selbst in zwey spalten, da ich eine
solche Schssel voll geschwungne Milch in eine so edle Unternehmung
habe einmengen wollen.  An den Galgen mit ihm, er mag es dem Knig
sagen.  Wir sind gerstet, ich will diese Nacht noch vorrken.--



Sechste Scene.
(Lady Percy zu Hot-Spur.)


Hot-Spur.
--Was giebt's, Kthe?  Ich mu dich in zwo Stunden verlassen.

Lady.
O mein liebster Lord, warum seyd ihr so allein?  Wegen was fr
eines Verbrechens ist eure Gemahlin diese Nacht von ihres Harrys
Bette verbannt worden?  Sage mir, mein Liebster, was ist es, das
dir deinen Appetit, dein Vergngen und deinen Schlaf raubt?  Warum
heftest du deine Augen auf den Boden?  Warum fhrst du so oft auf,
wenn du allein sizest?  Warum hast du die frische Farbe deiner
Wangen verlohren?  Und warum giebst du mein Kleinod, meine Rechte
an dich, der trbsinnigen Schwermuth prei?  Unter deinem unruhigen
Schlummer hab ich an deiner Seite gewacht, und dich von Krieg und
Schlachten murmeln gehrt; du redtest mit deinem Pferde, oder
rieffest, (Courage!  Zum Treffen!) Du redtest von Ausfllen und
Rkzgen; von Laufgrben, Zelten, Palisaden, Schanzen, Brustwehren,
Carthaunen, Canonen, Feldschlangen, von Ranzionen der Gefangnen,
und von erschlagnen Soldaten--Deine Seele war so sehr mit
kriegrischer Arbeit beschftigt, und hat selbst im Schlaf dich in
eine so groe Bewegung gesezt, da grosse Schweitropfen auf deiner
Stirne gestanden, und die Muskeln deines Gesichts aufgelauffen sind,
wie wir an Leuten sehen, denen vor allzuhastiger Bewegung der
Athem zurck bleibt.  O!  was fr schrekenvolle Zeichen sind das!
Ihr habt irgend ein schweres Geschfte vor euch, und ich mu es
wissen, oder ihr liebt mich nicht.  (Ein Bedienter kommt herein.)

Hot-Spur.
He!  ist Willhelm mit dem Paquet abgegangen?

Bedienter.
Ja, Milord, schon vor einer Stunde.

Hot-Spur.
Hat der Kellner diese Pferde vom Scheriff gebracht?

Bedienter.
Eines, Milord, bracht' er eben izt.

Hot-Spur.
Was fr eines?  Den Rothschimmel, mit den gestuzten Ohren, nicht
wahr?

Bedienter.
Ja, Gndiger Herr.

Hot-Spur.
Dieser Rothschimmel soll mein Thron seyn.  Gut, ich will ihn gleich
besteigen.  (O Esperance!)* Fhrte ihn der Kellner in den Parc?

{ed. * Dieses franzsische Wort ist vermuthlich da, damit es die Lady
Percy nicht verstehen solle.}

Lady.
Aber hret, Milord--

Hot-Spur.
Was willt du sagen, Milady?

Lady.
Was fhrt euch dann weg?

Hot-Spur.
Wie?  Mein Pferd, Liebe, mein Pferd.

Lady.
Weg mit dir, du tollkpfiger Affe!  Eine Wiesel hat nicht so viel
Spleen als ihr--Bey meiner Treue, ich will euer Geschfte wissen,
das will ich.  Ich frchte mein Bruder Mortimer geht damit um,
seinen Anspruch gelten zu machen, und verlangt euern Beystand; aber
wenn ihr geht--

Hot-Spur.
Soweit zu Fu zu gehen, wrde mich mde machen, Liebe.

Lady.
Kommt, kommt, ihr kleiner Papagay, antwortet mir geradezu auf das
was ich euch frage.  Ich breche dir deinen kleinen Finger ab, Harry,
wenn du mir nicht die ganze Wahrheit gestehst.

Hot-Spur.
Weg, weg, kleiner Kindskopf--Lieben!  Ich liebe dich nicht, ich
denke nicht an dich, Kthe; es ist izt keine Zeit mit Puppen zu
spielen, und mit Lippen zu fechten.  Izt ist es um blutige Nasen,
und gespaltete Hirnschdel zu thun--Was sagst du, Kthe?  Was willt
du von mir?

Lady.
Liebt ihr mich dann nicht mehr?  In der That nicht.  Gut, so thut
es nicht.  Denn wenn ich nicht mehr verdiene, von euch geliebt zu
werden, so bin ich auch nicht werth, da ich mich selbst liebe.
Liebt ihr mich nicht?  Nein, sag mir's, redst du im Scherz oder
nicht?

Hot-Spur.
Komm, willt du mich reiten sehen?  Wenn ich zu Pferd bin, dann will
ich schwren, da ich dich unendlich liebe.  Aber hrst du, Kthe,
du mut mich nicht weiter ausfragen, wohin ich gehe; noch
Muthmassungen anstellen, warum?  Wohin ich mu, mu ich, und um es
kurz zu machen, diesen Abend mssen wir scheiden, liebste Kthe.
Ich wei da du verstndig bist, aber doch nicht verstndiger als
Harry Percy's Weib.  Du hast Muth, so viel ein Weibsbild haben soll;
und an Verschwiegenheit bertrift dich gewi kein Frauenzimmer in
der Welt.  Ich zweifle also keinen Augenblik daran, da du nichts
sagen wirst, wenn du nichts weist; und in so weit hab' ich ein
vollkommnes Zutrauen zu dir, meine ssse Kthe.

Lady.
Wie?  In so weit?

Hot-Spur.
Nicht einen Zollbreit mehr.  Aber hrst du, Kthe, wohin ich gehe,
sollt du auch gehen.  Heute will ich abreisen, und morgen sollst du
mir folgen.  Bist du nun zufrieden, Kthe?

Lady.
Ich mu wohl.

(Sie gehen ab.)



Siebende und achte Scene.
(Der Schauplaz verwandelt sich in das Wirthshaus zum Bren-Kopf in
East-Cheap.)
(Ein paar unbersezliche Scenen, im Geschmak der trbsten Hefen
der pbelhaftesten Canaille, zwischen dem Prinzen Heinrich, Poins,
Franz, dem Kellerjungen, und dem Wirth.  Folgende Stelle ist das
Beste davon.)


Prinz Heinrich.
Ich hab, glaub' ich, auf einmal alle Launen im Leibe, die jemals
Launen gewesen sind, seit den alten 'Tagen des guten Grovater
Adams bis auf das Suglings-Alter dieser gegenwrtigen zwlften
Stunde Mitternachts.  Und doch bin ich nicht von Percy's Humor,
dieses Eisenfressers aus Norden, der mir sechs oder sieben Duzend
Schotten zum Frhstk todt schlgt, und wascht dann seine Hnde,
und sagt zu seiner Frauen: Der Henker hole dieses ruhige Leben!
Ich habe ja nichts zu thun.  "O mein ssser Harry", sagt sie dann,
"wie viele hast du heute todt geschlagen?" Gebt meinem Rothschimmel
zu trinken, sagt er, und antwortet ihr eine Stunde drauf ganz
kaltsinnig, ihrer vierzehn, oder so was, eine Kleinigkeit--Ich
bitte dich, ruf mir den Falstaff herein; ich will den Percy machen,
und der verdammte Schweinsbraten soll die Dame Mortimer, sein Weib,
agiren.  Ruft den Schmeer-Bauch herein!



Neunte Scene.
(Falstaff, Gadshill, Bardolph und Peto zu den Vorigen.)


Poins.
Willkommen, Jak; wo bist du gewesen?

Falstaff.
Da die schwere Noth alle feige Memmen, sag ich, und die Krnke
oben drauf; und Amen!  Gieb mir ein Glas Sect, Junge--Eh ich diese
Lebensart fortseze, will ich Fu-Soken nhen, und sie wieder fliken,
wenn sie brechen.  Da die Pestilenz alle feige Memmen!  Gieb mir
ein Glas mit Sect, Schurke.  Ist denn keine Tugend mehr in der Welt?

(Er trinkt.)

Prinz Heinrich.
Hast du den Titan nie ein Stk Butter kssen gesehen?  und wie es
von den zrtlichen Sachen, die er ihm sagte, wegschmolz?  Wenn du's
gesehen hast, so sieh' diese Composition.

Falstaff.
Ihr Galgenschwengel, hier ist ja Kalk* in diesem Sect; es ist doch
nichts als Schelmerey in spizbbischen Leuten; aber eine Memme ist
noch rger als ein Glas Sect worinn Kalk ist.  Eine nichtswrdige
Memme!--Geh deines Wegs, alter Jak, stirb wenn du willt; wenn
Tapferkeit, wahre Tapferkeit nicht auf dem ganzen Erdenrund
vergessen ist, so bin ich ein Pikling.  Es leben nicht drey brave
Mnner ungehangen in England, und einer von ihnen ist fett, und
wird, Gott helf ihm, nach gerade alt--eine bse Welt, sag ich!  Ich
wollt' ich wr' ein Weber**; ich knnte Psalmen singen, und Lieder
wie man's haben wollte.  Da die Pestilenz alle Memmen, sag ich!

{ed. * Sir Richard Hawkins, einer von der Knigin Elisabeth
See-Capitains, sagt in seinen Reisen S. 379: "Seitdem die
Spanischen Secte in unsern Wirtshusern so gemein sind, die in der
Zubereitung mit Kalk vermischt werden, um sich lnger zu erhalten,
beklagt sich unsre Nation ber Stein, Wassersucht, und eine
Menge andrer Krankheiten, von denen wir nichts wuten, eh der
Gebrauch dieser Weine so sehr berhand nahm.  Ausserdem vergeht
kein Jahr, da nicht zwey Millionen Cronen dafr aus unserm Lande
gehen etc." Dieses leztere war in der That ein wesentliches bel.
Aber da Kalk den Stein verursachen soll, mu wohl nur ein
Vorurtheil des guten ehrlichen alten Mannes gewesen seyn, indem in
einem weit weisern Alter ein altes Weib ihr Glk damit gemacht hat,
uns zu zeigen, da Kalk eine Arzney gegen den Stein sey.  Warburton.}

Prinz Heinrich.
Was giebts, Wollsak!  was brummt ihr?

Falstaff.
Ein Knigs-Sohn?  Wenn ich dich nicht mit einem Dolch von einem
Span aus deinem Knigreich hinaus jagen, und alle deine Unterthanen
wie eine Heerde wilder Gnse vor dir her treiben will, so will ich
meine Tage kein Haar mehr an meinem Kinn tragen.  Ihr, Prinz von
Wales?

Prinz Heinrich.
Wie, du H**sohn von einem diken Flegel, was hast du denn?

Falstaff.
Seyd ihr nicht eine Memme?  Antwortet mir auf das, und Poins hier?

Prinz Heinrich.
Du Wanst, wenn du mich eine Memme nennst, so bist du des Todes.

Falstaff.
Ich htte dich eine Memme geheissen?  Eh will ich dich zur Hlle
gehen sehen, eh ich dich eine Memme heissen wollte; aber tausend
Pfund wollt' ich drum geben, wenn ich so geschwinde lauffen knnte,
wie du.  O!  was das betrift, eure Schultern habt ihr so gerad als
ihr's wnschen knnt, ihr bekmmert euch nichts darum, euern Rken
sehen zu lassen.  Nennt ihr das, euern Freunden den Rken deken?
Da die Pest ein solches Rkendeken htte!  Gebt mir ein Glas Sect.
Ich will eine H** seyn, wenn ich heute noch einen Tropfen
getrunken habe.

Prinz Heinrich.
O du Schurke!  du hast ja dein Maul kaum abgewischt, seitdem du das
leztemal getrunken hast.

Falstaff.
Das ist all eins.

(Er trinkt.)

Da die Pest alle feige Memmen, dabey bleib ich!

Prinz Heinrich.
Was willt du denn damit?

Falstaff.
Was ich damit will?  hier sind unser vier, die diesen Morgen
tausend Pfund geraubt haben.

Prinz Heinrich.
Wo ist das Geld?  Wo ist es?

Falstaff.
Wo es ist?  Zum T** ist es, genommen ist es uns worden; ihrer
hundert gegen uns arme viere.

Prinz Heinrich.
Was sagst du, ihrer hundert?

Falstaff.
Ich will ein H*f*t seyn, wenn ich mich nicht zwey Stunden lang mit
einem Duzend von ihnen herumgehauen habe.  Es ist ein Mirakel, da
ich davon gekommen bin.  Ich bin achtmal durch mein Wamms gestossen
worden, viermal durch die Hosen, mein Schild ist durch und durch
gehauen, und mein Schwerdt hat Scharten wie eine Hand-Sge, (ecce
signum.) Ich habe mich nie besser gehalten, seitdem ich ein Mann
bin.  Htten's andre auch so gemacht!  Da sie die Pest, die Memmen!
--Lat sie reden; wenn sie mehr oder weniger sagen als wahr ist, so
sind sie Schurken, und Kinder der Finsterni.

Prinz Heinrich.
Redet, ihr Herren, wie gieng es dann her?

Gadshill.
Wir vier machten uns an ihrer zwlf ungefehr--


Falstaff.
Sechszehn wenigstens, Milord.

Gadshill.
Und banden sie.

Peto.
Nein, nein, gebunden wurden sie nicht.

Falstaff.
Du Raker, sie wurden gebunden, einer nach dem andern; wenn's nicht
so ist, so will ich ein Jude seyn, ein hebrischer Jude.

Gadshill.
Wie wir nun theilten, so berfielen uns sechs oder sieben frische
Mnner.

Falstaff.
Und banden die andern los, und da kamen die brigen.

Prinz Heinrich.
Wie?  Fochtet ihr dann mit ihnen allen?

Falstaff.
Mit Allen?  Ich wei nicht was ihr Alle nennt; aber wenn ich nicht
wenigstens mit fnfzig von ihnen fochte, so will ich ein Bschel
Rettiche seyn.  Wenn ihrer nicht zwey oder drey und fnfzig an dem
armen alten Jak waren, so sey ich keine zweybeinichte Creatur.

Poins.
Der Himmel verhte, da ihr keine von ihnen ermordet habt!

