The Project Gutenberg EBook of Julius Caesar, by William Shakespeare

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Title: Julius Caesar

Author: William Shakespeare

Posting Date: November 17, 2011 [EBook #9875]
Release Date: February, 2006
First Posted: October 26, 2003

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

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Julius Csar

William Shakespeare

bersetzt von August Wilhelm von Schlegel







Personen:

Julius Csar

Octavius Csar, Marcus Antonius und M.  milius Lepidus,
Triumvirn nach dem Tode des Julius Csar

Cicero, Publius und Popilius Lena, Senatoren

Marcus Brutus, Cassius, Casca, Trebonius, Ligarius, Decius Brutus,
Metellus Cimber und Cinna, Verschworene gegen Julius Csar

Flavius und Marullus, Tribunen

Artemidorus, ein Sophist von Knidos

Ein Wahrsager

Cinna, ein Poet

Ein anderer Poet

Lucilius, Titinius, Messala, Der junge Cato und Volumnius,
Freunde des Brutus und Cassius

Varro, Clitus, Claudius, Strato, Lucius und Dardanius,
Diener des Brutus

Pindarus, Diener des Cassius

Calpurnia, Gemahlin der Csar

Portia, Gemahlin des Brutus

Senatoren, Brger, Wache, Gefolge usw.



Die Szene ist einen groen Teil des Stcks hindurch zu Rom, nachher
zu Sardes und bei Philippi




Erster Aufzug



Erste Szene
Rom.  Eine Strae

Flavius, Marullus und ein Haufe von Brgern

Flavius.
Packt euch nach Haus, ihr Tagediebe!  fort!
Ist dies ein Feiertag!  Was?  wit ihr nicht,
Da ihr als Handwerksleut an Werkeltagen
Nicht ohn ein Zeichen der Hantierung drft
Umhergehn?--Welch' Gewerbe treibst du?  sprich!

Erster Brger.
Nun, Herr, ich bin ein Zimmermann.

Marullus.
Wo ist dein ledern Schurzfell und dein Ma?
Was machst du hier in deinen Sonntagskleidern?--
Ihr, Freund, was treibt Ihr?

Zweiter Brger.
Die Wahrheit zu gestehn, Herr, gegen einen feinen Arbeiter gehalten,
mache ich nur, sozusagen, Flickwerk.

Marullus.
Doch welch Gewerb?  Antworte gradezu.

Zweiter Brger.
Ein Gewerbe, Herr, das ich mit gutem Gewissen treiben kann, wie ich
hoffe.  Es besteht darin, einen schlechten Wandel zu verbessern.

Marullus.
Welch ein Gewerb, du Schuft?  welch ein Gewerb?

Zweiter Brger.
Nein, ich bitte Euch, Herr, lat Euch die Geduld nicht reien.
Wenn aber ja was reit, so gebt Euch nur in meine Hand.

Marullus.
Was meinst du damit?  Mich in deine Hand geben, du naseweiser Bursch?

Zweiter Brger.
Nun ja, Herr, damit ich Euch flicken kann.

Flavius.
Du bist ein Schuhflicker, nicht wahr?

Zweiter Brger.
Im Ernst, Herr, ich bin ein Wundarzt fr alte Schuhe: wenn's
gefhrlich mit ihnen steht, so mache ich sie wieder heil.  So hbsche
Leute, als jemals auf Rindsleder getreten, sind auf meiner Hnde Werk
einhergegangen.

Flavius.
Doch warum bist du in der Werkstatt nicht?
Was fhrst du diese Leute durch die Gassen?

Zweiter Brger.
Meiner Treu, Herr, um ihre Schuhe abzunutzen, damit ich wieder Arbeit
kriege.  Doch im Ernst, Herr, wir machen Feiertag, um den Csar zu
sehen und uns ber seinen Triumph zu freuen.

Marullus.
Warum euch freun?  Was hat er wohl erobert?
Was fr Besiegte fhrt er heim nach Rom
Und fesselt sie zur Zier an seinen Wagen?
Ihr Blck'!  ihr Steine!  schlimmer als gefhllos!
O harte Herzen!  arge Mnner Roms!
Habt ihr Pompejus nicht gekannt?  Wie oft
Stiegt ihr hinan auf Mauern und auf Zinnen,
Auf Trme, Fenster, ja auf Feueressen,
Die Kinder auf dem Arm, und saet da
Den lieben langen Tag, geduldig wartend,
Bis durch die Straen Roms Pompejus zge?
Und saht ihr seinen Wagen nur von fern,
Erhobt ihr nicht ein allgemeines Jauchzen,
So da die Tiber bebt' in ihrem Bett,
Wenn sie des Lrmes Widerhall vernahm
An ihren hohlen Ufern?
Und legt ihr nun die Feierkleider an?
Und spart ihr nun euch einen Festtag aus?
Und streut ihr nun ihm Blumen auf den Weg,
Der siegprangt ber des Pompejus Blut?
Hinweg!
In eure Huser lauft, fallt auf die Knie
Und fleht die Gtter an, die Not zu wenden,
Die ber diesen Undank kommen mu!

Flavius.
Geht, geht, ihr guten Brger!  und versammelt
Fr dies Vergehen eure armen Brder;
Fhrt sie zur Tiber, weinet eure Trnen
Ins Flubett, bis ihr Strom, wo er am flachsten,
Die hchsten ihrer Uferhhen kt.
    (Die Brger ab.)
Sieh, wie die Schlacken ihres Innern schmelzen!
Sie schwinden weg, verstummt in ihrer Schuld.
Geht Ihr den Weg, hinab zum Kapitol;
Hierhin will ich.  Entkleidet dort die Bilder,
Seht Ihr mit Ehrenzeichen sie geschmckt.

Marullus.
Ist das erlaubt?
Ihr wit, es ist das Luperkalienfest.

Flavius.
Es tut nichts: lat mit den Trophen Csars
Kein Bild behngt sein.  Ich will nun umher
Und will den Pbel von den Gassen treiben.
Das tut auch Ihr, wo Ihr gedrngt sie seht.
Dies wachsende Gefieder, ausgerupft
Der Schwinge Csars, wird den Flug ihm hemmen,
Der, ber Menschenblicke hoch hinaus,
Uns alle sonst in knechtscher Furcht erhielte.  (Beide ab.)



Zweite Szene
Ein ffentlicher Platz

In einem feierlichen Aufzuge mit Musik kommen Csar, Antonius, zum
Wettlauf gerstet, Calpurnia, Portia, Decius, Cicero, Brutus, Cassius
und Casca; hinter ihnen ein groes Gedrnge, darunter ein Wahrsager

Csar.
Calpurnia!

Casca.
Still da!  Csar spricht.

(Die Musik hlt inne.)

Csar.
Calpurnia!

Calpurnia.
Hier, mein Gemahl!

Csar.
Stellt dem Antonius grad Euch in den Weg
Wenn er zur Wette luft.--Antonius!

Antonius.
Erlauchter Csar?

Csar.
Verget, Antonius, nicht, in Eurer Eil
Calpurnia zu berhren; denn es ist
Ein alter Glaube, unfruchtbare Weiber,
Berhrt bei diesem heilgen Wettelauf,
Entladen sich des Fluchs.

Antonius.
Ich werd es merken.
Wenn Csar sagt: "Tu das", so ist's vollbracht.

Csar.
Beginnt; lat nichts von den Gebruchen aus.

(Musik.)

Wahrsager.
Csar!

Csar.
He, wer ruft?

Casca.
Es schweige jeder Lrm: noch einmal, still!

(Die Musik hlt inne.)

Csar.
Wer ist es im Gedrng, der mich begehrt?
Durch die Musik dringt gellend eine Stimme,
Die "Csar!" ruft.  Spricht Csar neigt sein Ohr.

Wahrsager.
Nimm, vor des Mrzen Idus dich in acht.

Csar.
Wer ist der Mann?

Brutus.
Ein Wahrsager; er warnt Euch vor des Mrzen Idus.

Csar.
Fhrt ihn mir vor, lat sein Gesicht mich sehn.

Casca.
Komm aus dem Haufen, Mensch; tritt vor den Csar.

Csar.
Was sagst du nun zu mir?  Sprich noch einmal.

Wahrsager.
Nimm vor des Mrzen Idus dich in acht.

Csar.
Er ist ein Trumer; lat ihn gehn, und kommt.

(Ein Marsch.  Alle bis auf Brutus und Cassius gehn ab.)

Cassius.
Wollt Ihr den Hergang bei dem Wettlauf sehn?

Brutus.
Ich nicht.

Cassius.
Ich bitt Euch, tut's.

Brutus.
Ich hab am Spiel nicht Lust, mir fehlt ein Teil
Vom muntern Geiste des Antonius;
Doch mu ich Euch in Eurem Wunsch nicht hindern.
Ich la Euch, Cassius.

Cassius.
Brutus, seit kurzem geb ich acht auf Euch;
Ich find in Eurem Blick die Freundlichkeit,
Die Liebe nicht, an die Ihr mich gewhnt.
Zu unwirsch und zu fremd begegnet Ihr
Dem Freunde, der Euch liebt.

Brutus.
Mein Cassius,
Betrgt Euch nicht.  Hab ich den Blick verschleiert,
So kehrt die Unruh meiner Mienen sich
Nur gegen mich allein.  Seit kurzem qulen
Mich Regungen von streitender Natur,
Gedanken, einzig fr mich selbst geschickt,
Die Schatten wohl auf mein Betragen werfen.
Doch lat dies meine Freunde nicht betrben
(Wovon Ihr einer sein mt, Cassius),
Noch mein achtloses Wesen anders deuten,
Als da, mit sich im Krieg, der arme Brutus
Den andern Liebe kund zu tun vergit.

Cassius.
Darin, Brutus, miverstand ich Euren Unmut.
Deshalb begrub hier diese Brust Entwrfe
Von groem Werte, wrdige Gedanken.
Sagt, Brutus, knnt Ihr Euer Antlitz sehn?

Brutus.
Nein, Cassius, denn das Auge sieht sich nicht,
Als nur im Widerschein, durch andre Dinge.

Cassius.
So ist's;
Und man beklagt sich sehr darber, Brutus,
Da Ihr nicht solche Spiegel habt, die Euren
Verborgnen Wert Euch in die Augen rckten,
Auf da Ihr Euren Schatten sht.  Ich hrte,
Wie viele von den ersten Mnnern Roms
(Nur Csarn nehm ich aus), von Brutus redend,
Und seufzend unter dieser Zeiten Joch,
Dem edlen Brutus offne Augen wnschten.

Brutus.
Auf welche Wege, Cassius, lockt Ihr mich,
Da Ihr mich heit in meinem Innern suchen,
Was doch nicht in mir ist?

Cassius.
Drum, lieber Brutus, schickt Euch an zu hren.
Und weil Ihr wit, Ihr knnt Euch selbst so gut
Nicht sehn als durch den Widerschein, so will
Ich, Euer Spiegel, Euch bescheidentlich
Von Euch entdecken, was Ihr noch nicht wit.
Und denkt von mir kein Arges, werter Brutus.
Wr ich ein Lacher aus der Menge; pflegt ich
Mein Herz durch Alltagsschwre jedem neuen
Beteurer auszubieten; wenn Ihr wit,
Da ich die Menschen streichle, fest sie herze
Und dann sie lstre; oder wenn Ihr wit,
Da ich beim Schmaus mich mit der ganzen Schar
Verbrdern mag, dann htet Euch vor mir.

(Trompeten und Freudengeschrei.)

Brutus.
Was heit dies Jauchzen?  Wie ich frchte, whlt
Das Volk zum Knig Csarn.

Cassius.
Frchtet Ihr's?
Das hiee ja, Ihr mchtet es nicht gern.

Brutus.
Nein, Cassius, nicht gern; doch lieb ich ihn.
Doch warum haltet Ihr mich hier so lange?
Was ist es, das Ihr mir vertrauen mchtet?
Ist's etwas, dienlich zum gemeinen Wohl,
Stellt Ehre vor ein Auge, Tod vors andre,
Und beide seh ich gleiches Mutes an.
Die Gtter sein mir gnstig, wie ich mehr
Die Ehre lieb, als vor dem Tod mich scheue.

Cassius.
Ich wei, da diese Tugend in Euch wohnt,
Sogut ich Euer ures Ansehn kenne.
Wohl!  Ehre ist der Inhalt meiner Rede.
Ich wei es nicht, wie Ihr und andre Menschen
Von diesem Leben denkt; mir, fr mich selbst,
Wr es so lieb, nicht da sein, als zu leben
In Furcht vor einem Wesen wie ich selbst.
Ich kam wie Csar frei zur Welt, so Ihr;
Wir nhrten uns sogut, wir knnen beide
Sogut wie er des Winters Frost ertragen.
Denn einst, an einem rauhen strmschen Tage,
Als wild die Tiber an ihr Ufer tobte,
Sprach Csar zu mir: "Wagst du, Cassius, nun
Mit mir zu springen in die zornge Flut
Und bis dorthin zu schwimmen?"--Auf dies Wort,
Bekleidet, wie ich war, strzt ich hinein
Und hie ihn folgen; wirklich tat er's auch.
Der Strom brllt' auf uns ein; wir schlugen ihn
Mit wackern Sehnen, warfen ihn beiseit
Und hemmten ihn mit einer Brust des Trotzes.
Doch eh wir das gewhlte Ziel erreicht,
Rief Csar: "Hilf mir, Cassius!  ich sinke."
Ich, wie neas, unser groer Ahn,
Aus Trojas Flammen einst auf seinen Schultern
Den alten Vater trug, so aus den Wellen
Zog ich den mden Csar.--Und der Mann
Ist nun zum Gott erhht, und Cassius ist
Ein arm Geschpf und mu den Rcken beugen,
Nickt Csar nur nachlssig gegen ihn.
Als er in Spanien war, hatt er ein Fieber,
Und wenn der Schaur ihn ankam, merkt ich wohl
Sein Beben: ja, er bebte, dieser Gott!
Das feige Blut der Lippen nahm die Flucht,
Sein Auge, dessen Blick die Welt bedrut,
Verlor den Glanz, und chzen hrt ich ihn.
Ja, dieser Mund, der horchen hie die Rmer
Und in ihr Buch einzeichnen seine Reden,
Ach, rief: "Titinius!  gib mir zu trinken!"
Wie'n krankes Mdchen.  Gtter!  ich erstaune,
Wie nur ein Mann so schwchlicher Natur
Der stolzen Welt den Vorsprung abgewann,
Und nahm die Palm allein.

(Jubelgeschrei.  Trompeten.)

Brutus.
Ein neues Jauchzen!
Ich glaube, dieser Beifall gilt die Ehren,
Die man auf Csars Haupt von neuem huft.

Cassius.
Ja, er beschreitet, Freund, die enge Welt
Wie ein Colossus, und wir kleinen Leute,
Wir wandeln unter seinen Riesenbeinen,
Und schaun umher nach einem schnden Grab.
Der Mensch ist manchmal seines Schicksals Meister:
Nicht durch die Schuld der Sterne, lieber Brutus,
Durch eigne Schuld nur sind wir Schwchlinge.
Brutus und Csar--was steckt doch in dem Csar,
Da man den Namen mehr als Euren sprche?
Schreibt sie zusammen: ganz so schn ist Eurer;
Sprecht sie: er steht den Lippen ganz so wohl;
Wgt sie: er ist so schwer; beschwrt mit ihnen:
Brutus ruft Geister auf so schnell wie Csar.
    (Jubelgeschrei.)
Nun denn, im Namen der gesamten Gtter,
Mit was fr Speise nhrt der Csar sich,
Da er so gro ward?  Zeit, du bist entehrt.
Rom, du verlorst die Kraft des Heldenstamms.
Welch Alter schwand wohl seit der groen Flut,
Das nicht geglnzt durch mehr als einen Mann?
Wer sagte jemals, wenn er sprach von Rom,
Es fa ihr weiter Kreis nur einen Mann?
Nun ist in Rom frwahr des Raums genug:
Find't man darin nur einen einzgen Mann.
O, beide hrten wir von unsern Vtern:
"Einst gab es einen Brutus, der so gern
Des alten Teufels Hof als einen Knig
Geduldet htt in Rom."

Brutus.
Da Ihr mich liebt, bezweifl' ich keineswegs;
Worauf Ihr bei mir dringt, das ahn ich wohl;
Was ich davon gedacht und von den Zeiten,
Erklr ich Euch in Zukunft.  Doch fr jetzt
Mcht ich, wenn ich Euch freundlich bitten darf,
Nicht mehr getrieben sein.  Was ihr gesagt,
Will ich erwgen; was Ihr habt zu sagen,
Mit Ruhe hren und gelegne Zeit,
So hohe Dinge zu besprechen, finden.
Bis dahin, edler Freund, beherzigt dies:
Brutus wr lieber eines Dorfs Bewohner,
Als sich zu zhlen zu den Shnen Roms
In solchem harten Stand, wie diese Zeit
Uns aufzulegen droht.

Cassius.
Ich bin erfreut, da meine schwachen Worte
Dem Brutus so viel Funken nur entlockt.

Csar und sein Zug kommen zurck.

Brutus.
Das Spiel ist aus, und Csar kehrt zurck.

Cassius.
Wenn sie uns nahn, zupft Casca nur am rmel,
Er wird nach seiner mrr'schen Art Euch sagen,
Was von Belang sich heut ereignet hat.

Brutus.
Ich will es tun.  Doch seht nur, Cassius,
Auf Csars Stirne glht der zornge Fleck,
Die andern sehn gescholtnen Dienern gleich.
Calpurnias Wang ist bla, und Cicero
Blickt mit so feurigen und roten Augen,
Wie wir ihn wohl im Kapitol gesehn,
Wenn Senatoren ihn im Rat bestritten.

Cassius.
Casca wird uns berichten, was es gibt.

Csar.
Antonius!

Antonius.
Csar?

Csar.
Lat wohlbeleibte Mnner um mich sein,
Mit glatten Kpfen, und die nachts gut schlafen.
Der Cassius dort hat einen hohlen Blick;
Er denkt zuviel: die Leute sind gefhrlich.

Antonius.
O frchtet den nicht; er ist nicht gefhrlich,
Er ist ein edler Mann und wohlgesinnt.

Csar.
Wr er nur fetter!--Zwar ich frcht ihn nicht;
Doch wre Furcht nicht meinem Namen fremd,
Ich kenne niemand, den ich eher miede
Als diesen hagern Cassius.  Er liest viel;
Er ist ein groer Prfer und durchschaut
Das Tun der Menschen ganz; er liebt kein Spiel,
Wie du, Antonius, hrt nicht Musik;
Er lchelt selten, und auf solche Weise,
Als spott er sein, verachte seinen Geist,
Den irgend was zum Lcheln bringen konnte.
Und solche Mnner haben nimmer Ruh,
Solang die jemand grer sehn als sich;
Das ist es, was sie so gefhrlich macht.
Ich sag dir eher, was zu frchten stnde,
Als was ich frchte; ich bin stets doch Csar.
Komm mir zur Rechten, denn dies Ohr ist taub,
Und sag mir wahrhaft, was du von ihm denkst.

(Csar und sein Gefolge ab; Casca bleibt zurck.)

Casca.
Ihr zogt am Mantel mich; wollt Ihr mich sprechen?

Brutus.
Ja, Casca, sag uns, was sich heut begeben,
Da Csar finster sieht.

Casca.
Ihr wart ja bei ihm; wart Ihr nicht?

Brutus.
Dann fragt ich Casca nicht, was sich begeben.

Casca.
Nun, man bot ihm eine Krone an, und als man sie ihm anbot, schob er
sie mit dem Rcken der Hand zurck: so--; und da erhob das Volk ein
Jauchzen.

Brutus.
Worber jauchzten sie zum andern Mal?

Casca.
Nun, auch darber.

Cassius.
Sie jauchzten dreimal ja; warum zuletzt?

Casca.
Nun, auch darber.

Brutus.
Wurd ihm die Krone dreimal angeboten?

Casca.
Ei, meiner Treu, wurde sie's, und er schob sie dreimal zurck;
jedesmal sachter als das vorige Mal; und bei jedem Zurckschieben
jauchzten meine ehrlichen alten Freunde.