Falstaff.
Gut, das kan er nun nicht mehr verhten.  Ich habe zween von ihnen
gepfeffert; zween, das kan ich sagen, hab' ich bezahlt, zween in
Schetter-Rken.  Ich will dir was sagen, Hal; wenn ich dich anlge,
so spey' mir ins Gesicht, nenn' mich einen Gaul; du kennst meine
alte Manier im parieren; so lag ich, und so fhrt ich meine Klinge;
vier Schurken in Schetter fielen ber mich her, wie gesagt.

Prinz Heinrich.
Was, viere?  Du sagtest eben, es seyen nur zween gewesen.

Falstaff.
Viere, Hal, viere sagte ich.

Poins.
Ja, ja, er sagte viere.

Falstaff.
Diese viere fielen mich alle von vornen an, und stiessen tapfer auf
mich zu; aber ich machte nicht viel Federlesens, sondern fate auf
einmal alle ihre sieben Klingen mit meinem Schild auf; so--


Prinz Heinrich.
Sieben?  Es waren ihrer ja nur viere diesen Augenblik.

Falstaff.
In Schetter.

Poins.
Ja, ja, vier in Schetter-Rken.

Falstaff.
Sieben, bey meinem Bauch, oder ich bin ein H*f*t.

Prinz Heinrich (leise zu Poins.)
Ich bitte dich, la ihn machen, es werden noch mehr draus werden.

Falstaff.
Hrst du mich, Hal?

Prinz Heinrich.
Ja, und versteh dich auch, Jak.

Falstaff.
Gut, gut, es ist auch werth da man aufhorche; diese neun Kerle in
Schetter, wovon ich dir sagte--

Prinz Heinrich.
So, schon wieder zween mehr--

Falstaff.
Wie sie sahen, da ihre Klingen abgebrochen waren, fiengen sie an
zurk zu weichen; aber ich gieng ihnen mit Hnden und Fssen zu
Leibe, und in einem Gedanken, lagen sieben von eilfen im Gras.

Prinz Heinrich.
Das ist entsezlich.  Eilf Mnner von Schetter aus zween!

Falstaff.
Aber da fhrte mir der T** drey migezeugte Schurken in Kendal-Grn
auf den Rken, die auf mich zuwalkten; denn es war so dunkel, Hal,
da du deine Hand nicht httest sehen knnen--

Prinz Heinrich.
Diese Lgen sind so dik und fett als du selbst bist.  Wie, du
kleyen-hirnichter Wanst, du H**sohn von einem unfltigen,
schmuzigen Schmeer-Bauch--

Falstaff.
Wie?  Bist du toll, bist du toll?  Ist es nicht die Wahrheit, die
Wahrheit?

Prinz Heinrich.
Wie konntest du denn sehen, da diese Leute in Kendal-Grn gekleidt
waren, wenn es so dunkel war, da du deine Hand nicht sehen
konntest?  Komm, la sehen wie du das machtest; was sagst du hierzu?

Poins.
Nun, Jak, wie machtet ihr das, sagt einmal.

Falstaff.
Wie, ihr wollt's mit Gewalt wissen, mit Gewalt?  Nein, und wenn ich
auf dem Strappado wre, oder auf allen Foltern der ganzen Welt, ich
wollt' euch nichts sagen, wenn ihr's mit Gewalt wissen wolltet.

Prinz Heinrich.
Es ist Zeit dem Spa ein Ende zu machen.  Wit also, diese
blutreiche Memme hier, dieser Bett-Druker, dieser Pferd-Rken-
Brecher, dieses Gebrge von Fleisch--

Falstaff.
Weg mit euch, ihr Hunger-Darm, ihr Aal-Haut, ihr drre Kalbs-Zunge,
ihr Ochsen-Ziemer, ihr Stok-Fisch--O wenn ich nur einen lngern
Athem htte!--Was ist dir noch mehr hnlich?  Ihr Ellen-Maa, ihr
Fiddelbogen-Futteral, ihr langer Rauf-Degen--

Prinz Heinrich.
Gut, verschnauffe eine Weile, und fahre hernach fort; und wenn du
dich in niedertrchtigen Gleichnissen erschpft hast, so hre mich
nur dieses sagen.

Poins.
Horch auf, Jak.

Prinz Heinrich.
Wir beyde sahen euch viere ihrer viere angreifen, ihr bandet sie,
und bemeistertet euch ihrer Baarschaft; nun gebt Achtung wie es
weiter gierig.  Wir beyde fielen hierauf ber euch viere her,
jagten euch auseinander, und nahmen euch eure Beute weg; so ist's
und wir knnen sie euch hier im Hause zeigen.  Und ihr, Falstaff,
ihr trugt eure Kutteln so leicht weg, mit einer so behenden
Hurtigkeit, und brlltet so klglich um Gnade, und renntet und
brlltet in einem fort, so gut als ich jemals ein Stierkalb brllen
hrte.  Was fr ein Sclave bist du, deinen Degen so zu zerhaken wie
du gethan hast, und dann zu sagen, es sey vom Fechten gekommen?
Was fr eine Ausflucht, was fr eine Lge, was fr eine Hle kanst
du ausfndig machen, dich vor dieser offenbaren, unlugbaren
Schande zu verbergen?

Poins.
Komm, la es uns hren, Jak.  Wie willst du dir nun hinaushelfen?

Falstaff.
Bey G**, ich kannte euch so gut, als der so euch gemacht hat.  Wie,
hrt ihr, meine Herren, htt' ich den prsumtiven Erben umbringen
sollen?  Htt' ich meine Hand an den Cron-Prinzen legen sollen?
Wie, du weist, da ich so tapfer als Hercules bin; aber der
Instinct hielt mich dimal zurk; der Lwe greift niemals den Cron-
Prinzen an: Der Instinct ist ein mchtiges Ding.  Aus Instinct ward
ich eine Memme, und ich werde mein Lebenlang dewegen von dir und
mir nur eine desto bessere Meinung haben; denn das beweit
unleugbar, da ich ein tapfrer Lwe bin, und da du der chte Cron-
Prinz bist.  Aber, bey G**, Jungens, es freut mich, da ihr das
Geld habt--Wirthin!  riegle die Thre; wache die Nacht durch, und
bete Morgens.  Hey da, ihr lustigen Brder, Jungens, Gold-Ppchens,
sagt, wie wollen wir uns lustig machen?  Wollen wir eine Comdie
(ex tempore) spielen?

{ed. ** In der Verfolgung der Protestanten in Flandern unter
Philipp dem 2ten, brachten diejenigen die bey dieser Gelegenheit
nach England kamen, die Wollen-Manufacturen mit.  Diese waren
Calvinisten, welche jederzeit durch ihre Neigung zum
Psalmensingen sich unterschieden haben.
Warburtun.}

Prinz Heinrich.
Ich bins zufrieden--und der Inhalt soll dein Davon lauffen seyn.

Falstaff.
Ah!--nichts mehr hievon, Hal, wenn du mich lieb hast.



Zehnte Scene.
(Die Wirthin kommt herein und meldet dem Prinzen, da ein Herr von
Hofe da sey, der auf Befehl des Knigs mit ihm sprechen wolle.
Falstaff wird abgeschikt zu hren was er wolle.)



Eilfte Scene.
(Falstaff kommt zurk, und bringt die Zeitung von dem Aufstand,
den Percy, Northumberland, Douglas, und Glendower, im Norden von
England erregt, und da der Prinz auf morgen zum Knig, seinem
Vater, beschieden sey.  Dieses giebt zu einer kleinen Comdie von
der pbelhaftest-brlesken Art Anlas, worinn Falstaff den Knig
macht, und den Prinzen wegen seiner unanstndigen Lebensart und
lderlichen Gesellschaft ausschilt, jedoch mit Ausnahme des
einzigen Falstaff, von dem er viel Gutes sagt.  Der Prinz behauptet,
Falstaff habe den Knig nicht recht gemacht, bernimmt diese Rolle
selbst, lt Falstaffen den Prinzen seyn, und sagt alsdann eben so
viel bses von Falstaff als dieser vorhin Gutes von sich selbst
gesagt hatte.  Folgendes mag zur Probe dienen:)


Prinz Heinrich (in der Person des Knigs.)
Ich hre grosse Klagen ber dich.

Falstaff (in der Person des Prinzen.)
Sakerlot!  Gndigster Herr, sie sind alle erlogen--

Prinz Heinrich.
Du schwrst, unartiger Bube?  Von nun an komm nimmer vor meine
Augen!  Du gehst einen verderblichen Weg; es ist ein Teufel, der
dich jagt, ein Teufel in Gestalt eines fetten alten Manns; eine
Tonne von einem Mann ist deine Gesellschaft.  Wie, schmst du dich
nicht mit diesem Weinfasse umzugehen, mit diesem zusammengeballten
Klumpen von Bestialitt, mit diesem ungeheuren Kessel voll Sect,
mit diesem ausgestoen Felleisen von Kutteln,--diesem ehrwrdigen
Laster, dieser grauen Bberey, diesem Vater Spizbuben, dieser
bejahrten Eitelkeit?  Wozu ist er gut, als Sect zu kosten und
auszutrinken?  Worinn ist er nett und manierlich, als einen
Capaunen zu zerlegen und aufzuessen?  Worinn hat er Verstand als in
Rnken?  Wozu braucht er seine Rnke als zu Bubenstken?  Worinn
ist er ein Lotterbube als in allen Dingen?  Und worinn ist er
lblich als in nichts?

Falstaff.
Wen meynt Euer Majestt?

Prinz Heinrich.
Diesen ruchlosen schndlichen Verfhrer der Jugend, Falstaff,
diesen alten weibartigen Satan.

Falstaff.
Milord, den Mann kenn' ich.

Prinz Heinrich.
Das wei ich wol.

Falstaff.
Aber wenn ich sagte, da er ein schlimmerer Mann sey als ich selbst,
so sagt' ich mehr als ich wei.  Da er alt ist, davon zeugen
leider!  seine weissen Haare; aber da er, mit Respect vor euch zu
sagen, ein H**jger sey, das lugne ich schlechterdings.  Wenn Sect
und Zuker etwas unrechtes ist, so helf G** den Schlimmen!  Wenn alt
und aufgerumt seyn, eine Snde ist, so kenn' ich manchen alten
Wirth, der verdammt werden mte; wenn fett seyn, Ha verdient, so
mten Pharaons magre Khe liebenswrdig seyn.  Nein, Gndigster
Herr, verbannet Peto, verbannet Bardolph, verbannet Poins; aber den
guten alten Jak Falstaff, den wakern Jak Falstaff, den ehrlichen
Jak Falstaff, den tapfern Jak Falstaff, und desto tapfrer, da er,
wie man nicht lugnen kan, der alte Jak Falstaff ist, den verbannt
nicht aus Harry's Gesellschaft: Wolltet ihr den guten diken Jak von
mir verbannen, so verbannet eben so mehr die ganze Welt von mir--
([Diese unvollkommne Probe, (denn man hat dennoch einige Blmchen
auslassen mssen) wird den Leser vermuthlich geneigt machen, dem
Uebersezer in Absicht der Falstaffischen Scenen Vollmacht zu geben,
darber nach eignem Belieben zu schalten.  Man mu ein Englnder
seyn, diese Scenen von Englndern spielen sehen, und eine gute
Portion Pounsch dazu im Kopfe haben, um den Geschmak daran zu
finden, den Shakespears Landsleute grstentheils noch heutiges
Tages an diesen Gemhlden des untersten Grads von pbelhafter
Ausgelassenheit des Humors und der Sitten finden sollen.])
(Bardolph und die Wirthin lauffen erschroken herein, und melden,
da der Scheriff mit der Wache vor der Thre sey, und das Haus
durchsuchen wolle.  Prinz Heinrich bernimmt es ihn abzufertigen,
nachdem er Falstaffen und den brigen befohlen, sich zu verbergen.)



Zwlfte Scene.
(Der Scheriff kommt mit einem von den Fuhrleuten der Beraubten,
und fragt nach Falstaffen, welchen er beschuldigt, den Raub
begangen zu haben.  Der Prinz antwortet ihm ganz ernsthaft, und
also in reimlosen Versen (denn Shakespear ist, wie wir wissen, ein
genauer Beobachter des Decorum,) der Mann sey nicht hier, indem er
ihn Geschfte halber ausgeschikt habe; er giebt aber dem Scheriff
sein Ehrenwort, da er ihn bis morgen Mittags stellen, und wenn es
sich finde, da er den Raub begangen, der Justiz berlassen wolle.
Der Scheriff nimmt hierauf seinen demthigen Abschied, und der
Prinz erklrt sich gegen Peto, da er den Beraubten ihr Geld mit
Wucher wieder zurkgeben, morgen nach Hofe und von da zu Felde
gehen, sie aber allerseits mit sich nehmen, und bey der Armee
anstndig unterbringen wolle.)




Dritter Aufzug.



Erste Scene.
(Des Archi-Diaconus von Bangor Haus in Wales.)
(Hot-Spur, Worcester, Mortimer und Owen Glendower treten auf.)


Mortimer.
Diese Versprechungen sind schn, die Partheyen zuverlig, und
unser Vorhaben voller Hoffnung eines glklichen Ausgangs.

Hot-Spur.
Milord Mortimer, und Vetter Glendower, wollt ihr nicht Plaz nehmen?
Und ihr, Oheim Worcester--Der Henker hol' es!  ich habe die Land-
Carte vergessen.

Glendower.
Nein, hier ist sie.  Sezt euch, Vetter Percy, sezt euch, guter
Vetter Hot-Spur: Denn wenn Lancaster euch bey diesem Namen nennen
hrt, dann erblassen seine Wangen, und mit einem emporsteigenden
Seufzer wnscht er, da ihr im Himmel seyn mchtet.

Hot-Spur.
Und ihr in der Hlle, so oft er von Owen Glendower reden hrt.

Glendower.
Ich tadle ihn nicht; in meiner Geburts-Stunde erfllte sich die
Stirne des Himmels mit feurigen Gestalten und brennenden Meteoren;
wit, der ganze Erdball zitterte in seinen innersten Gewlben, wie
eine Memme, als ich gebohren ward.

Hot-Spur.
Das wrd' er gethan haben, wenn in der nemlichen Stunde eurer
Mutter Kaze Junge gehabt htte, und ihr nie gebohren worden wret.

Glendower.
Ich sage, die Erde bebte wie ich gebohren ward.

Hot-Spur.
Und ich sage, wenn die Erde das that, so dachte sie nicht wie ich,
in so fern ihr euch einbildet, sie zitterte aus Furcht vor euch.

Glendower.
Die Himmel waren lauter Feuer, und die Erde bebte.