Cassius.
Wer bot ihm die Krone an?

Casca.
Je nun, Antonius.

Brutus.
Sagt uns die Art und Weise, lieber Casca.

Casca.
Ich kann mich ebensogut hngen lassen, als euch die Art und Weise
erzhlen: es waren nichts als Possen, ich gab nicht acht darauf.  Ich
sah den Mark Anton ihm eine Krone anbieten--doch eigentlich war's
keine rechte Krone, es war so 'ne Art von Stirnband--und wie ich euch
sagte, er schob sie einmal beiseite; aber bei alledem htte er sie
nach meinem Bednken gern gehabt.  Dann bot er sie ihm nochmals an,
und dann schob er sie nochmals zurck; aber nach meinem Bednken kam
es ihm hart an, die Finger wieder davonzutun.  Und dann bot er sie ihm
zum dritten Male an; er schob sie zum dritten Male zurck; und
jedesmal, da er sie ausschlug, kreischte das Gesindel und klatscht in
die rauhen Fuste und warfen die schweiigen Nachtmtzen in die Hhe
und gaben eine solche Last stinkenden Atems von sich, weil Csar die
Krone ausschlug, da Csar fast daran erstickt wre; denn er ward
ohnmchtig und fiel nieder, und ich fr mein Teil wagte nicht zu
lachen, aus Furcht, ich mchte den Mund auftun und die bse Luft
einatmen.

Cassius.
Still doch!  ich bitt Euch.  Wie?  er fiel in Ohnmacht?

Casca.
Er fiel auf dem Marktplatze nieder, hatte Schaum vor dem Munde und war
sprachlos.

Brutus.
Das mag wohl sein; er hat die fallende Sucht.

Cassius.
Nein, Csar hat sie nicht.  Doch Ihr und ich
Und unsrer wackrer Casca, wir haben sie.

Casca.
Ich wei nicht, was Ihr damit meint; aber ich bin gewi, Csar fiel
nieder.  Wenn das Lumpenvolk ihn nicht beklatschte und auszischte, je
nachdem er ihnen gefiel oder mifiel, wie sie es mit den Komdianten
auf dem Theater machen, so bin ich kein ehrlicher Kerl.

Brutus.
Was sagt' er, als er zu sich selber kam?

Casca.
Ei nun, eh er hinfiel, als er merkte, da der gemeine Haufe sich
freute, da er die Krone ausschlug, so ri er euch sein Wams auf und
bot ihnen seinen Hals zum Abschneiden--triebe ich irgend 'ne
Hantierung, so will ich mit den Schuften zur Hlle fahren, wo ich ihn
nicht beim Wort genommen htte--und damit fiel er hin.  Als er wieder
zu sich selbst kam, sagte er, wenn er irgendwas Unrechtes getan oder
gesagt htte, so bte er Ihre Edeln, es seinem bel beizumessen.  Drei
oder vier Weibsbilder, die bei mir standen, riefen--"Ach, die gute
Seele!" und vergaben ihm von ganzem Herzen.  Doch das gilt freilich
nicht viel; wenn er ihre Mtter totgeschlagen htte, sie htten's
ebensogut getan.

Brutus.
Und darauf ging er so verdrielich weg?

Casca.
Ja.

Cassius.
Hat Cicero etwas gesagt?

Casca.
Ja, er sprach griechisch.

Cassius.
Was wollt er denn?

Casca.
Ja, wenn ich Euch das sage, so will ich Euch niemals wieder vor die
Augen kommen.  Aber die ihn verstanden, lchelten einander zu und
schttelten die Kpfe.  Doch was mich anlangt, mir war es griechisch.
Ich kann Euch noch mehr Neues erzhlen: dem Marullus und Flavius ist
das Maul gestopft, weil sie Binden von Csars Bildsulen gerissen
haben.  Lebt wohl.  Es gab noch mehr Possen, wenn ich mich nur darauf
besinnen knnte.

Cassius.
Wollt Ihr heute abend bei mir speisen, Casca?

Casca.
Nein, ich bin schon versagt.

Cassius.
Wollt Ihr morgen bei mir zu Mittag speisen?

Casca.
Ja, wenn ich lebe und Ihr bei Eurem Sinne bleibt und Eure Mahlzeit das
Essen verlohnt.

Cassius.
Gut, ich erwart Euch.

Casca.
Tut das; lebt beide wohl!  (Ab.)

Brutus.
Was fr ein plumper Bursch ist dies geworden?
Er war voll Feuer als mein Schulgeno.

Cassius.
Das ist er jetzt noch bei der Ausfhrung
Von jedem khnen, edlen Unternehmen,
Stellt er sich schon so unbeholfen an.
Dies rauhe Wesen dient gesundem Witz
Bei ihm zur Brh; es strkt der Leute Magen,
Elustig seine Reden zu verdaun.

Brutus.
So ist es auch.  Fr jetzt verla ich Euch,
Und morgen, wenn Ihr wnscht mit mir zu sprechen,
Komm ich zu Euch ins Haus; doch wenn Ihr wollt,
So kommt zu mir, und ich will Euch erwarten.

Cassius.
Das will ich; bis dahin gedenkt der Welt.
    (Brutus ab.)
Gut, Brutus, du bist edel; doch ich sehe,
Dein lbliches Gemt kann seiner Art
Entwendet werden.  Darum ziemt es sich,
Da Edle sich zu Edlen immer halten.
Wer ist so fest, den nichts verfhren kann?
Csar ist feind mir, und er liebt den Brutus,
Doch wr ich Brutus nun, er Cassius,
Er sollte mich nicht lenken.  Diese Nacht
Werf ich ihm Zettel von verschiednen Hnden,
Als ob sie von verschiednen Brgern kmen,
Durchs Fenster, alle voll der groen Meinung,
Die Rom von seinem Namen hegt, wo dunkel
Auf Csars Ehrsucht soll gedeutet sein.
Dann denke Csar seines nahen Falles;
Wir strzen bald ihn, oder dulden alles.  (Ab.)



Dritte Szene
Eine Strae.  Ungewitter

Casca, mit gezognem Schwert, und Cicero kommen von verschiednen Seiten

Cicero.
Guten Abend, Casca!  Kommt Ihr her von Csar?
Warum so atemlos und so verstrt?

Casca.
Bewegt's Euch nicht, wenn dieses Erdballs Feste
Wankt wie ein schwaches Rohr?  O Cicero!
Ich sah wohl Strme, wo der Winde Schelten
Den knotgen Stamm gespaltet, und ich sah
Das stolze Meer anschwellen, wten, schumen,
Als wollt es an die drohnden Wolken reichen;
Doch nie bis heute nacht, noch nie bis jetzt
Ging ich durch einen Feuerregen hin.
Entweder ist im Himmel innrer Krieg,
Wo nicht, so reizt die Welt durch bermut
Die Gtter, uns Zerstrung herzusenden.

Cicero.
Ja, saht Ihr jemals wundervollre Dinge?

Casca.
Ein Sklave, den Ihr wohl von Ansehn kennt,
Hob seine linke Hand empor; sie flammte
Wie zwanzig Fackeln auf einmal, und doch,
Die Glut nicht fhlend, blieb sie unversengt.
Auch kam (seitdem steckt ich mein Schwert nicht ein)
Beim Kapitol ein Lwe mir entgegen;
Er gaffte stark mich an, ging mrrisch weiter
Und tat mir nichts.  Auf einen Haufen hatten
Wohl hundert bleiche Weiber sich gedrngt,
Entstellt von Furcht; die schwuren, da sie Mnner
Mit feurgen Leibern wandern auf und ab
Die Straen sahn.  Und gestern sa der Vogel
Der Nacht sogar am Mittag auf dem Markte
Und kreischt' und schrie.  Wenn dieser Wunderzeichen
So viel zusammentreffen, sage niemand:
"Dies ist der Grund davon, sie sind natrlich";
Denn Dinge schlimmer Deutung, glaub ich, sind's
Dem Himmelstrich, auf welchen sie sich richten.

Cicero.
Gewi, die Zeit ist wunderbar gelaunt;
Doch Menschen deuten oft nach ihrer Weise
Die Dinge, weit entfernt vom wahren Sinn.
Kommt Csar morgen auf das Kapitol?

Casca.
Ja, denn er trug es dem Antonius auf,
Euch kund zu tun, er werde morgen kommen.

Cicero.
Schlaft wohl denn, Casca!  Dieser Aufruhr lt
Nicht drauen weilen.

Casca.
Cicero, lebt wohl!  (Cicero ab.)

Cassius tritt auf.

Cassius.
Wer da?

Casca.
Ein Rmer.

Cassius.
Casca, nach der Stimme.

Casca.
Eur Ohr ist gut.  Cassius, welch eine Nacht?

Cassius.
Die angenehmste Nacht fr wackre Mnner.

Casca.
Wer sah den Himmel je so zornig drohn?

Cassius.
Die, welche so voll Schuld die Erde sahn.
Ich, fr mein Teil, bin durch die Stadt gewandert,
Mich unterwerfend dieser grausen Nacht,
Und so entgrtet, Casca, wie Ihr seht,
Hab ich die Brust dem Donnerkeil entblt.
Und wenn des Blitzes schlngelnd Blau zu ffnen
Des Himmels Busen schien, bot ich mich selbst
Dem Strahl des Wetters recht zum Ziele dar.

Casca.
Warum versucht Ihr den Himmel so?
Es steht dem Menschen Furcht und Zittern an,
Wenn die gewaltgen Gtter solche Boten
Furchtbarer Warnung, uns zu schrecken, senden.

Cassius.
O Casca!  Ihr seid stumpf; der Lebensfunke,
Der glhen sollt in Rmern, fehlt Euch, oder
Ihr braucht ihn nicht.  Ihr sehet bleich und starrt,
Von Furcht ergriffen und versenkt in Staunen,
Des Himmels ungewohnten Grimm zu schauen.
Doch wolltet Ihr den wahren Grund erwgen,
Warum die Feur, die irren Geister alle,
Was Tier' und Vgel macht vom Stamm entarten
Und Greise faseln, Kinder prophezein;
Warum all diese Dinge ihr Gesetz,
Natur und angeschaffne Gaben wandeln
In Mibeschaffenheit: nun so erkennt Ihr,
Der Himmel hauchte diesen Geist in sie,
Da sie der Furcht und Warnung Werkzeug wrden
Fr irgendeinen mibeschaffnen Zustand.
Nun knnt ich, Casca, einen Mann dir nennen,
Ganz hnlich dieser schreckenvollen Nacht,
Der donnert, blitzt, die Grber ffnet, brllt,
So wie der Lwe dort im Kapitol;
Ein Mann, nicht mchtiger als ich und du
An Leibeskraft, doch drohend angewachsen,
Und furchtbar, wie der Ausbruch dieser Grung.

Casca.
's ist Csar, den Ihr meint.  Nicht, Cassius?

Cassius.
Es sei auch, wer es sei: die Rmer haben
Jetzt Mark und Bein, wie ihre Ahnen hatten.
Doch weh uns!  unsrer Vter Geist ist tot,
Und das Gemt der Mtter lenket uns,
Denn unser Joch und Dulden zeigt uns weibisch.

Casca.
Ja freilich heit's, gewillt sei der Senat,
Zum Knig morgen Csarn einzusetzen;
Er soll zur See, zu Land die Krone tragen
An jedem Ort, nur in Italien nicht.

Cassius.
Ich wei, wohin ich diesen Dolch dann kehre;
Den Cassius soll von Knechtschaft Cassius lsen.
Darin, ihr Gtter, macht ihr Schwache stark,
Darin, ihr Gtter, bndigt ihr Tyrannen;
Noch felsenfeste Burg, noch ehrne Mauern,
Noch dumpfe Keller, noch der Ketten Last
Sind Hindernisse fr des Geistes Strke.
Das Leben, dieser Erdenschranken satt,
Hat stets die Macht, sich selber zu entlassen.
Und wei ich dies, so wi auch alle Welt:
Den Teil der Tyrannei, der auf mit liegt,
Werf ich nach Willkr ab.

Casca.
Das kann auch ich.
So trgt ein jeder Sklav in eigner Hand
Gewalt, zu brechen die Gefangenschaft.

Cassius.
Warum denn wre Csar ein Tyrann?
Der arme Mann!  Ich wei, er wr kein Wolf,
Wenn er nicht sh, die Rmer sind nur Schafe;
Er wr kein Leu, wenn sie nicht Rehe wren.
Wer eilig will ein mchtig Feuer machen,
Nimmt schwaches Stroh zuerst; was fr Gestrpp
Ist Rom, und was fr Plunder, wenn es dient
Zum schlechten Stoff, der einem schnden Dinge
Wie Csar Licht verleiht?  Doch, o mein Gram!
Wo fhrtest du mich hin?  Ich spreche dies
Vielleicht vor einem willgen Knecht; dann wei ich,
Da ich mu Rede stehn; doch fhr ich Waffen,
Und mich bekmmern die Gefahren nicht.

Casca.
Ihr sprecht mit Casca, einem Mann, der nie
Ein Ohrenblser war.  Hier, meine Hand!
Werbt nur Partei zur Abstellung der bel,
Und dieser Fu soll Schritt mit jedem halten,
Der noch soweit geht.

Cassius.
Ein geschloner Handel!
Nun, Casca, wit: ich habe manche schon
Der Edelmtigsten von Rom beredet,
Mit mir ein Unternehmen zu bestehn
Von ehrenvoll-gefhrlichem Erfolg.
Ich wei, sie warten in Pompejus' Halle
Jetzt eben mein; denn in der furchtbarn Nacht
Kann niemand unter freiem Himmel dauern.
Des Elementes Antlitz und Gestalt
Ist wie das Werk beschaffen, das wir treiben:
Hchst blutig, feurig und hchst frchterlich.

Cinna tritt auf.

Casca.
Seid still ein Weilchen, jemand kommt in Eil.

Cassius.
Ich hr am Gange, da es Cinna ist;
Er ist ein Freund.--Cinna, wohin so eilig?

Cinna.
Euch sucht ich.  Wer ist das?  Metellus Cimber?

Cassius.
Nein, es ist Casca, ein Verbndeter
Zu unsrer Tat.  Werd ich erwartet, Cinna?

Cinna.
Das ist mir lieb.  Welch eine grause Nacht!
Ein paar von uns sahn seltsame Gesichte.

Cassius.
Werd ich erwartet, sagt mir?

Cinna.
Ja,
Ihr werdet es.  O Cassius!  knntet Ihr
In unsern Bund den edlen Brutus ziehn--

Cassius.
Seid ruhig!  Guter Cinna, diesen Zettel,
Seht, wie Ihr in des Prtors Stuhl ihn legt,
Da Brutus nur ihn finde; diesen werft
Ihm in das Fenster; diesen klebt mit Wachs
Ans Bild des alten Brutus.  Dies getan,
Kommt zu Pompejus' Hall und trefft uns dort.
Ist Decius Brutus und Trebonius da?

Cinna.
Ja, alle, bis auf Cimber, und der sucht
In Eurem Haus Euch auf.  Gut, ich will eilen
Die Zettel anzubringen, wie Ihr wnscht.

Cassius.
Dann stellt Euch ein bei des Pompejus' Bhne.
    (Cinna ab.)
Kommt, Casca, lat uns beide noch vor Tag
In seinem Hause Brutus sehn.  Drei Viertel
Von ihm sind unser schon; der ganze Mann
Ergibt sich bei dem nchsten Angriff uns.

Casca.
O, er sitzt hoch in alles Volkes Herzen,
Und was in uns als Frevel nur erschiene,
Sein Ansehn wird es, wie der Stein der Weisen,
In Tugend wandeln und in Wrdigkeit.

Cassius.
Ihn, seinen Wert, wie sehr wir ihn bedrfen,
Gabt Ihr recht wohl getroffen.  Lat uns gehn,
Es ist nach Mitternacht; wir wollen ihn
Vor Tage wecken und uns sein versichern.  (Ab.)




Zweiter Aufzug



Erste Szene
Rom.  Der Garten des Brutus

Brutus tritt auf

Brutus.
He, Lucius!  auf!--
Ich kann nicht aus der Hh der Sterne raten,
Wie nah der Tag ist.--Lucius, hrst du nicht?--
Ich wollt, es wr mein Fehler, so zu schlafen.--
Nun, Lucius, nun!  Ich sag: erwach!  Auf, Lucius!

Lucius kommt.

Lucius.
Herr, riefet Ihr?

Brutus.
Bring eine Kerze mir ins Lesezimmer,
Und wenn sie brennt, so komm und ruf mich hier.

Lucius.
Ich will es tun, Herr.  (Ab.)

Brutus.
Es mu durch seinen Tod geschehn.  Ich habe
Fr mein Teil keinen Grund, ihn wegzustoen,
Als frs gemeine Wohl.  Er wnscht, gekrnt zu sein;
Wie seinen Sinn das ndern mchte, fragt sich.
Der warme Tag ist's, der die Natter zeugt;
Das heischt mit Vorsicht gehn.  Ihn krnen?--Ja--
Und dann ist's wahr, wir leihn ihm einen Stachel,
Womit er kann nach Willkr Schaden tun.
Der Gre Mibrauch ist, wenn von der Macht
Sie das Gewissen trennt; und, um von Csarn
Die Wahrheit zu gestehn, ich sah noch nie,
Da ihn die Leidenschaften mehr beherrscht
Als die Vernunft.  Doch oft besttigt sich's,
Die Demut ist der jungen Ehrfurcht Leiter;
Wer sie hinanklimmt, kehrt den Blick ihr zu;
Doch hat er erst die hchste Spross' erreicht,
Dann kehret er der Leiter seinen Rcken,
Schaut himmelan, verschmht die niedern Tritte,
Die ihn hinaufgebracht.  Das kann auch Csar:
Drum, eh er kann, beugt vor.  Und weil der Streit
Nicht Schein gewinnt durch das, was Csar ist,
Legt so ihn aus: das, was er ist, vergrert,
Kann dies und jenes berma erreichen.
Drum achtet ihn gleich einem Schlangenei,
Das, ausgebrtet, giftig wrde werden
Wie sein Geschlecht, und wrgt ihn in der Schale.

Lucius kommt zurck.

Lucius.
Die Kerze brennt in Eurem Zimmer, Herr.
Als ich nach Feuerstein im Fenster suchte,
Fand ich dies Blatt, versiegelt; und ich wei,
Es war nicht da, als ich zu Bette ging.

Brutus.
Geh wieder in dein Bett; es ist noch Nacht.
Ist morgen nicht des Mrzen Idus, Knabe?

Lucius.
Ich wei nicht, Herr.

Brutus.
Such im Kalender denn, und sag es mir.

Lucius.
Das will ich, Herr.  (Ab.)

Brutus.
Die Ausdnstungen, schwirrend in der Luft,
Gewhren Licht genug, dabei zu lesen.
    (Er ffnet den Brief und liest.)
"Brutus, du schlfst.  Erwach und sieh dich selbst!
Soll Rom?--Sprich, schlage, stelle her!
Brutus, du schlfst.  Erwache!--"
Oft hat man schon dergleichen Aufgebote
Mir in den Weg gestreut.
"Soll Rom?"--So mu ich es ergnzen:
"Soll Rom vor einem Manne beben?" Wie?
Mein Ahnherr trieb einst von den Straen Roms
Tarquin hinweg, als er ein Knig hie.
"Sprich, schlage, stelle her!" Werd ich zu sprechen,
Zu schlagen angemahnt?  O Rom, ich schwre,
Wenn nur die Herstellung erfolgt, empfngst du
Dein ganz Begehren von der Hand des Brutus!

Lucius kommt zurck.

Lucius.
Herr, vierzehn Tage sind vom Mrz verstrichen.

(Man klopft drauen.)

Brutus.
's ist gut.  Geh an die Pforte; jemand klopft.  (Lucius ab.)
Seit Cassius mich spornte gegen Csar,
Schlief ich nicht mehr.
Bis zur Vollfhrung einer furchtbarn Tat,
Vom ersten Antrieb, ist die Zwischenzeit
Wie ein Phantom, ein grauenvoller Traum.
Der Genius und die sterblichen Organe
Sind dann im Rat vereint; und die Verfassung
Des Menschen, wie ein kleines Knigreich,
Erleidet dann den Zustand der Emprung.