Hot-Spur.
Die Erde bebte also, weil sie den Himmel in Feuer sah, und nicht
weil ihr gebohren wurdet.  Die kranke Natur bricht oft in seltsame
Paroxismen aus; die Erde wird zuweilen von dem unbndigen Wind, der
in ihren Leib eingekerkert ist, mit einer Art von Colik geqult; er
strubt sich durchzubrechen, und schttelt die gute alte Mutter so
stark, da hohe Schlsser und bemoote Glokenthrme umstrzen.  Wie
ihr gebohren wurdet, so hatte unsre Gro-Mutter Erde eben einen
solchen Ansto von Bauchweh, und das war alles.

Glendower.
Vetter, diese Reden wrde ich nicht von vielen andern ertragen.
Erlaubt mir euch noch einmal zu sagen, da bey meiner Geburt die
Stirne des Himmels voller feuriger Gestalten war; die Geissen
rennten von den Bergen herab, und die Heerden auf den Feldern
brllten auf eine unnatrliche Art vor Schreken.  Diese Zeichen
deuteten an da ich ausserordentlich seyn wrde, und der ganze Lauf
meines Lebens hat bewiesen, da ich nicht in die Classe der
gewhnlichen Menschen gehre.  Wo lebt, innert den seebesphlten
Grenzen von England, Wales und Schottland, der Mann der sich rhmen
kan, mein Lehrmeister gewesen zu seyn?  Und dennoch hab ich den
Sohn eines Weibs noch nicht gesehen, der es in irgend einer
Wissenschaft oder Kunst mit mir aufnehmen knnte.

Hot-Spur.
Ich glaube selbst, da niemand besser welsch redt--ich will zum
Mittag-Essen.

Mortimer.
Ruhig, Vetter Percy; ihr macht ihn noch bse.

Glendower.
Ich kan die Geister aus dem Abgrund hervorrufen.

Hot-Spur.
Das kan ich auch, und das kan jedermann; aber kommen sie, wenn ihr
ihnen ruft?

Glendower.
Wie, ich kan dich dem Teufel gebieten lehren.

Hot-Spur.
Und ich kan dich den Teufel beschmen lehren; du darfst nur die
Wahrheit reden: Sprich wahr, und beschme den Teufel, sagt das
Sprchwort.  Wenn du im Stand bist ihn zu beschwren, so bring ihn
her; und ich will im Stand seyn, ihn mit Schaam wieder wegzujagen.
O!  sagt euer Lebenlang die Wahrheit, und beschmt den Teufel.

Mortimer.
Kommt, kommt, wozu soll dieses Gewsche nzen?

Glendower.
Dreymal hat Heinrich Bolingbroke sich meiner Macht entgegen
gestellt; dreymal hab ich ihn von den Ufern des Wye und des
silbersandigen Severn, ohne Stiefel und von Gewittern verfolgt,
heimgeschikt.

Hot-Spur.
Heimgeschikt, ohne Stiefeln und noch dazu in schlimmem Wetter.  Wie,
ins T** Namen, entgieng er dem Fieber?

Glendower.
Kommt, hier ist die Carte; wollen wir nach unsern dreyfachen
Ansprchen unser Recht theilen?

Mortimer.
Der Archi-Diaconus hat es schon, sehr gleich, durch drey Linien
getheilt: England, vom Trent bis hier zum Severn, Sd- und Ostwrts,
ist mein Antheil; alles was gegen Westen ligt, Wales, und alle
diese fruchtbaren Lnder innert den Ufern des Severn, sollen Owen
Glendowers seyn; und, Vetter Percy, der brige nordliche Theil,
jenseits des Trent, euer.  Unser dreyfacher Verglich ist bereits
aufgesezt, und wenn die Instrumente gesiegelt und ausgewechselt
seyn werden, welches in dieser Nacht noch geschehen kan, so wollen
wir, ihr, Vetter Percy, und ich, und Mylord von Worcester, morgen
ausrken, um uns, der Abrede gem, zu Schrewsbury mit euerm Vater
und den Schottischen Vlkern zu vereinbaren.  Mein Vater Glendower
ist noch nicht fertig, auch haben wir in diesen vierzehn Tagen
seiner noch nicht vonnthen; und diese Zeit ist mehr als
hinreichend,

(zu Glendower)

da ihr eure Vasallen, Freunde und Nachbarn aufbieten knnet.

Glendower.
Ich werde in krzerer Frist bey euch seyn, Milords; und ich will
euch eure Ladys mitbringen, von denen ihr euch izt, ohne Abschied,
wegstehlen mt; denn es wird eine Welt voll Wasser vergossen
werden, wenn ihr und eure Weiber scheiden mt.

Hot-Spur.
Mich ducht, mein Antheil, Nordwrts von Burton hier, ist lange
nicht so gro als der eurige.  Seht, wie dieser Flu, indem er sich
hier schlangenweis zurk krmmt, mir einen grossen halben Mond von
dem schnsten Theil meines ganzen Landes abschneide.  Ich will den
Strom hier aufgetroknet haben, und hier soll in einem neugegrabnen
Canal der glatte silberne Trent schn und eben dahinfliessen; er
soll sich nicht mit so tieffen Krmmungen winden, und mich hier
eines so reichen Bodens berauben.

Glendower.
Er soll sich nicht winden?  Er soll, er mu; ihr seht ja, er thut's.

Mortimer.
Aber ihr seht ja, da er hier auf dieser Seite euch eben so viel
wieder zulegt, als er euch auf der andern abschneidet.

Worcester.
Ja, aber es wird nur wenig Mhe brauchen ihn hier herber zu leiten,
um auf der Nordseite diesen Strich Lands zu gewinnen, und dann
fliet er gerad und eben.

Hot-Spur.
Ich will es so haben, es wird bald geschehen seyn.

Glendower.
Ich werde keine Vernderung zugeben.

Hot-Spur.
Ihr wollt nicht?

Glendower.
Nein, und ihr sollt keine machen.

Hot-Spur.
Und wer ist der, der nein dazu sagen wird?

Glendower.
Der bin ich.

Hot-Spur.
So sagt es auf welsch, damit ich es nicht verstehe.

Glendower.
Ich kan englisch reden, Lord, so gut als ihr, denn ich ward am
Englischen Hof erzogen; ich habe manches englische Lied als
Jngling auf meiner Harfe begleitet, und den Beyfall der Schnsten
erlangt, wenn ich meine Stimme mit ihren Accenten vermhlte; eine
Geschiklichkeit, die man nie an euch gesehen hat.

Hot-Spur.
Glaubt mir, es sollte mir leid seyn, wenn es anders wre.  Ich
wollte lieber eine Kaze seyn, und, Miau, schreyen!--als einer von
diesen schnurrenden Reimen-Mklern; ich will lieber einen kpfernen
Kerzenstok umfallen hren, oder ein ungeschmiertes Rad in der Achse
kirren, es wrde mir lange nicht so weh in den Zhnen thun, als
dieses lppische Geklingel von Poeterey; das ist ja nicht anders,
als wie wenn man einen stolpernden Klepper zwingen will, einen
guten Schritt zu gehen.

Glendower.
Kommt, kommt, Trent soll abgeleitet werden.

Hot-Spur.
Was bekmmert mich das?  Ich will dem ersten Freund der mir gute
Dienste thut, dreymal so viel Land geben; aber hier, versteht mich
wohl, wo es um einen Vertrag zu thun ist, wollt ich um den neunten
Theil eines Haars schicaniren.  Sind die Instrumente aufgesezt?
Knnen wir gehen?

Glendower.
Der Mond scheint hell, ihr knnt diese Nacht abreisen; ich will den
Schreiber treiben, und indessen eure Weiber auf euern Abschied
vorbereiten; ich frchte meine Tochter wird unsinnig davon werden,
so verliebt ist sie in ihren Mortimer.

(Er geht ab.)



Zweyte Scene.


Mortimer.
Fy, Vetter Percy, warum knnt ihr meinen Vetter nicht unangefochten
lassen?

Hot-Spur.
Ich kan nicht anders; er macht mich manchmal toll, wenn er mir vom
Maulwurf und der Ameise erzhlt, und von den Propheceyungen des
Trumer Merlins, und von einem Drachen, und von einem Fisch ohne
Flofedern, und von einem Greiffen mit beschnittnen Flgeln, und
von einer hpfenden Kaze, kurz von einer Menge solchem
abgeschmaktem Hocus-Pocus, das mir die Geduld ausgehen macht.  Ich
will euch was sagen, er hielt mich verwichne Nacht zum wenigsten
neun Stunden auf, mir die Namen der verschiednen Teufel
herzurechnen, die seine Lakeyen seyn sollen; ich schrie--hum!--und--
wohl, wohl!  Aber ich gab ihm nicht auf ein Wort Acht.  O!  er ist
so beschwerlich wie ein mdes Pferd, oder ein keiffendes Weib;
rger als ein rauchiges Haus.  Ich wollte lieber bey Ks und
Knoblauch in einer Windmhle leben, und weit von ihm seyn; als
Kazen fressen, und seinem Geschrey zuhren, in irgend einem
Sommerhaus in der Christenheit.

Mortimer.
Er ist, bey allem dem, ein verdienstvoller Edelmann,
ausserordentlich belesen, und in den seltsamsten Wissenschaften
erfahren; tapfer wie ein Lwe; beraus leutselig, und gtig wie die
Minen von Indien.  Soll ich's euch sagen, Vetter; er giebt euerm
Temperament ungemein viel nach, und thut sich selbst die grste
Gewalt an, wenn ihr ihn auf eine so anzgliche Art in seinem Humor
durchkreuzt; ich versichre euch, der Mann lebt nicht, der ihn ohne
Gefahr, so wie ihr gethan habt, htte reizen drfen.  Aber thut es
nicht oft, ich bitte euch.

Worcester.
In der That, Milord, ihr seyd zu tadelschtig, und habt, seitdem
ihr hier seyd, genug gethan, um seine Geduld aufs usserste zu
bringen.  Ihr mt diesen Fehler nothwendig verbessern lernen, Herr.
Ob dieses hastige Wesen gleich manchmal Grsse, Muth und Feuer
anzeigt, (und das ist der grte Vortheil den ihr davon haben
knnet;) so giebt es hingegen auch fters das Ansehen einer rohen
Wildheit, eines Mangels an Lebensart und Sitten, und den Schein von
Stolz, Aufgeblasenheit, bertriebner Einbildung und Verachtung
andrer Leute; Fehler, wodurch ein Mann, mit den grsten Verdiensten,
die er sonst haben mag, die Herzen der Leute verliehrt, und die
einen Fleken auf die ganze schne Seite werfen, wodurch er sonst
die Hochachtung der Welt gewonnen htte.

Hot-Spur.
Gut, ihr habt mich nun genug geschulmeistert denke ich; ich
verlang' euch den Vorzug der Hflichkeit nicht streitig zu machen--
hier kommen unsre Weiber, und wir wollen unsern Abschied nehmen.



Dritte Scene.
(Glendower mit Lady Mortimer und Lady Percy, zu den Vorigen.)


Mortimer.
Das ist ein Umstand, der mir oft tdtlichen Verdru macht, mein
Weib kann nicht englisch reden, und ich nicht welsch.

Glendower.
Meine Tochter weint, sie will nicht von euch scheiden, sie will
auch ein Soldat werden, sie will in den Krieg.

Mortimer.
Milord, sagt ihr, sie und meine Tante Percy sollen uns in kurzem
folgen.

(Glendower spricht welsch mit ihr, und sie antwortet ihm darinn.)

Glendower.
Sie will sich nicht trsten lassen; eine kleine eigensinnige Hexe,
bey der keine Ueberredung anschlagen will.

Mortimer.
Ich versteh' deine Blike, ich bin ein Meister in diesem anmuthigen
Welsch, das du aus diesen zween schwellenden Himmeln hervorathmest,
und, wren wir nicht in Gesellschaft, ich wollte dir in der
nemlichen Sprache antworten; ich verstehe deine Ksse, und du die
meinige, in dieser fhlbaren Unterredung haben wir keinen
Dollmetscher nthig; aber ich will nicht ruhen, Liebe, bis ich
deine Sprache gelernt habe; denn von deinen Lippen tnt das Welsche
so anmuthig als aus einer Sommerlaube der ssse Gesang einer Feen-
Knigin, von den entzkenden Griffen ihrer goldnen Laute beseelt.

Glendower.
O!  wenn du in Zrtlichkeit schmilzst, so wird sie gar unsinnig
werden.

(Die Lady redt wieder welsch.)

Mortimer.
Ach!  hierinn bin ich die Unwissenheit selbst.

Glendower.
Sie bittet, da ihr euch niederlegen und euer holdes Haupt auf
ihrem Schoo ruhen lassen sollt, und sie will euch den Gesang
singen, den ihr so gerne hrt, und euer Blut in eine angenehme
Schwermuth wiegend, den Gott des Schlafs auf euern Augliedern
krnen; euch in dieses zauberische Mittel zwischen Schlaf und
Wachen senken, das dem Gemische von Nacht und Tag hnlich ist, eine
Stunde eh der Gott des Lichts seinen goldnen Lauf aus Osten beginnt.

Mortimer.
Von Herzen gerne will ich mich sezen, und sie singen hren;
inzwischen, denk' ich, werden unsre Papiere fertig werden.

Glendower.
Thut das, und obgleich die Musicanten, die euch dazu aufspielen
sollen, tausend Meilen weit von hier in der Luft hangen, so sollen
sie doch in einem Wink zugegen seyn.  Sezt euch, und horcht.

Hot-Spur.
Komm, Kthe, du bist eine Meisterin im Niederligen; komm, geschwind,
geschwind, da ich meinen Kopf auf deine Schoo legen kan.

Lady.
Geht, alberne Gans.

(Die Musik fngt an.)

Hot-Spur.
Nun merk' ich, da der Teufel welsch versteht; bey unsrer Frauen,
er ist kein schlimmer Musicant; kein Wunder, da er so wunderliche
Launen hat.

Lady Percy.
Wenn es die Launen ausmachten, so mtet ihr ber und ber
musicalisch seyn: Ligt still, ihr Dieb', und hrt die Lady welsch
singen.

Hot-Spur.
Ich wollte lieber meine Lady Brake auf irlndisch heulen hren.

Lady.
Soll ich dir deinen Kopf zerbrechen?

Hot-Spur.
Nein.

Lady.
Nun, so lig still.

Hot-Spur.
Das auch nicht, das schikt sich nur fr eine Lady.