Lucius kommt zurck.

Lucius.
Herr, Euer Bruder Cassius wartet drauen;
Er wnschet Euch zu sehn.

Brutus.
Ist er allein?

Lucius.
Nein, es sind mehr noch bei ihm.

Brutus.
Kennst du sie?

Lucius.
Nein, Herr, sie tragen eingedrckt die Hte
Und das Gesicht im Mantel halb begraben,
Da ich durchaus sie nicht erkennen kann
An irgendeinem Zuge.

Brutus.
La sie sein.  (Lucius ab.)
Es sind die Bundesbrder.  O Verschwrung!
Du schmst dich, die verdchtge Stirn bei Nacht
Zu zeigen, wann das Bs' am freisten ist?
O denn, bei Tag, wo willst du eine Hhle
Entdecken, dunkel gnug es zu verlarven,
Dein schndes Antlitz?--Verschwrung, suche keine!
In Lcheln hll es und in Freundlichkeit!
Denn trtst du auf in angeborner Bildung,
So wr der Erebus nicht finster gnug,
Vor Argwohn dich zu schtzen.

Cassius, Casca, Decius, Metellus Cimber und Trebonius treten auf.

Cassius.
Sind wir gelegen?  Guten Morgen, Brutus!
Ich frchte, da wie Eure Ruhe stren.

Brutus.
Lngst war ich auf und wach die ganze Nacht.
Kenn ich die Mnner, welche mit Euch kommen?

Cassius.
Ja, jeden aus der Zahl; und keiner hier,
Der Euch nicht hoch hlt, und ein jeder wnscht,
Ihr httet nur die Meinung von Euch selbst,
Die jeder edle Rmer von Euch hegt.
Dies ist Trebonius.

Brutus.
Er ist willkommen.

Cassius.
Dies Decius Brutus.

Brutus.
Er ist auch willkommen.

Cassius.
Dies Casca, dies Cinna, und dies Metellus Cimber.

Brutus.
Willkommen alle!
Was stellen sich fr wache Sorgen zwischen
Die Nacht und eure Augen?

Cassius.
Auf ein Wort,
Wenn's Euch beliebt.  (Sie reden leise miteinander.)

Decius.
Hier liegt der Ost: bricht da der Tag nicht an?

Casca.
Nein.

Cinna.
Doch, um Verzeihung!  und die grauen Streifen,
Die das Gewlk durchziehn, sind Tagesboten.

Casca.
Ihr sollt gestehn, da ihr euch beide trgt.
Die Sonn erscheint hier, wo mein Degen hinweist;
Das ist ein gut Teil weiter hin nach Sden,
Wenn ihr die junge Jahreszeit erwgt.
Zwei Monde noch, und hher gegen Norden
Steigt ihre Flamm empor, und grade hier
Steht hinterm Kapitol der hohe Ost.

Brutus.
Gebt eure Hand mir, einer nach dem andern.

Cassius.
Und lasset uns beschwren den Entschlu.

Brutus.
Nein, keinen Eid!  Wenn nicht der Menschen Antlitz,
Das innre Seelenleid, der Zeit Verfall--
Sind diese Grnde schwach, so brecht nur auf,
Und jeder fort zu seinem trgen Bett!
Lat frechgesinnte Tyrannei dann schalten,
Bis jeder nach dem Lose fllt.  Doch tragen
Sie Feuer gnug in sich, wie offenbar,
Um Feige zu entflammen und mit Mut
Des Weibes schmelzendes Gemt zu sthlen:
O dann, Mitbrger!  welchen andern Sporn
Als unsre Sache braucht es, uns zu stacheln
Zur Herstellung?  Was fr Gewhr, als diese:
Verschwiegne Rmer, die das Wort gesprochen,
Und nicht zurckziehn?  Welchen andern Eid,
Als Redlichkeit mit Redlichkeit im Bund,
Da dies gescheh, wo nicht, dafr zu sterben?
Lat Priester, Memmen, listge Mnner schwren,
Verdorrte Greis und solche Jammerseelen,
Die fr das Unrecht danken; schwren lat
Bei bsen Hndeln Volk, dem man nicht traut.
Entehrt nicht so den Gleichmut unsrer Handlung
Und unsern unbezwinglich festen Sinn,
Zu denken, unsre Sache, unsre Tat
Brauch einen Eid; da jeder Tropfe Bluts,
Der edel fliet in jedes Rmers Adern,
Sich seines echten Stamms verlustig macht,
Wenn er das kleinste Teilchen nur verletzt
Von irgendeinem Worte, das er gab.

Cassius.
Doch wie mit Cicero?  Forscht man ihn aus?
Ich denk, er wird sehr eifrig fr uns sein.

Casca.
Lat uns ihn nicht vorbergehn.

Cinna.
Nein, ja nicht.

Metellus.
Gewinnt ihn ja fr uns.  Sein Silberhaar
Wird eine gute Meinung uns erkaufen
Und Stimmen werben, unser Werk zu preisen.
Sein Urteil habe unsre Hand gelenkt:
So wird es heien; unsre Hastigkeit
Und Jugend wird im mindsten nicht erscheinen,
Von seinem wrdgen Ansehn ganz bedeckt.

Brutus.
O nennt ihn nicht!  Lat uns ihm nichts erffnen,
Denn niemals tritt er einer Sache bei,
Wenn andre sie erdacht.

Cassius.
So lat ihn weg.

Casca.
's ist wahr; er pat auch nicht.

Decius.
Wird niemand sonst, als Csar, angetastet?

Cassius.
Ja, gut bedacht!  Mich dnkt, da Mark Anton,
Der so beliebt beim Csar ist, den Csar
Nicht berleben darf.  Er wird sich uns
Gewandt in Rnken zeigen, und ihr wit,
Da seine Macht, wenn er sie nutzt, wohl hinreicht,
Uns allen Not zu schaffen.  Dem zu wehren,
Fall Csar und Antonius zugleich.

Brutus.
Zu blutge Weise, Cajus Cassius, wr's,
Das Haupt abschlagen und zerhaun die Glieder,
Wie Grimm beim Tod und Tcke hinterher.
Antonius ist ja nur ein Glied des Csar.
Lat Opferer uns sein, nicht Schlchter, Cajus.
Wir alle stehen gegen Csars Geist,
Und in dem Geist des Menschen ist kein Blut.
O knnten wir doch Csars Geist erreichen
Und Csarn nicht zerstcken!  Aber ach!
Csar mu fr ihn bluten.  Edle Freunde,
Lat khnlich uns ihn tten, doch nicht zornig;
Zerlegen lat uns ihn, ein Mahl fr Gtter,
Nicht ihn zerhauen wie ein Aas fr Hunde.
Lat unsre Herzen, schlauen Herren gleich,
Zu rascher Tat aufwiegeln ihre Diener.
Und dann zum Scheine schmlen.  Dadurch wird
Notwendig unser Werk und nicht gehssig;
Und wenn es so dem Aug des Volks erscheint,
Wird man uns Reiniger, nicht Mrder nennen.
Was Mark Anton betrifft, denkt nicht an ihn,
Denn er vermag nicht mehr als Csars Arm,
Wenn Csars Haupt erst fiel.

Cassius.
Doch frcht ich ihn,
Denn seine Liebe hngt so fest am Csar.

Brutus.
Ach, guter Cassius, denket nicht an ihn!
Liebt er den Csar, so vermag er nichts
Als gegen sich; sich hrmen, fr ihn sterben.
Und das wr viel von ihm, weil er der Lust,
Der Wstheit, den Gelagen sich ergibt.

Trebonius.
Es ist kein Arg in ihm; er sterbe nicht.
Denn er wird leben und dies einst belachen.

(Die Glocke schlgt.)

Brutus.
Still!  zhlt die Glocke.

Cassius.
Sie hat drei geschlagen.

Trebonius.
Es ist zum Scheiden Zeit.

Cassius.
Doch zweifl' ich noch,
Ob Csar heute wird erscheinen wollen;
Denn krzlich ist er aberglubisch worden,
Ganz dem entgegen, wie er sonst gedacht
Von Trumen, Einbildung und heilgen Bruchen.
Vielleicht, da diese groen Wunderdinge,
Das ungewohnte Schrecken dieser Nacht
Und seiner Augurn berredung ihn
Entfernt vom Kapitol fr heute hlt.

Decius.
Das frchtet nimmer; wenn er das beschlo,
So bermeistr' ich ihn.  Er hrt es gern,
Das Einhorn lasse sich mit Bumen fangen,
Der Lw im Netz, der Elefant in Gruben,
Der Br mit Spiegeln und der Mensch durch Schmeichler;
Doch sag ich ihm, da er die Schmeichler hat,
Bejaht er es, am meisten dann geschmeichelt.
Lat mich gewhren;
Denn ich verstehe sein Gemt zu lenken,
Und will ihn bringen auf das Kapitol.

Cassius.
Ja, lat uns alle gehn, um ihn zu holen.

Brutus.
Zur achten Stund aufs spteste, nicht wahr?

Cinna.
Das sei das Sptste, und dann bleibt nicht aus.

Metellus.
Cajus Ligarius ist dem Csar feind,
Der's ihm verwies, da er Pompejus lobte;
Es wundert mich, da niemand sein gedacht.

Brutus.
Wohl, guter Cimber, geht nur vor bei ihm;
Er liebt mich herzlich, und ich gab ihm Grund;
Schickt ihn hieher, so will ich schon ihn stimmen.

Cassius.
Der Morgen bereilt uns: lat uns gehn.
Zerstreut euch, Freunde; doch bedenket alle,
Was ihr gesagt, und zeigt euch echte Rmer.

Brutus.
Seht, werte Mnner, frisch und frhlich aus;
Tragt euren Vorsatz nicht auf eurer Stirn.
Nein, fhrt's hindurch, wie Helden unsrer Bhne,
mit munterm Geist und wrdger Festigkeit.
Und somit insgesamt euch guten Morgen!
    (Alle ab, auer Brutus.)
He, Lucius!--Fest im Schlaf?  Es schadet nichts.
Genie den honigschweren Tau des Schlummers.
Du siehst Gestalten nicht, noch Phantasien,
Womit geschftge Sorg ein Hirn erfllt;
Drum schlfst du so gesund.

Portia tritt auf.

Portia.
Mein Gatte!  Brutus!

Brutus.
Was wollt Ihr, Portia?  warum steht Ihr auf?
Es dient Euch nicht, die zrtliche Natur
Dem rauhen kalten Morgen zu vertraun.

Portia.
Euch gleichfalls nicht.  Unfreundlich stahlt Ihr, Brutus,
Von meinem Bett Euch; und beim Nachtmahl gestern
Erhobt Ihr pltzlich Euch und gingt umher,
Sinnend und seufzend mit verschrnkten Armen.
Und wenn ich Euch befragte, was es sei,
So starrtet Ihr mich an mit finstern Blicken.
Ich drang in Euch, da riebt Ihr Euch die Stirn
Und stampftet ungeduldig mit dem Fu;
Doch hielt ich an, doch gabt Ihr keine Rede
Und winktet mit der Hand unwillig weg,
Damit ich Euch verlie.  Ich tat es auch,
Besorgt, die Ungeduld noch zu verstrken,
Die schon zu sehr entflammt schien, und zugleich
Mir schmeichelnd, nur von Laune rhr es her,
Die ihre Stunden hat bei jedem Mann.
Nicht essen, reden, schlafen lt es Euch;
Und knnt es Eure Bildung so entstellen,
Als es sich Eurer Fassung hat bemeistert,
So kennt ich Euch nicht mehr.  Mein teurer Gatte,
Teilt mir die Ursach Eures Kummers mit.

Brutus.
Ich bin nicht recht gesund, und das ist alles.

Portia.
Brutus ist weise; wr er nicht gesund,
Er nhm die Mittel wahr, um es zu werden.

Brutus.
Das tu ich, gute Portia; geh zu Bett.

Portia.
Ist Brutus krank?  und ist es heilsam, so
Entblt umherzugehn und einzusaugen
Den Dunst des Morgens?  Wie, ist Brutus krank,
Und schleicht er vom gesunden Bett sich weg,
Der schnden Ansteckung der Nacht zu trotzen?
Und reizet er die bse Fieberluft,
Sein bel noch zu mehren?--Nein, mein Brutus,
Ihr tragt ein krankes bel im Gemt,
Wovon, nach meiner Stelle Recht und Wrde,
Ich wissen sollte; und auf meinen Knien
Fleh ich bei meiner einst gepriesnen Schnheit,
Bei allen Euren Liebesschwren, ja,
Bei jenem groen Schwur, durch welchen wir
Einander einverleibt und eins nur sind:
Enthllt mir, Eurer Hlfte, Eurem Selbst,
Was Euch bekmmert, was zu Nacht fr Mnner
Euch zugesprochen; denn es waren hier
Sechs oder sieben, die ihr Antlitz selbst
Der Finsternis verbargen.

Brutus.
O kniet nicht, liebe Portia.

Portia.
Ich braucht es nicht, wrt Ihr mein lieber Brutus.
Ist's im Vertrag der Ehe, sagt mir, Brutus,
Bedungen, kein Geheimnis sollt ich wissen,
Das Euch gehrt?  Und bin ich Euer Selbst
Nur gleichsam, mit gewissen Einschrnkungen?
Beim Mahl um Euch zu sein, Eur Bett zu teilen,
Auch wohl mit Euch zu sprechen?  Wohn ich denn
Nur in der Vorstadt Eurer Zuneigung?
Ist es nur das, so ist ja Portia
Des Brutus Buhle nur und nicht sein Weib.

Brutus.
Ihr seid mein echtes, ehrenwertes Weib,
So teuer mir als wie die Purpurtropfen,
Die um mein trauernd Herz sich drngen.

Portia.
Wenn dem so wr, so wt ich dies Geheimnis.
Ich bin ein Weib, gesteh ich, aber doch
Ein Weib, das Brutus zur Gemahlin nahm.
Ich bin ein Weib, gesteh ich, aber doch
Ein Weib von gutem Rufe, Catos Tochter.
Denkt Ihr, ich sei so schwach wie mein Geschlecht,
Aus solchem Stamm erzeugt und so vermhlt?
Sagt das Geheimnis mir: ich will's bewahren,
Ich habe meine Strke hart erprft,
Freiwillig eine Wunde mir versetzend
Am Schenkel hier; ertrg ich das geduldig
Und ein Geheimnis meines Gatten nicht?

Brutus.
Ihr Gtter, macht mich wert des edlen Weibes!
    (Man klopft drauen.)
Horch!  horch!  man klopft; geh eine Weil hinein,
Und unverzglich soll dein Busen teilen,
Was noch mein Herz verschliet.
Mein ganzes Bndnis will ich dir enthllen
Und meiner finstern Stirne Zeichenschrift.
Verla mich schnell.  (Portia ab.)

Lucius und Ligarius kommen.

Brutus.
Wer klopft denn, Lucius?

Lucius.
Hier ist ein Kranker, der Euch sprechen will.

Brutus.
Ligarius ist's, von dem Metellus sprach.
Du, tritt beiseit.--Cajus Ligarius, wie?

Ligarius.
Nehmt einen Morgengru von matter Zunge.

Brutus.
O welche Zeit erwhlt Ihr, wackrer Cajus,
Ein Tuch zu tragen!  Wrt Ihr doch nicht krank!

Ligarius.
Ich bin nicht krank, hat irgendeine Tat,
Des Namens Ehre wrdig, Brutus vor.

Brutus.
Solch eine Tat, Ligarius, hab ich vor,
Wr Euer Ohr gesund, davon zu hren.

Ligarius.
Bei jedem Gott, vor dem sich Rmer beugen,
Hier sag ich ab der Krankheit.  Seele Roms!
Du wackrer Sohn, aus edlem Blut entsprossen!
Wie ein Beschwrer riefst du auf in mir
Den abgestorbnen Geist.  Nun hei mich laufen,
So will ich an Unmgliches mich wagen,
Ja Herr darber werden.  Was zu tun?

Brutus.
Ein Wagestck, das Kranke heilen wird.

Ligarius.
Doch gibt's nicht auch Gesunde krank zu machen?

Brutus.
Die gibt es freilich.  Was es ist, mein Cajus,
Erffn ich dir auf unserm Weg zu ihm,
An dem es mu geschehn.

Ligarius.
Macht Euch nur auf
Mit neu entflammtem Herzen folg ich Euch,
Zu tun, was ich nicht wei.  Doch es gengt,
Da Brutus mir vorangeht.

Brutus.
Folgt mir denn.  (Beide ab.)



Zweite Szene
Ein Zimmer in Csars Palaste

Donner und Blitz.  Csar im Nachtkleide

Csar.
Zu Nacht hat Erd und Himmel Krieg gefhrt.
Calpurnia rief im Schlafe dreimal laut:
"O helft!  Sie morden Csarn!" Niemand da?

Ein Diener kommt.

Diener.
Herr?

Csar.
Geh, hei die Priester gleich zum Opfer schreiten,
Und bring mir ihre Meinung vom Erfolg.

Diener.  Es soll geschehn.  (Ab.)

Calpurnia (tritt auf).
Was meint Ihr, Csar?  Denkt Ihr auszugehn?
Ihr mt heut keinen Schritt vom Hause weichen.

Csar.
Csar geht aus.  Mir haben stets Gefahren
Im Rcken nur gedroht; wenn sie die Stirn
Des Csar werden sehn, sind sie verschwunden.

Calpurnia.
Csar, ich hielt auf Wunderzeichen nie,
Doch schrecken sie mich nun.  Im Haus ist jemand,
Der auer dem, was wir gesehn, gehrt,
Von Greueln meldet, so die Wach erblickt'.
Es warf auf offner Gasse eine Lwin,
Und Grft erlsten ghnend ihre Toten.
Wildglhnde Krieger fochten auf den Wolken,
In Reihn, Geschwadern und nach Kriegsgebrauch,
Wovon es Blut gesprht aufs Kapitol.
Das Schlachtgetse klirrte in der Luft;
Da wiehern Rosse, Mnner rcheln sterbend,
Und Geister wimmerten die Straen durch.
O Csar!  unerhrt sind diese Dinge;
Ich frchte sie.

Csar.
Was kann vermieden werden,
Das sich zum Ziel die mchtgen Gtter setzten?
Ich gehe dennoch aus, denn diese Zeichen,
So gut wie Csarn, gelten sie der Welt.

Calpurnia.
Kometen sieht man nicht, wenn Bettler sterben;
Der Himmel selbst flammt Frstentod herab.

Csar.
Der Feige stirbt schon vielmal, eh er stirbt,
Die Tapfern kosten einmal nur den Tod.
Von allen Wundern, die ich je gehrt,
Scheint mir das grte, da sich Menschen frchten,
Da sie doch sehn, der Tod, das Schicksal aller,
Kommt, wann er kommen soll.
    Der Diener kommt zurck.
Was dnkt den Augurn?

Diener.
Sie raten Euch, fr heut nicht auszugehn.
Da sie dem Opfertier das Eingeweide
Ausnahmen, fanden sie kein Herz darin.

Csar.
Die Gtter tun der Feigheit dies zur Schmach.
Ein Tier ja wre Csar ohne Herz,
Wenn er aus Furcht sich heut zu Hause hielte.
Das wird er nicht; gar wohl wei die Gefahr,
Csar sei noch gefhrlicher als sie.
Wir sind zwei Leun, an einem Tag geworfen,
Und ich der ltre und der schrecklichste;
Und Csar wird doch ausgehn.

Calpurnia.
Ach, mein Gatte!
In Zuversicht geht Eure Weisheit unter.
Geht heute doch nicht aus; nennt's meine Furcht,
Die Euch zu Hause hlt, nicht Eure eigne.
Wir senden Mark Anton in den Senat,
Zu sagen, da Ihr unpa heute seid.
Lat mich auf meinen Knien dies erbitten.

Csar.
Ja, Mark Anton soll sagen, ich sei unpa,
Und dir zulieb will ich zu Hause bleiben.
    Decius tritt auf.
Sieh, Decius Brutus kommt; der soll's bestellen.

Decius.
Heil, Csar!  Guten Morgen, wrdger Csar!
Ich komm Euch abzuholen zum Senat.