Lady.
Nun, so helf dir Gott!

Hot-Spur.
In der welschen Lady Bette.

Lady.
Was sagtest du?

Hot-Spur.
Still, sie singt.

(Lady Mortimer singt ein welsches Lied.)



Hot-Spur.
Komm, Kthe, du must mir auch eins singen.

Lady Percy.
Ich gewi nicht, bey meiner Treu.

Hot-Spur.
Bey deiner Treu?  du schwrst ja wie ein Zukerbekers-Weib!  Nicht
du, bey deiner Treu!  und, so wahr ich leb, und, hol mich Gott, und,
so wahr als die Sonn am Himmel ist; wenn man dich so armselig
schwren hrt, so dchte man, du seyst nie weiter als bis nach
Finsbury gekommen.  Schwr mir wie eine Lady, Kthe, die du bist,
einen hbschen den Mund ausfllenden Schwur, und berla das meiner
Treu und dergleichen Pfeffer- und Ingwerkrmerische Blmchen, den
ehrlichen Leuten die am Sonntag ihr hbsches Kleid anziehen.--Komm,
sing.

Lady.
Ich will nicht singen.

Hot-Spur.
Und ich will gehen; wenn die Aufsze fertig sind, so knnen wir in
zwo Stunden schon fort seyn.  Kommt mit, wenn ihr wollt.

(Er geht ab.)

Glendower.
Kommt, kommt, Lord Mortimer; ihr seyd, ducht mich, so trge zum
Gehen als Lord Percy feurig ist.  Unsre Instrumente werden fertig
seyn; wir wollen nur sigeln und dann gleich zu Pferde.

Mortimer.
Von Herzen gerne.

(Sie gehen ab.)



Vierte Scene.
(Verwandelt sich in den Audienz-Saal zu Windsor.)
(Knig Heinrich, der Prinz von Wales, Lords und Gefolge treten auf.)


Knig Heinrich.
Lords, verlat uns eine Weile; der Prinz von Wales und ich mssen
allein mit einander sprechen; aber entfernt euch nicht weit, denn
wir werden euch bald wieder nthig haben.

(Die Lords gehen ab.)

Ich wei nicht, ob es Gott so haben will, da zu Befriedigung
seines geheimen Grimms ber irgend eine mifllige That meines
Lebens aus meinem eignen Blut ein Rcher und eine Peitsche fr mich
entstehen sollte; aber der ganze Zusammenhang deiner Auffhrung und
Lebensart lt mich nichts anders glauben, als da du ganz allein
zum Werkzeug der heissen Rache des Himmels wieder mich bestimmt
bist.  Oder sage mir, wr es sonst mglich, da so zgellose und
niedertrchtige Neigungen, so elende, so pbelhafte, so schndliche,
so ruchlose Handlungen, so nichtswrdige Belustigungen, eine so
verchtliche, so wilde Gesellschaft, als diejenige womit du gepaart
oder mit der du vielmehr ganz in eins verwachsen bist, fhig seyn
sollten, dich deiner angebohrnen Hoheit vergessen zu machen, und
dein frstliches Herz zu sich herunter zu ziehen?

Prinz Heinrich.
Gndigster Herr, ich wnschte da ich von allen Vergehungen so frey
wre, als ich gewi bin, mich von vielen reinigen zu knnen, die
mir zur Last gelegt werden.  Indessen erlaubet mir wenigstens so
viele Nachsicht von Euer Majestt zu erbitten, da, wenn viele von
diesen nachtheiligen Erzhlungen, womit niedertrchtige Zeitungs-
Mkler das Ohr der Frsten zu umsumsen pflegen, sich falsch
befinden, meine aufrichtige Reue wegen einiger wrklicher
Vergehungen, worinn meine Jugend ausschweiffend und tadelhaft
gewesen ist, Vergebung erlangen mge.

Knig Heinrich.
Der Himmel vergebe dir!  Aber la mich dir mein Erstaunen darber
bezeugen, Harry, da deine Neigungen sich so weit von dem edeln
Flug aller deiner Vorltern entfernen.  Du hast durch deine rohe
Lebensart deinen Plaz im Staats-Rath verlohren, der nun durch
deinen jngern Bruder erfllt wird; du hast die Herzen des ganzen
Hofs, und alle Prinzen von meinem Blut verlohren.  Niemand hoffet
oder erwartet etwas Gutes von deiner Zeit, und jede Seele sagt sich
selbst prophetisch deinen Fall vorher.  Htte ich deine Sitten
gehabt, htt' ich in den Augen der Welt mich so gemein und
verchtlich gemacht, durch eine so pbelhafte Gesellschaft mir
selbst meinen Werth benommen; die Meynung, die mir zur Crone half,
wrde dem vorigen Besizer treu geblieben seyn, und mich in
ruhmloser Verbannung, unbemerkt und in der Menge des verdienstlosen
Hauffens, verlohren, vergessen haben.  Aber da ich selten gesehen
wurde, erschien ich niemals, ohne wie ein Comet, jedes Aug' auf
mich zu ziehen.  Die Vter sagten dann zu ihren Kindern: Di ist er!
Wo, wo?  fragten andre; welcher ist Bolingbroke?  Und dann stahl
ich, wie ein andrer Prometheus, diese huldreiche Leutseligkeit vom
Himmel, dieses gttliche Feuer, wodurch die Knige die Liebe ihrer
Unterthanen nhren, entzog die Herzen des Volks durch die Demuth,
in die ich mich einkleidete, ihrem Oberherrn, und empfieng lautes
Zujauchzen und frolokende Grsse, selbst in der Gegenwart des
gekrnten Knigs.  Auf diese Art erhielt ich mich immer frisch und
neu in den Augen der Menge; und meine Gegenwart, mit desto grrer
Pracht begleitet, je seltner sie war, schien jedesmal ein
ffentliches Fest, das mit allgemeinen Freuden-Zeichen gefeyrt
wurde.  Der hpfende Knig trabte inde in einer Gesellschaft von
Hofnarren und schaalen Wizlingen, (wie drre Reiser gleich
angezndt und gleich verbrennt), auf und nieder, vergab seine
Knigliche Wrde, mengte sich unter unbrtige Spavgel und Geken,
und erlaubte ihnen seine Majestt durch Scherze und unanstndige
Vertraulichkeit zu entweihen; er lie sich, wie die gemeinsten
Pflastertreter, in allen Gassen sehen, und sttigte die Leute durch
seinen tglichen Anblik so sehr, bis er ihnen ekelhaft wurde.
Mute er sich hernach bey ffentlichen Anlsen sehen lassen, so
ward er nur, wie der Gukguk im Brachmonat, gehrt, nicht geachtet;
geseh'n, aber mit dem nachligen Blik, der ber einen alltglichen
Gegenstand hinweggleitet; nicht mit dem weitoffnen wundervollen
Auge, das auf die sonnengleiche Majestt geheftet wird, wenn sie
selten aus ihrer Verhllung hervorglnzt; sondern mit schlfrigen,
gesenkten Augliedern, mit dem dstern verdrielichen Blik, den man
auf einen Feind wirft, von dessen Gegenwart man belstigt, gedrkt
und berfllt wird.  Und in eben dieser Linie, Harry, stehst du.
Du hast deine frstliche Vorrechte verlohren, indem du dich
niedertrchtiger Gesellschaft Prei gegeben hast.  Nicht ein
einziges Auge, das nicht deines alltglich gewordnen Anbliks
berdrig ist; das meinige ausgenommen, das dich zu sehen verlangt
hat, und nun, wider meinen Willen, von den Zeichen einer
allzugrossen Zrtlichkeit berfliet.

Prinz Heinrich.
Ich werde mich beeifern, mein gndigster Herr, knftig mehr ich
selbst zu seyn.

Knig Heinrich.
Um alles in der Welt, was du in dieser Stunde bist, war Richard
damals da ich aus Frankreich zu Ravenspurg ans Land sezte, und
gerade was ich damals war, ist Percy izt.  Bey meinem Scepter und
bey meiner Seele!  er hat mehr wrklichen Antheil am Staat, als du,
der knftige Thronfolger.  Ohne Recht, ohne den Schatten eines
Rechts fllt er die Felder mit Harnischen, erhebt sein Haupt gegen
des Lwen gewafnete Tazen, und, ob er gleich nicht lter ist als du,
fhrt er doch bejahrte Helden und ehrwrdige Bischffe zu blutigen
Schlachten an.  Was fr eine unsterbliche Ehre hat er an dem
ruhmvollen Dowglas eingelegt, dessen grosse Thaten und seltne
Kriegs-Erfahrenheit ihm den Namen des grten Feldherrn in allen
Christlichen Knigreichen erworben haben?  Dreymal hat dieser Hot-
Spur, dieser Kriegs-Gott in Windeln, dieser unmndige Held, den
grossen Douglas in offner Schlacht berwunden, einmal ihn sogar
gefangen genommen, aber wieder in Freyheit gesezt, und einen Freund
aus ihm gemacht, um mit seinem Beystand den Frieden und die
Sicherheit unsers Throns zu erschttern.  Und was sagst du hiezu?
Percy, Northumberland, der Erzbischoff von York, Douglas und
Mortimer, haben einen Bund gegen uns gemacht, und empren sich--
Aber wem, und wozu erzhl' ich diese Neuigkeiten?  Wie, Harry, mu
ich vielleicht dich selbst, den nchsten an meinem Herzen und an
meinem Thron, auch dich, unter meine Feinde zhlen?  Du bist fhig
genug, aus unterwrfiger feiger Niedertrchtigkeit, oder einem
Ansto von Spleen, in Percys Solde wider mich zu fechten; und, wie
ein Hund um seine Fersen dich schmiegend, und hflich einen
gndigen Blik von ihm erbuhlend, zu zeigen, wie sehr du abgeartet
bist.

Prinz Heinrich.
Denket nicht so, Gndigster Herr, ihr werdet es anders finden, und
der Himmel verzeihe denen, die mich in Eu.  Majestt Gedanken so
tief erniedriget haben.  Aber an Percys Kopf will ich mich
rechtfertigen, und am Schlu irgend eines glorreichen Tages, mit
dem Bewutseyn, da ich's werth bin, euch sagen, ich sey euer Sohn;
und das soll der Tag seyn, er komme wann er will, da dieser Sohn
der Ehre und des Ruhms, dieser tapfre Hot-Spur, dieser berall
gepriene Ritter, und euer nichts geachteter Harry, im blutigen
Felde zusammen kommen werden.  Mchte immerhin jede Ehre die auf
seinem Helm sizt, und jede Schmach ber meinem Haupte sich
verdoppeln!  Denn er soll kommen, der Tag, da dieser junge
Nordische Held seine glnzenden Thaten gegen meine Verachtung
austauschen soll.  Percy ist nur mein Factor, Gndigster Herr, der
glorreiche Thaten fr mich aufhuffen mu; ich will ihn zu einer
scharfen Rechenschaft ziehen, und er soll mir jeden Ruhm, nicht den
kleinsten ausgenommen, einhndigen, oder ich will ihm die Rechnung
aus seinem Herzen reissen.  Di versprach ich im Namen des Himmels
hier; und wenn ich lebe, um es zu vollbringen, so erlaubet mir Eu.
Majestt zu bitten, da es als eine Genugthung fr die
Ausschweiffungen meiner Jugend angesehen werde.  Wo nicht, so
bezahlt das Ende des Lebens alle Schulden, und eher will ich
hundert tausend Tode sterben, eh ich den kleinsten Theil dieses
Gelbds brechen sollte.

Knig Heinrich.
Hundert tausend Rebellen sterben durch diese Erklrung.  Du sollst
einen Auftrag, und hiezu unbeschrnkte Vollmacht bekommen.  (Blunt
kommt herein.) Was bringst du neues, Blunt?  Deine Blike kndigen
etwas Unerwartetes vorher.

Blunt.
Der Lord Mortimer von Schottland hat die Nachricht eingesandt, da
Dowglas und die Englischen Rebellen den eilften dieses Monats zu
Schrewsbury sich vereinigen wrden.  Sie machen ein furchtbares
Heer aus, wenn jeder von den Verschwornen sein Versprechen hlt, so
furchtbar, als jemals die Emprung in einem Staat aufgebracht hat.

Knig Heinrich.
Der Graf von Westmorland, und mein Sohn Johann von Lancaster, sind
heute schon aufgebrochen; denn diese Nachricht ist schon fnf Tage
alt.  Auf nchste Mittwoche, Harry, sollt du, und Donnstags wollen
wir selbst ausziehen, und zu Bridgnorth wollen wir zusammentreffen.
Du, Harry, sollt deinen Marsch durch Glocester-Schire nehmen; und
in zwlf oder vierzehn Tagen soll unsre ganze Macht zu Bridgnorth
sich vereinbaren.  Hinweg!  jeder Augenblik, um den wir uns
verspten, ist ein Vortheil fr sie.

(Sie gehen ab.)



Fnfte und sechste Scene.
(Ein paar pbelhafte und schmuzige Zwischen-Scenen aus dem
Wirthshaus zum Bren-Kopf in East-Cheap, zwischen Falstaff,
Bardolph, der Wirthin, dem Prinzen und Peto.)



Vierter Aufzug.



Erste Scene.
(Verwandelt sich in Schrewsbury.)
(Hot-Spur, Worcester und Dowglas treten auf.)


Hot-Spur.
Wohl gesprochen, mein edler Schotte, wenn nicht oft die Wahrheit
selbst, in diesem verschmizten Zeit-Alter, fr Schmeicheley
gehalten wrde.  Aber ein Dowglas mu von solchem Gehalt seyn, da
kein Kriegsmann vom Geprge dieser Zeit einen so allgemeinen Cours
durch die Welt habe wie er.  Beym Himmel, ich kan nicht schmeicheln;
aber einen bravern Plaz hat niemand in meinem Herzen als ihr.
Nein, nehmt mich beym Wort; sezt mich auf die Probe, Lord.

Dowglas.
Du bist der Knig der Ehre, und wenn jemand auf Erden Athem holt,
der dir den Vorzug streitig machen will, wer er auch sey, dem will
ich Troz bieten.  (Ein Bote zu den Vorigen.)

Hot-Spur.
Thut das, und ihr thut wohl--Was fr Briefe hast du hier?--

Bote.
Von euerm Vater.

Hot-Spur.
Briefe von ihm?  Warum kommt er nicht selbst?

Bote.
Er kan nicht kommen, Milord, er ist gefhrlich krank.