Csar.
Und seid gekommen zur gelegnen Zeit,
Den Senatoren meinen Gru zu bringen.
Sagt ihnen, da ich heut nicht kommen will;
Nicht kann, ist falsch; da ich's nicht wage, falscher;
Ich will nicht kommen heut, sagt ihnen das.

Calpurnia.
Sagt, er sei krank.

Csar.
Hilft Csar sich mit Lgen?
Streckt ich so weit erobernd meinen Arm,
Graubrten scheu die Wahrheit zu verkleiden?
Geht, Decius!  sagt nur: Csar will nicht kommen.

Decius.
Lat einen Grund mich wissen, groer Csar,
Da man mich nicht verlacht, wenn ich es sage.

Csar.
Der Grund ist nur mein Will'; ich will nicht kommen,
Das gngt zu des Senats Befriedigung.
Doch um Euch insbesondre gnug zu tun,
Weil ich Euch liebe, will ich's Euch erffnen:
Calpurnia hier, mein Weib, hlt mich zu Haus.
Sie trumte diese Nacht, sie sh mein Bildnis,
Das wie ein Springbrunn klares Blut vergo
Aus hundert Rhren; rstge Rmer kamen
Und tauchten lchelnd ihre Hnde drein.
Dies legt sie aus als Warnungen und Zeichen
Und Unglck, das uns droht, und hat mich kniend
Gebeten, heute doch nicht auszugehn.

Decius.
Ihr habt den Traum ganz irrig ausgelegt;
Es war ein schnes, glckliches Gesicht.
Eur Bildnis, Blut aus vielen Rhren spritzend,
Worein so viele Rmer lchelnd tauchten,
Bedeutet, saugen werd aus Euch das groe Rom
Belebend Blut; und groe Mnner werden
Nach Heiligtmern und nach Ehrenpfndern
Sich drngen.  Das bedeutet dieser Traum.

Csar.
Auf diese Art habt Ihr ihn wohl erklrt.

Decius.
Ja, wenn Ihr erst gehrt, was ich Euch melde.
Wit denn: an diesem Tag will der Senat
Dem groen Csar eine Krone geben.
Wenn Ihr nun sagen lat, Ihr wollt nicht kommen,
So kann es sie gereun.  Auch lie' es leicht
Zum Spott sich wenden; jemand sprche wohl:
"Verschiebt die Sitzung bis auf andre Zeit,
Wenn Csars Gattin bere Trume hat."
Wenn Csar sich versteckt, wird man nicht flstern:
"Seht!  Csar frchtet sich?"
Verzeiht mir, Csar; meine Herzensliebe
Heit dieses mich zu Eurem Vorteil sagen,
Und Schicklichkeit steht meiner Liebe nach.

Csar.
Wie tricht scheint nun Eure Angst, Calpurnia!
Ich schme mich, da ich ihr nachgegeben.
Reicht mein Gewand mir her, denn ich will gehn.
    Publius, Brutus, Ligarius, Metellus,
    Casca, Trebonius und Cinna treten auf.
Da kommt auch Publius, um mich zu holen.

Publius.
Guten Morgen, Csar!

Csar.
Publius, willkommen!--
Wie, Brutus?  seid Ihr auch so frh schon auf?--
Guten Morgen, Casca!--Cajus Ligarius,
So sehr war Csar niemals Euer Feind
Als dieses Fieber, das Euch abgezehrt.--
Was ist die Uhr?

Brutus.
Es hat schon acht geschlagen.

Csar.
Habt Dank fr Eure Mh und Hflichkeit.
    Antonius tritt auf.
Seht!  Mark Anton, der lange schwrmt des Nachts,
Ist doch schon auf.--Antonius, seid gegrt!

Antonius.
Auch Ihr, erlauchter Csar!

Csar.
Befehlt, da man im Hause fertig sei;
Es ist nicht recht, so auf sich warten lassen.
Ei, Cinna!--Ei, Metellus!--Wie, Trebonius?
Ich hab mit Euch ein Stndchen zu verplaudern;
Gedenkt daran, da Ihr mich heut besucht,
Und bleibt mir nah, damit ich Euer denke.

Trebonius.
Das will ich, Csar--(beiseite) will so nah Euch sein,
Da Eure besten Freunde wnschen sollen,
Ich wr entfernt gewesen.

Csar.
Lieben Freunde,
Kommt mit herein und trinkt ein wenig Weins,
Dann gehen wir gleich Freunden miteinander.

Brutus (beiseite).
Da gleich nicht stets dasselbe ist, o Csar!
Das Herz des Brutus blutet, es zu denken.

(Alle ab.)



Dritte Szene
Eine Strae nahe beim Kapitol

Artemidorus tritt auf und liest einen Zettel

Artemidorus.
"Csar, hte dich vor Brutus; sei wachsam gegen Cassius; halte dich
weit vom Casca; habe ein Auge auf Cinna; mitraue dem Trebonius;
beobachte den Metellus Cimber; Decius Brutus liebt dich nicht;
beleidigt hast du den Cajus Ligarius.  Nur ein Sinn lebt in allen
diesen Mnnern, und er ist gegen Csar gerichtet.  Wo du nicht
unsterblich bist, schau um dich.  Sorglosigkeit gibt der Verschwrung
Raum.  Mgen dich die groen Gtter schtzen!  Der Deinige
Artemidorus."


Hier will ich stehn, bis er vorbergeht,
Und will ihm dies als Bittschrift berreichen.
Mein Herz bejammert, da die Tugend nicht
Frei von dem Zahn des Neides leben kann.
O Csar, lies!  so bist du nicht verloren;
Sonst ist das Schicksal mit Verrat verschworen.  (Ab.)



Vierte Szene
Ein andrer Teil derselben Strae vor dem Hause des Brutus

Portia und Lucius kommen

Portia.
Ich bitt dich, Knabe, lauf in den Senat.
Halt dich mit keiner Antwort auf und geh!
Was wartest du?

Lucius.
Zu hren, was ich soll.

Portia.
Ich mchte dort und wieder hier dich haben,
Eh ich dir sagen kann, was du da sollst.
O Festigkeit, steh unverrckt mir bei,
Stell einen Fels mir zwischen Herz und Zunge!
Ich habe Mannessinn, doch Weibeskraft.
Wie fllt doch ein Geheimnis Weibern schwer!--
Bist du noch hier?

Lucius.
Was sollt ich, gndge Frau?
Nur hin zum Kapitol und weiter nichts,
Und so zurck zu Euch, und weiter nichts?

Portia.
Nein, ob dein Herr wohl aussieht, melde mir,
Denn er ging unpa fort, und merk dir recht,
Was Csar macht, wer mit Gesuch ihm naht.
Still, Knabe!  Welch Gerusch?

Lucius.
Ich hre keins.

Portia.
Ich bitt dich, horch genau.
Ich hrte wilden Lrm, als fchte man,
Und der Wind bringt vom Kapitol ihn her.

Lucius.
Gewilich, gndge Frau, ich hre nichts.

Ein Wahrsager kommt.

Portia.
Komm nher, Mann!  Wo fhrt dein Weg dich her?

Wahrsager.
Von meinem Hause, liebe gndge Frau.

Portia.
Was ist die Uhr?

Wahrsager.
Die neunte Stund etwa.

Portia.
Ist Csar schon aufs Kapitol gegangen?

Wahrsager.
Nein, gndge Frau; ich geh, mir Platz zu nehmen,
Wo er vorbeizieht auf das Kapitol.

Portia.
Du hast an Csar ein Gesuch, nicht wahr?

Wahrsager.
Das hab ich, gndge Frau.  Beliebt es Csarn,
Aus Gte gegen Csar mich zu hren,
So bitt ich ihn, es gut mit sich zu meinen.

Portia.
Wie?  weit du, da man ihm ein Leid will antun?

Wahrsager.
Keins seh ich klar vorher, viel, frcht ich, kann geschehn.
Doch guten Tag!  Hier ist die Strae eng;
Die Schar, die Csarn auf der Ferse folgt,
Von Senatoren, Prtorn, Supplikanten,
Wrd einen schwachen Mann beinah erdrcken.
Ich will an einen freiern Platz und da
Den groen Csar sprechen, wenn er kommt.  (Ab.)

Portia.
Ich mu ins Haus.  Ach, welch ein schwaches Ding
Das Herz des Weibes ist!  O Brutus!
Der Himmel helfe deinem Unternehmen.--
Gewi, der Knabe hrt' es.--Brutus wirbt um etwas,
Das Csar weigert.--O, es wird mir schlimm!
Lauf, Lucius, empfiehl mich meinem Gatten,
Sag, ich sei frhlich, komm zu mir zurck
Und melde mir, was er dir aufgetragen.

(Beide ab.)




Dritter Aufzug



Erste Szene
Das Kapitol.  Sitzung des Senats

Ein Haufe Volks in der Strae, die zum Kapitol fhrt, darunter
Artemidorus und der Wahrsager.  Trompetensto.  Csar, Brutus, Cassius,
 Casca, Decius, Metellus, Trebonius, Cinna, Antonius, Lepidus,
Popilius, Publius und andre kommen

Csar.
Des Mrzen Idus ist nun da.

Wahrsager.
Ja, Csar,
Doch nicht vorbei.

Artemidorus.
Heil, Csar!  Lies den Zettel hier.

Decius.
Trebonius bittet Euch, bei guter Weile
Dies untertnige Gesuch zu lesen.

Artemidorus.
Lies meines erst, o Csar!  Mein Gesuch
Betrifft den Csar nher; lies, groer Csar!

(Tritt dem Csar nher.)

Csar.
Was uns betrifft, werd auf die Letzt verspart.

Artemidorus.
Verschieb nicht, Csar, lies im Augenblick.

Csar.
Wie?  ist der Mensch verrckt?

Publius.
Mach Platz, Gesell!

Cassius.
Was?  Drngt ihr auf der Strae mit Gesuchen?
Kommt in das Kapitol.

(Csar geht in das Kapitol, die brigen folgen ihm.
Alle Senatoren stehen auf.)

Popilius.
Mg euer Unternehmen heut gelingen!

Cassius.
Welch Unternehmen, Lena?

Popilius.
Geh's euch wohl.

(Er nhert sich dem Csar.)

Brutus.
Was sprach Popilius Lena da?

Cassius.
Er wnschte,
Da unser Unternehmen heut gelnge;
Ich frchte, unser Anschlag ist entdeckt.

Brutus.
Seht, wie er Csarn naht!  Gebt acht auf ihn.

Cassius.
Sei schleunig, Casca, da man nicht zuvorkommt.
Was ist zu tun hier, Brutus?  Wenn es auskommt,
Kehrt Cassius oder Csar nimmer heim;
Denn ich entleibe mich.

Brutus.
Sei standhaft, Cassius.
Popilius spricht von unserm Anschlag nicht.
Er lchelt, sieh, und Csar bleibt in Ruh.

Cassius.
Trebonius nimmt die Zeit wahr, Brutus; sieh,
Er zieht geschickt den Mark Anton beiseite.

(Antonius und Trebonius ab.
Csar und die Senatoren nehmen ihre Sitze ein.)

Decius.
Wo ist Metellus Cimber?  Lat ihn gehn
Und sein Gesuch sogleich dem Csar reichen.

Brutus.
Er ist bereit; drngt an und steht ihm bei.

Cinna.
Casca, Ihr mt zuerst den Arm erheben.

Csar.
Sind alle da?  Was fr Beschwerden gibt's,
Die Csar heben mu und sein Senat?

Metellus (niederkniend).
Glorreicher, mchtigster, erhabner Csar!
Metellus Cimber wirft vor deinen Sitz
Ein Herz voll Demut nieder.

Csar.
Cimber, hr,
Ich mu zuvor dir kommen.  Dieses Kriechen,
Dies knechtische Verbeugen knnte wohl
Gemeiner Menschen Blut in Feuer setzen
Und vorbestimmte Wahl, gefaten Schlu
Zum Kinderwillen machen.  Sei nicht tricht
Und denk, so leicht emprt sei Csars Blut,
Um aufzutaun von seiner echten Kraft
Durch das, was Narrn erweicht: durch se Worte,
Gekrmmtes Bcken, hndisches Geschmeichel.
Dein Bruder ist verbannt durch einen Spruch;
Wenn du fr ihn dich bckst und flehst und schmeichelst,
So sto ich dich wie einen Hund hinweg.
Wi, Csar tut kein Unrecht; ohne Grnde
Befriedigt man ihn nicht.

Metellus.
Gibt's keine Stimme, wrdiger als meine,
Die ser tn im Ohr des groen Csar,
Fr des verbannten Bruders Wiederkehr?

Brutus.
Ich ksse deine Hand, doch nicht als Schmeichler,
Und bitte, Csar, da dem Publius Cimber
Die Rckberufung gleich bewilligt werde.

Csar.
Wie?  Brutus!

Cassius.
Gnade, Csar!  Csar, Gnade!
Auch Cassius fllt tief zu Fen dir,
Begnadigung fr Cimber zu erbitten.

Csar.
Ich liee wohl mich rhren, glich' ich euch;
Mich rhrten Bitten, bt ich, um zu rhren.
Doch ich bin standhaft wie des Nordens Stern,
Des unverrckte, ewig stete Art
Nicht ihresgleichen hat am Firmament.
Der Himmel prangt mit Funken ohne Zahl,
Und Feuer sind sie all' und jeder leuchtet;
Doch einer nur behauptet seinen Stand.
So in der Welt auch; sie ist voll von Menschen,
Und Menschen sind empfindlich, Fleisch und Blut;
Doch in der Menge wei ich einen nur,
Der unbesiegbar seinen Platz bewahrt,
Vorn Andrang unbewegt; da ich der bin,
Auch hierin lat es mich ein wenig zeigen,
Da ich auf Cimbers Banne fest bestand
Und drauf besteh, da er im Banne bleibe.

Cinna.
O Csar!

Csar.
Fort, sag ich!  Willst du den Olymp versetzen?

Decius.
Erhabner Csar!--

Csar.
Kniet nicht Brutus auch umsonst?

Casca.
Dann, Hnde, sprecht fr mich!

(Casca sticht Csarn mit dem Dolch in den Nacken.  Csar fllt ihm in
den Arm.  Er wird alsdann von verschiednen andern Verschwornen und
zuletzt von Marcus Brutus mit Dolchen durchstochen.)

Csar.
Brutus, auch du?--So falle, Csar!

(Er stirbt.  Die Senatoren und das Volk fliehen bestrzt.)

Cinna.
Befreiung!  Freiheit!  Die Tyrannei ist tot!
Lauft fort!  verkndigt!  ruft es durch die Gassen!

Cassius.
Hin zu der Rednerbhne!  Rufet aus:
"Befreiung!  Freiheit!  Wiederherstellung!"

Brutus.
Seid nicht erschrocken, Volk und Senatoren!
Flieht nicht!  Steht still!  Die Ehrsucht hat gebt.

Casca.
Geht auf die Rednerbhne, Brutus.

Decius.
Ihr, Cassius, auch.

Brutus.
Wo ist Publius?

Cinna.
Hier, ganz betroffen ber diesen Aufruhr.

Metellus.
Steht dicht beisammen, wenn ein Freund des Csar
Etwa--

Brutus.
Sprecht nicht von Stehen!--Publius, getrost!
Wir haben nicht im Sinn, Euch Leid zu tun,
Auch keinem Rmer sonst: sagt ihnen das.

Cassius.
Und geht nur, Publius, damit das Volk,
Das uns bestrmt, nicht Euer Alter krnke.

Brutus.
Tut das; und niemand steh fr diese Tat
Als wir, die Tter.

Trebonius kommt zurck.

Cassius.
Wo ist Mark Anton?

Trebonius.
Er floh bestrzt nach Haus, und Mnner, Weiber
Und Kinder blicken starr und schrein und laufen,
Als wr der jngste Tag.

Brutus.
Schicksal!  wir wollen sehn, was dir geliebt.
Wir wissen, da wir sterben werden; Frist
Und Zeitgewinn nur ist der Menschen Trachten.

Cassius.
Ja, wer dem Leben zwanzig Jahre raubt,
Der raubt der Todesfurcht so viele Jahre.

Brutus.
Gesteht das ein, und Wohltat ist der Tod.
So sind wir Csars Freunde, die wir ihm
Die Todesfurcht verkrzten.  Bckt euch, Rmer,
Lat unsre Hnd in Csars Blut uns baden
Bis an die Ellenbogen!  Frbt die Schwerter!
So treten wir hinaus bis auf den Markt,
Und, berm Haupt die roten Waffen schwingend,
Ruft alle dann: "Erlsung!  Friede!  Freiheit!"

Cassius.
Bckt euch und taucht!  In wie entfernter Zeit
Wird man dies hohe Schauspiel wiederholen,
In neuen Zungen und mit fremdem Pomp!

Brutus.
Wie oft wird Csar noch zum Spiele bluten,
Der jetzt am Fugestell Pompejus' liegt,
Dem Staube gleich geachtet!

Cassius.
Sooft als das geschieht,
Wird man auch unsern Bund, die Mnner nennen,
Die Freiheit wiedergaben ihrem Land.

Decius.
Nun, sollen wir hinaus?

Cassius.
Ja, alle fort!
Brutus voran, und seine Tritte zieren
Wir mit den khnsten, besten Herzen Roms.

Ein Diener kommt.

Brutus.
Doch stillt Wer kommt?  Ein Freund des Mark Anton.

Diener.
So, Brutus, hie mich mein Gebieter knien,
So hie Antonius mich niederfallen,
Und tief im Staube hie er so mich reden:
"Brutus ist edel, tapfer, weis und redlich,
Csar war gro, khn, kniglich und gtig.
Sprich: Brutus lieb ich, und ich ehr ihn auch.
Sprich: Csarn frchtet ich, ehrt ihn und liebt ihn.
Will Brutus nur gewhren, da Anton
Ihm sicher nahen und erforschen drfe,
Wie Csar solche Todesart verdient,
So soll dem Mark Anton der tote Csar
So teuer nicht als Brutus lebend sein;
Er will vielmehr dem Los und der Partei
Des edlen Brutus unter den Gefahren
Der wankenden Verfassung treulich folgen."
Dies sagte mein Gebieter, Mark Anton.

Brutus.
Und dein Gebieter ist ein wackrer Rmer,
So achtet ich ihn stets.
Sag, wenn es ihm geliebt, hieher zu kommen,
So steh ich Red ihm und, bei meiner Ehre,
Entla ihn ungekrnkt.

Diener.
Ich hol ihn gleich.  (Ab.)

Brutus.
Ich wei, wir werden ihn zum Freunde haben.

Cassius.
Ich wnsch es; doch es wohnt ein Sinn in mir,
Der sehr ihn frchtet; und mein Unglcksahnen
Trifft immer ein aufs Haar.

Antonius kommt zurck.

Brutus.
Hier kommt Antonius ja.--Willkommen, Mark Anton!

Antonius.
O groer Csar!  liegst du so im Staube?
Sind alle deine Siege, Herrlichkeiten,
Triumphe, Beuten eingesunken nun
In diesen kleinen Raum?--Gehab dich wohl!--
Ich wei nicht, edle Herrn, was ihr gedenkt,
Wer sonst noch bluten mu, wer reif zum Fall.
Wofern ich selbst kann keine Stunde besser
Als Csars Todesstunde, halb so kostbar
Kein Werkzeug sein, als diese eure Schwerter,
Geschmckt mit Blut, dem edelsten der Welt.
Ich bitt euch, wenn ihr's feindlich mit mir meint,
Jetzt, da noch eure Purpurhnde dampfen,
Bt eure Lust.  Und lebt ich tausend Jahre,
Nie werd ich so bereit zum Tod mich fhlen;
Kein Ort gefllt mir so, kein Weg zum Tode,
Als hier beim Csar fallen, und durch euch,
Die ersten Heldengeister unsrer Zeit.