Hot-Spur.
Himmel!  Wie hat er die Musse in dieser entscheidenden Zeit krank
zu seyn?  Wer fhrt seine Truppen an?  Unter wessen Commando kommen
sie?

Bote.
Seine Briefe mssen seine Gesinnung entdeken; mir ist nichts
bekannt.

Hot-Spur.
Seine Gesinnung?

Worcester.
Mu er denn zu Bette liegen?

Bote.
Er lag schon vier Tage eh ich abgieng; und wie ich abreite, waren
die Aerzte seinetwegen in grossen Sorgen.

Worcester.
Ich wollte, der Zustand dieser Zeit wre erst geheilt gewesen, eh
er krank geworden wre; seine Gesundheit war nie mehr werth, als
izt.

Hot-Spur.
Krank in einer solchen Zeit!  O!  diese Krankheit stekt das
Lebensblut unsrer Unternehmung an!  Sie wird unser ganzes Lager
ansteken.  Er schreibt mir hier, da eine heftige Krankheit--und
da seine Freunde durch Abgeordnete nicht sobald zusammen gebracht
werden knnten, ja da er es nicht einmal rathsam halte, ein so
wichtiges und gefhrliches Geschft einer andern Seele als seiner
eigenen anzuvertrauen.  Inde rathet er uns doch mit unsrer kleinen
Macht auszurken, und eine Probe zu machen, wie das Glk fr uns
gesinnt sey; denn, seinem Bericht nach, lt sich nimmer zaudern,
indem der Knig von unserm ganzen Vorhaben unterrichtet ist.  Was
sagt ihr dazu?

Worcester.
Euers Vaters Krankheit ist ein grosser Nachtheil fr uns.

Hot-Spur.
Es ist ein Glied, das uns abgehauen ist--und doch, in der That, ist
es nicht so; wir werden ihn wrklich weniger vermissen als es izt
scheint.  Wr' es gut, unser ganzes Glk auf einen einzigen Wurf zu
sezen?  Ein so grosses Capital dem schlpfrigen Ungefehr einer
zweifelhaften Stunde zu berlassen?  Es wre nicht gut; denn wie
leicht knnten wir in dieser einzigen Stunde das Ende aller unsrer
Hoffnungen finden.

Dowglas.
Vermuthlich wrd' es so gegangen seyn; da uns hingegen, wie die
Sachen izt ligen, eine Zuflucht brig bleibt, deren Gewiheit uns
zu unserm Vorhaben desto khner machen wird.

Hot-Spur.
So ists, ein Sammelplaz, wo wir uns wieder erholen knnen, wenn der
Teufel und ein feindseliger Zufall unsre erste Unternehmung
milingen macht.

Worcester.
Dem ungeachtet wnschte ich, euer Vater wre hier.  Die Natur
unsrer Unternehmung leidet keine Theilung; viele, welche nicht
wissen, warum er abwesend ist, werden glauben, da Klugheit, Treue,
und blosses Mifallen an unserm Verfahren den Grafen zurk halte.
Ihr sehet leicht, wie nachtheilig eine solche Vermuthung unsrer
Parthey seyn mu.  Uns ist alles daran gelegen, die schwache Seite
unsrer Unternehmung zu verbergen, und jedes Taglicht, jede ffnung
und Rize zu verstopfen, durch die das Auge der Vernunft in das
Inn're derselben dringen knnte.  Diese Abwesenheit euers Vaters
zieht einen Vorhang auf, der den Unberichteten eine Ursache zur
Furcht zeigt, wovon sie vorher nicht getrumt haben.

Hot-Spur.
Ihr geht zu weit, Milord.  Ich sehe seine Abwesenheit vielmehr als
einen Umstand an, der unserm grossen Vorhaben einen Glanz giebt,
und eine grre Meynung davon erweken mu, als wenn er hier wre;
denn mssen nicht die Leute denken, wenn wir ohne ihn im Stande
seyen, dem Knigreich einen Sto zu versezen, so werden wir, mit
seinem Beystand, unfehlbar alles unter ber sich kehren.  Noch geht
alles gut, noch ziehen alle unsre Strike.

Dowglas.
Wie wir's nur wnschen knnen; in Schottland wird kein Wort von
dergleichen Besorgnissen gehrt.



Zweyte Scene.
(Sir Richard Vernon zu den Vorigen.)


Hot-Spur.
Mein Vetter Vernon, willkommen, bey meiner Seele!

Vernon.
Wollte der Himmel, da meine Zeitung einen Willkomm werth wre,
Milord.  Der Graf von Westmorland ist in Begleitung des Prinzen
Johann von Lancaster mit siebentausend Mann im Anzug.

Hot-Spur.
Das kan er; was mehr?

Vernon.
Ueberdem hab' ich in Erfahrung gebracht, da der Knig in eigner
Person entweder schon ausgerkt, oder doch entschlossen sey, aufs
schleunigste mit einer grossen Macht hieher zu kommen.

Hot-Spur.
Er soll auch willkommen seyn.  Wo ist sein Sohn?  der leichtfige,
und tollkpfige Prinz von Wales und seine Cameraden, die die Welt
auf die Seite lachen, und ihr sagen, sie knne gehen wohin sie
wolle.

Vernon.
Sie sind alle gerstet, alle in Waffen, alle befiedert wie die
Straussen, alle in Gold schimmernd wie die Bilder in der Kirche,
lebhaft wie der May, prchtig wie die Sonne im Junius, muthwillig
wie junge Geissen, und wild wie die Lwen.  Ich sah ihn, den jungen
Heinrich, mit aufgezognem Viesier, in voller Rstung, gleich dem
beflgelten Mercur sich vom Boden auf- und so leicht in seinen
Sattel schwingen, als ob ein Engel aus den Wolken herabgeschlpft
wre, um auf einem feurigen Pegasus sich um die Unterwelt herum zu
tummeln.

Hot-Spur.
Nichts mehr, nichts mehr; dieses Lob ist ungesunder als die Sonn'
im Merz.  Lat sie kommen; sie kommen als Schlacht-Opfer, mit
Blumen bekrnzt, um der feueraugichten Kriegs-Gttin, alle warm und
blutend, aufgeopfert zu werden.  Der beschupte Mars soll bis an die
Ohren im Blut auf seinem Altar sizen.  Ich bin ganz in Feuer, da
ich hre, da eine so reiche Beute so nah, und doch noch nicht
unser ist.  Kommt, lat mich mein Pferd besteigen, welches mich wie
einen Donnerkeil gegen den Busen dieses Prinzen von Wales
schleudern soll.  Ein Harry soll dem andern begegnen, und nicht
ablassen, bis einer von beyden fllt.  O da Glendower hier wre!

Vernon.
Das erinnert mich noch an einen Umstand.  Ich hrte zu Worcester,
da ich durchritt, da er vor diesen vierzehn Tagen seine Macht
nicht zusammenbringen kan.

Dowglas.
Das ist die schlimmste Zeitung unter allen.

Worcester.
Ja, in der That, das hat einen frostigen Ton.

Hot-Spur.
Wie stark mag des Knigs Armee seyn?

Vernon.
Dreyigtausend Mann.

Hot-Spur.
Lat es vierzigtausend seyn; da mein Vater und Glendower nicht hier
sind, so mag unsre einzelne Macht diesen grossen Tag aushalten.
Kommt, wir wollen unsre Leute mustern; der jngste Tag ist nahe;
sterben wir alle, und mit Freuden, wenn es je gestorben seyn mu!

Dowglas.
Redet nicht vom Sterben; fr dieses nchste halbe Jahr frcht' ich
den Tod nicht.

(Sie gehen ab.)



Dritte Scene.
(Verwandelt sich in eine Landstrasse ohnweit Coventry.)
(Falstaff und Bardolph treten auf.)


Falstaff.
Bardolph, geh du voran nach Coventry, und fll' mir eine Flasche
mit Sect: Unsre Soldaten sollen nur durchmarschiren; wir wollen
unser Nachtquartier zu Sutton-Cop-Hill nehmen.

Bardolph.
Wollt ihr mir Geld geben, Hauptmann?

Falstaff.
Leg du's aus, leg du's aus.

Bardolph.
Eine Flasche Sect macht einen Engel.*

{ed. * Eine Mnze, die zehn Englische Schillinge gilt.}

Falstaff.
Und wenn sie's macht, so nimm ihn fr deine Mhe; und wenn sie
zwanzig macht, so nimm alle zwanzig; ich stehe fr das Geprge.
Sag meinem Lieutenant Peto, da er am Thor auf mich warten soll.

Bardolph.
Ich will, Hauptmann; Adieu.

(Er geht ab.)

Falstaff.
Wenn ich mich nicht meiner Soldaten schme, so sey ich ein
Stokfisch: ich habe des Knigs Werb-Patent verflucht mibraucht.
An hundert und fnfzig Soldaten hab' ich dreyhundert und etliche
Pfund gewonnen.  Wie gieng das zu?  Ich prete niemand als
haushbiger Leute Bauer-Jungens, oder versprochne Junggesellen, die
schon zweymal proclamirt worden, so eine Gattung von warmen Sclaven,
die eben so gern den Teufel hrten als eine Trummel, Bursche die
vor dem blossen Namen einer Canone rger zittern als eine
angeschone wilde Ente.  Ich presse mir keine andre als solche
gerstete Butterschnitten, die kaum soviel Herz im Leib haben, als
ein Steknadel-Kopf gro ist, und die kauffen sich alle vom Dienst
los.  Und nun besteht meine ganze Compagnie aus lauter alten
abgeschabnen Corporals, Lieutenants, und dergleichen; Leuten,
welche, die Wahrheit zu sagen, nie Soldaten gewesen sind, aber doch
so zerlumpt aussehen wie Lazarus in den alten Tapeten, wenn ihm des
reichen Schlemmers Hunde seine Schwren leken; abgedankte Bediente,
jngere Shne von jngern Brdern, rebellische Bierzapfer,
ausgehaute Wirthe; kurz, alles Ungeziefer, das ein langer Friede
auszubrten pflegt; Kerls, die euch glauben machten, ich habe
hundert und fnfzig verlohrne Shne zusammengebracht, die nur eben
vom Schweinhten und Treberfressen hergekommen seyen.  Ein
nrrischer Bursche begegnete mir unterwegs, und sagte, ich htte
alle Galgen abgeleert, und sogar todte Leichname gepret.  Keines
Menschen Auge hat jemals solche Vgel-Schreker gesehen; ich
marschire nicht mit ihnen durch Coventry, das ist eine ausgemachte
Sache.  Und die Galgenschwengel treten noch dazu mit so weit
auseinander gerekten Beinen einher, als ob sie in Fesseln giengen;
in der That, ich bekam die meisten von ihnen aus Gefngnissen.  Es
sind nicht mehr als anderthalb Hemder in meiner ganzen Compagnie,
und das halbe sind zwey zusammengenhte Teller-Tcher, wie ein
Herolds-Mantel ohne Ermel um die Schultern geworfen; und das Hemd
ist, wenn ich die Wahrheit sagen soll, meinem Wirth zu St.  Albans
gestohlen worden, oder dem rothnasichten Bierschenken zu Daintry.
Aber das ist all eins, sie werden Wsche genug an jedem Zaune
finden.  (Der Prinz Heinrich und Westmorland treten auf.)

Prinz Heinrich.
Wie gehts, diker Jak?  Wie gehts, Matraze?

Falstaff.
Ha, ist das nicht Hal?  Hey da, nrrischer Junge, was zum T**
machst du in Warwikschire?  Ah, mein guter Lord von Westmorland,
ich bitt' euch um Verzeihung; ich dachte Euer Herrlichkeit sey
wrklich schon zu Schrewsbury.

Westmorland.
In der That, Sir John, es wre mehr als Zeit da ich dort seyn
sollte, und ihr auch; aber meine Leute sind schon dort.  Der Knig
giebt auf uns alle acht, das kan ich euch sagen; wir mssen diese
Nacht alle fort.

Falstaff.
Gut, sorget nicht fr mich, ich bin so wachtsam wie eine Kaze,
wenn's Rahm zu mausen giebt.

Prinz Heinrich.
Sag mir Jak, wem sind diese Kerls, die dort hinter uns drein kommen?

Falstaff.
Mein, Hal, mein.

Prinz Heinrich.
In meinem Leben hab ich keine so armselige Lumpenhunde gesehen.

Falstaff.
Wohl, wohl; sie sind gut genug zum Verschiessen; Futter fr Pulver,
Futter fr Pulver; sie fllen einen Graben so gut aus als brave
Leute; das sind Leute, die ich dem Tod zufhre, Mann.

Westmorland.
Das ist schon gut, aber, sie sehen doch gar zu armselig und hungrig
aus, Sir John, gar zu bettelhaft.

Falstaff.
Auf meine Treu, was ihre Armuth anlangt, so wei ich nicht woher
sie sie haben; und ihr hungriges Aussehen betreffend, so bin ich
gewi, da sie es mir nicht abgesehen haben.

Prinz Heinrich.
Darauf will ich selber schwren--Aber, Junge, beschleunige dich,
wir mssen weiter; Percy ist schon ausgerkt.

Falstaff.
Wie, ist der Knig schon im Lager?

Westmorland.
Das ist er, Sir John; ich frchte, wir halten uns zu lang auf.

Falstaff.
Gut: ein anders ist zu einem Treffen, und ein anders zu einem
Schmause gehen; man kommt zum ersten immer frh genug.

(Sie gehen ab.)



Vierte Scene.
(Verwandelt sich in Schrewsbury.)
(Hot-Spur, Worcester, Dowglas und Vernon treten auf.)


Hot-Spur.
Wir wollen ihn diese Nacht angreiffen.

Worcester.
Es kan nicht seyn.

Dowglas.
So gebt ihr ihm einen Vortheil.

Vernon.
Nicht ein Haar.

Hot-Spur.
Wie knnt ihr das sagen?  Wartet er nicht auf Verstrkung?

Vernon.
Das thun wir auch.

Hot-Spur.
Seine Erwartung ist gewi, die unsre zweifelhaft.

Worcester.
Besinnt euch besser, mein lieber Neffe; haltet euch diese Nacht
noch ruhig.

Vernon.
Thut das, Milord.

Dowglas.
Ihr rathet nicht wohl; die Furcht giebt euch diesen Rath ein.