Brutus.
O Mark Anton!  begehrt nicht Euren Tod.
Wir mssen blutig zwar und grausam scheinen,
Wie unsre Hnd und die geschehne Tat
Uns zeigen; doch Ihr seht die Hnde nur,
Und dieses blutge Werk, so sie vollbracht;
Nicht unsre Herzen: sie sind mitleidsvoll,
Und Mitleid gegen Roms gesamte Not
(Wie Feuer Feuer lscht, so Mitleid Mitleid)
Verbt' an Csarn dies.  Was Euch betrifft,
Fr Euch sind unsre Schwerter stumpf, Anton.
Seht, unsre Arme, trotz verbter Tcke,
Und unsre Herzen, brderlich gesinnt,
Empfangen Euch mit aller Innigkeit,
mit redlichen Gedanken und mit Achtung.

Cassius.
Und Eure Stimme soll soviel als jede
Bei der Verteilung neuer Wrden gelten.

Brutus.
Seid nur geduldig, bis wir erst das Volk
Beruhigt, das vor Furcht sich selbst nicht kennt;
Dann legen wir den Grund Euch dar, weswegen
Ich, der den Csar liebt', als ich ihn schlug,
Also verfahren.

Antonius.
Ich bau auf eure Weisheit.
Mir reiche jeder seine blutge Hand;
Erst, Marcus Brutus, schtteln wir sie uns;
Dann, Cajus Cassius, fa ich Eure Hand;
Nun Eure, Decius Brutus; Eure, Cinna;
Metellus, Eure nun; mein tapfrer Casca,
Die Eure; reicht, Trebonius, Eure mir
Zuletzt, doch nicht der letzte meinem Herzen.
Ach, all ihr edlen Herrn, was soll ich sagen,
Mein Ansehn steht jetzt auf so glattem Boden,
Da ich euch eines von zwei schlimmen Dingen,
Ein Feiger oder Schmeichler, scheinen mu.
Da ich dich liebte, Csar, o 's ist wahr!
Wofern dein Geist jetzt niederblickt auf uns,
Wird's dich nicht krnken, bittrer als dein Tod,
Zu sehn, wie dein Antonius Frieden macht
Und deiner Feinde blutge Hnde drckt,
Du Edelster, in deines Leichnams Nhe?
Htt ich so manches Aug als Wunden du,
Und jedes strmte Trnen, wie sie Blut,
Das ziemte besser mir, als einen Bund
Der Freundschaft einzugehn mit deinen Feinden.
Verzeih mir, Julius!--Du edler Hirsch,
Hier wurdest du erjagt, hier fielest du;
Hier stehen deine Jger, mit den Zeichen
Des Mordes und von deinem Blut bepurpurt.
O Welt, du warst der Wald fr diesen Hirsch,
Und er, o Welt!  war seines Waldes Stolz.--
Wie hnlich einem Wild, von vielen Frsten
Geschossen, liegst du hier!

Cassius.
Antonius--

Antonius.
Verzeiht mir, Cajus Cassius;
Dies werden selbst die Feinde Csars sagen,
An einem Freund ist's kalte Migung.

Cassius.
Ich tadl Euch nicht, da Ihr den Csar preist;
Allein, wie denkt Ihr Euch mit uns zu stehen?
Seid Ihr von unsern Freunden?  oder sollen
Wir vorwrtsdringen, ohn auf Euch zu baun?

Antonius.
Deswegen fat ich eure Hnde; nur
Verga ich mich, als ich auf Csarn blickte.
Ich bin euch allen Freund und lieb euch alle,
In Hoffnung, eure Grnde zu vernehmen,
Wie und warum gefhrlich Csar war.

Brutus.
Jawohl, sonst wr dies ein unmenschlich Schauspiel.
Und unsre Grnde sind so wohl bedacht,
Wrt Ihr der Sohn des Csar, Mark Anton,
Sie gngten Euch.

Antonius.
Das such ich einzig ja.
Auch halt ich an um die Vergnstigung,
Den Leichnam auszustellen auf dem Markt
Und auf der Bhne, wie's dem Freunde ziemt,
Zu reden bei der Feier der Bestattung.

Brutus.
Das mgt Ihr, Mark Anton.

Cassius.
Brutus, ein Wort mit Euch.
(Beiseite.)  Ihr wit nicht, was Ihr tut; gestattet nicht,
Da ihm Antonius die Rede halte.
Wit Ihr, wie sehr das Volk durch seinen Vortrag
Sich kann erschttern lassen?

Brutus.
Nein, verzeiht.
Ich selbst betrete erst die Bhn und lege
Von unsers Csars Tod die Grnde dar.
Was dann Antonius sagen wird, erklr ich,
Gescheh erlaubt und mit Bewilligung;
Es sei uns recht, da Csar jeder Ehre
Teilhaftig werde, so die Sitte heiligt.
Dies wird uns mehr Gewinn als Schaden bringen.

Cassius.
Wer wei, was vorfllt?  Ich bin nicht dafr.

Brutus.
Hier, Mark Anton, nehmt Ihr die Leiche Csars.
Ihr sollt uns nicht in Eurer Rede tadeln,
Doch sprecht von Csarn Gutes nach Vermgen
Und sagt, da Ihr's mit unserm Willen tut.
Sonst sollt Ihr gar mit dem Begrbnis nichts
Zu schaffen haben.  Auf derselben Bhne,
Zu der ich jetzo gehe, sollt Ihr reden,
Wenn ich zu redet, aufgehrt.

Antonius.
So sei's!
Ich wnsche weiter nichts.

Brutus.
Bereitet denn die Leich und folget uns.

(Alle bis auf Antonius ab.)

Antonius.
O du, verzeih mir, blutend Stckchen Erde!
Da ich mit diesen Schlchtern freundlich tat.
Du bist der Rest des edelsten der Mnner,
Der jemals lebt, im Wechsellauf der Zeit.
Weh!  weh der Hand, die dieses Blut vergo!
Jetzt prophezei ich ber deinen Wunden,
Die ihre Purpurlippen ffnen, stumm
Von meiner Zunge Stimm und Wort erflehend:
Ein Fluch wird fallen auf der Menschen Glieder,
Und innre Wut und wilder Brgerzwist
Wird ngsten alle Teil' Italiens;
Verheerung, Mord wird so zur Sitte werden
Und so gemein das Furchtbarste, da Mtter
Nur lcheln, wenn sie ihre zarten Kinder
Gevierteilt von des Krieges Hnden sehn.
Die Fertigkeit in Greueln wrgt das Mitleid;
Und Csars Geist, nach Rache jagend, wird,
Zur Seit ihm Ate, hei der Hll entstiegen,
In diesen Grenzen mit des Herrschers Ton
Mord rufen und des Krieges Hund' entfesseln,
Da diese Schandtat auf zum Himmel stinke
Von Menschenaas, das um Bestattung chzt.
    Ein Diener kommt.
Ihr dienet dem Octavius Csar?  nicht?

Diener.
Ja, Mark Anton.

Antonius.
Csar beschied ihn schriftlich her nach Rom.

Diener.
Den Brief empfing er und ist unterwegs;
Und mndlich hie er mich an Euch bestellen
    (Er erblickt den Leichnam Csars.)
O Csar!

Antonius.
Dein Herz ist voll, geh auf die Seit und weine.
Ich sehe, Leid steckt an; denn meine Augen,
Da sie des Grames Perlen sahn in deinen,
Begannen sie zu flieen--Kommt dein Herr?

Diener.
Er bleibt zur Nacht von Rom nur sieben Meilen.

Antonius.
Reit schnell zurck und meld' ihm, was geschehn.
Hier ist ein Rom voll Trauer und Gefahr,
Kein sichres Rom noch fr Octavius.
Eil hin und sag ihm das!--Nein, warte noch!
Du sollst nicht fort, bevor ich diese Leiche
Getragen auf den Markt und meine Rede
Das Volk geprft, wie dieser blutgen Mnner
Unmenschliches Beginnen ihm erscheint.
Und demgem sollst du dem jungen Csar
Berichten, wie allhier die Dinge stehn.
Leih deinen Arm mir.

(Beide ab mit Csars Leiche.)



Zweite Szene
Das Forum

Brutus und Cassius kommen mit einem Haufen Volks

Brger.
Wir wollen Rechenschaft!  Legt Rechenschaft uns ab!

Brutus.
So folget mir und gebt Gehr mir, Freunde.--
Ihr, Cassius geht in eine andre Strae
Und teilt die Haufen--
Wer mich will reden hren, bleibe hier;
Wer Cassius folgen will, der geh mit ihm.
Wir wollen ffentlich die Grnd' erklren
Von Csars Tod.

Erster Brger.
Ich will den Brutus hren.

Zweiter Brger.
Den Cassius ich: so knnen wir die Grnde
Vergleichen, wenn wir beide angehrt.

(Cassius mit einigen Brgern ab.  Brutus besteigt die Rostra.)

Dritter Brger.
Der edle Brutus steht schon oben--still!

Brutus.
Seid ruhig zum Schlu.
Rmer!  Mitbrger!  Freunde!  Hrt mich meine Sache fhren und seid
still, damit ihr hren mget.  Glaubt mir um meiner Ehre willen und
hegt Achtung vor meiner Ehre, damit ihr glauben mgt.  Richtet mich
nach eurer Weisheit und weckt eure Sinne, um desto besser urteilen zu
knnen.  Ist jemand in dieser Versammlung, irgendein herzlicher Freund
Csars, dem sage ich: des Brutus Liebe zum Csar war nicht geringer
als seine.  Wenn dieser Freund dann fragt, warum Brutus gegen Csar
aufstand, ist dies meine Antwort: nicht, weil ich Csarn weniger
liebte, sondern weil ich Rom mehr liebte.  Wolltet ihr lieber, Csar
lebte und ihr strbet alle als Sklaven, als da Csar tot ist, damit
ihr alle lebet wie freie Mnner?  Weil Csar mich liebte, wein ich um
ihn; weil er glcklich war, freue ich mich; weil er tapfer war, ehr
ich ihn; aber weil er herrschschtig war, erschlug ich ihn.  Also
Trnen fr seine Liebe, Freude fr sein Glck, Ehre fr seine
Tapferkeit und Tod fr seine Herrschsucht.  Wer ist hier so niedrig
gesinnt, da er ein Knecht sein mchte?  Ist es jemand, er rede, denn
ihn habe ich beleidigt.  Wer ist hier so roh, da er nicht wnschte,
ein Rmer zu sein?  Ist es jemand, er rede, denn ihn habe ich
beleidigt.  Wer ist hier so schlecht, da er sein Vaterland nicht
liebte?  Ist es jemand, er rede, denn ihn habe ich beleidigt.  Ich
halte inne, um Antwort zu hren.

Brger (verschiedene Stimmen auf einmal).
Niemand, Brutus!  niemand!

Brutus.
Dann habe ich niemand beleidigt.  Ich tat Csarn nichts, als was ihr
dem Brutus tun wrdet.  Die Untersuchung ber seinen Tod ist im
Kapitol aufgezeichnet; sein Ruhm nicht geschmlert, wo er Verdienste
hatte, seine Vergehen nicht bertrieben, fr die er den Tod gelitten.
    Antonius und andre treten auf mit Csars Leiche.
Hier kommt seine Leiche, von Mark Anton betrauert, der, ob er schon
keinen Teil an seinem Tode hatte, die Wohltat seines Sterbens, einen
Platz im gemeinen Wesen, genieen wird.  Wer von euch wird es nicht?
Hiermit trete ich ab.  Wie ich meinen besten Freund fr das Wohl Roms
erschlug, so habe ich denselben Dolch fr mich selbst, wenn es dem
Vaterland gefllt, meinen Tod zu bedrfen.

Brger.
Lebe, Brutus!  lebe!  lebe!

Erster Brger.
Begleitet mit Triumph ihn in sein Haus.

Zweiter Brger.
Stellt ihm ein Bildnis auf bei seinen Ahnen.

Dritter Brger.
Er werde Csar!

Vierter Brger.
Im Brutus krnt ihr Csars bere Gaben.

Erster Brger.
Wir bringen ihn zu Haus mit lautem Jubel.

Brutus.  Mitbrger--

Zweiter Brger.
Schweigt doch!  Stille!  Brutus spricht.

Erster Brger.
Still da!

Brutus.
Ihr guten Brger, lat allein mich gehn;
Bleibt mir zuliebe hier beim Mark Anton.
Ehrt Csars Leiche, ehret seine Rede,
Die Csars Ruhm verherrlicht.  Dem Antonius
Gab unser Will' Erlaubnis, sie zu halten.
Ich bitt euch, keiner gehe fort von hier
Als ich allein, bis Mark Anton gesprochen.  (Ab.)

Erster Brger.
He, bleibt doch!  Hren wir den Mark Anton.

Dritter Brger.
Lat ihn hinaufgehn auf die Rednerbhne.
Ja, hrt ihn!  Edler Mark Anton, hinauf!

Antonius.
Um Brutus' willen bin ich euch verpflichtet.

Vierter Brger.
Was sagt er da vom Brutus?

Dritter Brger.
Er sagt, um Brutus' willen find er sich
Uns insgesamt verpflichtet.

Vierter Brger.
Er tte wohl,
Dem Brutus hier nichts bles nachzureden.

Erster Brger.
Der Csar war ein Tyrann.

Dritter Brger.
Ja, das ist sicher;
Es ist ein Glck fr uns, da Rom ihn los ward.

Vierter Brger.
Still!  Hrt doch, was Antonius sagen kann!

Antonius.
Ihr edlen Rmer--

Brger.
Still da!  hrt ihn doch!

Antonius.
Mitbrger!  Freunde!  Rmer!  hrt mich an:
Begraben will ich Csarn, nicht ihn preisen.
Was Menschen bles tun, das berlebt sie,
Das Gute wird mit ihnen oft begraben.
So sei es auch mit Csarn!  Der edle Brutus
Hat euch gesagt, da er voll Herrschsucht war;
Und war er das, so war's ein schwer Vergehen,
Und schwer hat Csar auch dafr gebt.
Hier, mit des Brutus Willen und der andern
(Denn Brutus ist ein ehrenwerter Mann,
Das sind sie alle, alle ehrenwert),
Komm ich, bei Csars Leichenzug zu reden.
Er war mein Freund, war mir gerecht und treu;
Doch Brutus sagt, da er voll Herrschsucht war,
Und Brutus ist ein ehrenwerter Mann.
Er brachte viel Gefangne heim nach Rom,
Wofr das Lsegeld den Schatz gefllt.
Sah das der Herrschsucht wohl am Csar gleich?
Wenn Arme zu ihm schrien, so weinte Csar;
Die Herrschsucht sollt aus hrterm Stoff bestehn.
Doch Brutus sagt, da er voll Herrschsucht war,
Und Brutus ist ein ehrenwerter Mann.
Ihr alle saht, wie am Lupercusfest
Ich dreimal ihm die Knigskrone bot,
Die dreimal er geweigert.  War das Herrschsucht?
Doch Brutus sagt, da er voll Herrschsucht war,
Und ist gewi ein ehrenwerter Mann.
Ich will, was Brutus sprach, nicht widerlegen;
Ich spreche hier von dem nur, was ich wei.
Ihr liebtet all ihn einst nicht ohne Grund;
Was fr ein Grund wehrt euch, um ihn zu trauern?
O Urteil, du entflohst zum blden Vieh,
Der Mensch ward unvernnftig!--Habt Geduld!
Mein Herz ist in dem Sarge hier beim Csar,
Und ich mu schweigen, bis es mir zurckkommt.

Erster Brger.
Mich dnkt, in seinen Reden ist viel Grund.

Zweiter Brger.
Wenn man die Sache recht erwgt, ist Csarn
Gro Unrecht widerfahren.

Dritter Brger.
Meint Ihr, Brger?
Ich frcht, ein Schlimmrer kommt an seine Stelle.

Vierter Brger.
Habt ihr gehrt?  Er nahm die Krone nicht;
Da sieht man, da er nicht herrschschtig war.

Erster Brger.
Wenn dem so ist, so wird es manchem teuer
Zu stehen kommen.

Zweiter Brger.
Ach, der arme Mann!
Die Augen sind ihm feuerrot vom Weinen.

Dritter Brger.
Antonius ist der bravste Mann in Rom.

Vierter Brger.
Gebt acht!  Er fngt von neuem an zu reden.

Antonius.
Noch gestern htt umsonst dem Worte Csars
Die Welt sich widersetzt; nun liegt er da,
Und der Geringste neigt sich nicht vor ihm.
O Brger!  strebt ich, Herz und Mut in euch
Zur Wut und zur Emprung zu entflammen,
So tt ich Cassius und Brutus Unrecht,
Die ihr als ehrenwerte Mnner kennt.
Ich will nicht ihnen Unrecht tun, will lieber
Dem Toten Unrecht tun, mir selbst und euch,
Als ehrenwerten Mnnern, wie sie sind.
Doch seht dies Pergament mit Csars Siegel;
Ich fand's bei ihm, es ist sein letzter Wille.
Vernhme nur das Volk dies Testament
(Das ich, verzeiht mir, nicht zu lesen denke),
Sie gingen hin und kten Csars Wunden
Und tauchten Tcher in sein heilges Blut,
Ja, bten um ein Haar zum Angedenken,
Und sterbend nennten sie's im Testament
Und hinterlieen's ihres Leibes Erben
Zum kstlichen Vermchtnis.

Vierter Brger.
Wir wollen's hren: lest das Testament!
Lest, Mark Anton!

Brger.
Ja, ja, das Testament!
Lat Csars Testament uns hren.

Antonius.
Seid ruhig, lieben Freund'!  Ich darf's nicht lesen,
Ihr mt nicht wissen, wie euch Csar liebte.
Ihr seid nicht Holz, nicht Stein, ihr seid ja Menschen;
Drum, wenn ihr Csars Testament erfhrt,
Es setzt' in Flammen euch, es macht' euch rasend.
Ihr drft nicht wissen, da ihr ihn beerbt,
Denn wtet ihr's, was wrde draus entstehn?

Brger.
Lest das Testament!  Wir wollen's hren, Mark Anton!
Ihr mt es lesen!  Csars Testament!

Antonius.
Wollt ihr euch wohl gedulden?  wollt ihr warten?
Ich bereilte mich, da ich's euch sagte.
Ich frcht, ich tu den ehrenwerten Mnnern
Zu nah, durch deren Dolche Csar fiel;
Ich frchte es.

Vierter Brger.
Sie sind Verrter: ehrenwerte Mnner!

Brger.
Das Testament!  Das Testament!

Zweiter Brger.
Sie waren Bsewichter, Mrder!  Das Testament!
Lest das Testament!

Antonius.
So zwingt ihr mich, das Testament zu lesen?
Schliet einen Kreis um Csars Leiche denn,
Ich zeig euch den, der euch zu Erben machte.
Erlaubt ihr mir's?  Soll ich hinuntersteigen?

Brger.
Ja, kommt nur!

Zweiter Brger.
Steigt herab!

(Er verlt die Rednerbhne.)

Dritter Brger.
Es ist Euch gern erlaubt.

Vierter Brger.
Schliet einen Kreis herum.

Erster Brger.
Zurck vom Sarge!  von der Leiche weg!

Zweiter Brger.
Platz fr Antonius!  fr den edlen Antonius!

Antonius.
Nein, drngt nicht so heran!  Steht weiter weg!

Brger.
Zurck!  Platz da!  zurck!

Antonius.
Wofern ihr Trnen habt, bereitet euch,
Sie jetzo zu vergieen.  Diesen Mantel,
Ihr kennt ihn alle; doch erinnr' ich mich
Des ersten Males, da ihn Csar trug
In seinem Zelt, an einem Sommerabend--
Er berwand den Tag die Nervier--
Hier, schauet!  fuhr des Cassius Dolch herein;
Seht, welchen Ri der tcksche Casca machte!
Hier stie der vielgeliebte Brutus durch;
Und als er den verfluchten Stahl hinwegri,
Schaut her, wie ihm das Blut des Csar folgte,
Als strzt' es vor die Tr, um zu erfahren,
Ob wirklich Brutus so unfreundlich klopfte.
Denn Brutus, wie ihr wit, war Csars Engel.
Ihr Gtter, urteilt, wie ihn Csar liebte!
Kein Stich von allen schmerzte so wie der.
Denn als der edle Csar Brutus sah,
Warf Undank, strker als Verrterwaffen,
Ganz nieder ihn; da brach sein groes Herz,
Und in dem Mantel sein Gesicht verhllend,
Grad am Gestell der Sule des Pompejus,
Von der das Blut rann, fiel der groe Csar.
O meine Brger, welch ein Fall war das!
Da fielet ihr und ich, wir alle fielen,
Und ber uns frohlockte blutge Tcke.
O ja!  nun weint ihr, und ich merk, ihr fhlt
Den Drang des Mitleids; dies sind milde Tropfen.
Wie?  weint ihr, gute Herzen, seht ihr gleich
Nur unsers Csars Kleid verletzt?  Schaut her!
Hier ist er selbst, geschndet von Verrtern.