Vernon.
Lstert mich nicht, Dowglas; bey meinem Leben!  (und ich habe Muth
genug, di mit meinem Leben zu behaupten,) wenn wahre Ehre mir ruft,
so geh ich so wenig mit Furcht zu Rath als ihr, Milord, oder
irgend ein Schotte in der Welt.  Morgen im Schlachtfeld soll sichs
zeigen, wer von uns sich frchtet.

Dowglas.
Gut, oder diese Nacht.

Vernon.
Ich bin's zufrieden.

Hot-Spur.
Diese Nacht, sag ich.

Vernon.
Kommt, kommt, es kan nicht seyn; mich wundert sehr, wie Mnner von
so grosser Erfahrenheit als ihr die Ursache bersehen knnen, die
den Aufschub nothwendig machen.  Meines Vetters Vernons Pferde sind
noch nicht da, Worcester's Reuterey kam erst heute, und nun sind
die Pferde md, ohne Feuer, und der Ruhe bedrftig.

Hot-Spur.
Das sind auch des Feindes seine; grstentheils von der Reise
abgemattet; da hingegen die mehresten von den unsrigen vollkommen
ausgeruht haben.

Worcester.
Der Knig ist uns zu sehr an der Zahl berlegen; um Gottes willen,
Neffe, wartet bis wir unsre Macht beysammen haben.

(Man hrt eine Trompete, die das Zeichen zu einer Unterredung blst.)



Fnfte Scene.
(Sir Walter Blunt zu den Vorigen.)


Blunt.
Ich komme mit gndigen Anerbietungen von seiner Majestt, wenn ihr
mir Gehr geben wollt.

Hot-Spur.
Willkommen, Sir Walter Blunt; und wollte Gott, ihr wret
entschlossen, wie wir; einige von uns lieben euch, und eben diese
beneiden eure Verdienste und euern Namen, weil ihr nicht auf unsrer
Seite, sondern als Feind uns entgegen steht.

Blunt.
Und verht' es der Himmel, da ich anders stehen sollte, so lang
als ihr, pflichtvergener Weise, gegen die geheiligte Majestt
stehet.  Aber zu meinem Geschfte--Der Knig verlangt zu wissen,
was fr Beschwerungen, oder was fr eine Ursach euch bewogen habe,
den einheimischen Frieden durch verwegne Feindseligkeiten zu
stren?  Wenn der Knig eure Verdienste um ihn, die er eingesteht,
auf irgend eine Art vergessen haben sollte, so verlangt er, da ihr
eure Klagen fhren sollt; eure Wnsche sollen euch ohne Verzug mit
Wucher und mit vollkommner Begnadigung fr euch, und fr diejenige
die von euch verleitet worden, gewhret seyn.

Hot-Spur.
Der Knig ist sehr gtig; und wir wissen wol, da der Knig wei,
wenn es Zeit ist zu versprechen, und wenn, zu halten.  Mein Vater,
mein Oheim und ich selbst sezten ihm die Crone auf, die er trgt;
und zu einer Zeit, da er nicht sechs und zwanzig Mann stark war, da
er verachtet, unglklich und heruntergebracht, ein armer muthloser
Verbannter, in sein Vaterland angekrochen kam; da hie ihn mein
Vater am Ufer willkommen, und da er ihn schwren und bey Gott
betheuren hrte, er komme nur um Herzog von Lancaster zu seyn, sein
Erbtheil in Besiz zu nehmen, und seine Begnadigung zu suchen,
schwor ihm mein Vater, aus Mitleiden und gutem Herzen, da er ihm
beystehen wolle, und that es auch.  Wie nun die Lords und die Edeln
des Reichs sahen, da er von Northumberland unterstzt war, kamen
sie, bald mehr bald weniger, ihm ihre Bklinge und Kniebeugungen zu
machen, giengen ihm aus Stdten, Fleken und Drfern entgegen,
warteten an allen Zunen und Heken auf ihn, stunden in Hohlwegen,
legten Geschenke vor ihm aus, schwuren ihm Eide, und gaben ihm ihre
Erben, die, in goldnen Schaaren, wie Edelknaben an seinen Fersen
hinterher zogen.  Nunmehr, da er seine Grsse sah, stieg er mir ein
wenig hher als das Gelbde das er anfangs, da sein Blut noch
demthig flo, auf dem nakten Ufer von Ravenspurg gethan hatte; nun
fngt er an von Verbesserungen gewisser Staats-Gebrechen, von
Aufhebung gewisser Edicte zu reden, die, wie er sagt, dem gemeinen
Wesen sehr beschwerlich wren, schreyt ber Mibruche, und scheint
ber die Bedrkung seines Vaterlands zu weinen; und durch diesen
Schein, durch diese Mine von Gerechtigkeit gewinnt er alle Herzen,
die er dadurch zu angeln sucht: Geht dann weiter, schlgt mir allen
Gnstlingen, die der abwesende Knig zur Regierung des Reichs
hinterlassen hatte, die Kpfe ab.--

Blunt.
Ich kam nicht, solche Dinge anzuhren.

Hot-Spur.
Also zur Hauptsache; kurz hernach, sezte er den Knig ab, beraubte
ihn bald darauf so gar des Lebens, und bemchtigte sich so des
ganzen Staats.  Um dieses Betragen noch schlimmer zu machen, lidt'
er, da sein Vetter, der Graf von March, (der wenn jeder erhlt was
ihm gehrt, in der That sein Knig ist) in Wales, eingebauert wrde,
und lie ihn dort ohne Ranzion im Kerker ligen; warf mitten in
meinen glklichen Siegen, einen unverdienten Groll auf mich, suchte
mich durch Kunstgriffe in Fallen zu loken, strich meinen Oheim aus
der Zahl der Staatsrthe aus, jagte in einem Ansto von Wuth meinen
Vater vom Hofe, brach Eid auf Eid, hufte Beleidigungen auf
Beleidigungen, und trieb uns endlich in dieser Vereinigung unsre
Sicherheit zu suchen, und zugleich sein Recht zur Crone zu prfen,
welches wir nicht gltig genug finden, um lange zu dauern.

Blunt.
Ist das die Antwort, die ich dem Knige zurkbringen soll?

Hot-Spur.
Nein, Sir Walter; wir wollen uns eine Weile zurkziehen.  Geht zum
Knig zurk, und wrket eine zulngliche Versicherung von ihm aus,
die uns zur Wiederkehr Muth machen knnte; und morgen frh soll ihm
mein Oheim unsre Gesinnungen berbringen: und hiemit lebet wohl!

Blunt.
Ich wnschte, ihr wolltet Gnade und Freundschaft annehmen.

Hot-Spur.
Es kan geschehen, wenn wir knnen.

Blunt.
Der Himmel geb' es!

(Sie gehen ab.)



Sechste Scene.
(Verwandelt sich in den Palast des Erzbischoffs von York.)
(Der Erzbischoff und Sir Michell treten auf.)


York.
Hier, mein lieber Sir Michell, bringt diesen versiegelten Brief mit
geflgelter Eile dem Lord Marschall; dieser ist an meinen Vetter
Scroop, und die brigen an ihre Addressen.  Wenn ihr witet wie
viel daran gelegen ist, ihr wrdet eilen.

Sir Michell.
Gndigster Herr, ich errathe ihren Inhalt.

York.
Es ist leicht mglich.  Morgen, mein lieber Sir Michell, ist ein
Tag, der dem Leben von zehntausend Menschen das Urtheil sprechen
wird.  Denn, meinen Nachrichten zufolge, ist der Knig mit einer
grossen und schnell-aufgebotnen Macht gegen den Lord Percy nach
Schrewsbury angerkt; und ich besorge, Sir Michell, Northumberlands
Krankheit, auf dessen Beystand man am meisten gezhlt hatte, und
Owen Glendowers Abwesenheit, der von druenden Propheceyungen zurk
gehalten worden, werden nachtheilige Folgen haben; Percy's Macht
ist nicht stark genug, es mit dem Knig aufzunehmen.

Sir Michell.
Wie, Milord, Dowglas und Mortimer sind ja bey ihm.

York.
Nein, Mortimer nicht.

Sir Michell.
Aber Mordake, Vernon, Heinrich Percy, und Milord von Worcester sind
doch da, und mit ihnen eine Schar von tapfern jungen Helden, von
den auserlesensten edeln Jnglingen.

York.
Das ist so; aber der Knig hat den Adel des ganzen Reichs
aufgeboten: der Prinz von Wales, Lord John von Lancaster, der edle
Westmorland, der tapfre Blunt, und viele andre von gleichem Werth,
Mnner von Ansehn und Kriegs-Erfahrenheit, sind bey seinem Heer.

Sir Michell.
Zweifelt nicht, Milord, sie werden tapfer empfangen werden.

York.
Ich hoffe nicht weniger; aber es ist doch nthig zu frchten, und
um das schlimmste was begegnen knnte, zu verhten, so eilet, Sir
Michell.  Denn wenn Lord Percy nicht die Oberhand erhlt, so hat
der Knig im Sinn, eh er seine Truppen auseinander gehen lt, uns
hier einen Besuch zu machen, und die Vorsichtigkeit selbst
erfordert, das usserste gegen ihn zu thun.  Beschleuniget euch
also, ich mu gehen und noch an andre Freunde schreiben; und hiemit
lebet wohl, Sir Michell.

(Sie gehen ab.)




Fnfter Aufzug.



Erste Scene.
(Das Knigliche Lager zu Schrewsbury.)
(Knig Heinrich, der Prinz von Wales, Lord John von Lancaster,
Graf von Westmorland, Sir Walter Blunt und Falstaff treten auf.)


Knig Heinrich.
Wie blutig die Sonne von jenem buschichten Hgel herab sieht!  Der
Tag erblat vor Schreken ber ihren Grimm.

Prinz Heinrich.
Der Sdwind blt die Trompeten zu ihrem Vorhaben, und kndigt
durch sein hohles Flstern im Laub ein Ungewitter, und einen
strmischen Tag vorher.

Knig Heinrich.
So sympathisirt also das Wetter mit den Verliehrenden; denn fr die
Gewinnenden ist das Garstige schn.

(Die Trompeten erschallen.)

(Worcester und Sir Richard Vernon treten auf.)

Knig Heinrich.
Wie nun, Milord von Worcester.  Es ist nicht fein, da ihr und ich
auf einen solchen Fu zusammen kommen sollen.  Ihr habt unser
Zutrauen betrogen, habt uns genthigt unsre bequemen Friedens-
Kleider abzuwerfen, und unsre alten Glieder in harten Stahl zu
zwngen; es ist nicht wohl gethan, Milord, es ist nicht wohl gethan.
Was ist nun eure Gesinnung?  Wollt ihr wieder in die Sphre des
Gehorsams zurk kehren, worinn ihr ein so schnes und natrliches
Licht von euch gabet, und nicht lnger ein aufgedunsenes Meteor,
ein furchterwekendes Wunderzeichen seyn, ein Vorbote von Unheil fr
noch ungebohrne Zeiten?

Worcester.
Vergnnet mir Gehr, mein Gebietender Herr; was mich selbst betrift,
so knnt' ich mir gerne gefallen lassen, den Rest meines Lebens in
Ruhe zuzubringen: Ich versichre, da ich den Tag dieses
ffentlichen Bruchs nicht gesucht habe.

Knig Heinrich.
Ihr habt ihn nicht gesucht, Sir?  Woher kommt er dann?

Falstaff.
Er fand die Rebellion in seinem Wege ligen, und da hub er sie eben
auf.

Prinz Heinrich.
Still, Schmeerbauch, still.

Worcester.
Es gefiel Eurer Majestt, eure gnstigen Blike von mir und meinem
ganzen Hause zu wenden; und doch mu ich euch erinnern, Gndigster
Herr, da wir eure ersten und eifrigsten Freunde waren.  Um
euertwillen brach ich in Richards Zeiten meinen Marschalls-Stab,
und reite Tag und Nacht, euch entgegen zu gehen, und eure Hand zu
kssen, zu einer Zeit, da ihr an Macht und Ansehen weit unter mir
war't; ich, mein Bruder, und sein Sohn waren es, die mit ihrer
Gefahr euch in euer Vaterland wieder einsezten.  Ihr schwurt uns,
zu Doncaster schwur't ihr diesen Eid, ihr httet keine Absichten
gegen den Staat, und verlangtet nichts weiters als euer angefallnes
Recht, den Siz von Gaunt, das Herzogthum von Lancaster; hiezu
schwuren wir euch unsern Beystand: Aber da in kurzer Zeit das Glk
wie ein Plazregen auf euch herabregnete, und sowohl unsre Hlfe als
die gnstigen Umstnde der Zeit, die Abwesenheit des Knigs, die
Mibruche einer unbesonnenen Regierung, die Bedrkungen, die ihr
erlidten hattet, und die widrigen Winde, die den Knig in Irland so
lange zurkhielten, da ganz England ihn fr todt hielt, sich
vereinigten euch gro zu machen; wutet ihr euch dieses
Zusammenflusses von Vortheilen so wohl zu bedienen, da ihr, eures
Eides zu Doncaster uneingedenk, die oberste Regierung selbst in
eure Hnde spieltet; und nun machtet ihr's uns, die euch genhrt
hatten, gerade wie es die undankbare Brut des Gukguks dem Sperling
macht, ihr bemeistert euch unsers Nestes, und wuchset, von uns
gezt, zu einer solchen Grsse an, da unsre Liebe selbst sich, aus
Furcht verschlungen zu werden, nicht erkhnen durfte euch nahe zu
kommen; sondern mit schchternem Flgel muten wir unsre Sicherheit
ausser euerm Gesichte suchen, und unsre Sicherheit allein ist die
Ursache, die uns genthigt hat, uns auf diese Weise zu vereinigen,
und Mittel gegen euch zu gebrauchen, die ihr durch unfreundliches
Bezeugen, gefhrliche Gesinnungen, und Verlezung eurer uns
zugeschwornen Verheissungen uns gegen euch selbst in die Hnde
gegeben habt.

Knig Heinrich.
Diese Dinge habt ihr freylich zu Papier gebracht, auf Marktplzen
ausruffen, und von den Canzeln ablesen lassen, um der Rebellion
eine Farbe anzustreichen, wodurch unbesonnene Schwindel-Kpfe und
armselige Malcontenten, die nur durch einen allgemeinen Jammer
gedeyhen knnen, angelokt werden mchten.  Und wenn hat es dem
Aufruhr jemals an solchen Wasserfarben, seine Sache zu
berstreichen, oder an verzweifelten Bettlern gemangelt, die nach
einer Zeit von Verwirrung und Zerrttung hungern?