Erster Brger.
O klglich Schauspiel!

Zweiter Brger.
O edler Csar!

Dritter Brger.
O jammervoller Tag!

Vierter Brger.
O Buben und Verrter!

Erster Brger.
O blutger Anblick!

Zweiter Brger.
Wir wollen Rache!  Rache!  Auf und sucht!
Sengt!  brennt!  schlagt!  mordet!  lat nicht einen leben!

Antonius.
Seid ruhig, meine Brger!

Erster Brger.
Still da!  Hrt den edlen Antonius!

Zweiter Brger.
Wir wollen ihn hren, wir wollen ihm folgen,
wir wollen fr ihn sterben!

Antonius.
Ihr guten, lieben Freund', ich mu euch nicht
Hinreien zu des Aufruhrs wildem Sturm.
Die diese Tat getan, sind ehrenwert.
Was fr Beschwerden sie persnlich fhren,
Warum sie's taten, ach!  das wei ich nicht;
Doch sind sie weis und ehrenwert, und werden
Euch sicherlich mit Grnden Rede stehn.
Nicht euer Herz zu stehlen, komm ich, Freunde;
Ich bin kein Redner, wie es Brutus ist,
Nur, wie ihr alle wit, ein schlichter Mann
Dem Freund ergeben, und das wuten die
Gar wohl, die mir gestattet, hier zu reden.
Ich habe weder Witz noch Wort' und Wrde,
Noch Kunst des Vortrags noch die Macht der Rede,
Der Menschen Blut zu reizen; nein, ich spreche
Nur gradezu und sag euch, was ihr wit.
Ich zeig euch des geliebten Csars Wunden,
Die armen stummen Munde, heie die
Statt meiner reden.  Aber wr ich Brutus
Und Brutus Mark Anton, dann gb es einen,
Der eure Geister schrt' und jeder Wunde
Des Csars eine Zunge lieh', die selbst
Die Steine Roms zum Aufstand wrd empren.

Dritter Brger.
Emprung!

Erster Brger.
Steckt des Brutus Haus in Brand!

Dritter Brger.
Hinweg denn!  kommt, sucht die Verschwornen auf!

Antonius.
Noch hrt mich, meine Brger, hrt mich an!

Brger.
Still da!  Hrt Mark Anton!  den edlen Mark Anton!

Antonius.
Nun, Freunde, wit ihr selbst auch, was ihr tut?
Wodurch verdiente Csar eure Liebe?
Ach nein!  ihr wit nicht.--Hrt es denn!  Vergessen
Habt ihr das Testament, wovon ich sprach.

Brger.
Wohl wahr!  Das Testament!  Bleibt, hrt das Testament!

Antonius.
Hier ist das Testament mit Csars Siegel;
Darin vermacht er jedem Brger Roms,
Auf jeden Kopf euch, fnfundsiebzig Drachmen.

Zweiter Brger.
O edler Csar!--Kommt, rcht seinen Tod!

Dritter Brger.
O kniglicher Csar.

Antonius.
Hrt mich mit Geduld!

Brger.
Still da!

Antonius.
Auch lt er alle seine Lustgehege,
Verschlone Lauben, neugepflanzte Grten
Diesseit der Tiber euch und euren Erben
Auf ewge Zeit, damit ihr euch ergehn
Und euch gemeinsam dort ergtzen knnt.
Das war ein Csar: wann kommt seinesgleichen?

Erster Brger.
Nimmer!  nimmer!--Kommt!  hinweg!  hinweg!  hinweg!
Verbrennt den Leichnam auf dem heilgen Platze,
Und mit den Brnden zndet den Verrtern
Die Huser an.  Nehmt denn die Leiche auf!

Zweiter Brger.
Geht!  holt Feuer!

Dritter Brger.
Reit Bnke ein!

Vierter Brger.
Reit Sitze, Lden, alles ein!

(Die Brger mit Csars Leiche ab.)

Antonius.
Nun wirk es fort.  Unheil, du bist im Zuge:
Nimm, welchen Lauf du willst!--
    Ein Diener kommt.
Was bringst du, Bursch?

Diener.
Herr!  Octavius ist schon nach Rom gekommen.

Antonius.
Wo ist er?

Diener.
Er und Lepidus sind in Csars Hause.

Antonius.
Ich will sofort dahin, ihn zu besuchen,
Er kommt erwnscht.  Das Glck ist aufgerumt
Und wird in dieser Laun uns nichts versagen.

Diener.
Ich hrt ihn sagen, Cassius und Brutus
Sei'n durch die Tore Roms wie toll geritten.

Antonius.
Vielleicht vernahmen sie vom Volke Kundschaft,
Wie ich es aufgewiegelt.  Fhr indes
Mich zum Octavius.  (Beide ab.)



Dritte Szene
Eine Strae

Cinna, der Poet, tritt auf

Cinna.
Mir trumte heut, da ich mit Csarn schmauste,
Und Migeschick fllt meine Phantasie.
Ich bin unlustig, aus dem Haus zu gehn,
Doch treibt es mich heraus.

Brger kommen.

Erster Brger.
Wie ist Euer Name?

Zweiter Brger.
Wo geht Ihr hin?

Dritter Brger.
Wo wohnt Ihr?

Vierter Brger.
Seid Ihr verheiratet oder ein Junggesell?

Zweiter Brger.
Antwortet jedem unverzglich.

Erster Brger.
Ja, und krzlich.

Vierter Brger.
Ja, und weislich.

Dritter Brger.
Ja, und ehrlich, das raten wir Euch.

Cinna.
Wie ist mein Name?  Wohin gehe ich?  Wo wohne ich?  Bin ich
verheiratet oder ein Junggesell?  Also um jedem Manne unverzglich und
krzlich, weislich und ehrlich zu antworten, sage ich weislich: ich
bin ein Junggesell.

Zweiter Brger.
Das heit soviel: wer heiratet, ist ein Narr.  Dafr Denke ich Euch
eins zu versetzen.  Weiter, unverzglich!

Cinna.
Unverzglich gehe ich zu Csars Bestattung.

Erster Brger.
Als Freund oder Feind?

Cinna.
Als Freund.

Zweiter Brger.
Das war unverzglich beantwortet.

Vierter Brger.
Eure Wohnung, krzlich!

Cinna.
Krzlich, ich wohne beim Kapitol.

Dritter Brger.
Euer Name, Herr!  ehrlich!

Cinna.
Ehrlich, mein Name ist Cinna.

Erster Brger.
Reit ihn in Stcke!  Er ist ein Verschworner.

Cinna.
Ich bin Cinna, der Poet!  Ich bin Cinna, der Poet!

Vierter Brger.
Zerreit ihn fr seine schlechten Verse!  Zerreit ihn fr seine
schlechten Verse!

Cinna.
Ich bin nicht Cinna, der Verschworne.

Vierter Brger.
Es tut nichts!  sein Name ist Cinna; reit ihm den Namen aus dem
Herzen und lat ihn laufen.

Dritter Brger.
Zerreit ihn!  Zerreit ihn!  Kommt, Brnde!  Heda, Feuerbrnde!  Zum
Brutus!  Zum Cassius!  Steckt alles in Brand!  Ihr zu des Decius Hause!
  Ihr zu des Casca!  Ihr zu des Ligarius!  Fort!  Kommt!

(Alle ab.)




Vierter Aufzug



Erste Szene
Rom.  Ein Zimmer des Antonius

Antonius, Octavius und Lepidus, an einem Tische sitzend

Antonius.
Die mssen also sterben, deren Namen
Hier angezeichnet stehn.

Octavius.
Auch Euer Bruder
Mu sterben, Lepidus.  Ihr willigt drein?

Lepidus.
Ich willge drein.

Octavius.
Zeichn ihn, Antonius.

Lepidus.
Mit dem Beding, da Publius nicht lebe,
Der Eurer Schwester Sohn ist, Mark Anton.

Antonius.
Er lebe nicht; sieh her, ein Strich verdammt ihn.
Doch Lepidus, geht Ihr zu Csars Haus,
Bringt uns sein Testament; wir wollen sehn,
Was an Vermchtnissen sich krzen lt.

Lepidus.
Wie?  Soll ich hier euch finden?

Octavius.
Hier oder auf dem Kapitol.  (Lepidus ab.)

Antonius.
Dies ist ein schwacher, unbrauchbarer Mensch,
Zum Botenlaufen nur geschickt.  Verdient er,
Wenn man die dreibenannte Welt verteilt,
Da er als dritter Mann sein Teil empfange?

Octavius.
Ihr glaubtet es und hrtet auf sein Wort,
Wen man im schwarzen Rate unsrer Acht
Zum Tode zeichnen sollte.

Antonius.
Octavius, ich sah mehr Tag' als Ihr.
Ob wir auf diesen Mann schon Ehren hufen,
Um manche Last des Leumunds abzuwlzen,
Er trgt sie doch nur wie der Esel Gold,
Der unter dem Geschfte sthnt und schwitzt,
Gefhrt, getrieben, wie den Weg wir weisen;
Und hat er unsern Schatz, wohin wir wollen,
Gebracht, dann nehmen wir die Last ihm ab
Und lassen ihn als ledgen Esel laufen,
Da er die Ohren schtteln mg und grasen
Auf offner Weide.

Octavius.
Tut, was Euch beliebt;
Doch ist er ein geprfter, wackrer Krieger.

Antonius.
Das ist mein Pferd ja auch, Octavius,
Dafr bestimm ich ihm sein Ma von Futter.
Ist's ein Geschpf nicht, das ich lehre fechten,
Umwenden, halten, grade vorwrts rennen,
Des krperliches Tun mein Geist regiert?
In manchem Sinn ist Lepidus nichts weiter:
Man mu ihn erst abrichten, lenken, mahnen;
Ein Mensch von drftgem Geiste, der sich nhrt
Von Gegenstnden, Knsten, Nachahmungen,
Die, alt und schon von andern abgenutzt,
Erst seine Mode werden.  Sprecht nicht anders
Von ihm als einem Werkzeug nur.--Und nun,
Octavius, vernehmet groe Dinge:
Brutus und Cassius werben Vlker an,
Wir mssen ihnen stracks die Spitze bieten;
Drum lat die Bundsgenossen uns versammeln,
Die Freunde sichern, alle Macht aufbieten;
Und lat zu Rat uns sitzen alsobald,
Wie man am besten Heimliches entdeckt
Und offnen Fhrlichkeiten sicher trotzt.

Octavius.
Das lat uns tun; denn uns wird aufgelauert,
Und viele Feinde bellen um uns her;
Und manche, so da lcheln, frcht ich, tragen
Im Herzen tausend Unheil.  (Beide ab.)



Zweite Szene
Vor Brutus' Zelte im Lager nahe bei Sardes

Trommeln werden gerhrt.  Brutus, Lucilius, Lucius und Soldaten treten
auf.  Pindarus und Titinius kommen ihnen entgegen

Brutus.
Halt!

Lucilius.
He!  Gebt das Wort und haltet.

Brutus.
Was gibt's, Lucilius?  Ist Cassius nahe?

Lucilius.
Er ist nicht weit, und hier kommt Pindarus,
Im Namen seines Herrn Euch zu begren.

(Pindarus berreicht dem Brutus einen Brief.)

Brutus.
Sein Gru ist freundlich.  Wit, da Euer Herr,
Von selbst verndert oder schlecht beraten,
Mir gltgen Grund gegeben, ungeschehn
Geschehenes zu wnschen.  Aber ist er
Hier in der Nh, so wird er mir genugtun.

Pindarus.
Ich zweifle nicht, voll Ehr und Wrdigkeit
Wird, wie er ist, mein edler Herr erscheinen.

Brutus.
Wir zweifeln nicht an ihm.--Ein Wort, Lucilius:
Lat mich erfahren, wie er Euch empfing.

Lucilius.
Mit Hflichkeit und Ehrbezeugung gnug,
Doch nicht mit so vertrauter Herzlichkeit,
Nicht mit so freiem, freundlichem Gesprch,
Als er vordem wohl pflegte.

Brutus.
Du beschreibst,
Wie warme Freund' erkalten.  Merke stets
Lucilius, wenn Lieb erkrankt und schwindet,
Nimmt sie gezwungne Hflichkeiten an.
Einfltge, schlichte Treu wei nichts von Knsten;
Doch Gleisner sind wie Pferde, hei im Anlauf:
Sie prangen schn mit einem Schein von Kraft;
Doch sollen sie den blutgen Sporn erdulden,
So sinkt ihr Stolz, und falschen Mhren gleich
Erliegen sie der Prfung.--Naht sein Heer?

Lucilius.
Sie wollten Nachtquartier in Sardes halten.
Der grte Teil, die ganze Reiterei
Kommt mit dem Cassius.

(Ein Marsch hinter der Szene.)

Brutus.
Horch!  Er ist schon da.
Rckt langsam ihm entgegen.

Cassius tritt auf mit Soldaten.

Cassius.
Halt!

Brutus.
Halt!  Gebt das Befehlswort weiter.

(Hinter der Szene: Halt!--Halt!--Halt!)

Cassius.
Ihr tatet mir zu nah, mein edler Brutus.

Brutus.
Ihr Gtter, richtet!  Tu ich meinen Feinden
Zu nah?  und sollt ich's meinem Bruder tun?

Cassius.
Brutus, dies Euer wrdiges Benehmen
Deckt Unrecht zu, und wenn Ihr es begeht--

Brutus.
Seid ruhig, Cassius!  bringet leise vor,
Was fr Beschwerd Ihr habt.--Ich kenn Euch wohl.
Im Angesicht der beiden Heere hier,
Die nichts von uns als Liebe sehen sollten,
Lat uns nicht hadern.  Heit hinweg sie ziehn;
Fhrt Eure Klagen dann in meinem Zelt;
Ich will Gehr Euch geben.

Cassius.
Pindarus,
Heit unsre Obersten ein wenig weiter
Von diesem Platz hinweg die Scharen fhren.

Brutus.
Tut Ihr das auch, Lucilius.  Lat niemand,
Solang die Unterredung dauert, ein.
Lat Lucius und Titinius Wache stehn.  (Alle ab.)



Dritte Szene
Im Zelte des Brutus

Lucius und Titinius in einiger Entfernung davon.  Brutus und Cassius
treten auf

Cassius.
Eur Unrecht gegen mich erhellet hieraus:
Ihr habt den Lucius Pella hart verdammt,
Weil er bestochen worden von den Sardern;
Mein Brief, worin ich mich fr ihn verwandt,
Weil ich ihn kenne, ward fr nichts geachtet.

Brutus.
Ihr tatet Euch zu nah, in solchem Fall zu schreiben.

Cassius.
In solcher Zeit, wie diese, ziemt es nicht,
Da jeder kleine Fehl bekrittelt werde.

Brutus.
Lat mich Euch sagen, Cassius, da Ihr selbst
Verschrien seid, weil Ihr hohle Hnde macht,
Weil Ihr an Unverdiente Eure mter
Verkauft und feilschet.

Cassius.
Mach ich hohle Hnde?
Ihr wit wohl, Ihr seid Brutus, der dies sagt,
Sonst, bei den Gttern!  wr dies Wort Eur letztes.

Brutus.
Des Cassius Name adelt die Bestechung,
Darum verbirgt die Zchtigung ihr Haupt.

Cassius.
Die Zchtigung!

Brutus.
Denkt an den Mrz, denkt an des Mrzen Idus!
Hat um das Recht der groe Julius nicht
Geblutet?  Welcher Bube legt' an ihn
Die Hand wohl, schwang den Stahl, und nicht ums Recht?
Wie?  Soll nun einer derer, die den ersten
Von allen Mnnern dieser Welt erschlugen,
Blo, weil er Ruber schtzte: sollen wir
Mit schnden Gaben unsre Hand besudeln?
Und unser Wrden weiten Kreis verkaufen
Fr soviel Plunders, als man etwa greift?
Ein Hund sein lieber und den Mond anbellen,
Als solch ein Rmer!

Cassius.
Brutus, reizt mich nicht!
Ich will's nicht dulden.  Ihr verget Euch selbst,
Wenn Ihr mich so umzunt; ich bin ein Krieger,
Erfahrner, lter, fhiger als Ihr,
Bedingungen zu machen.

Brutus.
Redet nur,--
Ihr seid es doch nicht, Cassius.

Cassius.
Ich bin's.

Brutus.
Ich sag, Ihr seid es nicht.

Cassius.
Drngt mich nicht mehr, ich werde mich vergessen;
Gedenkt an Euer Heil, reizt mich nicht lnger.

Brutus.
Geht, leichtgesinnter Mann!

Cassius.
Ist's mglich?

Brutus.
Hrt mich an, denn ich will reden.
Mu ich mich Eurer jhen Hitze fgen?
Mu ich erschrecken, wenn ein Toller starrt?

Cassius.
Ihr Gtter!  Gtter!  mu ich all dies dulden?

Brutus.
All dies?  Noch mehr!  Ergrimmt, bis es Euch birst,
Das stolze Herz.  Geht, zeiget Euren Sklaven,
Wie rasch zum Zorn Ihr seid, und macht sie zittern.
Mu ich beiseit mich drcken?  mu den Hof
Euch machen?  Mu ich dastehn und mich krmmen
Vor Eurer krausen Laune?  Bei den Gttern!
Ihr sollt hinunterwrgen Euren Gift,
Und wenn Ihr brstet; denn von heute an
Dient Ihr zum Scherz, ja zum Gelchter mir,
Wenn Ihr Euch so gebrdet.

Cassius.
Dahin kam's?

Brutus.
Ihr sagt, da Ihr ein berer Krieger seid:
Beweist es denn, macht Euer Prahlen wahr.
Es soll mir lieb sein; denn, was mich betrifft,
Ich werde gern von edlen Mnnern lernen.

Cassius.
Ihr tut zu nah, durchaus zu nah mir, Brutus.
Ich sagt, ein ltrer Krieger, nicht ein berer.
Sagt ich, ein berer?

Brutus.
Und httet Ihr's gesagt, mir gilt es gleich.

Cassius.
Mir htte Csar das nicht bieten drfen.

Brutus.
O schweigt!  Ihr durftet ihn auch nicht so reizen.

Cassius.
Ich durfte nicht?

Brutus.
Nein.

Cassius.
Wie?  Durft ihn nicht reizen?

Brutus.
Ihr durftet es fr Euer Leben nicht.

Cassius.
Wagt nicht zuviel auf meine Liebe hin,
Ich mchte tun, was mich nachher gereute.

Brutus.
Ihr habt getan, was Euch gereuen sollte.
Eur Drohn hat keine Schrecken, Cassius;
Denn ich bin so bewehrt durch Redlichkeit,
Da es vorbeizieht wie der leere Wind,
Der nichts mir gilt.  Ich sandte hin zu Euch
Um eine Summe Golds, die Ihr mir abschlugt.
Ich kann kein Geld durch schnde Mittel heben.
Beim Himmel!  lieber prgt ich ja mein Herz
Und trpfelte mein Blut fr Drachmen aus
Als da ich aus der Bauern harten Hnden
Die jmmerliche Habe winden sollte
Durch irgendeinen Schlich.--Ich sandt um Gold zu Euch,
Um meine Legionen zu bezahlen;
Ihr schlugt mir's ab: war das, wie Cassius sollte?
Htt ich dem Cajus Cassius so erwidert?
Wenn Marcus Brutus je so geizig wird,
Da er so lumpge Pfennige den Freunden
Verschliet, dann rstet eure Donnerkeile,
Zerschmettert ihn, ihr Gtter!

Cassius.
Ich schlug es Euch nicht ab.

Brutus.
Ihr tatet es.

Cassius.
Ich tat's nicht; der Euch meine Antwort brachte,
War nur ein Tor.--Brutus zerreit mein Herz--
Es sollt ein Freund des Freundes Schwchen tragen,
Brutus macht meine grer, als sie sind.

Brutus.
Das tu ich nicht, bis Ihr damit mich qult.

Cassius.
Ihr liebt mich nicht.

Brutus.
Nicht Eure Fehler lieb ich.

Cassius.
Nie konnt ein Freundesaug dergleichen sehn.

Brutus.
Des Schmeichlers Auge sh sie nicht, erschienen
Sie auch so riesenhaft wie der Olymp.

Cassius.
Komm, Mark Anton, und komm, Octavius, nur!
Nehmt eure Rach allein am Cassius;
Denn Cassius ist des Lebens berdrssig,
Gehat von einem, den er liebt; getrotzt
Von seinem Bruder; wie ein Knecht gescholten.
Man spht nach allen meinen Fehlern, zeichnet
Sie in ein Denkbuch, lernt sie aus dem Kopf,
Wirft sie mir in die Zhne.--Oh, ich knnte
Aus meinen Augen meine Seele weinen!
Da ist mein Dolch, hier meine nackte Brust;
Ein Herz drin, reicher als des Plutus Schacht,
Mehr wert als Gold; wo du ein Rmer bist,
So nimm's heraus.  Ich, der dir Gold versagt,
Ich biete dir mein Herz.  Sto zu, wie einst
Auf Csar!  Denn ich wei, als du am rgsten
Ihn hatest, liebtest du ihn mehr, als je
Du Cassius geliebt.

Brutus.
Steckt Euren Dolch ein!
Seid zornig, wenn Ihr wollt: es steh Euch frei!
Tut, was Ihr wollt, Schmach soll fr Laune gelten.
O Cassius!  einem Lamm seid Ihr gesellt,
Das so nur Zorn hegt wie der Kiesel Feuer,
Der, viel geschlagen, flchtge Funken zeigt
Und gleich drauf wieder kalt ist.

Cassius.
Lebt ich dazu,
Ein Scherz nur und Gelchter meinem Brutus
Zu sein, wenn Gram und bses Blut mich plagt?

Brutus.
Als ich das sprach, hatt ich auch bses Blut.

Cassius.
Gesteht Ihr soviel ein?  Gebt mir die Hand.

Brutus.
Und auch mein Herz.

Cassius.
O Brutus!

Brutus.
Was verlangt Ihr?

Cassius.
Liebt Ihr mich nicht genug, Geduld zu haben,
Wenn jene rasche Laune, von der Mutter
Mir angeerbt, macht, da ich mich vergesse?

Brutus.
Ja, Cassius; knftig, wenn Ihr allzu streng
Mit Eurem Brutus seid, so denket er,
Die Mutter schml aus Euch, und lt Euch gehn.

(Lrm hinter der Szene.)

Ein Poet (hinter der Szene).
Lat mich hinein, ich mu die Feldherrn sehn.
Ein Zank ist zwischen ihnen; 's ist nicht gut,
Da sie allein sind.

Lucilius (hinter der Szene).
Ihr sollt nicht hinein.

Poet (hinter der Szene).
Der Tod nur hlt mich ab.

Der Poet tritt ein.

Cassius.
Ei nun, was gibt's?

Poet.
Schmt ihr euch nicht, ihr Feldherrn?  Was beginnt ihr?
Liebt euch, wie sich's fr solche Mnner schickt;
Frwahr, ich hab mehr Jahr' als ihr erblickt.

Cassius.
Ha, ha!  wie toll der Zyniker nicht reimt!

Brutus.
Ihr Schlingel, packt Euch!  Fort, verwegner Bursch!

Cassius.
Ertragt ihn, Brutus!  seine Weis ist so.

Brutus.
Kennt er die Zeit, so kenn ich seine Laune.
Was soll der Krieg mit solchen Schellennarren?
Geh fort, Gesell!

Cassius.
Fort!  fort!  geh deines Wegs!

(Der Poet ab.)
Lucilius und Titinius kommen.

Brutus.
Lucilius und Titinius, heit die Obersten
Auf Nachtquartier fr ihre Scharen denken.

Cassius.
Kommt selber dann und bringt mit euch Messala
Sogleich zu uns herein.

(Lucilius und Titinius ab.)

Brutus.
Lucius, eine Schale Weins.

Cassius.
Ich dachte nicht, da Ihr so zrnen knntet.

Brutus.
O Cassius, ich bin krank an manchem Gram.

Cassius.
Ihr wendet die Philosophie nicht an,
Die ihr bekennt, gebt Ihr zufllgen beln Raum.

Brutus.
Kein Mensch trgt Leiden besser.--Portia starb.

Cassius.
Ha!  Portia!

Brutus.
Sie ist tot.

Cassius.
Lag das im Sinn Euch, wie entkam ich lebend?
O bittrer, unertrglicher Verlust!
An welcher Krankheit?

Brutus.
Die Trennung nicht erduldend;
Und Gram, da mit Octavius Mark Anton
So mchtig worden--denn mit ihrem Tod
Kam der Bericht--das brachte sie von Sinnen,
Und wie sie sich allein sah, schlang sie Feuer.

Cassius.
Und starb so?

Brutus.
Starb so.

Cassius.
O ihr ewgen Gtter!

Lucius kommt mit Wein und Kerzen.

Brutus.
Sprecht nicht mehr von ihr.--Gebt eine Schale Weins!
Hierin begrab ich allen Unglimpf, Cassius.  (Trinkt.)

Cassius.
Mein Herz ist durstig, Euch Bescheid zu tun.
Fllt, Lucius, bis der Wein den Becher krnzt;
Von Brutus' Liebe trink ich nie zuviel.  (Trinkt.)

Titinius und Messala kommen.

Brutus.
Herein, Titinius!  Seid gegrt, Messala!
Nun lat uns dicht um diese Kerze sitzen
Und, was uns frommt, in berlegung ziehn.

Cassius.
O Portia, bist du hin!

Brutus.
Nicht mehr, ich bitt Euch!
Messala, seht, ich habe Brief' empfangen,
Da Mark Anton, mit ihm Octavius,
Heranziehn gegen uns mit starker Macht
Und ihren Heerzug nach Philippi lenken.

Messala.
Ich habe Briefe von demselben Inhalt.

Brutus.
Mit welchem Zusatz?

Messala.
Da durch Proskription und Achtserklrung
Octavius, Mark Anton und Lepidus
Auf hundert Senatoren umgebracht.

Brutus.
Darber weichen unsre Briefe ab.
Der meine spricht von siebzig Senatoren,
Die durch die chtung fielen; Cicero
Sei einer aus der Zahl.

Cassius.
Auch Cicero?

Messala.
Ja, er ist tot, und durch den Achtsbefehl.--
Kam Euer Brief von Eurer Gattin, Herr?

Brutus.
Nein, Messala.

Messala.
Und meldet Euer Brief von ihr Euch nichts?

Brutus.
Gar nichts, Messala.

Messala.
Das bednkt mich seltsam.

Brutus.
Warum?  Wit Ihr aus Eurem Brief von ihr?

Messala.
Nein, Herr.

Brutus.
Wenn Ihr ein Rmer seid, sagt mir die Wahrheit.

Messala.
Tragt denn die Wahrheit, die ich sag, als Rmer:
Sie starb, und zwar auf wunderbare Weise.

Brutus.
Leb wohl denn, Portia!--Wir mssen sterben,
Messala; dadurch, da ich oft bedacht,
Sie m einst sterben, hab ich die Geduld,
Es jetzt zu tragen.

Messala.
So trgt ein groer Mann ein groes Unglck.

Cassius.
Durch Kunst hab ich soviel hievon als ihr,
Doch die Natur ertrg's in mir nicht so.

Brutus.
Wohlan, zu unserm lebenden Geschft!
Was denkt Ihr?  Ziehn wir nach Philippi gleich?

Cassius.
Mir scheint's nicht ratsam.

Brutus.
Euer Grund?

Cassius.
Hier ist er:
Weit besser ist es, wenn der Feind uns sucht;
So wird er, sich zum Schaden, seine Mittel
Erschpfen, seine Krieger mde machen.
Wir liegen still indes, bewahren uns
In Ruh wehrhaften Stand und Munterkeit.

Brutus.
Den bessern Grnden mssen gute weichen.
Das Land von hier bis nach Philippi hin
Beweist uns nur aus Zwang Ergebenheit,
Denn murrend hat es Lasten uns gezahlt.
Der Feind, indem er durch dasselbe zieht,
Wird seine Zahl daraus ergnzen knnen
Und uns erfrischt, vermehrt, ermutigt nahn.
Von diesem Vorteil schneiden wir ihn ab,
Wenn zu Philippi wir die Stirn ihm bieten,
Dies Volk im Rcken.

Cassius.
Hrt mich, lieber Bruder!

Brutus.
Erlaubt mir gtig!--Ferner mt Ihr merken,
Da wir von Freunden alles aufgeboten,
Da unsre Legionen bervoll
Und unsre Sache reif.  Der Feind nimmt tglich zu;
Wir, auf dem Gipfel, stehn schon an der Neige.
Der Strom der menschlichen Geschfte wechselt;
Nimmt man die Flut wahr, fhret sie zum Glck;
Versumt man sie, so mu die ganze Reise
Des Lebens sich durch Not und Klippen winden.
Wir sind nun flott auf solcher hohen See
Und mssen, wenn der Strom uns hebt, ihn nutzen;
Wo nicht, geht unser schwimmend Gut verloren.

Cassius.
So zieht denn, wie Ihr wollt; wir rcken selbst
Dem Feind entgegen nach Philippi vor.

Brutus.
Die tiefe Nacht hat das Gesprch beschlichen,
Und die Natur mu frnen dem Bedrfnis,
Das mit ein wenig Ruh wir tuschen wollen.
Ist mehr zu sagen noch?

Cassius.
Nein.  Gute Nacht!
Frh stehn wir also morgen auf, und fort.

Brutus.
Lucius, mein Schlafgewand!  (Lucius ab.)  Lebt wohl, Messala!
Gute Nacht, Titinius!  Edler, edler Cassius,
Gute Nacht und sanfte Ruh!

Cassius.
O teurer Bruder,
Das war ein schlimmer Anfang dieser Nacht.
Nie trenne solcher Zwiespalt unsre Herzen,
Nie wieder, Brutus.

Brutus.
Alles steht ja wohl.

Cassius.
Nun, gute Nacht!

Brutus.
Gute Nacht, mein guter Bruder!

Titinius und Messala.
Mein Feldherr, gute Nacht!

Brutus.
Lebt alle wohl.

(Cassius, Titinius und Messala ab.)
Lucius kommt zurck mit dem Nachtkleide.

Brutus.
Gib das Gewand, wo hast du deine Laute?

Lucius.
Im Zelte hier.

Brutus.
Wie?  Schlfrig?  Armer Schelm,
Ich tadle drum dich nicht; du hast dich berwacht.
Ruf Claudius her und andre meiner Leute,
Sie sollen hier im Zelt auf Kissen schlafen.

Lucius.
Varro und Claudius!

Varro und Claudius kommen.

Varro.
Ruft mein Gebieter?

Brutus.
Ich bitt euch, liegt in meinem Zelt und schlaft;
Bald weck ich euch vielleicht, um irgendwas
Bei meinem Bruder Cassius zu bestellen.

Varro.
Wenn's Euch beliebt, wir wollen stehn und warten.

Brutus.
Das nicht!  Nein, legt euch nieder, meine Freunde.--
    (Die beiden Diener legen sich nieder.)
Vielleicht verndert noch sich mein Entschlu.--
Sieh, Lucius, hier das Buch, das ich so suchte;
Ich steckt es in die Tasche des Gewandes.

Lucius.
Ich wute wohl, da mein Gebieter mir
Es nicht gegeben.

Brutus.
Hab Geduld mit mir,
Mein guter Junge, ich bin sehr vergelich.
Hltst du noch wohl die mden Augen auf
Und spielst mir ein paar Weisen auf der Laute?

Lucius.
Ja, Herr, wenn's Euch beliebt.

Brutus.
Das tut's, mein Junge.
Ich plage dich zuviel, doch du bist willig.

Lucius.
Es ist ja meine Pflicht.

Brutus.
Ich sollte dich
Zur Pflicht nicht ber dein Vermgen treiben;
Ich wei, da junges Blut auf Schlafen hlt.

Lucius.
Ich habe schon geschlafen, mein Gebieter.

Brutus.
Du tatest recht und sollst auch wieder schlafen.
Ich will nicht lang dich halten; wenn ich lebe,
Will ich dir Gutes tun.
    (Musik und ein Lied.)
Die Weis ist schlfrig--Mrderischer Schlummer,
Legst du die blei'rne Keul auf meinen Knaben,
Der dir Musik macht?--Lieber Schelm, schlaf wohl,
Ich tu dir's nicht zuleid, da ich dich wecke;
Nickst du, so brichst du deine Laut entzwei;
Ich nehm sie weg, und schlaf nun, guter Knabe.
Lat sehn!  Ist, wo ich aufgehrt zu lesen,
Das Blatt nicht eingelegt?  Hier, denk ich, ist's.  (Er setzt sich.)
    Der Geist Csars erscheint.
Wie dunkel brennt die Kerze!--Ha, wer kommt?
Ich glaub, es ist die Schwche meiner Augen,
Die diese schreckliche Erscheinung schafft.
Sie kommt mir nher--Bist du irgendwas?
Bist du ein Gott, ein Engel oder Teufel,
Der starren macht mein Blut, das Haar mir strubt?
Gib Rede, was du bist.

Geist.
Dein bser Engel, Brutus.

Brutus.
Weswegen kommst du?

Geist.
Um dir zu sagen, da du zu Philippi
Mich sehn sollst.

Brutus.
Gut, ich soll dich wiedersehn?

Geist.
Ja, zu Philippi.  (Verschwindet.)

Brutus.
Nun, zu Philippi will ich denn dich sehn.
Nun ich ein Herz gefat, verschwindest du;
Gern sprch ich mehr mit dir noch, bser Geist.--
Bursch!  Lucius!--Varro!  Claudius!  wacht auf!
Claudius!

Lucius.
Die Saiten sind verstimmt.

Brutus.
Er glaubt, er sei bei seiner Laute noch.
Erwache, Lucius!

Lucius.
Herr?

Brutus.
Hast du getrumt, da du so schrieest, Lucius?

Lucius.
Ich wei nicht, mein Gebieter, da ich schrie.

Brutus.
Ja doch, was tatst du; sahst du irgendwas?

Lucius.
Nichts auf der Welt.

Brutus.
Schlaf wieder, Lucius.--Heda, Claudius!
Du, Bursch, wach auf!

Varro.
Herr?

Claudius.
Herr?

Brutus.
Weswegen schriet ihr so in eurem Schlaf?

Varro und Claudius.
Wir schrieen, Herr?

Brutus.
Ja, saht ihr irgendwas?

Varro.
Ich habe nichts gesehn.

Claudius.
Ich gleichfalls nicht.

Brutus.
Geht und empfehlt mich meinem Bruder Cassius;
Er lasse frh voraufziehn seine Macht,
Wir wollen folgen.

Varro und Claudius.
Herr, es soll geschehn.

(Alle ab.)




Fnfter Aufzug



Erste Szene
Die Ebene von Philippi

Octavius, Antonius und ihr Heer

Octavius.
Nun, Mark Anton, wird meine Hoffnung wahr.
Ihr spracht, der Feind werd auf den Hhn sich halten
Und nicht herab in unsre Ebene ziehn;
Es zeigt sich anders: seine Scharen nahn!
Sie wollen zu Philippi hier uns mahnen
Und Antwort geben, eh wir sie befragt.

Antonius.
Pah, steck ich doch in ihren Herzen, wei,
Warum sie's tun.  Sie wren's wohl zufrieden,
Nach andern Pltzen hinzuziehn, und kommen
Mit bangem Trotz, im Wahn, durch diesen Aufzug
Uns vorzuspiegeln, sie besitzen Mut.
Allein dem ist nicht so.

Ein Bote tritt auf.

Bote.
Bereitet euch, ihr Feldherrn.
Der Feind rckt an in wohlgeschlonen Reihn.
Sein blutges Schlachtpanier ist ausgehngt,
Und etwas mu im Augenblick geschehn.

Antonius.
Octavius, fhret langsam Euer Heer
Zur linken Hand der Ebene weiter vor.

Octavius.
Zur rechten ich; behaupte du die linke.

Antonius.
Was kreuzt Ihr mich, da die Entscheidung drngt?

Octavius.
Ich kreuz Euch nicht, doch ich verlang es so.

(Marsch.)
Trommeln werden gerhrt.  Brutus und Cassius kommen mit ihrem Heere;
Lucilius, Titinius, Messala und andre.

Brutus.
Sie halten still und wollen ein Gesprch.

Cassius.
Titinius, steh!  Wir treten vor und reden.

Octavius.
Antonius, geben wir zur Schlacht das Zeichen?

Antonius.
Nein, Csar, lat uns ihres Angriffs warten.
Kommt, tretet vor!  Die Feldherrn wnschen ja
Ein Wort mit uns.

Octavius.
Bleibt stehn bis zum Signal.

Brutus.
Erst Wort, dann Schlag: nicht wahr, ihr Landsgenossen?

Octavius.
Nicht, da wir mehr als ihr nach Worten fragen.

Brutus.
Gut Wort, Octavius, gilt wohl bsen Streich.

Antonius.
Ihr, Brutus, gebt bei bsem Streich gut Wort.
Des zeuget Csars Herz, durchbohrt von Euch,
Indes Ihr rieft: "Lang lebe Csar, Heil!"

Cassius.
Die Fhrung Eurer Streiche, Mark Anton,
Ist uns noch unbekannt; doch Eure Worte
Begehn an Hyblas Bienen Raub und lassen
Sie ohne Honig.

Antonius.
Nicht auch stachellos?

Brutus.
O ja!  auch tonlos, denn Ihr habt ihr Summen
Gestohlen, Mark Anton, und drohet weislich,
Bevor Ihr stecht.

Antonius.
Ihr tatet's nicht, Verrter,
Als eure schnden Dolch' einander stachen
In Csars Brust.  Ihr zeigtet eure Zhne
Wie Affen, krocht wie Hunde, bcktet tief
Wie Sklaven euch und ktet Csars Fe;
Derweil von hinten der verfluchte Casca
Mit tckschem Bisse Csars Nacken traf.
O Schmeichler!

Cassius.
Schmeichler!--Dankt Euch selbst nun, Brutus,
Denn diese Zunge wrde heut nicht freveln,
Wr Cassius' Rat befolgt.

Octavius.
Zur Sache!  kommt!  Macht Widerspruch uns schwitzen,
So kostet rtre Tropfen der Erweis.
Seht!  auf Verschworne zck ich dieses Schwert:
Wann, denkt ihr, geht es wieder in die Scheide?
Nie, bis des Csar dreiundzwanzig Wunden
Gercht sind, oder bis ein andrer Csar
Mit Mord gesttigt der Verrter Schwert.

Brutus.
Csar, du kannst nicht durch Verrter sterben,
Du bringest denn sie mit.

Octavius.
Das hoff ich auch;
Von Brutus' Schwert war Tod mir nicht bestimmt.

Brutus.
O wrst du deines Stammes Edelster,
Du knntest, junger Mann, nicht schner sterben.

Cassius.
Ein launisch Bbchen, unwert solchen Ruhms,
Gesellt zu einem Wstling und 'nem Trinker.

Antonius.
Der alte Cassius!

Octavius.
Kommt, Antonius!  fort!
Trotz in die Zhne schleudr' ich euch, Vertter!
Wagt ihr zu fechten heut, so kommt ins Feld,
Wo nicht, wenn's euch gemutet.

(Octavius und Antonius mit ihrem Heere ab.)

Cassius.
Nun tobe, Wind!  schwill, Woge!  schwimme, Nachen!
Der Sturm ist wach und alles auf dem Spiel.

Brutus.
Lucilius, hrt!  ich mu ein Wort Euch sagen.

Lucilius.  Herr?

(Brutus und Lucilius reden beiseite miteinander.)

Cassius.
Messala!

Messala.
Was befiehlt mein Feldherr?