Prinz Heinrich.
In unsern beyden Heeren ist manche Seele, die fr diese trozige
Ausforderung theuer bezahlen wird.  Sagt euerm Neffen, der Prinz
von Wales vereinige sich mit der ganzen Welt zum Lobe von Heinrich
Percy: Bey meinen Hoffnungen!  (dieses gegenwrtige Unterfangen bey
Seite gesezt,) denk ich nicht, da ein braverer, unerschroknerer
und tapfrerer junger Mann in der Welt lebt als er; er, den die
Natur hervorgebracht zu haben scheint, das Gedchtni der ehmaligen
Helden in unserm Alter zu erneuern.  Was mich betrift, zu meiner
Schande sag ich's, ich habe mein Leben noch mit keiner edeln That
bezeichnet; und er ist berechtigt, mich des Namens eines Ritters
unwrdig zu halten, wie ich hre da er's thut.  Aber vor seiner
Majestt erklr' ich mich hier, ich bin's zufrieden, da er sich
des ganzen Vortheils seines ruhmvollen Namens ber mich bediene,
und erbiete mich, um beyder Theile Blut zu sparen, in einem
einzelnen Kampf mein Glk mit ihm zu versuchen.

Knig Heinrich.
Und wir sezen Vertrauen genug in dich, Prinz von Wales, dein
Erbieten gut zu heissen, so unendlich viele Betrachtungen dir
gleich im Wege stehen--Nein, guter Worcester, nein; wir lieben
unser Volk; wir lieben auch diejenigen, die sich auf euers Neffen
Seite haben verleiten lassen; und wollen sie unsre angebotne Gnade
annehmen, so soll er und sie und ihr, und ein jeder wer er seyn mag,
wieder mein Freund seyn, und ich will der seinige seyn.  Di sagt
euerm Neffen, und meldet mir zurk, was er thun will.  Will er sich
aber nicht zum Ziel legen, so wacht scharfe Zchtigung an meiner
Seite, und sie soll ihr Amt thun.  Hiemit kehrt zurk; wir wollen
izt durch keine Antwort beunruhiget seyn; unser Anerbieten ist edel,
berlegt es wohl.

(Worcester und Vernon gehen ab.)

Prinz Heinrich.
Es wird nicht angenommen werden, bey meinem Leben!  Dowglas und Hot-
Spur sind beyde zu stolz, sich von einer Welt in Waffen schreken zu
lassen.

Knig Heinrich.
Also hinweg, jeder Anfhrer an seinen Plaz.  Sobald wir ihre
Antwort haben, wollen wir den Angriff thun; und Gott sey auf unsrer
Seite, wie unsre Sache gerecht ist!

(Sie gehen ab.)



Zweyte Scene.
(Der Prinz und Falstaff bleiben zurk.)


Falstaff.
Hal, wenn du mich im Treffen ligen siehst, so sey so gut und leg
mich so zu rechte; es ist ein Freundschafts-Dienst--

Prinz Heinrich.
Den dir niemand, als ein Colossus leisten kan.  Sprich dein Gebet
und leb wohl.

Falstaff.
Ich wollt' es wre Bettzeit, Hall, und alles wre vorbey.

Prinz Heinrich.
Wie?  du bist dem Himmel deinen Tod schuldig, und du must doch
einmal bezahlen.

Falstaff.
Aber nicht izt; und es sollte mir leid seyn, wenn ich ihn vor
meinem Termin bezahlte.  Was brauch' ich so voreilig zu seyn, da er
mich nicht anfordert?  Gut, was thut das zur Sache, die Ehre
fordert mich auf--Ganz recht, und wenn mich also die Ehre
auffordert und ich komme um, wie dann?  Kan die Ehre mir ein Bein
ansezen?  Nein: Oder einen Arm?  Nein: Oder kan sie mir den Schmerz
einer Wunde wegnehmen?  Nein: Die Ehre versteht sich also nicht auf
die Chirurgie?  Nein: Was ist dann die Ehre?  Ein Wort: Was ist das
Wort Ehre?  Luft.  Wer hat sie?  Der arme Jak, der an einer
Mittwoche starb.  Fhlt er sie dann?  Nein.  Hrt er sie?  Nein.
Sie fllt also nicht in die Sinnen?  Nicht in die Sinnen eines
Todten.  Aber lebt sie etwann mit den Lebenden?  Nein, das lt ihr
der Neid nicht zu.  Ich verlange also nichts davon; die Ehre ist
nichts mehr als ein gemahlter Wappenschilt an einem Sarge, und hier
endet sich mein Catechismus.

(Er geht ab.)



Dritte Scene.
(Verwandelt sich in Percys Lager.)
(Worcester und Vernon treten auf.)


Worcester.
O nein, mein Neffe mu das gtige Anerbieten des Knigs nicht
erfahren, Sir Richard.

Vernon.
Und doch wr's am besten, er wit' es.

Worcester.
Dann wren wir alle verlohren.  Es ist unmglich, es kan nicht seyn,
da der Knig sein Versprechen halte, wieder unser Freund zu seyn;
er wird uns nimmer trauen, und bald genug Mittel gefunden haben,
uns neuer Verbrechen zu beschuldigen, um dieses bestraffen zu
knnen.  Ein niemals einschlummernder Verdacht wird, so lange wir
leben, hundert sphende Augen auf uns geheftet halten; denn der
Verrtherey traut man nicht mehr als einem Fuchs, der, so zahm er
sich stellt, und so freundlich man mit ihm umgeht, doch immer einen
Rest von seinen angebohrnen Tken behlt.  Wir mchten aussehen wie
wir wollten, frlich oder dster, so wrd' es uns bel ausgedeutet
werden; kurz, wir wrden gehalten werden wie die Ochsen im Stall,
je besser gefttert, desto nher dem Tode.  Meines Neffen Vergehen
knnte noch vergessen werden; ihm kmmt die Entschuldigung der
Jugend und des Bluts zustatten; sein Beyname Hot-Spur giebt ihm
schon ein Privilegium, und man schreibt bey ihm alles auf die
Rechnung des cholerischen Temperaments, von dem er beherrscht wird;
ich und sein Vater mten fr seine Snde bssen.  Wir htten ihn
verleitet, wrd' es heissen; wir als die Quelle von allem, mten
fr alles bezahlen.  Lat ihn also, mein lieber Vetter, ja nichts
von dem Anerbieten des Knigs wissen, es mag gehen wie es will.

Vernon.
Sagt ihm was ihr fr gut haltet, ich will es bekrftigen.  Hier
kommt euer Neffe.



Vierte Scene.
(Hot-Spur und Dowglas zu den Vorigen.)


Hot-Spur.
Mein Oheim ist wieder da: Sezt den Lord von Westmorland in Freyheit.
Oheim, was giebt's Neues?

Worcester.
Der Knig ist entschlossen, es auf ein Treffen ankommen zu lassen.

Dowglas.
So wollen wir ihn durch den Lord von Westmorland heraus fordern.

Hot-Spur.
Lord Dowglas, geht und sagt ihm das.

Dowglas.
Das will ich, und mit Freuden.

(Dowglas geht ab.)

Worcester.
Der Knig scheint gar nicht zum Verzeihen geneigt.

Hot-Spur.
Batet ihr darum?  Das verhte Gott!

Worcester.
Ich sagte ihm ganz glimpflich von unsern Beschwerungen, von seinem
gebrochnen Eid; und er wute sich nicht besser zu helfen, als da
er seinen Meineid mit einem zweyten lugnete.  Er nennt uns
Rebellen, Verrther, und droht ganz trozig, uns nach der Schrfe
davor zu zchtigen.  (Dowglas kommt zurk.)

Dowglas.
Waffnet euch, Milords, waffnet euch; ich habe dem Knig Heinrich
eine brave Ausfordrung in die Zhne gestossen; Westmorland, der als
Geisel hier war, trgt sie ihm zu, und er kan nun nicht anders als
sie schleunig wieder zurk bringen.

Worcester.
Der Prinz von Wales trat vor dem Knig hervor, und forderte euch
zum Zweykampf heraus, Neffe.

Hot-Spur.
Wollte der Himmel, wir beyde htten den Handel allein auszumachen,
und niemand mte heut kurzen Athem holen, als ich und Harry
Monmouth!  Sagt mir, sagt mir, wie sprach er von mir?  That er
verchtlich?

Vernon.
Nein, auf meine Seele!  In meinem Leben hrt' ich keine
bescheidnere Ausforderung; ein Bruder knnte den andern nicht
hflicher auffordern, wenn es um eine blosse Waffenbung, um ein
Ritterspiel zu thun wre.  Er bezeugte alle Hochachtung gegen euch,
die ein Mann fordern kan, erhob euern Werth mit einer frstlichen
Zunge, und sprach von euern Verdiensten wie eine Chronik; und was
in der That ein Zeichen eines frstlichen Gemths war, er sprach
mit Schaamrthe von sich selbst, und beschalt seine bel
zugebrachte Jugend mit einem Anstand, der zu beweisen schien, da
seine bessere Seele ber die andre meister seyn knne, sobald er
wolle.  Hier hielt er inn; aber lat mich der Welt sagen, wenn er
den Neid dieses Tages berlebt, so hat England nie eine schnere
Hoffnung besessen, so sehr auch die Ausschweiffungen seiner Jugend
sie verdunkelt haben.

Hot-Spur.
Vetter, ich glaube du bist in seine Thorheiten verliebt; ich habe
nie von einem Prinzen gehrt, der die ausgelassenste Wildheit so
weit getrieben htte.  Aber sey er was er will, eh es Nacht ist,
will ich ihn mit einer so soldatischen Umarmung bewillkommen, da
er unter meiner Hflichkeit zusammenschrumpfen soll.  Zun Waffen,
hurtig!  Und ihr, Cameraden, und Freunde, bedenkt selbst was ihr zu
thun habt, da ich, der die Gabe der Beredsamkeit nicht hat, nicht
geschikt bin, euer Blut durch meinen Zuspruch zu erhizen.



Fnfte Scene.
(Ein Bote zu den Vorigen.)


Bote.
Milord, hier sind Briefe fr Eu.  Gnaden.

Hot-Spur.
Ich kan sie izt nicht lesen.  O meine Freunde, wir haben eine kurze
Zeit zu leben, und von dieser kurzen Zeit eine einzige Minute
unedel zu verschwenden, wre zu lange.  Ueberleben wir diesen Tag,
so leben wir, um auf Knige zu treten; sterben wir, ist das nicht
ein schner Tod, wenn Knige mit uns sterben mssen?  (Ein andrer
Bote.)

Bote.
Gndiger Herr, der Knig ist im Anzug.

Hot-Spur.
Ich dank ihm, da er mich in meinem Mhrchen unterbricht, denn
reden ist nicht meine Sache.  Nur noch di, ein jeder thue sein
Bestes.  Und hier zieh ich ein Schwerdt, dessen Stahl ich, an
diesem gefahrvollen Tage, mit dem besten Blut, das ich finden kan,
frben werde.  Nun, (Esperanza!) Percy!* und rkt aus; lat alle
die muntern Instrumente des Kriegs ertnen, und bey dieser Musik
lat uns einander umarmen; denn ich wollte den Himmel an die Erde
sezen, da einige von uns die Zeit nicht sehen werden, einander
wieder so zu bewillkommen.

(Sie umarmen sich und gehen ab.  Die Trompeten lassen sich hren.)

{ed. * Di war, nach Halls Chronik Bl.  22, das Wort zum Angriff in
Percy's Armee.  Pope.}



Sechste Scene.
(Der Knig mit seiner Armee; man blt zum Angriff.)
(Hernach treten Dowglas und Sir Walter Blunt auf.)


Blunt.
Wer bist du, da du mir berall so in den Weg kommst?  Was fr Ehre
suchst du an mir einzulegen?

Dowglas.
Wisse denn, mein Name ist Dowglas, und ich verfolge dich dewegen
so, weil man mir sagt, du seyst ein Knig.

Blunt.
Man sagt dir die Wahrheit.

Dowglas.
Der Lord von Stafford hat bereits davor bezahlt, da er dir gleich
sieht; denn weil ich ihn fr dich ansah, Knig Harry, so hat ihm
dieses Schwerdt ein Ende gemacht.  Und so soll es auch dir thun, es
wre dann, da du dich mir gefangen geben willst.

Blunt.
Ich bin nicht gebohren mich zu ergeben, du bermthiger Schotte,
und du sollt einen Knig finden, der Staffords Tod rchen wird.

(Sie fechten, Blunt fllt.)

(Indem tritt Hot-Spur auf.)

Hot-Spur.
O Dowglas, httest du zu Holmedon so gefochten, nie htt ich ber
einen Schotten gesiegt.

Dowglas.
Alles ist gethan, alles gewonnen, todt ligt der Knig hier!

Hot-Spur.
Wo?

Dowglas.
Hier.

Hot-Spur.
Dieser, Dowglas?  Nein: Ich kenne sein Gesicht zu wohl; ein braver
Ritter war es, sein Name war Blunt; er trgt nur eine Rstung wie
der Knig.

Dowglas.
Ah!  du Unsinniger!  zu theuer hast du einen geborgten Titel
erkauft.  Warum sagtest du mir, du seyst ein Knig?

Hot-Spur.
Der Knig hat viele, die in seinen Kleidern gehen.

Dowglas.
So will ich, bey meinem Schwerdt, alle seine Kleider umbringen,
seine ganze Garderobe, Stk fr Stk bis ich ihn selbst antreffe.

Hot-Spur.
Auf und hinweg; unsre Leute halten sich so gut, da wir uns den
Sieg versprechen knnen.

(Sie gehen ab.)



Siebende und achte Scene.
(Falstaff und der Prinz Heinrich.) (Falstaff redt im Ton einer
Memme eine kleine Weile mit sich selbst; der Prinz der dazu kommt
verlangt seinen Degen von ihm; Falstaff will ihn nicht hergeben, so
lange Percy noch lebe, und bietet dem Prinzen sein Pistol an; indem
es der Prinz aus dem Hulfter herausziehen will, zieht er eine
Flasche mit Sect heraus; ein lautes Gelchter aus dem Paradies
bewillkommt diesen guten Einfall, und die Absicht dieser Scene ist
erreicht.)



Neunte Scene.
(Trompeten und Feldgeschrey; Excursionen; der Knig, der Prinz,
Lord John von Lancaster, und der Graf von Westmorland treten auf.)