Cassius.
Messala, dies ist mein Geburtstag; grade
An diesem Tag kam Cassius auf die Welt.
Gib mir die Hand, Messala, sei mein Zeuge,
Da ich gezwungen, wie Pompejus einst,
An eine Schlacht all unsre Freiheit wage.
Du weit, ich hielt am Epicurus fest
Und seiner Lehr; nun ndr' ich meinen Sinn
Und glaub an Dinge, die das Knftge deuten.
Auf unserm Zug von Sardes strzten sich
Zwei groe Adler auf das vordre Banner;
Da saen sie und fraen gierig schlingend
Aus unsrer Krieger Hand; sie gaben uns
Hieher bis nach Philippi das Geleit;
Heut morgen sind sie auf und fortgeflohn.
Statt ihrer fliegen Raben, Geier, Krhn
Uns berm Haupt und schaun herab auf uns
Als einen siechen Raub; ihr Schatten scheint
Ein Trauerhimmel, unter dem das Heer,
Bereit, den Atem auszuhauchen, liegt.

Messala.
Nein, glaubt das nicht.

Cassius.
Ich glaub es auch nur halb,
Denn ich bin frischen Mutes und entschlossen,
Zu trotzen standhaft jeglicher Gefahr.

Brutus.
Tu das, Lucilius.

Cassius.
Nun, mein edler Brutus,
Sein uns die Gtter heute hold, auf da wir
Gesellt in Frieden unserm Alter nahn!
Doch weil das Los der Menschen niemals sicher,
Lat uns bedacht sein auf den schlimmsten Fall.
Verlieren wir dies Treffen, so ist dies
Das allerletzte Mal, da wir uns sprechen:
Was habt Ihr dann Euch vorgesetzt zu tun?

Brutus.
Ganz nach der Vorschrift der Philosophie,
Wonach ich Cato um den Tod getadelt,
Den er sich gab (ich wei nicht, wie es kommt,
Allein ich find es feig und niedertrchtig,
Aus Furcht, was kommen mag, des Lebens Zeit
So zu verkrzen), will ich mit Geduld
Mich waffnen und den Willen hoher Mchte
Erwarten, die das Irdische regieren.

Cassius.
Dann, geht die Schlacht verloren, lat Ihr's Euch
Gefallen, da man durch die Straen Roms
Euch im Triumphe fhrt?

Brutus.
Nein, Cassius, nein!  Glaub mir, du edler Rmer,
Brutus wird nie gebunden gehn nach Rom;
Er trgt zu hohen Sinn.  Doch dieser Tag
Mu enden, was des Mrzen Idus anfing;
Ob wir uns wieder treffen, wei ich nicht:
Drum lat ein ewig Lebewohl uns nehmen.
Gehab dich wohl, mein Cassius, fr und fr!
Sehn wir uns wieder, nun, so lcheln wir;
Wo nicht, so war dies Scheiden wohlgetan.

Cassius.
Gehab dich wohl, mein Brutus, fr und fr!
Sehn wir uns wieder, lcheln wir gewi;
Wo nicht, ist wahrlich wohlgetan dies Scheiden.

Brutus.
Nun wohl, rckt vor!  O wte jemand doch
Das Ende dieses Tagwerks, eh es kommt!
Allein es gnget, enden wird der Tag,
Dann wissen wir sein Ende.--Kommt und fort!

(Alle ab.)



Zweite Szene
Das Schlachtfeld

Getmmel.  Brutus und Messala kommen

Brutus.
Reit, reit, Messala, reit!  Bring diese Zettel
Den Legionen auf der andern Seite.  (Lautes Getmmel.)
La sie auf einmal strmen, denn ich merke,
Octavius' Flgel hlt nur schwachen Stand;
Ein schneller Anfall wirft ihn bern Haufen.
Reit!  reit, Messala!  La herab sie kommen!

(Beide ab.)



Dritte Szene
Ein andrer Teil des Schlachtfeldes

Getmmel.  Cassius und Titinius kommen

Cassius.
O sieh, Titinius!  sieh!  die Schurken fliehn.
Ich selbst ward meiner eignen Leute Feind:
Dies unser Banner wandte sich zur Flucht;
Ich schlug den Feigen und entri es ihm.

Titinius.
O Cassius!  Brutus gab das Wort zu frh.
Im Vorteil gegen den Octavius, setzt' er
Zu hitzig nach; sein Heer fing an zu plndern,
Indes uns alle Mark Anton umzingelt.

Pindarus kommt.

Pindarus.
Herr, flieht doch weiter!  flieht doch weiter weg!
Antonius ist in Euren Zelten, Herr;
Drum, edler Cassius, flieht!  Flieht weit hinweg!

Cassius.
Der Hgel hier ist weit genug.  Schau, schau,
Titinius!  Sind das meine Zelte nicht,
Wo ich das Feuer sehe?

Titinius.
Ja, mein Feldherr.

Cassius.
Wenn du mich hebst, Titinius, so besteig
Mein Pferd, setz ihm die Sporen in die Seite,
Bis es zu jener Mannschaft dich gebracht
Und wieder her, damit ich sicher wisse,
Ob jene Mannschaft Freund ist oder Feind.

Titinius.
Wie ein Gedanke bin ich wieder hier.  (Ab.)

Cassius.
Geh, Pindarus, steig hher auf den Hgel,
Denn mein Gesicht ist kurz; acht auf Titinius
Und sag mir, was du auf dem Feld entdeckst.
    (Pindarus ab.)
An diesem Tage atmet ich zuerst;
Die Zeit ist um, und enden soll ich da,
Wo ich begann; mein Leben hat den Kreislauf
Vollbracht.--Du dort, was gibt's?

Pindarus (oben).
O Herr!

Cassius.
Was gibt's?

Pindarus.
Titinius ist von Reitern ganz umringt;
Sie jagen auf ihn zu, doch spornt er weiter.
Nun sind sie dicht schon bei ihm--nun Titinius!
Sie steigen ab--er auch--er ist gefangen;
Und horcht!  sie jubeln laut.  (Freudengeschrei.)

Cassius.
Steig nur herunter, sieh nicht weiter zu.
O Memme, die ich bin, so lang zu leben,
Bis ich den besten Freund vor meinen Augen
Gefangen sehen mu!
    Pindarus kommt zurck.
Komm, Bursch, hieher!
Ich macht in Parthia dich zum Gefangnen
Und lie dich schwren, deines Lebens schonend,
Was ich nur immer tun dich hie', du wollest
Es unternehmen.  Komm nun, halt den Schwur!
Sei frei nun, und mit diesem guten Schwert,
Das Csars Leib durchbohrt, triff diesen Busen.
Erwidre nichts!  Hier fasse du das Heft,
Und ist mein Angesicht verhllt, wie jetzt,
So fhr das Schwert.--Csar, du bist gercht
Und mit demselben Schwert, das dich gettet.  (Er stirbt.)

Pindarus.
So bin ich frei, doch wr ich's lieber nicht,
Htt es auf mir beruht.--O Cassius!
Weit weg flieht Pindarus von diesem Lande,
Dahin, wo nie ein Rmer ihn bemerkt.  (Ab.)

Titinius und Messala kommen.

Messala.
Es ist nur Tausch, Titinius; denn Octav
Ward von des edlen Brutus Macht geschlagen,
Wie Cassius' Legionen von Antonius.

Titinius.
Die Zeitung wird den Cassius sehr erquicken.

Messala.
Wo liet Ihr ihn?

Titinius.
Ganz trostlos, neben ihm
Sein Sklave Pindarus, auf diesem Hgel.

Messala.
Ist er das nicht, der auf dem Boden liegt?

Titinius.
Er liegt nicht da wie lebend.--O mein Herz!

Messala.
Nicht wahr, er ist es?

Titinius.
Nein, er war's, Messala:
Doch Cassius ist nicht mehr.--O Abendsonne!
Wie du in deinen roten Strahlen sinkst,
So ging in Blut der Tag des Cassius unter.
Die Sonne Roms ging unter; unser Tag
Ist hingeflohn; nun kommen Wolken, Tau,
Gefahren; unsre Taten sind getan.
Mitraun in mein Gelingen bracht ihn um.

Messala.
Mitraun in guten Ausgang bracht ihn um.
O hassenswerter Wahn!  der Schwermut Kind!
Was zeigst du doch dem regen Witz der Menschen
Das, was nicht ist!  O Wahn, so bald empfangen,
Zu glcklicher Geburt gelangst du nie
Und bringst die Mutter um, die dich erzeugt.

Titinius.
Auf, Pindarus!  Wo bist du, Pindarus?

Messala.
Such ihn, Titinius; ich indessen will
Zum edlen Brutus und sein Ohr durchbohren
Mit dem Bericht.  Wohl nenn ich es durchbohren;
Denn scharfer Stahl und giftge Pfeile wrden
Dem Ohr des Brutus so willkommen sein,
Als Meldung dieses Anblicks.

Titinius.
Eilt, Messala!
Ich suche Pindarus indessen auf.  (Messala ab.)
Warum mich ausgesandt, mein wackrer Cassius?
Traf ich nicht deine Freunde?  Setzten sie
Nicht diesen Siegeskranz auf meine Stirn,
Ihn dir zu bringen?  Vernahmst du nicht ihr Jubeln?
Ach, jeden Umstand hast du migedeutet!
Doch halt, nimm diesen Kranz um deine Stirn;
Dein Brutus hie mich dir ihn geben; ich
Vollfhre sein Gebot.--Komm schleunig, Brutus,
Und sieh, wie ich den Cajus Cassius ehrte!
Verzeiht, ihr Gtter!--Dies ist Rmerbrauch:
Komm, Cassius' Schwert!  triff den Titinius auch.  (Er stirbt.)

Getmmel.  Messala kommt zurck mit Brutus, dem jungen Cato, Strato,
Volumnius und Lucilius.

Brutus.
Wo?  Wo, Messala?  sag, wo liegt die Leiche?

Messala.
Seht, dort!  Titinius trauert neben ihr.

Brutus.
Titinius' Antlitz ist emporgewandt.

Cato.
Er ist erschlagen.

Brutus.
O Julius Csar!  Du bist mchtig noch;
Dein Geist geht um, er ist's, der unsre Schwerter
In unser eignes Eingeweide kehrt.

(Lautes Getmmel.)

Cato.
Mein wackrer Freund Titinius!  Seht doch her,
Wie er den toten Cassius gekrnzt!

Brutus.
Und leben noch zwei Rmer, diesen gleich?
Du letzter aller Rmer, lebe wohl!
Unmglich ist's, da Rom je deinesgleichen
Erzeugen sollte.--Diesem Toten, Freunde,
Bin ich mehr Trnen schuldig, als ihr hier
Mich werdet zahlen sehen; aber, Cassius,
Ich finde Zeit dazu, ich finde Zeit.
Drum kommt, und schickt nach Thassos seine Leiche,
Er soll im Lager nicht bestattet werden;
Es schlg uns nieder.--Komm, Lucilius!
Komm, junger Cato!  Zu der Walstatt hin!
Ihr, Flavius und Labeo, lat unsre Scharen rcken!
Es ist drei Uhr, und, Rmer, noch vor Nacht
Versuchen wir das Glck in einer zweiten Schlacht.

(Alle ab.)



Vierte Szene
Ein andrer Teil des Schlachtfeldes

Getmmel.  Soldaten von beiden Heeren, fechtend; darauf Brutus, Cato,
Lucilius und andre

Brutus.
Noch, Brger, o noch haltet hoch die Hupter!

Cato.
Ein Bastard, der's nicht tut!  Wer will mir folgen?
Ich rufe meinen Namen durch das Feld:
Ich bin der Sohn des Marcus Cato, hrt!
Feind der Tyrannen, Freund des Vaterlands!
Ich bin der Sohn des Marcus Cato, hrt!

Brutus (dringt auf den Feind ein).
Und ich bin Brutus, Marcus Brutus, ich;
Des Vaterlandes Freund: kennt mich als Brutus!

(Ab, indem er auf den Feind eindringt.  Cato wird berwltigt und
fllt.)

Lucilius.
O junger, edler Cato!  bist du hin?
Ja!  tapfer wie Titinius stirbst du nun,
Man darf dich ehren als des Cato Sohn.

Erster Soldat.
Ergib dich, oder stirb!

Lucilius.  Nur um zu sterben
Ergeb ich mich.  Hier ist soviel fr dich (Bietet ihm Geld an),
Da du sogleich mich tten wirst; nun tte
Den Brutus, und es ehre dich sein Tod.

Erster Soldat.
Wir drfen's nicht.--Ein edler Gefangner.

Zweiter Soldat.
Platz da!
Sagt dem Antonius, da wir Brutus haben.

Erster Soldat.
Ich will es melden.--Sieh, da kommt der Feldherr.
    Antonius tritt auf.
Wir haben Brutus, Herr!  wir haben Brutus!

Antonius.
Wo ist er?

Lucilius.
In Sicherheit; Brutus ist sicher gnug.
Verla dich drauf, da nimmermehr ein Feind
Den edlen Brutus lebend fangen wird.
Die Gtter schtzen ihn vor solcher Schmach!
Wo ihr ihn findet, lebend oder tot,
Er wird wie Brutus, wie er selbst, sich zeigen.

Antonius.
Dies ist nicht Brutus, Freund, doch auf mein Wort,
Ein nicht geringrer Fang.  Verwahrt ihn wohl,
Erweist nur Gutes ihm; ich habe lieber
Zu Freunden solche Mnner als zu Feinden.
Eilt!  seht, ob Brutus tot ist oder lebt!
Und bringt Bericht zu des Octavius Zelt,
Wie alles sich begeben.

(Alle ab.)



Fnfte Szene
Ein andrer Teil des Schlachtfeldes

Brutus, Dardanius, Clitus, Strato und Volumnius treten auf

Brutus.
Kommt, armer berrest von Freunden!  ruht
An diesem Felsen.

Clitus.
Herr, Statilius zeigte
Das Fackellicht, doch kommt er nicht zurck;
Er ist gefangen oder gar erschlagen.

Brutus.
Setz dich zu mir.  Erschlagen ist die Losung,
Es ist des Tages Sitte.--Hre, Clitus!  (Spricht leise mit ihm.)

Clitus.
Wie, gndger Herr?  Ich?  Nicht um alle Welt.

Brutus.
Still denn!  kein Wort!

Clitus.
Eh ttet ich mich selbst.

Brutus.
Dardanius, hr!  (Spricht leise mit ihm.)

Dardanius.
Ich eine solche Tat?

Clitus.
O Dardanius!

Dardanius.
O Clitus!

Clitus.
Welch einen schlimmen Antrag tat dir Brutus?

Dardanius.
Ich sollt ihn tten, Clitus; sieh, er sinnt.

Clitus.
Nun ist das herrliche Gef voll Gram,
So da es durch die Augen berfliet.

Brutus.
Komm zu mir, Freund Volumnius: ein Wort!

Volumnius.
Was sagt mein Feldherr?

Brutus.
Dies, Volumnius:
Der Geist des Csar ist zu zweien Malen
Mir in der Nacht erschienen; erst zu Sardes,
Und vorge Nacht hier in Philippis Ebne.
Ich wei, da meine Stunde kommen ist.

Volumnius.
Nicht doch, mein Feldherr.

Brutus.
O ja, es ist gewi, Volumnius.
Du siehst, Volumnius, wie es um uns steht;
Der Feind hat uns zum Abgrund hingetrieben.  (Getmmel.)
Es ziemt sich mehr, von selbst hineinzuspringen,
Als zu erwarten seinen letzten Sto.
Volumnius, wir gingen in die Schule
Zusammen, wie du weit.  Ich bitte dich
Um jener unsrer alten Liebe willen:
Halt du mein Schwert, indes ich drein mich strze.

Volumnius.
Das, Brutus, ist kein Dienst fr einen Freund.

(Fortdauerndes Getmmel.)

Clitus.
Flieht, Herr, o flieht!  Hier gilt kein Sumen mehr.

Brutus.
Lebt wohl denn, Ihr--und Ihr--und Ihr, Volumnius.
Du, Strato, lagst die ganze Zeit im Schlaf:
Leb wohl auch du!--Mitbrger, meinem Herzen
Ist's Wonne, da ich noch im ganzen Leben
Nicht einen fand, der nicht getreu mir war.
Ich habe Ruhm von diesem Unglckstage,
Mehr, als Octavius und Mark Anton
Durch diesen schnden Sieg erlangen werden.
So lebt zusammen wohl!  Denn Brutus' Zunge
Schliet die Geschichte seines Lebens bald.
Nacht deckt mein Auge, mein Gebein will Ruh,
Es strebte lngst nur dieser Stunde nach.

(Getmmel.  Geschrei hinter der Szene.--"Flieht!  flieht!  flieht!")

Clitus.
Flieht, Herr!  o flieht!

Brutus.
Nur fort!  Ich will euch folgen.
    (Clitus, Dardanius und Volumnius ab.)
Ich bitt dich, Strato, bleib bei deinem Herrn.
Du bist ein Mensch von redlichem Gemt,
In deinem Leben war ein Funken Ehre.
Halt denn mein Schwert, und wende dich hinweg,
Indes ich drein mich strze.  Willst du, Strato?

Strato.
Gebt erst die Hand mir.  Herr, gehabt Euch wohl!

Brutus.
Leb wohl, mein Freund!--Besnftge, Csar, dich!
Nicht halb so gern bracht ich dich um als mich.

(Er strzt sich auf sein Schwert und stirbt.)
Getmmel.  Rckzug.  Octavius und Antonius mit ihrem Heere, Messala
und Lucilius kommen.

Octavius.
Wer ist der Mann?

Messala.
Der Diener meines Herrn.
Strato, wo ist dein Herr?

Strato.
Frei von den Banden, die Ihr tragt, Messala.
Die Sieger knnen nur zu Asch ihn brennen;
Denn Brutus unterlag allein sich selbst,
Und niemand sonst hat Ruhm von seinem Tode.

Lucilius.
So muten wir ihn finden.--Dank dir, Brutus,
Da du Lucilius' Rede wahr gemacht.

Octavius.
Des Brutus Leute nehm ich all in Dienst.
Willst du in Zukunft bei mir leben, Bursch?

Strato.
Ja, wenn Messala mich Euch berlt.

Octavius.
Tut mir's zulieb, Messala.

Messala.
Strato, wie starb mein Herr?

Strato.
Ich hielt das Schwert, so strzt' er sich hinein.

Messala.
Octavius, nimm ihn denn, da er dir folge,
Der meinem Herrn den letzten Dienst erwies.

Antonius.
Dies war der beste Rmer unter allen:
Denn jeder der Verschwornen, bis auf ihn,
Tat, was er tat, aus Migunst gegen Csar.
Nur er verband aus reinem Biedersinn
Und zum gemeinen Wohl sich mit den andern.
Sanft war sein Leben, und so mischten sich
Die Element' in ihm, da die Natur
Aufstehen durfte und der Welt verknden:
Dies war ein Mann!

Octavius.
Nach seiner Tugend lat uns ihm begegnen
Mit aller Achtung und Bestattungsfeier.
Er lieg in meinem Zelte diese Nacht,
Mit Ehren wie ein Krieger angetan.
Nun ruft das Heer zur Ruh; lat fort uns eilen
Und dieses frohen Tags Trophen teilen.  (Ab.)


Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Julius Csar, von William
Shakespeare (bersetzt von August Wilhelm von Schlegel).










End of the Project Gutenberg EBook of Julius Caesar, by William Shakespeare

*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK JULIUS CAESAR ***

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both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark.  Contact the
Foundation as set forth in Section 3 below.

1.F.

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effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
collection.  Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
works, and the medium on which they may be stored, may contain
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property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
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warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
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law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
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with this agreement, and any volunteers associated with the production,
promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
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that arise directly or indirectly from any of the following which you do
or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation web page at https://www.pglaf.org.


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Its 501(c)(3) letter is posted at
https://pglaf.org/fundraising.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at
809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
business@pglaf.org.  Email contact links and up to date contact
information can be found at the Foundation's web site and official
page at https://pglaf.org

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org


Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit https://pglaf.org

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including including checks, online payments and credit card
donations.  To donate, please visit: https://pglaf.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For thirty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.


Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.


Most people start at our Web site which has the main PG search facility:

     https://www.gutenberg.org

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
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