Knig Heinrich.
Ich bitte dich, Harry, zieh' dich zurk, du blutest zu stark; Lord
John von Lancaster, geht ihr mit ihm.

Lancaster.
Nicht eher, Gndigster Herr, bis ich auch blute.

Prinz Heinrich.
Ich bitte Eu.  Majestt, auszuharren, unsre Entfernung mchte unsre
Freunde in Verwirrung sezen.

Knig Heinrich.
Ich will; Milord von Westmorland, fhrt ihn in sein Zelt.

Westmorland.
Kommt, Milord, ich will euch in euer Zelt fhren.

Prinz Heinrich.
Mich fhren, Milord?  Ich bedarf eurer Hlfe nicht.  Der Himmel
verhte, da eine Nadelrize den Prinzen von Wales von einem solchen
Feld wie dieses ist, treiben soll, wo so viel Edle Mnner in ihrem
Blute zertreten ligen, und triumphierende Rebellen den Tod um sich
her verbreiten.

Lancaster.
Wir athmen hier zu lange; kommt, Vetter von Westmorland, auf diesem
Weg ligt unsre Pflicht; um's Himmels willen, kommt.

Prinz Heinrich.
Beym Himmel, du hast mich betrogen, Lancaster; ich dachte nicht da
du Herr von einem solchen Geiste seyst; sonst liebt' ich dich als
einen Bruder, John, aber nun lieb' ich dich wie meine eigne Seele.

Knig Heinrich.
Ich sah' ihn dem Lord Percy mit einem Muth die Spize bieten, den
ich von einem so jungen Krieger nicht vermuthen durfte.

Prinz Heinrich.
O, dieser Junge hat Feuer fr uns alle.

(Sie gehen ab.)

(Knig Heinrich bleibt; Dowglas tritt auf.)

Dowglas.
Wieder ein Knig?  Sie wachsen wie die Kpfe der Hydra.  Ich bin
Dowglas, allen verderblich die diese Farbe tragen--Wer bist du, der
hier die Person eines Knigs machen will?

Knig Heinrich.
Der Knig selbst, Dowglas, der herzlich bedaurt, da du schon so
viele Schatten von ihm angetroffen, eh du ihn selbst gefunden hast.
Ich habe zween Shne, die dich und Percy auf dem ganzen
Schlachtfeld aufsuchen; aber da du mir so glklich in die Hnde
fllst, will ich's mit dir aufnehmen; vertheidige dich!

Dowglas.
Ich frchte, du bist auch nur ein Phantom; und doch trgst du dich
in der That wie ein Knig; aber mein bist du, das bin ich gewi,
wer du auch bist, und so will ich dich gewinnen.

(Sie fechten; indem der Knig in Gefahr ist, kommt der Prinz von
Wales dazu.)



Prinz Heinrich.
Hebe deinen Kopf auf, du nichtswrdiger Schotte, oder du sollst
nimmer ihn nicht wieder empor heben: die Geister von Scherley,
Stafford und Blunt sind in meinen Armen; der Prinz von Wales ists,
der dir drut, und der nie verspricht, was er nicht zu bezahlen
gedenkt.

(Sie fechten, Dowglas flieht.)

Munter, Gndigster Herr!  Wie befindet sich Euer Majestt?  Sir
Nicolas Gawsey hat um Hlfe geschikt, und das hat auch Clifton
gethan.  Ich will gerade zu Clifton.

Knig Heinrich.
Bleib und athme einen Augenblik.  Du hast meine verlohrne Achtung
wieder erkauft, Harry, und durch diese edle Rettung bewiesen, da
dir mein Leben nicht gleichgltig ist.

Prinz Heinrich.
O Himmel!  das grste Unrecht thaten die mir, die jemals gesagt
haben, da ich euern Tod wnsche.  Wr' es so, so htt ich nur
Dowglassens druende Hand allein ber euch lassen knnen; sie wrde
euer Ende schneller als alles Gift der Welt befrdert, und euerm
Sohn die verrtherische Mhe erspart haben.

Knig Heinrich.
Eile du izt zu Clifton; ich will zu Sir Nicolas Gawsey.

(Der Knig geht ab.)



Zehnte Scene.
(Hot-Spur, der Prinz von Wales.)


Hot-Spur.
Wenn ich recht sehe, so bist du Harry Monmouth.

Prinz Heinrich.
Du sprichst, als ob ich meinen Namen verlugnen wolle.

Hot-Spur.
Mein Nam' ist Harry Percy.

Prinz Heinrich.
Ich sehe also einen sehr tapfern Rebellen, der diesen Namen trgt.
Ich bin der Prinz von Wales, und denke nicht, Percy, lnger neben
mir um den Preis der Ehre zu buhlen.  Zween Sterne knnen ihren
Lauf nicht in einer Sphre halten, und Ein England kan sich in kein
doppeltes Reich fr Harry Percy, und fr den Prinzen von Wales
theilen.

Hot-Spur.
Auch soll es nicht; die Stunde ist gekommen, die einem von uns
beyden ein Ende machen mu; und wollte der Himmel, dein Name im
Krieg wr' izt so gro als meiner.

Prinz Heinrich.
Er soll grer werden, eh wir von einander scheiden, und ich will
alle diese aufblhenden Ehren von deinem Kamme pflken, um einen
Kranz fr meine Stirne daraus zu machen.

Hot-Spur.
Ich kan dich nicht lnger so prahlen hren.

(Sie fechten.)

(Falstaff kommt dazu.)

Falstaff.
Bravo, Hall, drauf los, Hall!  Hey sa, ihr werdet hier kein
Kinderspiel finden, das kan ich euch sagen.  (Dowglas tritt auf,
und ficht mit Falstaff, der sogleich zu Boden fllt, als ob er todt
sey; Dowglas geht wieder ab, und der Prinz stt den Percy nieder.)

Hot-Spur.
O Harry, du hast mich meines Ruhms beraubt; der Verlust des Lebens
schmerzt mich weniger, als alle die stolzen Titel, die du mir
abgewonnen hast; sie verwunden meine Seele tiefer als dein Schwerdt
mein Fleisch; aber die Seele ist eine Sclavin des Lebens, und das
Leben ein Spiel des Glks--O, ich knnte propheceyen, wenn die
kalte Hand des Todes nicht auf meiner Zunge lge, nun, Percy, bist
du Staub, eine Speise fr--

(Er stirbt.)

Prinz Heinrich.
Wrmer, braver Percy.  Fahr du wohl!  Unglklicher Ehrgeiz, wie
klein schrumpfest du zusammen!  Wie dieser Leib noch einen Geist in
sich hatte, war ein Knigreich ein zu kleiner Raum fr ihn; izt
sind zween Schritte verchtliche Erde Raums genug.  Diese Erde, die
den todten Percy trgt, trgt keinen Lebenden, der ihm gleicht.
Wr'st du noch empfindlich, so wrd' es mir nicht erlaubt seyn,
meiner Achtung fr dich diesen Ausbruch zu lassen.  Aber nun la
mich dein zerfeztes Antliz verhllen, und nimm diesen lezten Dienst
der Liebe von meiner Hand.  Fahre wohl, und nimm deinen Ruhm mit
dir gen Himmel; deine Schmach schlafe mit dir in deinem Grab, und
werde nicht in deiner Grabschrift erwhnt!--

(Er sieht Falstaffen.)

Wie, alte Bekanntschaft?  Konnte alle diese Menge Fleisch nicht
ein wenig Leben verwahren?  Armer Jak, fahr wohl!  Einen bessern
Mann mcht' ich besser gespart haben.*

(Geht ab.)

{ed. * Man lt hier ein halb Duzent kahle Reime weg, die des
Prinzen unwrdig sind, und die ganze Scene entstellen.}



Eilfte Scene.
(Falstaff steht wieder auf, und amsirt sich selbst mit frostigen
Wortspielen ber die Vorsichtigkeit die er gehabt, sich todt zu
stellen.  Zulezt besorgt er, Percy mchte auch wieder aufwachen,
und giebt ihm dewegen noch einen Sto, indem die folgende Scene
angeht.)



Zwlfte Scene.
(Prinz Heinrich, und John von Lancaster treten auf.)


Prinz Heinrich.
Komm, Bruder John; du hast dich das erstemal vortrefflich wol
gehalten.

Lancaster.
Sachte, wen haben wir hier?  Sagtet ihr mir nicht, dieser dike Kerl
sey todt?

Prinz Heinrich.
Das that ich, ich sah ihn ohne Athem auf dem Boden ligen.  Bist du
bey Leben, oder sehen wir dein Gespenst?  Rede, unsre Ohren mssen
das Zeugni unsrer Augen besttigen, wenn wir ihnen glauben sollen;
du bist nicht, was du scheinst.

Falstaff.
Nein, das ist gewi; ich bin nicht gedoppelt; aber wenn ich nicht
Hans Falstaff bin, so will ich ein Hans Dampf seyn.  Hier ligt
Percy; wenn euer Vater mir eine Ehre dafr anthun will, so mag er's;
wo nicht, so kan er den nchsten Percy selber umbringen.  Ich
hoffe entweder Graf oder Herzog zu werden, das kan ich euch
versichern.

Prinz Heinrich.
Wie?  Ich erlegte den Percy, und dich sah ich todt ligen.

Falstaff.
Thatst du das?  Herr, Herr!  Wie die Welt dem Lgen ergeben ist!
Ich versichre euch, ich lag ohne Athem auf dem Boden, und er auch;
aber wir stunden beyde zugleich wieder auf, und fochten eine ganze
lange Stunde, nach der Gloke von Schrewsbury; wenn man mir's
glauben will, gut; wo nicht, so mgen diejenige, so die Tapferkeit
belohnen sollten, die Snde auf sich nehmen; ich will mein Leben
dran sezen, da ich ihm die Wunde in das dike Bein gegeben habe:
Wenn der Mann noch lebte, und es lugnen wollte, ich wollte ihm ein
Stk von meinem Degen zu fressen geben.

Lancaster.
Das ist die seltsamste Begebenheit, die ich jemals gehrt habe.

Prinz Heinrich.
Das ist der seltsamste Bursche, Bruder John--Komm du, nimm dein
Bagage hbsch auf den Rken, und wenn eine Lge dir was Gutes thun
kan, so will ich sie, dir zu gefallen, mit den gnstigsten
Ausdrken berglden, die ich finden kan.--

(Man hrt zum Rkzug blasen.)

Das Feld ist unser!  Komm, Bruder, wir wollen mitten auf das
Schlachtfeld, und sehen, welche von unsern Freunden noch leben, und
welche gefallen sind.

(Sie gehen ab.)

Falstaff.
Ich will auch hinter drein.  Das will ich doch sehen, wie sie mich
belohnen werden.  Der Himmel lohn' es dem, der mich belohnt!  Wenn
ich gro werde, so werd' ich um die Hlfte meines Bauchs kleiner
werden; denn ich will dann purgieren, und den Sect lassen, und ein
ordentliches Leben fhren, wie ein Edelmann thun soll.

(Er geht ab.)



Dreyzehnte Scene.
(Trompeten: Knig Heinrich, der Prinz von Wales, Lord John von
Lancaster, Graf von Westmorland, mit Worcester und Vernon als
Gefangnen, treten auf.)


Knig Heinrich.
So fand die Emprung noch allemal ihre Zchtigung.  Uebelgesinnter
Worcester, sandten wir nicht euch allen Gnade, Verzeihung, und
freundschaftliche Erbietungen zu?  Und du erfrechtest dich unsre
Erklrung in das Gegentheil zu verkehren, und durch diesen Betrug
deines Vetters Zutrauen zu seinem Verderben zu mibrauchen!  Drey
tapfre Ritter, die an diesem Tag auf unsrer Seite gefallen sind,
ein edler Graf, und viele andre wakern Leute wrden noch leben,
wenn du redlich, wie ein Christ, fr das Beste unsrer Armeen
gedacht httest.

Worcester.
Was ich gethan habe, dazu zwang mich meine Erhaltung; und ich
unterziehe mich geduldig meinem Schiksal, da es nicht in meiner
Macht stund, ihm auszuweichen.

Knig Heinrich.
Fhret Worcestern und Vernon zum Tode; den brigen Mitschuldigen
geben wir noch Frist.  Wie steht es im Felde?

Prinz Heinrich.
Der tapfre Schotte, Lord Douglas, wie er sah, da keine Hoffnung
brig war, diesen Tag zu gewinnen; da Percy erschlagen war, und
die Furcht alle seine Leute ergriffen hat, entfloh mit den brigen;
und ein Fall, den er that, richtete ihn so bel zu, da er in die
Hnde der Nachsezenden fiel.  Er ist in meinem Zelt, und ich bitte
Euer Majestt um die Gnade, da ich ber ihn disponieren drfe.

Knig Heinrich.
Herzlich gern.

Prinz Heinrich.
So bertrag' ich dann euch, Bruder Lancaster, die Vollziehung
dieses rhmlichen Werks der Gromuth.  Geht zu Douglas, und sezt
ihn, ohne Lsegeld und Bedingung, in vllige Freyheit.  Die
Tapferkeit, die er an dem heutigen Tag auf unsre Kpfe erprobet hat,
hat uns gelehrt, so schne Thaten selbst an unsern Feinden
hochzuschzen.

Lancaster.
Ich danke Euer Gnaden fr einen Auftrag, den ich sogleich mit
Vergngen befolgen werde.

Knig Heinrich.
Nun bleibt nichts brig, als unsre Macht zu theilen.  Ihr, Sohn
Johann, und mein Vetter Westmorland, sollt euch in mglichstes Eile
nach York wenden, um Northumberlanden und den Prlaten Scroop
anzugreiffen, die sich wie wir hren, mit grossem Eifer zum Krieg
rsten.  Ich selbst und mein Sohn Harry, werden nach Wales ziehen,
mit Glendower und dem Grafen von March zu fechten.  [Noch ein Tag
wie dieser, wird der Emprung den Muth benehmen; lat uns, nach
einem so schnen Anfang, nicht ablassen, bis wir alles Unsrige
wieder gewonnen haben.]*

{ed. * Reime im Original.}


Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Der Erste Theil von Knig
Heinrich dem vierten, von William Shakespeare.

Mit dem Leben und Tod von Heinrich Percy, genannt Hot-Spur.

bersetzt von Christoph Martin Wieland.





End of the Project Gutenberg EBook of Der Erste Theil von Koenig Heinrich
dem vierten, by William Shakespeare

*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK KOENIG HEINRICH DEM VIERTEN, ERSTE ***

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